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BWL · Probeklausur · Aufgabe 19

Viele Anbieter, und trotzdem Spielraum beim Preis

Gesucht ist eine Beschreibung der monopolistischen Konkurrenz, ihre Preis-Absatz-Funktion und ihr zweiter Name. Bei dieser Marktform gibt es sehr viele Anbieter, aber jeder hat Stammkunden. Deshalb kann er den Preis in Grenzen selbst wählen. Der Weg: erst die Merkmale der Marktform, dann die zweifach geknickte Preis-Absatz-Funktion Abschnitt für Abschnitt, dann die Regel für den besten Preis. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

19. Charakterisieren Sie die Marktform der monopolistischen Konkurrenz und stellen Sie die Preisabsatzfunktion dar! Wie wird die monopolistische Konkurrenz noch genannt? (15 P)

Gesucht sind drei Teile:

  1. die Merkmale der monopolistischen Konkurrenz in ganzen Sätzen,
  2. die Preis-Absatz-Funktion als beschriftete Zeichnung,
  3. der zweite Name dieser Marktform.

Die Marktform charakterisieren

Name, Unvollkommenheit, Beispiele

Schritt 1 Zwei Namen für eine Marktform

Antwort auf die dritte Frage
monopolistische Konkurrenz = heterogenes Polypol
Wortteil Bedeutung
Polypol sehr viele Anbieter
heterogen ungleichartig: Die Güter der Anbieter unterscheiden sich
Konkurrenz Wettbewerb unter vielen Anbietern
monopolistisch Jeder Anbieter hat einen kleinen Spielraum, fast wie ein Monopolist

Schritt 2 Viele Anbieter, aber ein unvollkommener Markt

Merkmal Polypol auf vollkommenem Markt monopolistische Konkurrenz
Zahl der Anbieter sehr viele sehr viele
Güter homogen (gleichartig) heterogen: Produktdifferenzierung
Vorlieben der Käufer keine räumliche, zeitliche, sachliche Präferenzen
Preis vom Markt vorgegeben in Grenzen selbst wählbar

Schritt 3 Präferenzen: räumlich, zeitlich, sachlich

Präferenz Der Käufer bevorzugt den Anbieter, weil … Beispiel
räumlich er günstig liegt die Bäckerei auf dem Weg zur Hochschule
zeitlich er zur passenden Zeit da ist oder schneller liefert die Reinigung, die das Hemd bis morgen fertig hat
sachlich ihm das Produkt selbst besser gefällt genau dieses Roggenbrot schmeckt am besten

Schritt 4 Produktdifferenzierung

Die Güter sind vergleichbar, unterscheiden sich aber in gewissen Merkmalen
Das Brot von Bäckerei A ist nicht gleich dem Brot von Bäckerei B, aber beide machen satt.
  • vergleichbar und substituierbar: Das eine Brot kann das andere ersetzen.
  • verschieden in gewissen Merkmalen: Rezept, Kruste, Größe, Bio oder nicht, Verpackung.
  • Folge: vielfältige Auswahl für die Verbraucher, spezialisierte Anbieter.

Schritt 5 Beispiele aus dem Alltag

Markt (Musterlösung) Was sich zwischen den Anbietern unterscheidet
Brot Rezept, Geschmack, Lage der Bäckerei
Bücher Inhalt, Autor, Ausstattung
Obst Herkunft, Frische, Bio, Wochenmarkt oder Supermarkt
Friseure Können, Stil, Lage, freie Termine
Reinigungen Lage, Schnelligkeit, Sorgfalt

Diese Marktform ist in der Wirklichkeit recht häufig, vor allem bei Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs.

Die Preis-Absatz-Funktion darstellen

zwei Knicke, drei Abschnitte

Schritt 6 Der monopolistische Spielraum

Wegen der Präferenzen und der Produktdifferenzierung
Preis zwischen den beiden Knicken: Der Anbieter legt Preis oder Menge selbst fest, ähnlich wie ein Monopolist.
Außerhalb dieses Bereichs
Es gilt dasselbe wie im Polypol: Der Markt diktiert den Preis.

Schritt 7 Was eine Preis-Absatz-Funktion zeigt

Zu jedem Preis pp die Menge xx, die der Anbieter verkaufen kann
senkrecht: Absatzpreis pp · waagerecht: Absatzmenge xx
Marktform Preis-Absatz-Funktion eines Anbieters Grund
Polypol, vollkommener Markt waagerechte Linie Der Markt gibt den Preis vor. Wer teurer ist, verkauft nichts.
Monopol fallende Linie Höherer Preis, weniger Käufer. Wechseln kann aber keiner.
monopolistische Konkurrenz zweifach geknickte Linie je nach Preis wie im Polypol oder wie beim Monopol

Schritt 8 Zwei Knicke, drei Abschnitte

Abschnitt Preisbereich Verlauf
oberer polypolistischer Abschnitt über dem 1. Knick flach
monopolistischer Abschnitt zwischen den Knicken, mit p1p_1, p2p_2, p4p_4 steil
unterer polypolistischer Abschnitt unter dem 2. Knick flach, bis zur Kapazitätsgrenze

So liest man „flach“ und „steil“: Flach heißt, man geht weit nach rechts (viel mehr Menge), aber kaum nach unten (wenig Preis). Steil heißt, man geht weit nach unten (viel Preis), aber kaum nach rechts (wenig Menge).

Schritt 9 Der monopolistische Abschnitt

Start bei p1p_1, mitten im steilen Abschnitt
p1→p2p_1 \to p_2 (teurer): Die Menge sinkt nur wenig, von x1x_1 auf x2x_2.
p1→p4p_1 \to p_4 (billiger): Die Menge steigt nur wenig, von x1x_1 auf x4x_4.

Stammkunden bleiben, auch wenn der Preis steigt. Fällt er, kommen kaum neue dazu.

Schritt 10 Der obere polypolistische Abschnitt

Weiter teurer, über den 1. Knick hinaus
p2→p3p_2 \to p_3: kleine Preiserhöhung, aber die Menge bricht ein, von x2x_2 auf x3x_3.

Die Kunden wandern zur Konkurrenz ab. Der Preis ist hier, wie im Polypol, durch den Markt diktiert.

Schritt 11 Unterer Abschnitt und Kapazitätsgrenze

Weiter billiger, unter den 2. Knick
p4→p5p_4 \to p_5: kleine Preissenkung, aber die Menge steigt stark, von x4x_4 auf x5x_5.
Kapazitätsgrenze
mehr, als der Betrieb herstellen kann, lässt sich nicht verkaufen: Die Kurve endet dort

Schritt 12 Grenzerlös = Grenzkosten

Beispiel (erfunden, zur Veranschaulichung): Eine Bäckerei verkauft ein besonderes Dinkelbrot. Je niedriger der Preis, desto mehr Brote verkauft sie am Tag. Jedes Brot kostet sie 2,50 € an Zutaten und Energie.

Brote am Tag xx Preis je Brot pp Erlös p⋅xp \cdot x Grenzerlös je weiteres Brot Grenzkosten je weiteres Brot Erlös minus Kosten
10 5,00 € 50 € 5,00 € 2,50 € 25 €
20 4,50 € 90 € 4,00 € 2,50 € 40 €
30 4,00 € 120 € 3,00 € 2,50 € 45 €
40 3,50 € 140 € 2,00 € 2,50 € 40 €
50 3,00 € 150 € 1,00 € 2,50 € 25 €
Grenzerlös: zusätzlicher Erlös geteilt durch zusätzliche Brote, hier von 20 auf 30 Brote
Grenzerlo¨s=Erlo¨sneu−Erlo¨saltzusa¨tzliche Brote=120−9030−20=3010=3,00 Euro je Brot\text{Grenzerlös} = \frac{\text{Erlös}_{\text{neu}} - \text{Erlös}_{\text{alt}}}{\text{zusätzliche Brote}} = \frac{120 - 90}{30 - 20} = \frac{30}{10} = 3{,}00 \ \text{Euro je Brot}
Warum weniger als der Preis von 4,00 €: Die 20 alten Brote werden auch 0,50 € billiger
10⋅4,00−20⋅0,50=40−10=30 Euro10 \cdot 4{,}00 - 20 \cdot 0{,}50 = 40 - 10 = 30 \ \text{Euro}
Lohnen sich 10 Brote mehr? Grenzerlös minus Grenzkosten, mal 10
von 20 auf 30:10⋅(3,00−2,50)=+5 Euro\text{von 20 auf 30:}\quad 10 \cdot (3{,}00 - 2{,}50) = +5 \ \text{Euro}
von 30 auf 40:10⋅(2,00−2,50)=−5 Euro\text{von 30 auf 40:}\quad 10 \cdot (2{,}00 - 2{,}50) = -5 \ \text{Euro}
Probe in der letzten Spalte, bei 30 Broten: Erlös minus 30 mal 2,50 €
120−30⋅2,50=120−75=45 Euro120 - 30 \cdot 2{,}50 = 120 - 75 = 45 \ \text{Euro}
Die Regel für das Gewinnmaximum im monopolistischen Abschnitt
Grenzerlo¨s=Grenzkosten\text{Grenzerlös} = \text{Grenzkosten}

Schritt 13 Ergebnis

✓Anderer Name: heterogenes Polypol.
✓Merkmale: sehr viele Anbieter wie im Polypol, aber ein unvollkommener Markt. Gründe: räumliche, zeitliche oder sachliche Präferenzen der Nachfrager und nicht homogene Güter (Produktdifferenzierung). Das erlaubt dem Verbraucher eine vielfältige Auswahl zwischen substituierbaren Produkten, die von spezialisierten Unternehmen hergestellt und angeboten werden.
✓Monopolistischer Spielraum: Innerhalb dieses Bereichs legt jeder Anbieter Preis oder Menge fest, ähnlich wie ein Monopolist. Dort gilt die Gewinnmaximierungsregel Grenzerlös = Grenzkosten.
✓Außerhalb: wie im Polypol. Der Markt diktiert den Preis. Wer den Preis darüber hinaus erhöht, verliert die Nachfrager an die Konkurrenz.
✓Darstellung: zweifach geknickte Preis-Absatz-Funktion mit oberem polypolistischem, monopolistischem und unterem polypolistischem Abschnitt, Achsen Absatzpreis und Absatzmenge, Kapazitätsgrenze.
✓Beispiele: In der Realität ist diese Marktform recht häufig anzutreffen, etwa auf Märkten für Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs: Brot, Bücher, Obst, Friseure, Reinigungen.