50 000 Versicherte, jeder mit einer Schadenswahrscheinlichkeit von 0,01 %. Die exakte Verteilung
ist eine Binomialverteilung mit einem Binomialkoeffizienten aus 22 Stellen. Die
Poissonverteilung mit λ=5 liefert dieselben Werte bis zur vierten Stelle nach dem
Komma; der Unterschied beginnt erst in der fünften. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die
Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick
auf einen Schritt springt direkt dorthin.
Schritt 0Die Aufgabe
In einer Großstadt mit 50 000 Versicherten hat jede Person an einem festen Tag mit
Wahrscheinlichkeit von 0,01 % einen meldepflichtigen Schaden. Sei X die Anzahl der
gemeldeten Schäden an diesem Tag.
Geben Sie die Verteilung von X an. Welche Approximation bietet sich an, und wie lautet ihr
Parameter? („Approximation“ ist das Fremdwort für „Näherung“.)
Berechnen Sie P(X=5) mit der exakten Verteilung und mit der Approximation.
Betrachten Sie die ersten zehn Werte k=0,1,…,9. Wie groß ist die maximale absolute
Abweichung zwischen beiden Verteilungen? Lösen Sie dies in R mit einem einzigenmax-Befehl, indem Sie beide Verteilungen vektorisiert auswerten.
Gefordert ist bei (iii) also zweierlei: die Zahl selbst und eine Zeile R-Code, die alle zehn
Werte auf einmal auswertet. Schritt 7 erklärt, was „vektorisiert“ heißt; Schritt 8 zeigt
dieselbe Rechnung als Tabelle von Hand.
Hinweis zur Musterlösung: Für Teil (iii) gibt sie 7,196⋅10−5 an.
Nachgerechnet ist die größte Abweichung 8,774⋅10−6, also rund achtmal kleiner; sie
tritt bei k=5 auf. Beides hängt zusammen: In Teil (ii) nennt die Musterlösung als exakten
Wert 0,1755394 statt 0,1754761, und die Differenz daraus ist gerade ihre Zahl aus (iii).
Die Rechnung steht in Schritt 9. An der Aussage der Aufgabe ändert das nichts: Beide Werte
liegen unter 10−4.
(i) Exaktes Modell und Näherung
und warum es überhaupt eine Näherung braucht
Schritt 1Das exakte Modell
0,01 % als Dezimalzahl
p=1000,01=0,0001=10−4
50 000 unabhängige Versicherte, je zwei Ausgänge: Binomialverteilung
X∼B(n;p)=B(50000;0,0001)
Schritt 2Warum das unbequem ist
Erst die Zahlen der Formel (kn)pk(1−p)n−k bestimmen
n=50000,k=5,p=0,0001,1−p=0,9999,n−k=49995
Eingesetzt
P(X=5)=(550000)0,000150,999949995
Der Binomialkoeffizient hat 22 Stellen
(550000)=2603645869790625010000
Diese riesige Zahl wird mit 10−20 multipliziert und dann mit einer Potenz, die fast
null ist. Von Hand ist das kaum zu beherrschen, und auch ein Rechner verliert dabei leicht
Stellen.
Schritt 3Die Poisson-Approximation
Bedingungen: n groß, p klein, das Produkt np moderat
n=50000groß,p=0,0001klein,n⋅p=5moderat
Der Parameter der Näherung ist genau dieses Produkt
X≈Poi(λ)mitλ=n⋅p=50000⋅0,0001=5
Die Formel der Poissonverteilung — mit ihr wird ab Schritt 5 gerechnet
P(X=k)=k!λke−λ=k!5ke−5
(ii) P(X=5) zweimal berechnen
exakt und genähert
Schritt 4Exakt mit der Binomialformel
Die ersten beiden Faktoren zusammen — die 22-stellige Zahl mal 10−20
R ist eine kostenlose Statistik-Software; die Musterlösung rechnet damit.
dbinom(k, size = n, prob = p) gibt P(X=k) der Binomialverteilung
(size ist n, prob ist p),
dpois(k, lambda = λ) dasselbe für die Poissonverteilung.
abs ist der Betrag, max das Maximum, und
<- weist einen Wert einem Namen zu.
Die Differenzspalte ist aus den ungerundeten Werten gerechnet. Aus den hier gezeigten
sieben Stellen ließen sich nur die ersten zwei Stellen der Differenz ablesen — deshalb steht
bei k=5 oben 8,7740⋅10−6 und hier 8,77⋅10−6.
Dass die Näherung bei k=4 und k=5denselben Wert liefert, ist kein
Tippfehler: 4!54=24625=26,0416667=1203125=5!55. Bei λ=5 sind die beiden größten Einzelwahrscheinlichkeiten der
Poissonverteilung genau gleich.
Die Schranke aus der Musterlösung ist damit erfüllt
8,8⋅10−6<10−4
Woher die 7,196⋅10−5 der Musterlösung stammen
ihr exakter Wert aus (ii)0,1755394−Na¨herung0,1754674=7,2⋅10−5
Die Musterlösung gibt in Teil (ii) als exakten Wert 0,1755394 an statt 0,1754761.
Die Differenz daraus ist gerade die Zahl, die sie in Teil (iii) als größte Abweichung nennt.
Beide Angaben gehen also auf denselben Binomialwert zurück. Nachgerechnet ergibt
(550000)⋅10−20=26,0364587 mal 0,999949995=0,0067396318
den Wert 0,1754761.
Schritt 10Warum die Näherung so gut passt
Der Grenzübergang, der dahintersteckt
(kn)pk(1−p)n−kn→∞,np=λk!λke−λ
Bei k=5 lässt sich Faktor für Faktor nachsehen, was zusammengeht
(5n)p5=26,0364587→5!λ5=26,0416667
Und der zweite Faktor
(1−p)n−5=0,0067396→e−λ=0,0067379
Schritt 11Ergebnis
✓(i) exakt X∼B(50000;0,0001), Näherung Poi(5)
mit λ=np=5
✓(ii) exakt 0,175476, genähert 0,175467 — gleich bis zur vierten
Stelle
✓(iii) größte absolute Abweichung 8,774⋅10−6 bei k=5, also unter
10−4
Plausibilität:λ=5 ist die mittlere Zahl der Schäden pro Tag. Passend dazu
sind die Säulen bei k=4 und k=5 die höchsten. Die Differenzen wechseln das Vorzeichen
zweimal: bis k=3 liegt die Näherung leicht über dem exakten Wert, von k=4 bis
k=7 darunter, bei k=8 und k=9 wieder darüber. In Summe muss sich das ausgleichen,
denn beide Verteilungen summieren sich über alle k zu 1.
Was man mitnimmt: Statt mit einem 22-stelligen Binomialkoeffizienten zu rechnen, genügt
die Poissonformel mit λ=np. Voraussetzung sind großes n, kleines p und ein
moderates Produkt np. Als Faustregel in vielen Lehrbüchern: n≥50 und p≤0,1.
Typische Fehler:λ=p setzen statt λ=np — dann käme 0,0001
heraus und alles wäre falsch. Oder die Näherung bei großem p benutzen: bei n=20 und p=0,5 ist np=10 zwar moderat, aber p viel zu groß, und die Näherung wird schlecht.