Geworfen wird ein fairer W6, also ein Würfel mit sechs Seiten. Die möglichen Ergebnisse sind
Ω={1,2,3,4,5,6}.
Fair heißt: Jede Augenzahl ist gleich wahrscheinlich. Sechs gleich wahrscheinliche
Ergebnisse teilen sich die Summe 1. Also hat jede Augenzahl die Wahrscheinlichkeit
61.
Aus Aufgabe 5 („Ist das eine Wahrscheinlichkeitsfunktion?“): Sind alle Ergebnisse
gleich wahrscheinlich, heißt das ein Laplace-Raum. Jedes Ergebnis bekommt dann
∣Ω∣1, hier
61. Außerdem gilt immer
P(Ω)=1: Irgendeine
Zahl fällt sicher.
Für jede der drei Teilaufgaben geht man gleich vor:
| 1. Den Satz in Mengen übersetzen |
A, B |
| 2. Die gesuchte Menge bestimmen |
oder / und / kein |
| 3. Die passende Regel anwenden |
Werte einsetzen |
Teil (i) braucht die Additivitätsregel, Teil (ii) die Zerlegungsregel, Teil
(iii) den Komplementsatz. Jede Regel wird in ihrem Teil erklärt.
Aus Aufgabe 3 („Mengenoperationen am Venn-Diagramm“): A∪B (Vereinigung) ist
alles, was in
A oder in
B liegt.
A∩B (Durchschnitt) ist nur das, was in beiden
liegt.
Ac (Komplement) ist alles aus
Ω, was nicht in
A liegt.
Merke: Die Wörter
oder,
und,
kein sagen, welche Menge gesucht ist:
oder ist
∪,
und ist
∩,
kein ist das Komplement. Erst danach
wählt man die Regel.
A={2,4,6},
B={5,6},
A∩B={6}
„Gerade Zahl": A={2,4,6}.
„Zahl größer als 4": B={5,6}. Die 4 selbst gehört nicht dazu, denn 4 ist
nicht größer als 4.
Beide Mengen enthalten die 6. Also ist A∩B={6}.
Die Wahrscheinlichkeiten bekommt man durch Abzählen. Jede Zahl hat 61. Also
zählt man die Zahlen in der Menge und teilt durch 6:
- A hat 3 Zahlen: P(A)=63
- B hat 2 Zahlen: P(B)=62
- A∩B hat 1 Zahl: P(A∩B)=61
Aus Aufgabe 2 („Zwei Münzen gleichzeitig“): Im Laplace-Raum gilt
P(A)=∣Ω∣∣A∣, also „günstige durch mögliche Ergebnisse".
∣A∣ ist die Anzahl
der Elemente von
A.
P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩B)
Gesucht ist „gerade oder größer als 4", also P(A∪B).
63+62=65 wäre zu viel. Die 6 steckt in beiden
Mengen. Sie würde doppelt gezählt.
Genau dafür gibt es die Additivitätsregel. Sie zieht den Durchschnitt einmal wieder
ab. Dann zählt jede Zahl genau einmal.
Aus Aufgabe 4 („Beweisen mit Venn-Diagrammen“): Dort galt
∣A∪B∣=∣A∣+∣B∣−∣A∩B∣ für die Anzahl der Elemente. Die Additivitätsregel ist dieselbe Idee, nur mit
Wahrscheinlichkeiten statt Anzahlen.
P(A∪B)=64=32
Die Werte aus Schritt 1 einsetzen:
63+62−61=63+2−1=64.
Kürzen heißt: Zähler und Nenner durch dieselbe Zahl teilen. Hier durch 2: 64=6:24:2=32.
Als Dezimalzahl, auf drei Nachkommastellen gerundet: 32≈0,667.
Probe am Bild: Markiert sind die Kästchen 2, 4, 5 und 6. Das sind vier von sechs.
Das passt.
A∩B={1,3}
„Ungerade Zahl": A={1,3,5}.
„Zahl ≤3": Das Zeichen ≤ heißt „kleiner oder gleich", also höchstens 3. Die 3
gehört dazu: B={1,2,3}.
Die Buchstaben A und B stehen jetzt für neue Mengen. Die Mengen aus Teil (i) gelten
hier nicht mehr.
Gesucht sind die Zahlen, die beide Bedingungen erfüllen: A∩B={1,3}. Die
5 ist zwar ungerade, aber zu groß. Die 2 ist klein genug, aber gerade.
Vorsicht: In der Musterlösung steht an dieser Stelle versehentlich noch
B={5,6} aus Teil (i). Gerechnet wird dort aber richtig mit
{1,3}.
P(A∩B)=62=31
Die Zerlegungsregel sagt: Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist die Summe
der Wahrscheinlichkeiten seiner einzelnen Ergebnisse. Allgemein: Besteht ein Ereignis E
aus den Ergebnissen ω1,…,ωn, dann gilt
P(E)=P({ω1})+P({ω2})+⋯+P({ωn}).
Hier ist E=A∩B={1,3}. Es besteht aus den Ergebnissen 1 und 3. Also:
P({1})+P({3})=61+61=62.
Gekürzt durch 2: 62=31≈0,333.
Merke: Für „und" gibt es keine eigene Formel. Man bestimmt zuerst die Menge
A∩B. Dann addiert man die Werte ihrer Ergebnisse. Hier wird
nichts abgezogen. Der
Abzug aus (i) gehört nur zur Vereinigung.
A={6}, gesucht ist
P(Ac)
„Keine 6" ist die Verneinung von „eine 6". Man könnte die fünf Fälle 1, 2, 3, 4, 5
aufzählen. Kürzer geht es über das Gegenereignis.
Dazu nennt man das kurze Ereignis „eine 6" jetzt A: A={6} mit P(A)=61. Gesucht ist dann Ac, also alles außer der 6.
Aus Aufgabe 2 („Zwei Münzen gleichzeitig“) und Aufgabe 3 („Mengenoperationen am
Venn-Diagramm“):
Das Gegenereignis
Ac enthält alle Ergebnisse aus
Ω, die nicht in
A liegen.
Hier ist
Ac={1,2,3,4,5}.
P(Ac)=1−61=65
Warum gilt P(Ac)=1−P(A)? Zwei Gründe:
- A und Ac haben keine gemeinsame Zahl. Zusammen ergeben sie ganz Ω.
- P(Ω)=1, weil sicher irgendeine Zahl fällt (Aufgabe 5).
Also ist P(A)+P(Ac)=1. Umgestellt ergibt das den Komplementsatz: P(Ac)=1−P(A).
Einsetzen: Die 1 schreibt man als 66. Dann ist 66−61=65.
Auf drei Nachkommastellen gerundet: 65≈0,833. Im Bild sind es fünf
von sechs Kästchen.
(i) 64=32 · (ii) 62=31
· (iii) 65
In Worten:
- (i) Bei etwa 2 von 3 Würfen fällt eine gerade Zahl oder eine Zahl größer als 4.
- (ii) Bei etwa 1 von 3 Würfen fällt eine 1 oder eine 3.
- (iii) Bei etwa 5 von 6 Würfen fällt keine 6.
Rückblick: Erst die Menge bestimmen, dann die Regel wählen: „oder" →
Additivitätsregel, „und" → Durchschnitt bilden und mit der Zerlegungsregel addieren, „kein"
→ Komplementsatz. Im Laplace-Raum kann man jedes Ergebnis zusätzlich durch Abzählen prüfen.
Sind die Ergebnisse nicht gleich wahrscheinlich, geht Abzählen nicht mehr. Die Regeln gelten
dann trotzdem.