Zwei faire Würfel, drei Ereignisse. Zu prüfen ist, ob sich zwei Ereignisse
gegenseitig beeinflussen oder nicht.
Definition: X und
Y heißen
stochastisch unabhängig, wenn
P(X∩Y)=P(X)⋅P(Y).
Das ist eine Gleichung, keine Anschauungsfrage. Man rechnet beide Seiten getrennt aus
und vergleicht — mehr ist nicht zu tun.
Die Tafel rechts zeigt alle 36 Würfe. Jede Zelle trägt ihre Augensumme.
∣Ω∣=6⋅6=36
Ein Wurf ist ein Paar (i,j): erster Würfel, zweiter Würfel. Die Reihenfolge
zählt, deshalb sind (3,5) und (5,3) verschiedene Würfe.
Beide Würfel sind fair und beeinflussen sich nicht, also sind alle 36 Paare gleich
wahrscheinlich — jedes mit 361.
Merke: Sobald alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind, wird jede
Wahrscheinlichkeit zu einer Abzählaufgabe.
Die Würfe mit Summe 7 liegen auf einer Diagonale der Tafel: (1,6),(2,5),(3,4),(4,3),(5,2),(6,1).
Sechs Stück — und zwar genau einer pro Zeile. Egal was der erste Würfel zeigt, es
gibt immer genau einen passenden zweiten Wert.
Diese Beobachtung ist später die ganze Begründung.
Auch eine Diagonale, aber eine kürzere: (2,6),(3,5),(4,4),(5,3),(6,2).
Nur fünf Würfe. Der Grund: für die Summe 8 müsste der erste Würfel mindestens eine 2
zeigen. Die Zeile 1 bleibt leer — mit einer 1 vorne ist 8 nicht mehr erreichbar.
Genau darin liegt der Unterschied zu
A. Merken Sie sich diese leere Zeile.
C betrifft nur den ersten Würfel. Der zweite darf beliebig sein, also gehören
alle sechs Würfe der Zeile 3 dazu: (3,1) bis (3,6).
In der Tafel ist C ab jetzt als Ring markiert, damit die beiden Ereignisse
gleichzeitig sichtbar bleiben.
P(A)=61,;P(B)=365,;P(C)=61
Jeweils Anzahl geteilt durch 36.
A und C haben dieselbe Wahrscheinlichkeit 366=61, B
ist mit 365 etwas kleiner.
Damit stehen alle rechten Seiten der Definition bereit. Fehlen noch die Schnitte.
A∩C={(3,4)}
Gesucht sind Würfe, die beides erfüllen: Summe 7 und erster Würfel 3.
In der Tafel ist das der Schnittpunkt von Diagonale und Zeile — ein einziger Wurf,
(3,4).
P(A∩C)=361. Das ist die linke Seite der Gleichung.
361=361 — unabhängig
Rechte Seite: P(A)⋅P(C)=366⋅366=129636=361.
Beide Seiten stimmen überein, also sind A und C stochastisch unabhängig.
Vorsicht: Unabhängigkeit heißt
nicht disjunkt.
A und
C haben durchaus
einen gemeinsamen Wurf — nur eben genau so viele, wie die Gleichung verlangt.
B∩C={(3,5)}
Dieselbe Frage für B: Summe 8 und erster Würfel 3. Auch hier bleibt
genau ein Wurf übrig, (3,5).
P(B∩C)=361 — die linke Seite ist also dieselbe wie beim ersten
Test.
2166=2165 — abhängig
Rechte Seite: P(B)⋅P(C)=365⋅366=129630.
Zähler und Nenner lassen sich durch 6 teilen: 129630=2165.
Jetzt stehen sich 361 und 2165 gegenüber — zwei Brüche mit
verschiedenen Nennern. Vergleichen lassen sie sich erst mit demselben Nenner. Weil
216=6⋅36, erweitert man die linke Seite mit 6: 361=36⋅61⋅6=2166.
Links steht 2166, rechts 2165. Der Unterschied ist winzig —
ein 216-tel — aber die Definition verlangt Gleichheit.
B und C sind damit nicht stochastisch unabhängig.
Merke: Bei so knappen Fällen nie dezimal runden, sondern
auf einen gemeinsamen Nenner bringen. 0,0278 gegen 0,0231 sieht nach Rundungsfehler
aus, ist aber ein echter Unterschied.
P(A∣C)=P(A), aber
P(B∣C)=P(B)
Die Definition lässt sich umstellen: P(X∩Y)=P(X)P(Y) ist dasselbe wie P(X∣Y)=P(X) — die Bedingung ändert nichts.
Wir wissen, der erste Würfel zeigt 3. Damit bleiben sechs Würfe:
- Summe 7 darunter: einer → P(A∣C)=61=P(A) ✓
-
Summe 8 darunter: einer → P(B∣C)=61, aber P(B)=365
✗
Für die Summe 7 gibt es in jeder Zeile genau einen Treffer — die Quote ist immer
61. Für die Summe 8 gilt das nicht: in Zeile 1 gibt es keinen Treffer, in
Zeile 3 aber einen. Die Zeile verrät also etwas.
A,C unabhängig · B,C abhängig
Rückblick: Beide Tests liefen über dieselben drei Schritte — Ereignisse als Mengen
aufschreiben, abzählen, die Gleichung prüfen. Nur das Abzählen unterschied sich.