Die Körpergröße ist die erste Zufallsvariable in diesen Aufgaben, die jeden Wert annehmen
kann, nicht nur 0, 1, 2, … Statt Säulen gibt es deshalb eine Kurve, und eine Wahrscheinlichkeit
ist eine Fläche unter dieser Kurve. Mit drei festen Prozentwerten, den σ-Regeln, lassen sich
alle vier Fragen ohne Software beantworten. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die
Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick
auf einen Schritt springt direkt dorthin.
Schritt 0Die Aufgabe
Die Körpergröße X (in cm) einer erwachsenen Person sei normalverteilt mit Erwartungswert μ=175 und Standardabweichung σ=8, also X∼N(175,64). Verwenden Sie zur
Beantwortung der folgenden Fragen die σ-Regeln der Normalverteilung (ohne R). Wie groß ist die
Wahrscheinlichkeit, dass …
… eine Person zwischen 167 cm und 183 cm groß ist?
… eine Person zwischen 159 cm und 191 cm groß ist?
… eine Person größer als 191 cm ist?
… eine Person kleiner als 151 cm oder größer als 199 cm ist?
In eigenen Worten: Im Mittel sind Erwachsene 175 cm groß. Die Zahl 8 cm sagt, wie weit
die Größen typischerweise um diesen Mittelwert streuen. Gesucht ist in jeder Teilfrage der
Anteil der Erwachsenen in einem bestimmten Größenbereich — als Wahrscheinlichkeit, dass eine
zufällig gewählte Person in diesem Bereich liegt.
Hinweis zur Genauigkeit: Die σ-Regeln aus der Vorlesung (68,2 %, 95,4 %, 99,6 %) sind aus
gerundeten Teilflächen zusammengesetzt und deshalb nicht ganz genau. Für (i) bis (iii) ändert
das an der Antwort praktisch nichts. Bei (iv) schon: Nach σ-Regel ergeben sich 0,4 %, genau
gerechnet sind es etwa 0,27 %, weil der genaue Wert der dritten Regel 99,73 % statt
99,6 % ist. Die Aufgabe verlangt die σ-Regeln, deshalb ist 0,4 % hier die Antwort.
Schritt 13 rechnet den genauen Wert nach.
Von Säulen zur Kurve
was bei einer stetigen Zufallsvariable neu ist
Schritt 1Eine Größe, die jeden Wert annehmen kann
Bisher: endlich viele Werte, die man aufzählen kann
X∼B(12;0,2):X∈{0,1,2,…,12}
Jetzt: jeder Wert in einem Bereich ist möglich
X=Ko¨rpergro¨ße in cm:X=174,174,3,174,31,…
Schritt 2Von Säulen zur Kurve
Größen in Klassen von 4 cm Breite: erst die Wahrscheinlichkeit der Klasse, dann die Höhe
der Säule
P(175≤X≤179)≈0,1915⟹Ho¨he=40,1915≈0,0479 je cm
Probe: Fläche = Höhe mal Breite
4⋅0,0479≈0,19
Immer schmalere Klassen: die Oberkante wird zur glatten Kurve
Sa¨ulen⟶Dichtefunktion fX(x)
Schritt 3Wahrscheinlichkeit ist Fläche
Die Fläche unter fX zwischen a und b
P(a≤X≤b)=∫abfX(x)dx
Die ganze Fläche unter der Kurve
∫−∞∞fX(x)dx=1
Die Normalverteilung
zwei Zahlen legen die Glocke fest
Schritt 4Die Glocke: Mitte μ, Breite σ
Die Dichtefunktion der Normalverteilung
fX(x)=2πσ1e−21(σx−μ)2
Symmetrisch um μ: links und rechts je die Hälfte
P(X≤μ)=P(X≥μ)=0,5
Schritt 5N(175,64) lesen: σ=8
Der zweite Parameter ist die Varianz σ2, nicht σ
X∼N(μ,σ2)=N(175,64)
Die Standardabweichung ist die Wurzel daraus
σ2=64⟹σ=64=8 cm
Das Werkzeug: die σ-Regeln
Grenzen in Schritten von σ
Schritt 6Die Grenzen in σ-Schritten
Wie viele σ liegt eine Grenze x von μ entfernt?
k=σx−μ=8x−175
Grenze x
Abstand x−175
k=8x−175
als μ+kσ
151
−24
−3
μ−3σ
159
−16
−2
μ−2σ
167
−8
−1
μ−1σ
175
0
0
μ
183
+8
+1
μ+1σ
191
+16
+2
μ+2σ
199
+24
+3
μ+3σ
Schritt 7Die σ-Regeln
Die Teilflächen aus dem Skript, je Seite von μ (gerundet)
μ bis μ+1σ34,1%μ+1σ bis μ+2σ13,6%μ+2σ bis μ+3σ2,1%u¨ber μ+3σ0,1%
Jeder Streifen ist einzeln gerundet: eine Seite ergibt nicht ganz 50 %
Die Glocke ist um μ symmetrisch, beide Ränder sind gleich groß
P(X<159)=P(X>191)
Also ist ein Rand die Hälfte von 0,046
P(X>191)≈21−0,954=20,046=0,023=2,3%
Probe über die Teilflächen der rechten Hälfte
P(X>191)≈50%−34,1%−13,6%=2,3%
Die äußeren Streifen direkt addiert ergeben 2,1+0,1=2,2 % — der Unterschied ist
die Rundung der Streifen. Genau sind es 2,28 % (Schritt 13).
(iv) Kleiner als 151 oder größer als 199 cm
beide Ränder jenseits von drei σ
Schritt 12Zwei Ränder jenseits von μ±3σ
Die Grenzen als μ±3σ schreiben
151=175−3⋅8=μ−3σ,199=175+3⋅8=μ+3σ
Gefragt sind beide Ränder; ihr Gegenereignis ist die Mitte
({X<151}∪{X>199})c={151≤X≤199}
Komplementsatz und dritte σ-Regel
P(X<151 oder X>199)=1−P(151≤X≤199)≈1−0,996=0,004=0,4%
Aus den Streifen käme 2⋅0,1=0,2 % heraus. Beide Zahlen stammen aus gerundeten
Streifen; der genaue Wert 0,27 % liegt dazwischen (Schritt 13). Verlangt ist die
σ-Regel, also 0,4 %.
Schritt 13Ergänzung: wie genau die σ-Regeln sind
Ergänzung — die Antworten im Sinne der Aufgabe stehen schon da. Hier wird nur
gezeigt, wie weit die gerundeten σ-Regeln vom genauen Wert entfernt sind.
Die Teilflächen genauer, in Prozent auf drei Stellen
pnorm(183, mean = 175, sd = 8) - pnorm(167, mean = 175, sd = 8)
#[1] 0.6826895
1 - pnorm(191, mean = 175, sd = 8)
#[1] 0.02275013
2 * pnorm(151, mean = 175, sd = 8) # linker Rand, mal 2 wegen der Symmetrie
#[1] 0.002699796
Schritt 14Ergebnis
✓(i) P(167≤X≤183)≈0,682=68,2 % — gut zwei von drei
Erwachsenen sind 167 bis 183 cm groß
✓(ii) P(159≤X≤191)≈0,954=95,4 % — etwa 19 von 20
Erwachsenen liegen zwischen 159 und 191 cm
✓(iii) P(X>191)≈0,023=2,3 % — gut zwei von 100 Erwachsenen
sind größer als 191 cm
✓(iv) P(X<151 oder X>199)≈0,004=0,4 % nach
σ-Regel, also etwa 4 von 1.000 Personen — genau gerechnet sind es 0,27 %, knapp 3 von
1.000
Plausibilität: Je breiter der Bereich um 175 cm, desto größer die Wahrscheinlichkeit:
0,682<0,954<0,996. Die Ränder werden entsprechend kleiner. (iii) ist genau
die Hälfte dessen, was bei (ii) fehlt: 0,954+2⋅0,023=1.
Typische Fehler:N(175,64) als σ=64 lesen — der zweite Parameter ist die
Varianz, also σ=64=8. Bei (iii) das Halbieren vergessen und 0,046
angeben — das wären beide Ränder. Bei (iv) dagegen halbieren, obwohl dort nach beiden
Rändern gefragt ist.