← Übersicht ESTO
ESTO · Übungsblatt 3 · Aufgabe 2

Das Maximum von zwei Würfeln

Zwei Würfel fallen, gezählt wird nur die größere der beiden Augenzahlen. Der ganze Weg hängt an einem einzigen Satz: „Das Maximum ist höchstens kk“ heißt „beide Würfel sind höchstens kk“. Im 6×6-Gitter ist das ein Quadrat, das man abzählen kann. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

Es werden zwei faire sechsseitige Würfel gleichzeitig geworfen. Wir betrachten die Zufallsvariable

Die größere der beiden Augenzahlen — bei Gleichheit eben diese
X=max⁡(W1,W2)X = \max(W_1, W_2)
  1. Geben Sie den Ereignisraum der Zufallsvariable XX an.
  2. Bestimmen Sie FX(k)=P(X≤k)F_X(k) = P(X \le k) für k∈{1,…,6}k \in \{1,\dots,6\} mit einer kombinatorischen Überlegung. Leiten Sie daraus die Einzelwahrscheinlichkeiten P(X=k)P(X = k) ab.
  3. Ist XX diskret gleichverteilt? Begründen Sie.

(i) Welche Werte XX annehmen kann

vom Wurfpaar zur einen Zahl

Schritt 1 Was die Zufallsvariable tut

Der zugrunde liegende Ereignisraum: alle Wurfpaare
Ω={1,…,6}2,∣Ω∣=6⋅6=36\Omega = \{1,\dots,6\}^{2}, \qquad |\Omega| = 6 \cdot 6 = 36
Drei Beispiele für die Zuordnung
X((2,5))=5,X((5,2))=5,X((4,4))=4X\big((2,5)\big) = 5, \qquad X\big((5,2)\big) = 5, \qquad X\big((4,4)\big) = 4

Schritt 2 Der Ereignisraum von XX

Alle Werte, die als Maximum herauskommen können
Ω′={ 1, 2, 3, 4, 5, 6 }\Omega' = \{\,1,\,2,\,3,\,4,\,5,\,6\,\}
Jeder Wert wird wirklich erreicht — hier je ein Wurf dazu
X((k,k))=kfu¨r k=1,…,6X\big((k,k)\big) = k \quad \text{für } k = 1,\dots,6

(ii) Erst FXF_X, dann P(X=k)P(X=k)

ein Quadrat im Gitter abzählen

Schritt 3 Der entscheidende Satz

Das Maximum ist höchstens kk — genau dann, wenn beide Würfel es sind
{X≤k}={W1≤k}∩{W2≤k}\{X \le k\} = \{W_1 \le k\} \cap \{W_2 \le k\}

Schritt 4 Die Würfe abzählen

kk erlaubte Augenzahlen für jeden der beiden Würfel
∣{X≤k}∣=k⋅k=k2\big|\{X \le k\}\big| = k \cdot k = k^{2}
Laplace: Anzahl der günstigen durch Anzahl aller Würfe
FX(k)=P(X≤k)=k236F_X(k) = P(X \le k) = \frac{k^{2}}{36}

Schritt 5 Derselbe Wert über die Unabhängigkeit

Produktregel für stochastisch unabhängige Ereignisse
P(A∩B)=P(A)⋅P(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B)
Hier mit A={W1≤k}A = \{W_1 \le k\} und B={W2≤k}B = \{W_2 \le k\}
P({W1≤k}∩{W2≤k})=P(W1≤k)⋅P(W2≤k)=k6⋅k6=k236P\big(\{W_1 \le k\} \cap \{W_2 \le k\}\big) = P(W_1 \le k) \cdot P(W_2 \le k) = \frac{k}{6} \cdot \frac{k}{6} = \frac{k^{2}}{36}

Schritt 6 Die sechs Werte von FXF_X

kk 1 2 3 4 5 6
Felder mit X≤kX \le k, also k2k^2 1 4 9 16 25 36
FX(k)=k2/36F_X(k) = k^2/36 1/36 4/36 9/36 16/36 25/36 36/36
als Dezimalzahl 0,0278 0,1111 0,2500 0,4444 0,6944 1,0000

Schritt 7 Von FXF_X zu den Einzelwahrscheinlichkeiten

Sprunghöhen-Regel für ganzzahlige Zufallsvariablen
P(X=k)=FX(k)−FX(k−1)P(X = k) = F_X(k) - F_X(k-1)
Für k=1k = 1 wird FX(0)F_X(0) gebraucht: kein Wurf hat ein Maximum unter 1
FX(0)=P(X≤0)=0=0236F_X(0) = P(X \le 0) = 0 = \frac{0^{2}}{36}
Beide Werte einsetzen
P(X=k)=k236−(k−1)236=k2−(k−1)236P(X = k) = \frac{k^{2}}{36} - \frac{(k-1)^{2}}{36} = \frac{k^{2} - (k-1)^{2}}{36}

Schritt 8 Den Zähler ausrechnen

Zeile für Zeile: erst die Klammer auflösen
(k−1)2=k2−2k+1(k-1)^{2} = k^{2} - 2k + 1
Dann einsetzen und k2k^2 kürzt sich weg
k2−(k2−2k+1)=k2−k2+2k−1=2k−1k^{2} - (k^{2} - 2k + 1) = k^{2} - k^{2} + 2k - 1 = 2k - 1
Ergebnis: eine Formel ohne Quadrate
P(X=k)=2k−136P(X = k) = \frac{2k - 1}{36}

Schritt 9 Die sechs Einzelwahrscheinlichkeiten

kk 1 2 3 4 5 6 Summe
Felder mit X=kX = k, also 2k−12k-1 1 3 5 7 9 11 36
P(X=k)=(2k−1)/36P(X = k) = (2k-1)/36 1/36 3/36 5/36 7/36 9/36 11/36 36/36
als Dezimalzahl 0,0278 0,0833 0,1389 0,1944 0,2500 0,3056 1,0000

Schritt 10 Warum es 2k−12k-1 Felder sind

Ein k×kk \times k-Quadrat ohne das (k−1)×(k−1)(k-1) \times (k-1)-Quadrat: ein Winkel
k⏟Spalte k+k⏟Zeile k−1⏟Feld (k,k) doppelt=2k−1\underbrace{k}_{\text{Spalte } k} + \underbrace{k}_{\text{Zeile } k} - \underbrace{1}_{\text{Feld } (k,k) \text{ doppelt}} = 2k - 1

(iii) Ist XX gleichverteilt?

die Definition prüfen, nicht schätzen

Schritt 11 Die Definition gegenrechnen

Diskrete Gleichverteilung auf sechs Werten würde verlangen — das Zeichen =!\overset{!}{=} heißt „muss gleich sein“
P(X=k)=!16=636fu¨r alle kP(X = k) \overset{!}{=} \frac{1}{6} = \frac{6}{36} \qquad \text{für \textit{alle} } k
Zwei Werte genügen als Gegenbeispiel
P(X=1)=136≠P(X=6)=1136P(X = 1) = \frac{1}{36} \qquad \neq \qquad P(X = 6) = \frac{11}{36}

Antwort: nein. Für das Maximum 66 genügt es, dass einer der beiden Würfel eine 6 zeigt — das treffen 11 der 36 Würfe. Für das Maximum 11 müssen beide Würfel eine 1 zeigen, und das ist nur der Wurf (1,1)(1,1).

Schritt 12 Ergebnis

✓(i) Ω′={1,2,3,4,5,6}\Omega' = \{1,2,3,4,5,6\}
✓(ii) FX(k)=k2/36F_X(k) = \mathbf{k^{2}/36}  und  P(X=k)=(2k−1)/36P(X=k) = \mathbf{(2k-1)/36}
✓(iii) Nein — P(X=1)=1/36P(X=1) = 1/36, aber P(X=6)=11/36P(X=6) = 11/36

Proben: FX(6)=36/36=1F_X(6) = 36/36 = 1, wie es sein muss. Und 1+3+5+7+9+11=361+3+5+7+9+11 = 36, also summieren sich alle sechs Einzelwahrscheinlichkeiten zu 11. Dass die Werte wachsen, passt zur Anschauung: große Maxima sind leichter zu erreichen als kleine.

Typische Fehler: {X≤k}\{X \le k\} als „mindestens ein Würfel ≤k\le k“ lesen — das wäre eine andere Menge und gäbe nicht k2k^2 Felder. Oder die Reihenfolge umdrehen und erst P(X=k)P(X=k) suchen: über FXF_X ist es der kürzere Weg, weil sich {X≤k}\{X \le k\} bequem abzählen lässt und {X=k}\{X = k\} nicht.