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ESTO · Übungsblatt 4 · Aufgabe 2

Exponentialverteilung: ein Punkt, links davon, dazwischen

XX ist exponentialverteilt mit λ=3,5\lambda = 3{,}5 — man kann sich XX als zufällige Wartezeit vorstellen. Gefragt sind drei Wahrscheinlichkeiten: für genau einen Wert, für „höchstens 3,5“ und für den Bereich zwischen 2 und 3. Alle drei sind Flächen unter einer Kurve, und genau das ist der Inhalt der Aufgabe. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

Es sei XX exponentialverteilt mit Parameter λ=3,5\lambda = 3{,}5. Bestimmen Sie

  1. P(X=3,5)P(X = 3{,}5)
  2. P(X≤3,5)P(X \le 3{,}5)
  3. P(2≤X≤3)P(2 \le X \le 3)

In eigenen Worten: XX ist eine Zufallsvariable, die jeden Wert größer als 0 annehmen kann — etwa eine Wartezeit. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit, dass XX (i) genau 3,5 ist, (ii) höchstens 3,5 ist und (iii) zwischen 2 und 3 liegt, die Grenzen eingeschlossen. λ\lambda (gesprochen „lambda“) ist der einzige Parameter der Verteilung; was er bedeutet, steht in Schritt 2.

Hinweis zur Musterlösung: Für (ii) schreibt sie ≈0,99999\approx 0{,}99999. Das ist nach fünf Stellen abgeschnitten, nicht gerundet — gerundet wäre es 1,000001{,}00000. Hier steht deshalb 0,99999520{,}9999952 mit sieben Stellen (Schritt 8). Die Ergebnisse selbst stimmen überein.

Das Modell

stetig, Dichte, Exponentialverteilung

Schritt 1 Eine stetige Zufallsvariable

XX kann jeden Wert in einem Intervall annehmen, nicht nur ganze Zahlen
X nimmt Werte t an mit t>0X \text{ nimmt Werte } t \text{ an mit } t > 0
Wahrscheinlichkeit ist Fläche unter der Dichte
P(a≤X≤b)=Fla¨che unter fX zwischen a und b,Gesamtfla¨che=1P(a \le X \le b) = \text{Fläche unter } f_X \text{ zwischen } a \text{ und } b, \qquad \text{Gesamtfläche} = 1

Schritt 2 Die Exponentialverteilung Exp(λ)\mathrm{Exp}(\lambda)

Die Dichte hat einen einzigen Parameter, die Rate λ>0\lambda > 0
X∼Exp(λ),fX(t)=λ e−λtfu¨r t>0X \sim \mathrm{Exp}(\lambda), \qquad f_X(t) = \lambda \, e^{-\lambda t} \quad \text{für } t > 0
Am Anfang, bei t=0t = 0, ist e0=1e^{0} = 1
fX(0)=λ⋅e0=λ⋅1=λf_X(0) = \lambda \cdot e^{0} = \lambda \cdot 1 = \lambda

Schritt 3 Die Dichte für λ=3,5\lambda = 3{,}5

λ=3,5\lambda = 3{,}5 eingesetzt
fX(t)=3,5 e−3,5 tf_X(t) = 3{,}5 \, e^{-3{,}5\,t}
Ein Wert zum Nachrechnen: t=2t = 2
fX(2)=3,5⋅e−3,5⋅2=3,5⋅e−7≈3,5⋅0,000912≈0,00319f_X(2) = 3{,}5 \cdot e^{-3{,}5 \cdot 2} = 3{,}5 \cdot e^{-7} \approx 3{,}5 \cdot 0{,}000912 \approx 0{,}00319
tt 3,5⋅t3{,}5 \cdot t e−3,5 te^{-3{,}5\,t} fX(t)f_X(t)
0 0 1 3,5
0,5 1,75 0,174 0,608
1 3,5 0,0302 0,106
2 7 0,000912 0,00319
3 10,5 0,0000275 0,0000964
3,5 12,25 0,00000479 0,0000167

Die Werte e−3,5 te^{-3{,}5\,t} und fX(t)f_X(t) sind auf drei gültige Ziffern gerundet: drei Ziffern, gezählt ab der ersten, die nicht 0 ist. Die Werte bei t=0t = 0 sind genau.

(i) Genau der Wert 3,5

ein Strich hat keine Fläche

Schritt 4 Ein Punkt hat keine Fläche

Ein schmaler Streifen der Breite hh ab 3,5 passt in ein Rechteck der Höhe 3,5
P(X=3,5)  ≤  P(3,5≤X≤3,5+h)  ≤  3,5⋅hP(X = 3{,}5) \;\le\; P(3{,}5 \le X \le 3{,}5 + h) \;\le\; 3{,}5 \cdot h
Breite hh obere Schranke 3,5⋅h3{,}5 \cdot h
0,1 0,35
0,01 0,035
0,001 0,0035
0,000001 0,0000035

Schritt 5 P(X=3,5)=0P(X = 3{,}5) = 0

Kleiner als jede positive Zahl und nicht negativ — also 0
P(X=3,5)=0P(X = 3{,}5) = 0
Das gilt für jeden einzelnen Wert xx einer stetigen Zufallsvariablen
P(X=x)=0P(X = x) = 0

(ii) Höchstens 3,5

die Fläche links von 3,5

Schritt 6 Die Verteilungsfunktion: Fläche links von tt

Dieselbe Definition wie bei diskreten Zufallsvariablen
FX(t)=P(X≤t)=Fla¨che unter fX links von tF_X(t) = P(X \le t) = \text{Fläche unter } f_X \text{ links von } t
Ob ≤\le oder <<, ist bei einer stetigen Zufallsvariablen gleich — der Punkt tt hat keine Fläche
P(X≤t)=P(X<t)+P(X=t)⏟= 0=P(X<t)P(X \le t) = P(X < t) + \underbrace{P(X = t)}_{=\,0} = P(X < t)

Schritt 7 Die Formel FX(t)=1−e−λtF_X(t) = 1 - e^{-\lambda t}

Verteilungsfunktion der Exponentialverteilung
FX(t)=1−e−λtfu¨r t≥0F_X(t) = 1 - e^{-\lambda t} \quad \text{für } t \ge 0
Probe an den Rändern: links von 0 liegt keine Fläche, insgesamt ist sie 1
FX(0)=1−e0=1−1=0,t sehr groß: e−λt≈0  ⇒  FX(t)≈1F_X(0) = 1 - e^{0} = 1 - 1 = 0, \qquad t \text{ sehr groß: } e^{-\lambda t} \approx 0 \;\Rightarrow\; F_X(t) \approx 1
Mit λ=3,5\lambda = 3{,}5
FX(t)=1−e−3,5 tF_X(t) = 1 - e^{-3{,}5\,t}

Schritt 8 FX(3,5)F_X(3{,}5) ausrechnen

t=3,5t = 3{,}5 einsetzen
P(X≤3,5)=FX(3,5)=1−e−3,5⋅3,5=1−e−12,25P(X \le 3{,}5) = F_X(3{,}5) = 1 - e^{-3{,}5 \cdot 3{,}5} = 1 - e^{-12{,}25}
Die Potenz: e−12,25e^{-12{,}25} ist 1 geteilt durch e12,25e^{12{,}25}
e−12,25=1e12,25=1208.981,3≈0,0000047851e^{-12{,}25} = \frac{1}{e^{12{,}25}} = \frac{1}{208.981{,}3} \approx 0{,}0000047851
Von 1 abziehen, auf sieben Nachkommastellen gerundet
P(X≤3,5)=1−0,0000047851=0,9999952149≈0,9999952P(X \le 3{,}5) = 1 - 0{,}0000047851 = 0{,}9999952149 \approx 0{,}9999952

(iii) Zwischen 2 und 3

die Differenz zweier Flächen

Schritt 9 „Zwischen“ als Differenz zweier Flächen

Die Fläche links von 3 besteht aus zwei Stücken
P(X≤3)⏟links von 3=P(X<2)⏟links von 2+P(2≤X≤3)⏟zwischen 2 und 3\underbrace{P(X \le 3)}_{\text{links von } 3} = \underbrace{P(X < 2)}_{\text{links von } 2} + \underbrace{P(2 \le X \le 3)}_{\text{zwischen 2 und 3}}
Nach dem gesuchten Stück umstellen; P(X<2)=P(X≤2)P(X < 2) = P(X \le 2), weil P(X=2)=0P(X = 2) = 0
P(2≤X≤3)=P(X≤3)−P(X≤2)=FX(3)−FX(2)P(2 \le X \le 3) = P(X \le 3) - P(X \le 2) = F_X(3) - F_X(2)
Allgemein: die obere Grenze zuerst
P(a≤X≤b)=FX(b)−FX(a)P(a \le X \le b) = F_X(b) - F_X(a)

Schritt 10 FX(3)F_X(3) und FX(2)F_X(2) ausrechnen

Zu t=3t = 3 gehört 3,5⋅3=10,53{,}5 \cdot 3 = 10{,}5, zu t=2t = 2 gehört 3,5⋅2=73{,}5 \cdot 2 = 7
FX(3)=1−e−10,5,FX(2)=1−e−7F_X(3) = 1 - e^{-10{,}5}, \qquad F_X(2) = 1 - e^{-7}
Die beiden Potenzen
e−10,5=136.315,5≈0,00002753645,e−7=11.096,633≈0,00091188197e^{-10{,}5} = \frac{1}{36.315{,}5} \approx 0{,}00002753645, \qquad e^{-7} = \frac{1}{1.096{,}633} \approx 0{,}00091188197
tt 3,5⋅t3{,}5 \cdot t e−3,5 te^{-3{,}5\,t} FX(t)=1−e−3,5 tF_X(t) = 1 - e^{-3{,}5\,t}
2 7 0,00091188197 0,99908811803
3 10,5 0,00002753645 0,99997246355

Schritt 11 Die Differenz: die Einsen heben sich auf

Einsetzen — FX(3)F_X(3) vorne, FX(2)F_X(2) hinten
FX(3)−FX(2)=(1−e−10,5)−(1−e−7)F_X(3) - F_X(2) = \big(1 - e^{-10{,}5}\big) - \big(1 - e^{-7}\big)
Klammern auflösen: das Minus vor der zweiten Klammer dreht beide Vorzeichen darin um
=1−e−10,5−1+e−7= 1 - e^{-10{,}5} - 1 + e^{-7}
1−1=01 - 1 = 0, der Rest umsortiert
=e−7−e−10,5= e^{-7} - e^{-10{,}5}
Zahlen aus Schritt 10 einsetzen, auf sechs Nachkommastellen gerundet
=0,00091188197−0,00002753645=0,00088434552≈0,000884= 0{,}00091188197 - 0{,}00002753645 = 0{,}00088434552 \approx 0{,}000884

Ergänzung: R

dieselben Zahlen mit einem Befehl

Schritt 12 Ergänzung: dieselbe Rechnung in R

Ergänzung — das Ergebnis steht schon in den Schritten davor. Hier dieselben Zahlen mit den R-Befehlen der Musterlösung. pexp(t, rate = λ) gibt FX(t)F_X(t), also die Fläche links von tt.

(ii)  pexp(3.5, rate = 3.5)
      #[1] 0.9999952
(iii) pexp(3, 3.5) - pexp(2, 3.5)
      #[1] 0.0008843455

Schritt 13 Ergebnis

✓(i) P(X=3,5)=0P(X = 3{,}5) = \mathbf{0} — ein einzelner Wert hat bei einer stetigen Zufallsvariablen keine Fläche
✓(ii) P(X≤3,5)=1−e−12,25≈0,9999952P(X \le 3{,}5) = 1 - e^{-12{,}25} \approx \mathbf{0{,}9999952} — fast sicher; nur in etwa 5 von einer Million Fällen ist XX größer als 3,5
✓(iii) P(2≤X≤3)=e−7−e−10,5≈0,000884P(2 \le X \le 3) = e^{-7} - e^{-10{,}5} \approx \mathbf{0{,}000884} — in etwa 9 von 10.000 Fällen liegt XX zwischen 2 und 3

Probe zu (iii): Rechts von 2 liegt insgesamt die Fläche 1−FX(2)=e−7≈0,0009121 - F_X(2) = e^{-7} \approx 0{,}000912. Das Stück zwischen 2 und 3 ist ein Teil davon und muss kleiner sein: 0,000884<0,0009120{,}000884 < 0{,}000912. Es ist sogar fast alles davon — rechts von 3 bleibt nur noch e−10,5≈0,0000275e^{-10{,}5} \approx 0{,}0000275.

Plausibilität (Ergänzung): Im Mittel über viele Wiederholungen ist eine exponentialverteilte Wartezeit 1λ\tfrac{1}{\lambda} lang, hier 13,5≈0,29\tfrac{1}{3{,}5} \approx 0{,}29 Zeiteinheiten. Die Werte 2, 3 und 3,5 sind also 7-, 10,5- und 12,25-mal so groß wie die mittlere Wartezeit — genau die Zahlen λ⋅t\lambda \cdot t im Exponenten. So lange Wartezeiten sind extrem selten. Deshalb liegt fast die ganze Fläche links von 3,5, und das Stück zwischen 2 und 3 ist winzig.

Typische Fehler: Für (i) den Dichtewert fX(3,5)≈0,0000167f_X(3{,}5) \approx 0{,}0000167 hinschreiben — eine Dichte ist keine Wahrscheinlichkeit. In (iii) die Exponenten vertauschen: e−10,5−e−7e^{-10{,}5} - e^{-7} ist negativ, und eine Wahrscheinlichkeit kann nie negativ sein. Und zu früh runden: Mit FX(3)≈1,0000F_X(3) \approx 1{,}0000 und FX(2)≈0,9991F_X(2) \approx 0{,}9991 käme 0,00090{,}0009 heraus statt 0,0008840{,}000884.