Eine Population aus zwei Gruppen mit unterschiedlicher Größe und
unterschiedlicher Quote.
| Gruppe |
Anteil |
mit Depression |
| Frauen F |
65 % |
15 % |
| Männer M |
35 % |
6 % |
Teil (i) fragt von der Gruppe zur Krankheit, Teil (ii)
von der Krankheit zur Gruppe. Das ist der eigentliche Inhalt der Aufgabe.
Merke: Die Fläche rechts enthält die ganze Lösung. Breite = Gruppengröße, Höhe = Quote,
Fläche = Wahrscheinlichkeit.
P(F)+P(M)=0,65+0,35=1
Jede Person gehört zu genau einer der beiden Gruppen, und beide zusammen ergeben die ganze
Population.
Damit ist die Voraussetzung für den Satz der totalen Wahrscheinlichkeit erfüllt — und M=Fc.
Praktisch: Bei nur zwei Gruppen ist die Zerlegung immer ein Ereignis und sein
Gegenereignis.
P(D∣F)=0,15,
P(D∣M)=0,06
„15 % der Frauen“ heißt: innerhalb der Gruppe F sind 15 % betroffen. Das ist P(D∣F) — die Gruppe steht hinter dem Strich.
Was nicht gegeben ist: wie sich die Betroffenen auf die Gruppen verteilen. Genau
das ist Teil (ii).
Vorsicht: P(D∣F)=P(F∣D). Die beiden Größen unterscheiden sich hier
um mehr als das Fünffache.
P(D)=P(D∣F)P(F)+P(D∣M)P(M)
Eine betroffene Person ist entweder Frau oder Mann — zwei Fälle, die sich ausschließen.
Also dürfen die Beiträge addiert werden.
Jeder Beitrag ist P(D∩Gruppe)=P(D∣Gruppe)⋅P(Gruppe).
Im Mosaik: ein Beitrag ist ein Rechteck.
P(D) ist die
gesamte rote Fläche.
0,15⋅0,65=0,0975
P(D∩F)=0,15⋅0,65=0,0975.
9,75 % aller Personen sind Frauen mit Depression — nicht 15 %. Die 15 % beziehen
sich nur auf die Teilgruppe.
Breites Rechteck, hohes Band: der größere der beiden Beiträge.
0,06⋅0,35=0,021
P(D∩M)=0,06⋅0,35=0,021, also 2,1 % aller Personen.
Schmaleres Rechteck, flacheres Band — beide Faktoren sind kleiner, deshalb fällt der
Beitrag deutlich geringer aus.
P(D)=0,1185≈11,9%
0,0975+0,021=0,1185
Rund 11,9 % der Population sind betroffen. Der Wert liegt zwischen 6 % und 15 %,
näher an 15 % — weil die größere Gruppe die höhere Quote hat.
Diese Zahl wird gleich zum Nenner. Alles, was in Teil (ii) folgt, wird durch 0,1185
geteilt.
P(F∣D)=P(D)P(D∣F)P(F)
Jetzt ist bekannt, dass die Person betroffen ist. Der Ergebnisraum schrumpft damit auf die
rote Fläche — alles Grüne fällt weg.
Gefragt ist, welcher Anteil dieser roten Fläche von den Frauen kommt:
P(F∣D)=P(D)P(D∩F)
Das ist der Satz von Bayes — und im Kern nur die Definition der bedingten
Wahrscheinlichkeit mit einem Zähler, den wir über die Multiplikationsregel schon kennen.
P(F∣D)=0,11850,0975=0,8228
Der Zähler 0,0975 steckt bereits in der Rechnung von Teil (i) — es ist der Beitrag der
Frauen.
0,11850,0975=0,8228
Über 82 % der Betroffenen sind Frauen.
P(M∣D)=0,11850,021=0,1772
Dieselbe Rechnung mit dem anderen Zähler: 0,11850,021=0,1772.
Kontrolle: 0,8228+0,1772=1. Das muss so sein — die beiden Gruppen
zerlegen auch die Betroffenen vollständig.
Abkürzung: Bei zwei Gruppen genügt eine Bayes-Rechnung; die andere ist
1 minus
dem Ergebnis.
975 von
1185 Betroffenen sind Frauen
Rechnen wir mit 10 000 Personen statt mit Anteilen:
- 6 500 Frauen, davon 15 % → 975 betroffen
- 3 500 Männer, davon 6 % → 210 betroffen
- zusammen 1 185 Betroffene
1185975=0,8228 und 1185210=0,1772 — genau dieselben
Werte.
Gute Gewohnheit: Bayes-Aufgaben lassen sich so ohne Formel lösen und vor allem
gegenprüfen. Die 1 185 ist dabei der Nenner
P(D).
0,15 gegen
0,8228
Beide Sätze klingen ähnlich und meinen völlig Verschiedenes:
- „Von den Frauen sind 15 % betroffen“ — P(D∣F)=0,15
- „Von den Betroffenen sind 82 % Frauen“ — P(F∣D)=0,8228
Der Unterschied kommt allein aus den Gruppengrößen: Es gibt fast doppelt so viele
Frauen wie Männer.
Bezugsgröße bestimmen: Fragen Sie sich bei jeder Prozentangabe „Prozent
von was?“. Die Antwort steht hinter dem Bedingungsstrich.
(i) P(D)= 0,1185 · (ii) P(F∣D)= 0,8228, P(M∣D)= 0,1772
Rückblick: Teil (i) hat die rote Fläche zusammengesetzt, Teil (ii) hat sie
wieder aufgeteilt. Beide Teile benutzen dieselben zwei Rechtecke — nur einmal als
Summe und einmal als Verhältnis.