50 Lose, davon 10 Gewinne und 40 Nieten. Zwei Personen ziehen
nacheinander je ein Los.
Die eigentliche Frage der Aufgabe lautet: Ist es ein Nachteil, als zweite Person zu
ziehen?
Wichtig: Das erste Los wird nicht zurückgelegt. Für Person 2 hat sich die
Trommel also verändert — nur weiß sie vielleicht nicht, wie.
k-Variation: ohne Zurücklegen, mit Reihenfolge
Jedes Urnenmodell ergibt sich aus genau zwei Entscheidungen:
| Zurücklegen? |
nein |
| Reihenfolge wichtig? |
ja |
Kein Zurücklegen, weil das gezogene Los in der Hand der ersten Person bleibt.
Reihenfolge relevant, weil „Person 1“ und „Person 2“ unterscheidbar sind — es macht
einen Unterschied, wer welches Los hat.
Damit: k-Variation, Anzahl
(n−k)!n!.
∣Ω∣=50⋅49=2450
48!50!=50⋅49=2450 mögliche Paare aus erstem und zweitem Los.
Für die Teile (ii) bis (iv) wird diese Zahl gar nicht gebraucht — dort genügen die
bedingten Wahrscheinlichkeiten. Sie beantwortet aber die gestellte Frage nach dem Modell.
Zum Vergleich: Ohne Reihenfolge wäre es
(250)=1225, also genau die
Hälfte — jedes Paar würde nur einmal statt zweimal gezählt.
P(B)=5010=51
B steht für „Person 1 gewinnt“. Für Person 1 ist die Trommel noch unberührt: 10 Gewinne
unter 50 Losen.
P(B)=5010=51=0,2, folglich P(Bc)=54=0,8.
Merken Sie sich diese beiden Zahlen — sie sind in Teil (iv) die Gewichte.
A={Person 2 gewinnt}
A ist das Ereignis, um das es in allen drei restlichen Teilen geht. Was sich ändert, ist
nur das Vorwissen:
- (ii) fragt nach P(A∣B)
- (iii) fragt nach P(A∣Bc)
- (iv) fragt nach P(A) — ganz ohne Vorwissen
Sauber trennen: A ist die Frage,
B die Bedingung. Wer beides vertauscht,
rechnet am Ende
P(B∣A) — eine ganz andere Größe.
P(A∣B)=499≈0,1837
Ein Gewinnlos ist aus der Trommel verschwunden. Übrig bleiben 9 Gewinne unter
49 Losen.
Alle 49 sind gleich wahrscheinlich, also nach Laplace P(A∣B)=499≈0,1837.
Das ist weniger als die 0,2 von Person 1 — in diesem Fall hat Person 2 tatsächlich
das Nachsehen.
P(A∣Bc)=4910≈0,2041
Jetzt ist eine Niete verschwunden. Alle 10 Gewinne sind noch da, aber nur
noch 49 Lose insgesamt.
P(A∣Bc)=4910≈0,2041 — mehr als 0,2.
Zwischenstand: Je nach Ausgang der ersten Ziehung steht Person 2 etwas schlechter
(0,1837) oder etwas besser (0,2041) da als Person 1. Was überwiegt, entscheidet Teil (iv).
P(A)=P(A∣B)P(B)+P(A∣Bc)P(Bc)
Ohne Vorwissen über die erste Ziehung sind beide Fälle möglich. B und Bc schließen
sich aus und decken zusammen alles ab — das ist genau die Zerlegung, die der Satz
der totalen Wahrscheinlichkeit verlangt.
Jeder Fall wird also mit seiner eigenen Wahrscheinlichkeit gewichtet.
Merke: Die bedingten Wahrscheinlichkeiten sind bereits berechnet — Teil (iv) ist
deshalb reine Gewichtung, keine neue Idee.
499⋅51+4910⋅54
Die seltenere, ungünstigere Möglichkeit bekommt das kleine Gewicht 51, die
häufigere, günstigere das große Gewicht 54.
Schon daran ist zu sehen, dass der Nachteil aus (ii) kaum durchschlägt: er tritt nur in
einem von fünf Fällen ein.
P(A)=24549=51=0,2
499⋅51=2459 und 4910⋅54=24540.
Summe: 24549=51=0,2.
Die 49 kürzt sich weg — ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier kein Zufall am Werk ist,
sondern ein Muster.
P(A)=P(B)=51
Person 2 gewinnt mit derselben Wahrscheinlichkeit wie Person 1. Die Ziehungsreihenfolge
ist fair.
Der kürzeste Grund: Stellen Sie sich vor, alle 50 Lose würden vorab gemischt und
der Reihe nach verteilt. Dann ist „das zweite Los ist ein Gewinn“ genauso wahrscheinlich
wie „das erste Los ist ein Gewinn“ — nämlich 5010. Keine Position ist
bevorzugt.
Verallgemeinerung: Das gilt für jede Position, auch für die fünfzigste. Beim Ziehen
ohne Zurücklegen hat jede Ziehung dieselbe unbedingte Gewinnwahrscheinlichkeit.
(i) k-Variation, 2450 · (ii) 0,1837 · (iii)
0,2041 · (iv) 0,2
Rückblick: (ii) und (iii) verkleinern die Trommel auf 49 Lose und zählen neu ab. (iv)
wiegt beide Fälle gegeneinander auf — und landet wieder genau beim Ausgangsverhältnis.