Zwei Zufallsvariablen kommen vor. „Zufallsgröße“ in der Aufgabe ist ein anderes Wort für
Zufallsvariable : eine Größe, deren Wert vom Zufall abhängt.
X X X zählt die Erfolge bei 20 Versuchen, jeder mit Erfolgswahrscheinlichkeit 0,4. Mögliche
Werte: 0 bis 20.
Y Y Y nimmt nur drei Werte an: − 1 -1 − 1 , 1 1 1 und 2 2 2 . Die Wahrscheinlichkeiten dafür stehen in der
Aufgabe.
Gesucht sind vor allem zwei Kennzahlen. Der Erwartungswert E E E : Wo liegt die
Zufallsvariable im Mittel? Die Varianz v a r \mathrm{var} var : Wie stark streut sie um diesen
Mittelwert? Beide werden in den Schritten 2 und 4 genau erklärt. Dazu kommen zwei
Wahrscheinlichkeiten der Form „höchstens …“.
Der Weg:
(ii) An Y Y Y Erwartungswert und Varianz nach Definition ausrechnen, die Varianz auf zwei
Wegen.
(i) Für X X X die fertigen Formeln der Binomialverteilung nehmen. Dann sehen, was „+ 3 +3 + 3 “ mit
Erwartungswert und Varianz macht.
(iii) Erwartungswerte einer Summe und eines Produkts aus X X X und Y Y Y .
(iv) Die Varianz einer Differenz aus X X X und Y Y Y .
Teil (ii) kommt zuerst, weil man an drei Werten die Definition vollständig nachrechnen kann.
Bei X X X mit 21 Werten nimmt man dann die fertige Formel und weiß schon, was sie bedeutet.
Merke: Manche Rechenregeln gelten immer, andere nur, wenn
X X X und
Y Y Y unabhängig sind.
Deshalb sagt die Aufgabe ausdrücklich, dass
Y Y Y von
X X X unabhängig ist. Die Tabelle in Teil
(iii) stellt beide Arten von Regeln nebeneinander.
0,2 + 0,2 + 0,6 = 1 0{,}2 + 0{,}2 + 0{,}6 = 1 0 , 2 + 0 , 2 + 0 , 6 = 1
Zuerst die Angaben zu Y Y Y ordnen. Die drei möglichen Werte heißen y 1 = − 1 y_1 = -1 y 1 = − 1 , y 2 = 1 y_2 = 1 y 2 = 1
und y 3 = 2 y_3 = 2 y 3 = 2 . Der kleine Index i i i nummeriert sie nur durch.
Zu jedem Wert gehört eine Wahrscheinlichkeit p i = P ( Y = y i ) p_i = P(Y = y_i) p i = P ( Y = y i ) : p 1 = 0,2 p_1 = 0{,}2 p 1 = 0 , 2 , p 2 = 0,2 p_2 =
0{,}2 p 2 = 0 , 2 und p 3 = 0,6 p_3 = 0{,}6 p 3 = 0 , 6 .
Diese Zuordnung heißt Verteilung von Y Y Y : welche Werte, mit welcher
Wahrscheinlichkeit. Probe: Zusammen ergeben die drei Wahrscheinlichkeiten 1. Irgendeinen
der drei Werte nimmt Y Y Y also sicher an.
In der Grafik steht über jedem Wert eine Säule. Die Säule über 2 ist dreimal so hoch wie
die anderen: Y = 2 Y = 2 Y = 2 kommt am häufigsten vor.
Aus Blatt 3, Aufgabe 1 („Von den Einzelwahrscheinlichkeiten zur
Verteilungsfunktion“):
Eine Zufallsvariable ordnet jedem Versuchsergebnis eine Zahl zu. Die Wahrscheinlichkeiten
aller ihrer Werte ergeben zusammen 1.
E ( Y ) = ∑ p i y i = 1,2 E(Y) = \sum p_i\,y_i = 1{,}2 E ( Y ) = ∑ p i y i = 1 , 2
Der Erwartungswert ist der Wert, den Y Y Y im Mittel annimmt, wenn man den
Zufallsversuch sehr oft wiederholt.
Die drei Werte einfach zu mitteln, also − 1 + 1 + 2 3 = 2 3 \tfrac{-1 + 1 + 2}{3} = \tfrac{2}{3} 3 − 1 + 1 + 2 = 3 2 , wäre
falsch. Die Werte kommen nicht gleich oft vor: 2 2 2 in 60 % der Fälle, die anderen nur in
je 20 %. Deshalb wird jeder Wert mit seiner Wahrscheinlichkeit gewichtet . Der
Erwartungswert ist ein gewichteter Mittelwert .
Das Zeichen ∑ i = 1 3 \sum_{i=1}^{3} ∑ i = 1 3 (großes griechisches Sigma, gelesen „Summe“) heißt: den
Ausdruck dahinter für i = 1 i = 1 i = 1 , 2 2 2 und 3 3 3 aufschreiben und alles addieren.
Mit Zahlen: 0,2 ⋅ ( − 1 ) + 0,2 ⋅ 1 + 0,6 ⋅ 2 = − 0,2 + 0,2 + 1,2 = 1,2 0{,}2 \cdot (-1) + 0{,}2 \cdot 1 + 0{,}6 \cdot 2 = -0{,}2 + 0{,}2 + 1{,}2 =
1{,}2 0 , 2 ⋅ ( − 1 ) + 0 , 2 ⋅ 1 + 0 , 6 ⋅ 2 = − 0 , 2 + 0 , 2 + 1 , 2 = 1 , 2 .
Anschaulich: Bei 100 Wiederholungen kommt etwa 20-mal − 1 -1 − 1 , 20-mal 1 1 1 und 60-mal
2 2 2 heraus. Alle 100 Werte zusammen ergeben − 20 + 20 + 120 = 120 -20 + 20 + 120 = 120 − 20 + 20 + 120 = 120 , im Schnitt also 120 : 100 = 1,2 120 :
100 = 1{,}2 120 : 100 = 1 , 2 .
Für den Erwartungswert schreibt man kurz μ \mu μ (griechisch „mü“): μ = E ( Y ) = 1,2 \mu = E(Y) = 1{,}2 μ = E ( Y ) = 1 , 2 .
Schwerpunkt: Stellt man sich die Säulen als Gewichte auf einem Brett vor,
balanciert das Brett genau bei 1,2 — dort steht der Keil in der Grafik. 1,2 ist selbst
kein möglicher Wert von
Y Y Y . Ein Erwartungswert muss das auch nicht sein.
y i − μ y_i - \mu y i − μ :
− 2,2 -2{,}2 − 2 , 2 ;
− 0,2 -0{,}2 − 0 , 2 ;
0,8 0{,}8 0 , 8
Jetzt die zweite Frage: Wie stark streut Y Y Y um μ = 1,2 \mu = 1{,}2 μ = 1 , 2 ? Dazu zuerst für
jeden Wert den Abstand zu μ \mu μ , die Abweichung y i − μ y_i - \mu y i − μ :
− 1 − 1,2 = − 2,2 -1 - 1{,}2 = -2{,}2 − 1 − 1 , 2 = − 2 , 2 — weit links vom Erwartungswert
1 − 1,2 = − 0,2 1 - 1{,}2 = -0{,}2 1 − 1 , 2 = − 0 , 2 — knapp links
2 − 1,2 = 0,8 2 - 1{,}2 = 0{,}8 2 − 1 , 2 = 0 , 8 — rechts
Naheliegend wäre, diese Abweichungen gewichtet zu mitteln. Das ergibt aber genau 0 0 0 :
− 0,44 − 0,04 + 0,48 = 0 -0{,}44 - 0{,}04 + 0{,}48 = 0 − 0 , 44 − 0 , 04 + 0 , 48 = 0 . Die Abweichungen nach links und nach rechts heben sich
auf.
Das ist kein Zufall. Der Erwartungswert ist der Schwerpunkt aus Schritt 2: Genau dort
halten sich die gewichteten Abweichungen nach links (− 0,44 -0{,}44 − 0 , 44 und − 0,04 -0{,}04 − 0 , 04 ) und nach
rechts (+ 0,48 +0{,}48 + 0 , 48 ) die Waage. Deshalb kommt bei jeder Verteilung 0 heraus, egal wie
stark sie streut. Als Maß für die Streuung taugt das nicht.
Der Ausweg: Die Abweichungen vor dem Mitteln quadrieren . Ein Quadrat ist nie
negativ. Links und rechts können sich dann nicht mehr aufheben.
v a r ( Y ) = ∑ p i ( y i − μ ) 2 = 1,36 \mathrm{var}(Y) = \sum p_i\,(y_i - \mu)^2 = 1{,}36 var ( Y ) = ∑ p i ( y i − μ ) 2 = 1 , 36
Die Varianz ist die mittlere quadratische Abweichung : jede Abweichung
quadrieren, mit ihrer Wahrscheinlichkeit gewichten, alles addieren. Man schreibt
v a r ( Y ) \mathrm{var}(Y) var ( Y ) (von englisch variance ) oder kurz σ 2 \sigma^2 σ 2 (griechisch „sigma
Quadrat“).
Im Skript steht dafür v a r ( Y ) = E ( ( Y − μ ) 2 ) \mathrm{var}(Y) = E\big((Y - \mu)^2\big) var ( Y ) = E ( ( Y − μ ) 2 ) : der Erwartungswert der
quadrierten Abweichung. Das passt zusammen, denn ( Y − μ ) 2 (Y - \mu)^2 ( Y − μ ) 2 ist selbst eine
Zufallsvariable. Sie nimmt die Werte 4,84 4{,}84 4 , 84 , 0,04 0{,}04 0 , 04 und 0,64 0{,}64 0 , 64 an — und zwar genau
dann, wenn Y Y Y den Wert − 1 -1 − 1 , 1 1 1 bzw. 2 2 2 hat, also mit denselben Wahrscheinlichkeiten
0,2 0{,}2 0 , 2 , 0,2 0{,}2 0 , 2 und 0,6 0{,}6 0 , 6 . Ihr Erwartungswert nach Schritt 2 ist deshalb genau die
Summe in der Tabelle.
Die Tabelle rechts geht Spalte für Spalte vor:
− 1 -1 − 1 : ( − 2,2 ) 2 = 4,84 (-2{,}2)^2 = 4{,}84 ( − 2 , 2 ) 2 = 4 , 84 , mal 0,2 0{,}2 0 , 2 ergibt 0,968 0{,}968 0 , 968
1 1 1 : ( − 0,2 ) 2 = 0,04 (-0{,}2)^2 = 0{,}04 ( − 0 , 2 ) 2 = 0 , 04 , mal 0,2 0{,}2 0 , 2 ergibt 0,008 0{,}008 0 , 008
2 2 2 : 0,8 2 = 0,64 0{,}8^2 = 0{,}64 0 , 8 2 = 0 , 64 , mal 0,6 0{,}6 0 , 6 ergibt 0,384 0{,}384 0 , 384
Summe: 0,968 + 0,008 + 0,384 = 1,36 0{,}968 + 0{,}008 + 0{,}384 = \mathbf{1{,}36} 0 , 968 + 0 , 008 + 0 , 384 = 1 , 36 .
Der Wert − 1 -1 − 1 liefert fast alles, obwohl er nur in 20 % der Fälle vorkommt. Er liegt am
weitesten weg, und durch das Quadrieren zählen große Abweichungen besonders stark.
Durch das Quadrieren hat die Varianz nicht mehr die Einheit von Y Y Y . Wäre Y Y Y ein Betrag
in Euro, hätte die Varianz die Einheit Euro², mit der man nichts anfangen kann. Deshalb
zieht man oft die Wurzel; sie macht aus Euro² wieder Euro. Die
Standardabweichung σ Y = v a r ( Y ) = 1,36 ≈ 1,17 \sigma_Y = \sqrt{\mathrm{var}(Y)} = \sqrt{1{,}36} \approx
1{,}17 σ Y = var ( Y ) = 1 , 36 ≈ 1 , 17 misst die Streuung wieder in der Einheit von Y Y Y (der Index Y Y Y sagt, zu welcher
Zufallsvariable sie gehört): So weit liegen die Werte grob gesagt typischerweise von μ = 1,2 \mu
= 1{,}2 μ = 1 , 2 entfernt.
Merke: Eine Varianz ist nie negativ. Sie ist eine Summe aus Wahrscheinlichkeiten
mal Quadraten, und beides ist nie negativ.
E ( Y 2 ) = 2,8 E(Y^2) = 2{,}8 E ( Y 2 ) = 2 , 8
In Schritt 4 wurde von jedem Wert zuerst μ \mu μ abgezogen und dann quadriert. Es gibt einen
zweiten, oft kürzeren Weg zur Varianz, bei dem man μ \mu μ nur einmal braucht (Schritt 6).
Er benutzt E ( Y 2 ) E(Y^2) E ( Y 2 ) , den Erwartungswert von Y 2 Y^2 Y 2 .
Y 2 Y^2 Y 2 ist eine neue Zufallsvariable: den Wert von Y Y Y nehmen und quadrieren. Aus − 1 -1 − 1 wird
1 1 1 , aus 1 1 1 bleibt 1 1 1 , aus 2 2 2 wird 4 4 4 . Die Wahrscheinlichkeiten bleiben dieselben:
Y 2 = 4 Y^2 = 4 Y 2 = 4 genau dann, wenn Y = 2 Y = 2 Y = 2 — also mit 0,6 0{,}6 0 , 6 .
Das ist dieselbe Überlegung wie bei ( Y − μ ) 2 (Y - \mu)^2 ( Y − μ ) 2 in Schritt 4. Der Erwartungswert geht
deshalb wie in Schritt 2, nur mit den quadrierten Werten: 0,2 ⋅ 1 + 0,2 ⋅ 1 + 0,6 ⋅ 4 = 0,2 + 0,2 + 2,4 = 2,8 0{,}2 \cdot 1 + 0{,}2 \cdot 1 +
0{,}6 \cdot 4 = 0{,}2 + 0{,}2 + 2{,}4 = 2{,}8 0 , 2 ⋅ 1 + 0 , 2 ⋅ 1 + 0 , 6 ⋅ 4 = 0 , 2 + 0 , 2 + 2 , 4 = 2 , 8 .
Achtung: Quadriert werden die
Werte y i y_i y i , nicht die Wahrscheinlichkeiten
p i p_i p i .
Zwei Schreibweisen, die man leicht verwechselt: E ( Y 2 ) E(Y^2) E ( Y 2 ) heißt: erst jeden Wert
quadrieren, dann den Erwartungswert bilden —
2,8 2{,}8 2 , 8 .
E ( Y ) 2 E(Y)^2 E ( Y ) 2 bedeutet
( E ( Y ) ) 2 \big(E(Y)\big)^2 ( E ( Y ) ) 2 : erst den Erwartungswert bilden, dann quadrieren —
1,2 2 = 1,44 1{,}2^2 = 1{,}44 1 , 2 2 = 1 , 44 .
Das Ergebnis ist verschieden.
v a r ( Y ) = E ( Y 2 ) − E ( Y ) 2 = 1,36 \mathrm{var}(Y) = E(Y^2) - E(Y)^2 = 1{,}36 var ( Y ) = E ( Y 2 ) − E ( Y ) 2 = 1 , 36
Der Unterschied aus Schritt 5, 2,8 − 1,44 = 1,36 2{,}8 - 1{,}44 = 1{,}36 2 , 8 − 1 , 44 = 1 , 36 , ist genau die Varianz aus
Schritt 4. Das gilt immer. Die Herleitung rechts braucht nur Schulrechnen:
Die binomische Formel ( a − b ) 2 = a 2 − 2 a b + b 2 (a - b)^2 = a^2 - 2ab + b^2 ( a − b ) 2 = a 2 − 2 ab + b 2 mit a = y i a = y_i a = y i und b = μ b = \mu b = μ
auflösen.
p i p_i p i in die Klammer multiplizieren. Jeder Summand besteht jetzt aus drei Teilen.
Für i = 1 , 2 , 3 i = 1, 2, 3 i = 1 , 2 , 3 ausschreiben: drei Klammern mit je drei Teilen, also neun Zahlen, die
addiert werden.
Bei einer reinen Summe darf man die Reihenfolge beliebig ändern. Deshalb werden die
Teile gleicher Art zusammengestellt: alle mit y i 2 y_i^2 y i 2 , alle mit y i y_i y i , alle ohne y y y .
In der zweiten Gruppe steckt in jedem Teil der Faktor 2 μ 2\mu 2 μ , in der dritten der Faktor
μ 2 \mu^2 μ 2 . Das sind feste Zahlen (2,4 2{,}4 2 , 4 und 1,44 1{,}44 1 , 44 ); sie werden ausgeklammert, wie 3 a + 3 b = 3 ( a + b ) 3a
+ 3b = 3(a + b) 3 a + 3 b = 3 ( a + b ) .
Die drei Klammern sind bekannt: p 1 y 1 2 + p 2 y 2 2 + p 3 y 3 2 = E ( Y 2 ) p_1 y_1^2 + p_2 y_2^2 + p_3 y_3^2 = E(Y^2) p 1 y 1 2 + p 2 y 2 2 + p 3 y 3 2 = E ( Y 2 ) aus Schritt
5, p 1 y 1 + p 2 y 2 + p 3 y 3 = E ( Y ) = μ p_1 y_1 + p_2 y_2 + p_3 y_3 = E(Y) = \mu p 1 y 1 + p 2 y 2 + p 3 y 3 = E ( Y ) = μ aus Schritt 2 und p 1 + p 2 + p 3 = 1 p_1 + p_2 + p_3 = 1 p 1 + p 2 + p 3 = 1
aus Schritt 1.
Zusammen: E ( Y 2 ) − 2 μ ⋅ μ + μ 2 ⋅ 1 = E ( Y 2 ) − μ 2 E(Y^2) - 2\mu \cdot \mu + \mu^2 \cdot 1 = E(Y^2) - \mu^2 E ( Y 2 ) − 2 μ ⋅ μ + μ 2 ⋅ 1 = E ( Y 2 ) − μ 2 . Diese Formel heißt
Verschiebungssatz .
Mit Zahlen: v a r ( Y ) = 2,8 − 1,2 2 = 2,8 − 1,44 = 1,36 \mathrm{var}(Y) = 2{,}8 - 1{,}2^2 = 2{,}8 - 1{,}44 = 1{,}36 var ( Y ) = 2 , 8 − 1 , 2 2 = 2 , 8 − 1 , 44 = 1 , 36 — dasselbe wie
nach Definition.
Die Musterlösung schreibt dieselbe Herleitung mit E E E statt mit Summen. Sie benutzt dabei
E ( c ) = c E(c) = c E ( c ) = c : Der Erwartungswert einer festen Zahl c c c ist die Zahl selbst.
Dieselbe Technik erklärt Schritt 3: Aufteilen und Ausklammern ergibt ∑ p i ( y i − μ ) = ∑ p i y i − μ ∑ p i = μ − μ ⋅ 1 = 0 \sum
p_i\,(y_i - \mu) = \sum p_i\,y_i - \mu \sum p_i = \mu - \mu \cdot 1 = 0 ∑ p i ( y i − μ ) = ∑ p i y i − μ ∑ p i = μ − μ ⋅ 1 = 0 . Die gewichteten
Abweichungen heben sich also bei jeder Verteilung auf.
Wann welcher Weg? Nach Definition sieht man, was die Varianz bedeutet. Der
Verschiebungssatz ist oft schneller, weil man
μ \mu μ nicht von jedem Wert abziehen muss.
P ( Y ≤ 0 ) = P ( Y = − 1 ) = 0,2 P(Y \le 0) = P(Y = -1) = 0{,}2 P ( Y ≤ 0 ) = P ( Y = − 1 ) = 0 , 2
Y ≤ 0 Y \le 0 Y ≤ 0 heißt: Y Y Y ist kleiner oder gleich 0. Welche der drei möglichen Werte erfüllen
das?
− 1 ≤ 0 -1 \le 0 − 1 ≤ 0 — ja
1 ≤ 0 1 \le 0 1 ≤ 0 — nein
2 ≤ 0 2 \le 0 2 ≤ 0 — nein
Die 0 selbst ist kein Wert von Y Y Y , über ihr steht keine Säule. Sie bringt also nichts
dazu.
Damit P ( Y ≤ 0 ) = P ( Y = − 1 ) = 0,2 P(Y \le 0) = P(Y = -1) = \mathbf{0{,}2} P ( Y ≤ 0 ) = P ( Y = − 1 ) = 0 , 2 . In 20 % der Fälle ist Y Y Y höchstens 0.
E ( X ) = 8 E(X) = 8 E ( X ) = 8 ,
v a r ( X ) = 4,8 \mathrm{var}(X) = 4{,}8 var ( X ) = 4 , 8
Jetzt zu X X X . Die Aufgabe sagt: X X X ist binomialverteilt mit n = 20 n = 20 n = 20 und p = 0,4 p = 0{,}4 p = 0 , 4 ,
kurz X ∼ B ( 20 ; 0,4 ) X \sim B(20;\,0{,}4) X ∼ B ( 20 ; 0 , 4 ) .
Aus Blatt 3, Aufgabe 4 („Binomialverteilung: genau, mindestens, mehr als“): X ∼ B ( n ; p ) X \sim
B(n;\,p) X ∼ B ( n ; p ) zählt die Erfolge bei
n n n unabhängigen Versuchen mit je
Erfolgswahrscheinlichkeit
p p p . Das Zeichen
∼ \sim ∼ heißt „ist verteilt wie“. Die
Einzelwahrscheinlichkeiten sind
P ( X = k ) = ( n k ) p k ( 1 − p ) n − k P(X = k) = \binom{n}{k}\,p^{k}\,(1-p)^{n-k} P ( X = k ) = ( k n ) p k ( 1 − p ) n − k . Dort kam
auch schon der Erwartungswert
n ⋅ p n \cdot p n ⋅ p vor, als im Mittel zu erwartende Zahl der
Erfolge:
12 ⋅ 0,2 = 2,4 12 \cdot 0{,}2 = 2{,}4 12 ⋅ 0 , 2 = 2 , 4 Träger.
X X X hat 21 mögliche Werte. Die Definitionen aus Schritt 2 und 4 gingen auch hier, wären
aber lang: je 21 Summanden. Für die bekannten Verteilungen sind diese Summen schon
allgemein ausgerechnet. Die Ergebnisse stehen in der Tabelle der Kenngrößen im
Vorlesungsskript (Kapitel „Verteilungen“):
E ( X ) = n ⋅ p = 20 ⋅ 0,4 = 8 E(X) = n \cdot p = 20 \cdot 0{,}4 = 8 E ( X ) = n ⋅ p = 20 ⋅ 0 , 4 = 8
v a r ( X ) = n ⋅ p ⋅ ( 1 − p ) = 20 ⋅ 0,4 ⋅ 0,6 = 4,8 \mathrm{var}(X) = n \cdot p \cdot (1-p) = 20 \cdot 0{,}4 \cdot 0{,}6 = 4{,}8 var ( X ) = n ⋅ p ⋅ ( 1 − p ) = 20 ⋅ 0 , 4 ⋅ 0 , 6 = 4 , 8
Warum E ( X ) = n ⋅ p E(X) = n \cdot p E ( X ) = n ⋅ p ? Ein einzelner Versuch bringt 1 Erfolg mit
Wahrscheinlichkeit 0,4 und 0 Erfolge mit Wahrscheinlichkeit 0,6. Nach der Definition aus
Schritt 2 ist sein Erwartungswert 0,6 ⋅ 0 + 0,4 ⋅ 1 = 0,4 0{,}6 \cdot 0 + 0{,}4 \cdot 1 = 0{,}4 0 , 6 ⋅ 0 + 0 , 4 ⋅ 1 = 0 , 4 . Jeder der 20
Versuche steuert also im Mittel 0,4 Erfolge bei, alle zusammen 20 ⋅ 0,4 = 8 20 \cdot 0{,}4 = 8 20 ⋅ 0 , 4 = 8 . Kurz:
40 % von 20 sind 8.
Warum v a r ( X ) = n ⋅ p ⋅ ( 1 − p ) \mathrm{var}(X) = n \cdot p \cdot (1-p) var ( X ) = n ⋅ p ⋅ ( 1 − p ) ? Wieder zuerst ein einzelner
Versuch, mit der Definition aus Schritt 4 und μ = 0,4 \mu = 0{,}4 μ = 0 , 4 : 0,6 ⋅ ( 0 − 0,4 ) 2 + 0,4 ⋅ ( 1 − 0,4 ) 2 = 0,6 ⋅ 0,16 + 0,4 ⋅ 0,36 = 0,096 + 0,144 = 0,24 0{,}6 \cdot (0 - 0{,}4)^2 +
0{,}4 \cdot (1 - 0{,}4)^2 = 0{,}6 \cdot 0{,}16 + 0{,}4 \cdot 0{,}36 = 0{,}096 + 0{,}144 =
0{,}24 0 , 6 ⋅ ( 0 − 0 , 4 ) 2 + 0 , 4 ⋅ ( 1 − 0 , 4 ) 2 = 0 , 6 ⋅ 0 , 16 + 0 , 4 ⋅ 0 , 36 = 0 , 096 + 0 , 144 = 0 , 24 . Das ist p ⋅ ( 1 − p ) = 0,4 ⋅ 0,6 p \cdot (1-p) = 0{,}4 \cdot 0{,}6 p ⋅ ( 1 − p ) = 0 , 4 ⋅ 0 , 6 . Die 20 Versuche sind unabhängig, und
bei unabhängigen Summanden addieren sich die Varianzen: 20 ⋅ 0,24 = 4,8 20 \cdot 0{,}24 = 4{,}8 20 ⋅ 0 , 24 = 4 , 8 . Diese
Additionsregel wird erst in Schritt 15 begründet; hier genügt der Wert aus der Tabelle.
Die Standardabweichung ist σ X = 4,8 ≈ 2,19 \sigma_X = \sqrt{4{,}8} \approx 2{,}19 σ X = 4 , 8 ≈ 2 , 19 . In der Grafik steht
die höchste Säule beim Erwartungswert 8; das Band oben reicht 2,19 nach jeder Seite.
E ( X + 3 ) = E ( X ) + 3 = 11 E(X+3) = E(X) + 3 = 11 E ( X + 3 ) = E ( X ) + 3 = 11
X + 3 X + 3 X + 3 ist wieder eine Zufallsvariable: Zu jedem Wert von X X X kommen 3 dazu. Aus 0
Erfolgen wird 3, aus 8 wird 11. Die Wahrscheinlichkeiten ändern sich nicht: X + 3 = k + 3 X + 3 = k +
3 X + 3 = k + 3 genau dann, wenn X = k X = k X = k .
In der Grafik rücken alle Säulen um 3 nach rechts (gestrichelt). Der Schwerpunkt rückt
mit, von 8 auf 11.
Nachgerechnet mit der Definition aus Schritt 2. Der Index k k k läuft über alle 21 Werte von
0 bis 20. Achtung: P ( X = k ) P(X = k) P ( X = k ) ist die Höhe der Säule bei k k k — nicht dasselbe wie der
Parameter p = 0,4 p = 0{,}4 p = 0 , 4 .
Die Summe aufteilen: ∑ k = 0 20 P ( X = k ) ( k + 3 ) = ∑ k = 0 20 P ( X = k ) k + ∑ k = 0 20 P ( X = k ) ⋅ 3 \sum_{k=0}^{20} P(X{=}k)\,(k + 3) = \sum_{k=0}^{20} P(X{=}k)\,k +
\sum_{k=0}^{20} P(X{=}k) \cdot 3 ∑ k = 0 20 P ( X = k ) ( k + 3 ) = ∑ k = 0 20 P ( X = k ) k + ∑ k = 0 20 P ( X = k ) ⋅ 3 .
Der erste Teil ist nach Schritt 2 genau E ( X ) = 8 E(X) = 8 E ( X ) = 8 .
Im zweiten Teil die feste Zahl 3 ausklammern: 3 ⋅ ∑ k = 0 20 P ( X = k ) = 3 ⋅ 1 = 3 3 \cdot \sum_{k=0}^{20} P(X{=}k) = 3
\cdot 1 = 3 3 ⋅ ∑ k = 0 20 P ( X = k ) = 3 ⋅ 1 = 3 , denn alle 21 Säulen zusammen ergeben 1.
Also E ( X + 3 ) = 8 + 3 = 11 E(X + 3) = 8 + 3 = \mathbf{11} E ( X + 3 ) = 8 + 3 = 11 .
Mit einem Faktor a a a vor X X X geht es genauso: Jeder Wert wird mit a a a multipliziert, also
auch der Mittelwert. Das ergibt die allgemeine Regel E ( a X + b ) = a ⋅ E ( X ) + b E(aX + b) = a \cdot E(X) + b E ( a X + b ) = a ⋅ E ( X ) + b . a a a
und b b b sind dabei feste Zahlen. Die Regel gilt für jede Zufallsvariable.
Merke: Feste Zahlen dürfen aus dem Erwartungswert heraus — ein Faktor als Faktor,
ein Summand als Summand.
v a r ( X + 3 ) = v a r ( X ) = 4,8 \mathrm{var}(X+3) = \mathrm{var}(X) = 4{,}8 var ( X + 3 ) = var ( X ) = 4 , 8
Die Varianz misst, wie weit die Werte um den Erwartungswert streuen. Beim Verschieben um 3
rücken alle Werte und der Erwartungswert um 3. Die Abstände bleiben gleich: ( k + 3 ) − 11 = k − 8 (k +
3) - 11 = k - 8 ( k + 3 ) − 11 = k − 8 .
Gleiche Abweichungen mit gleichen Wahrscheinlichkeiten ergeben nach der Definition aus
Schritt 4 dieselbe Varianz: v a r ( X + 3 ) = 4,8 \mathrm{var}(X + 3) = \mathbf{4{,}8} var ( X + 3 ) = 4 , 8 . In der Grafik ist das
gestrichelte Säulenbild genauso breit wie das alte, beide Bänder sind gleich lang.
Und ein Faktor a a a ? Bei a X aX a X werden alle Abstände zum Erwartungswert a a a -mal so
groß. Die Varianz rechnet mit den Quadraten der Abstände, und die werden a 2 a^2 a 2 -mal
so groß. Beispiel: Bei 2 X 2X 2 X sind die Abstände doppelt so groß, die Varianz viermal so
groß.
Zusammen: v a r ( a X + b ) = a 2 ⋅ v a r ( X ) \mathrm{var}(aX + b) = a^2 \cdot \mathrm{var}(X) var ( a X + b ) = a 2 ⋅ var ( X ) . Der Summand b b b fällt weg,
der Faktor a a a steht im Quadrat. Hier ist a = 1 a = 1 a = 1 : 1 2 ⋅ 4,8 = 4,8 1^2 \cdot 4{,}8 = 4{,}8 1 2 ⋅ 4 , 8 = 4 , 8 .
Typischer Fehler: v a r ( X + 3 ) = 4,8 + 3 = 7,8 \mathrm{var}(X + 3) = 4{,}8 + 3 = 7{,}8 var ( X + 3 ) = 4 , 8 + 3 = 7 , 8 . Verschieben ändert die
Lage, nicht die Streuung.
P ( X ≤ 5 ) ≈ 0,1256 P(X \le 5) \approx 0{,}1256 P ( X ≤ 5 ) ≈ 0 , 1256
„X ≤ 5 X \le 5 X ≤ 5 “ heißt höchstens 5 Erfolge, also X = 0 , 1 , 2 , 3 , 4 X = 0, 1, 2, 3, 4 X = 0 , 1 , 2 , 3 , 4 oder 5 5 5 . Diese sechs
Fälle schließen sich gegenseitig aus. Deshalb dürfen ihre Wahrscheinlichkeiten addiert
werden — in der Grafik die sechs Säulen links.
Jede Säule kommt aus der Binomialformel. ( 20 k ) \binom{20}{k} ( k 20 ) (gelesen „20 über k k k “) zählt,
auf wie viele Arten die k k k Erfolge auf die 20 Versuche verteilt sein können. 0,4 k 0{,}4^{k} 0 , 4 k
steht für die k k k Erfolge, 0,6 20 − k 0{,}6^{20-k} 0 , 6 20 − k für die übrigen 20 − k 20 - k 20 − k Misserfolge.
Aus Blatt 3, Aufgabe 4 („Binomialverteilung: genau, mindestens, mehr als“): n ! n! n !
(„
n n n Fakultät“) ist das Produkt
1 ⋅ 2 ⋅ … ⋅ n 1 \cdot 2 \cdot \ldots \cdot n 1 ⋅ 2 ⋅ … ⋅ n , und
( n k ) = n ! k ! ( n − k ) ! \binom{n}{k} =
\tfrac{n!}{k!\,(n-k)!} ( k n ) = k ! ( n − k )! n ! . Den gemeinsamen Block im Zähler und Nenner kürzt man weg, statt
ihn auszurechnen.
Für k = 5 k = 5 k = 5 steht die Rechnung rechts ausführlich. Es ist ( 20 5 ) = 20 ! 5 ! 15 ! \binom{20}{5} =
\tfrac{20!}{5!\,15!} ( 5 20 ) = 5 ! 15 ! 20 ! . Im Zähler steht 20 ! = 20 ⋅ 19 ⋅ 18 ⋅ 17 ⋅ 16 ⋅ 15 ! 20! = 20 \cdot 19 \cdot 18 \cdot 17 \cdot 16 \cdot
15! 20 ! = 20 ⋅ 19 ⋅ 18 ⋅ 17 ⋅ 16 ⋅ 15 ! — der Rest ab 15 abwärts ist genau 15 ! 15! 15 ! . Dieser Block steht auch im Nenner und kürzt
sich weg. Übrig bleiben oben die fünf Zahlen von 20 abwärts und unten 5 ! = 5 ⋅ 4 ⋅ 3 ⋅ 2 ⋅ 1 = 120 5! = 5 \cdot 4
\cdot 3 \cdot 2 \cdot 1 = 120 5 ! = 5 ⋅ 4 ⋅ 3 ⋅ 2 ⋅ 1 = 120 .
Dazu 0,4 5 = 0,01024 0{,}4^5 = 0{,}01024 0 , 4 5 = 0 , 01024 und 0,6 15 ≈ 0,000470185 0{,}6^{15} \approx 0{,}000470185 0 , 6 15 ≈ 0 , 000470185 . Das Produkt ist P ( X = 5 ) ≈ 0,0746470 P(X =
5) \approx 0{,}0746470 P ( X = 5 ) ≈ 0 , 0746470 .
Die übrigen fünf Zeilen gehen genauso. Zur Schreibweise: Gerechnet wird immer mit
dem vollen Wert; angegeben sind sieben Stellen. Weil das gerundet ist, steht ≈ \approx ≈
statt = = = . Die Summe ist ≈ 0,1255990 \approx 0{,}1255990 ≈ 0 , 1255990 , auf vier Stellen 0,1256 \mathbf{0{,}1256} 0 , 1256 .
Passt das? X ≤ 5 X \le 5 X ≤ 5 heißt: X X X liegt unter E ( X ) − σ X ≈ 8 − 2,19 = 5,81 E(X) - \sigma_X \approx 8 - 2{,}19 =
5{,}81 E ( X ) − σ X ≈ 8 − 2 , 19 = 5 , 81 , also mehr als eine Standardabweichung unter dem Erwartungswert.
Aus Aufgabe 1 („Normalverteilung: die σ-Regeln“): Bei einer Normalverteilung liegen
68,2 % der Werte höchstens eine Standardabweichung vom Erwartungswert entfernt. Der Rest
verteilt sich gleichmäßig auf beide Seiten: Unter
μ − σ \mu - \sigma μ − σ liegen
( 100 − 68,2 ) : 2 = 15,9 (100 - 68{,}2) :
2 = 15{,}9 ( 100 − 68 , 2 ) : 2 = 15 , 9 %.
B ( 20 ; 0,4 ) B(20;\,0{,}4) B ( 20 ; 0 , 4 ) ist keine Normalverteilung, hat aber eine ähnliche Glockenform (Grafik).
Die Faustregel sagt also: etwas unter 16 %. Tatsächlich sind es 12,6 % — dieselbe
Größenordnung, rund jeder achte Durchgang. Das Ergebnis ist plausibel.
Ergänzung R: Die Musterlösung rechnet mit R, einer Statistik-Software.
pbinom(5, 20, 0.4) gibt P ( X ≤ 5 ) P(X \le 5) P ( X ≤ 5 ) für B ( 20 ; 0,4 ) B(20;\,0{,}4) B ( 20 ; 0 , 4 ) — genau
die Summe der sechs Säulen. R schreibt einen Dezimalpunkt: Die Ausgabe 0.125599 bedeutet
0,125599 0{,}125599 0 , 125599 .
P ( X = k und Y = y ) = P ( X = k ) ⋅ P ( Y = y ) P(X{=}k \text{ und } Y{=}y) = P(X{=}k) \cdot P(Y{=}y) P ( X = k und Y = y ) = P ( X = k ) ⋅ P ( Y = y )
Ab jetzt kommen X X X und Y Y Y zusammen vor. Die Aufgabe sagt: Y Y Y ist von X X X
unabhängig . Was heißt das für Zufallsvariablen?
Aus Blatt 2, Aufgabe 2 („Stochastische Unabhängigkeit“): Zwei Ereignisse
A A A und
B B B heißen unabhängig, wenn
P ( A ∩ B ) = P ( A ) ⋅ P ( B ) P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B) P ( A ∩ B ) = P ( A ) ⋅ P ( B ) . Anschaulich: Zu wissen, dass
A A A eingetreten ist, ändert nichts an der Wahrscheinlichkeit von
B B B .
Bei Zufallsvariablen muss das für jedes Paar von Werten gelten: Das Ereignis „X = k X =
k X = k “ ist unabhängig vom Ereignis „Y = y Y = y Y = y “.
Das Beispiel rechts zeigt, was das konkret heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass
beides eintritt, ist einfach das Produkt der beiden einzelnen. Für k = 8 k = 8 k = 8 kommt
P ( X = 8 ) P(X = 8) P ( X = 8 ) aus der Binomialformel: ( 20 8 ) ⋅ 0,4 8 ⋅ 0,6 12 = 125.970 ⋅ 0,00065536 ⋅ 0,0021768 ≈ 0,1797058 \binom{20}{8} \cdot 0{,}4^8 \cdot 0{,}6^{12} = 125.970
\cdot 0{,}00065536 \cdot 0{,}0021768 \approx 0{,}1797058 ( 8 20 ) ⋅ 0 , 4 8 ⋅ 0 , 6 12 = 125.970 ⋅ 0 , 00065536 ⋅ 0 , 0021768 ≈ 0 , 1797058 . Mit P ( Y = 2 ) = 0,6 P(Y = 2) = 0{,}6 P ( Y = 2 ) = 0 , 6 aus der
Aufgabe ergibt sich 0,1797058 ⋅ 0,6 ≈ 0,1078235 0{,}1797058 \cdot 0{,}6 \approx 0{,}1078235 0 , 1797058 ⋅ 0 , 6 ≈ 0 , 1078235 (sieben Stellen, deshalb
≈ \approx ≈ ).
Anschaulich: Der Wert von X X X verrät nichts über den Wert von Y Y Y . Dann verrät auch alles,
was man allein aus X X X ausrechnet — etwa X + 1 X + 1 X + 1 oder 3 X 3X 3 X —, nichts über Y Y Y . Solche
Größen sind also ebenfalls unabhängig von Y Y Y .
Die Tabelle rechts oben sammelt alle Rechenregeln dieser Aufgabe. Die ersten vier gelten
für beliebige Zufallsvariablen. Die letzten zwei — hervorgehoben — gelten nur , wenn
die beiden Zufallsvariablen unabhängig sind.
E ( 3 X + 5 Y ) = 3 ⋅ 8 + 5 ⋅ 1,2 = 30 E(3X+5Y) = 3 \cdot 8 + 5 \cdot 1{,}2 = 30 E ( 3 X + 5 Y ) = 3 ⋅ 8 + 5 ⋅ 1 , 2 = 30
Hier helfen zwei Regeln. Beide gelten immer , auch ohne Unabhängigkeit.
1. Summe: E ( U + V ) = E ( U ) + E ( V ) E(U + V) = E(U) + E(V) E ( U + V ) = E ( U ) + E ( V ) für zwei beliebige Zufallsvariablen U U U und V V V .
Anschaulich mit 100 Wiederholungen: Die 100 Werte von U + V U + V U + V ergeben zusammen dasselbe
wie die 100 Werte von U U U plus die 100 Werte von V V V . Durch 100 geteilt: Der Mittelwert
der Summe ist die Summe der Mittelwerte. Dabei spielt keine Rolle, ob U U U und V V V
zusammenhängen.
2. Faktor: E ( a X + b ) = a ⋅ E ( X ) + b E(aX + b) = a \cdot E(X) + b E ( a X + b ) = a ⋅ E ( X ) + b aus Schritt 9, hier mit b = 0 b = 0 b = 0 : E ( 3 X ) = 3 ⋅ E ( X ) E(3X) =
3 \cdot E(X) E ( 3 X ) = 3 ⋅ E ( X ) und E ( 5 Y ) = 5 ⋅ E ( Y ) E(5Y) = 5 \cdot E(Y) E ( 5 Y ) = 5 ⋅ E ( Y ) .
Mit E ( X ) = 8 E(X) = 8 E ( X ) = 8 aus Schritt 8 und E ( Y ) = 1,2 E(Y) = 1{,}2 E ( Y ) = 1 , 2 aus Schritt 2: 3 ⋅ 8 + 5 ⋅ 1,2 = 24 + 6 = 30 3 \cdot 8 + 5 \cdot 1{,}2
= 24 + 6 = \mathbf{30} 3 ⋅ 8 + 5 ⋅ 1 , 2 = 24 + 6 = 30 .
Linearität: Beide Regeln zusammen heißen Linearität des Erwartungswerts:
E ( c X + d Y ) = c E ( X ) + d E ( Y ) E(cX +
dY) = c\,E(X) + d\,E(Y) E ( c X + d Y ) = c E ( X ) + d E ( Y ) für feste Zahlen
c c c und
d d d , hier
c = 3 c = 3 c = 3 und
d = 5 d = 5 d = 5 . Andere
Buchstaben als
a a a ,
b b b , damit keine Verwechslung mit der Regel
E ( a X + b ) E(aX + b) E ( a X + b ) entsteht, in
der
b b b ein Summand ist. Die Linearität gilt immer — die Unabhängigkeit wird hier nicht
gebraucht.
E ( X + 1 ) ⋅ E ( Y ) = 9 ⋅ 1,2 = 10,8 E(X+1) \cdot E(Y) = 9 \cdot 1{,}2 = 10{,}8 E ( X + 1 ) ⋅ E ( Y ) = 9 ⋅ 1 , 2 = 10 , 8
Jetzt ein Produkt zweier Zufallsvariablen. Dafür gibt es eine Regel, aber nur mit
Unabhängigkeit: Sind U U U und V V V unabhängig, dann gilt E ( U ⋅ V ) = E ( U ) ⋅ E ( V ) E(U \cdot V) = E(U) \cdot E(V) E ( U ⋅ V ) = E ( U ) ⋅ E ( V ) .
Hier ist U = X + 1 U = X + 1 U = X + 1 und V = Y V = Y V = Y . X + 1 X + 1 X + 1 hängt nur von X X X ab und ist deshalb nach
Schritt 12 unabhängig von Y Y Y . Die Regel darf also benutzt werden:
E ( X + 1 ) = E ( X ) + 1 = 8 + 1 = 9 E(X + 1) = E(X) + 1 = 8 + 1 = 9 E ( X + 1 ) = E ( X ) + 1 = 8 + 1 = 9 — Regel aus Schritt 9 mit a = 1 a = 1 a = 1 , b = 1 b = 1 b = 1 .
E ( Y ) = 1,2 E(Y) = 1{,}2 E ( Y ) = 1 , 2 aus Schritt 2.
9 ⋅ 1,2 = 10,8 9 \cdot 1{,}2 = \mathbf{10{,}8} 9 ⋅ 1 , 2 = 10 , 8 .
Warum braucht es die Unabhängigkeit? Das Gegenbeispiel steckt schon in Teil (ii).
Y Y Y ist nicht unabhängig von sich selbst: Wer Y Y Y kennt, kennt Y Y Y . Für Y ⋅ Y = Y 2 Y \cdot Y = Y^2 Y ⋅ Y = Y 2
ist E ( Y 2 ) = 2,8 E(Y^2) = 2{,}8 E ( Y 2 ) = 2 , 8 (Schritt 5), aber E ( Y ) ⋅ E ( Y ) = 1,44 E(Y) \cdot E(Y) = 1{,}44 E ( Y ) ⋅ E ( Y ) = 1 , 44 . Die Produktregel läge
hier falsch.
Nur für Interessierte: E ( U ⋅ V ) E(U \cdot V) E ( U ⋅ V ) ist die Summe über alle Wertepaare von u ⋅ v ⋅ P ( U = u und V = v ) u
\cdot v \cdot P(U = u \text{ und } V = v) u ⋅ v ⋅ P ( U = u und V = v ) . Bei Unabhängigkeit ist die Wahrscheinlichkeit
ein Produkt P ( U = u ) ⋅ P ( V = v ) P(U = u) \cdot P(V = v) P ( U = u ) ⋅ P ( V = v ) . Dann zerfällt die Summe in ∑ u P ( U = u ) ⋅ ∑ v P ( V = v ) = E ( U ) ⋅ E ( V ) \sum u\,P(U = u) \cdot
\sum v\,P(V = v) = E(U) \cdot E(V) ∑ u P ( U = u ) ⋅ ∑ v P ( V = v ) = E ( U ) ⋅ E ( V ) .
v a r ( c X + d Y ) = c 2 v a r ( X ) + d 2 v a r ( Y ) \mathrm{var}(cX+dY) = c^2\,\mathrm{var}(X) + d^2\,\mathrm{var}(Y) var ( c X + d Y ) = c 2 var ( X ) + d 2 var ( Y )
Für die Varianz einer Summe gibt es wieder eine Regel, die Unabhängigkeit braucht: Sind
X X X und Y Y Y unabhängig, addieren sich die Varianzen, v a r ( X + Y ) = v a r ( X ) + v a r ( Y ) \mathrm{var}(X + Y) =
\mathrm{var}(X) + \mathrm{var}(Y) var ( X + Y ) = var ( X ) + var ( Y ) .
Anschaulich: Jede der beiden streut für sich. Weil sie nichts voneinander wissen, liegen
ihre Abweichungen nicht systematisch auf derselben Seite. Sie verstärken sich im Mittel
nicht und heben sich auch nicht auf.
Gegenbeispiel ohne Unabhängigkeit: Y + Y = 2 Y Y + Y = 2Y Y + Y = 2 Y . Nach Schritt 10 ist
v a r ( 2 Y ) = 2 2 ⋅ 1,36 = 5,44 \mathrm{var}(2Y) = 2^2 \cdot 1{,}36 = 5{,}44 var ( 2 Y ) = 2 2 ⋅ 1 , 36 = 5 , 44 . Die Summenregel ergäbe nur 1,36 + 1,36 = 2,72 1{,}36 +
1{,}36 = 2{,}72 1 , 36 + 1 , 36 = 2 , 72 . Der Grund: Y Y Y und Y Y Y weichen immer gemeinsam in dieselbe Richtung ab,
die Abweichungen verstärken sich.
Nun beide Regeln verbinden, mit festen Faktoren c c c vor X X X und d d d vor Y Y Y (wie in
Schritt 13). c X cX c X hängt nur von X X X ab, d Y dY d Y nur von Y Y Y — also sind auch c X cX c X und d Y dY d Y
unabhängig (Schritt 12). Damit:
v a r ( c X + d Y ) = v a r ( c X ) + v a r ( d Y ) \mathrm{var}(cX + dY) = \mathrm{var}(cX) + \mathrm{var}(dY) var ( c X + d Y ) = var ( c X ) + var ( d Y ) — Summenregel
v a r ( c X ) = c 2 ⋅ v a r ( X ) \mathrm{var}(cX) = c^2 \cdot \mathrm{var}(X) var ( c X ) = c 2 ⋅ var ( X ) und v a r ( d Y ) = d 2 ⋅ v a r ( Y ) \mathrm{var}(dY) = d^2 \cdot
\mathrm{var}(Y) var ( d Y ) = d 2 ⋅ var ( Y ) — die Regel v a r ( a X + b ) = a 2 v a r ( X ) \mathrm{var}(aX + b) = a^2\,\mathrm{var}(X) var ( a X + b ) = a 2 var ( X ) aus Schritt
10, hier ohne Verschiebung (b = 0 b = 0 b = 0 )
Zusammen: v a r ( c X + d Y ) = c 2 v a r ( X ) + d 2 v a r ( Y ) \mathrm{var}(cX + dY) = c^2\,\mathrm{var}(X) + d^2\,\mathrm{var}(Y) var ( c X + d Y ) = c 2 var ( X ) + d 2 var ( Y ) .
Ergänzung — Rückblick auf Schritt 8: X X X zählt die Erfolge von 20 unabhängigen
Versuchen, ist also eine Summe aus 20 unabhängigen Einzelversuchen. Jeder hat die Varianz
0,24 0{,}24 0 , 24 . Nach der Summenregel addieren sich die 20 Varianzen: 20 ⋅ 0,24 = 4,8 = n ⋅ p ⋅ ( 1 − p ) 20 \cdot 0{,}24 = 4{,}8 =
n \cdot p \cdot (1-p) 20 ⋅ 0 , 24 = 4 , 8 = n ⋅ p ⋅ ( 1 − p ) . So entsteht die Formel aus der Tabelle.
4,8 + 4 ⋅ 1,36 = 10,24 4{,}8 + 4 \cdot 1{,}36 = 10{,}24 4 , 8 + 4 ⋅ 1 , 36 = 10 , 24
X − 2 Y X - 2Y X − 2 Y ist eine Summe, wenn man das Minus in den Faktor steckt: X + ( − 2 ) ⋅ Y X + (-2) \cdot Y X + ( − 2 ) ⋅ Y . Also
c = 1 c = 1 c = 1 und d = − 2 d = -2 d = − 2 .
Eingesetzt in die Regel aus Schritt 15: 1 2 ⋅ v a r ( X ) + ( − 2 ) 2 ⋅ v a r ( Y ) = 1 2 ⋅ 4,8 + ( − 2 ) 2 ⋅ 1,36 1^2 \cdot \mathrm{var}(X) + (-2)^2 \cdot
\mathrm{var}(Y) = 1^2 \cdot 4{,}8 + (-2)^2 \cdot 1{,}36 1 2 ⋅ var ( X ) + ( − 2 ) 2 ⋅ var ( Y ) = 1 2 ⋅ 4 , 8 + ( − 2 ) 2 ⋅ 1 , 36 .
Der entscheidende Punkt: ( − 2 ) 2 = ( − 2 ) ⋅ ( − 2 ) = + 4 (-2)^2 = (-2) \cdot (-2) = +4 ( − 2 ) 2 = ( − 2 ) ⋅ ( − 2 ) = + 4 . Das Quadrat macht aus dem Minus
ein Plus. Also 4,8 + 4 ⋅ 1,36 = 4,8 + 5,44 = 10,24 4{,}8 + 4 \cdot 1{,}36 = 4{,}8 + 5{,}44 = \mathbf{10{,}24} 4 , 8 + 4 ⋅ 1 , 36 = 4 , 8 + 5 , 44 = 10 , 24 .
Die Varianz ist größer als die von X X X allein. Das ist richtig so: 2 Y 2Y 2 Y bringt seine
eigene Streuung mit, egal ob man es addiert oder abzieht. Etwas Zufälliges abzuziehen
macht das Ergebnis nicht sicherer, sondern unsicherer.
Als Standardabweichung: 10,24 = 3,2 \sqrt{10{,}24} = 3{,}2 10 , 24 = 3 , 2 .
Typischer Fehler: v a r ( X ) − 4 ⋅ v a r ( Y ) = 4,8 − 5,44 = − 0,64 \mathrm{var}(X) - 4 \cdot \mathrm{var}(Y) = 4{,}8 - 5{,}44 =
-0{,}64 var ( X ) − 4 ⋅ var ( Y ) = 4 , 8 − 5 , 44 = − 0 , 64 . Eine Varianz kann nie negativ sein (Schritt 4) — das Ergebnis verrät den Fehler.
Ebenso falsch ist
4,8 − 2 ⋅ 1,36 = 2,08 4{,}8 - 2 \cdot 1{,}36 = 2{,}08 4 , 8 − 2 ⋅ 1 , 36 = 2 , 08 : Dort ist der Faktor nicht quadriert
und das Minus geblieben.
Gesucht
Weg
Wert
(i) E ( X + 3 ) E(X+3) E ( X + 3 )
E ( X ) + 3 E(X) + 3 E ( X ) + 3
11
(i) v a r ( X + 3 ) \mathrm{var}(X+3) var ( X + 3 )
Verschieben ändert nichts
4,8
(i) P ( X ≤ 5 ) P(X \le 5) P ( X ≤ 5 )
sechs Säulen addieren
0,1256
(ii) E ( Y ) E(Y) E ( Y )
gewichteter Mittelwert
1,2
(ii) v a r ( Y ) \mathrm{var}(Y) var ( Y )
Definition oder E ( Y 2 ) − E ( Y ) 2 E(Y^2) - E(Y)^2 E ( Y 2 ) − E ( Y ) 2
1,36
(ii) P ( Y ≤ 0 ) P(Y \le 0) P ( Y ≤ 0 )
nur y = − 1 y = -1 y = − 1
0,2
(iii) E ( 3 X + 5 Y ) E(3X+5Y) E ( 3 X + 5 Y )
Linearität (immer)
30
(iii) E ( ( X + 1 ) ⋅ Y ) E((X+1)\cdot Y) E (( X + 1 ) ⋅ Y )
Produktregel (unabhängig)
10,8
(iv) v a r ( X − 2 Y ) \mathrm{var}(X-2Y) var ( X − 2 Y )
1 2 ⋅ 4,8 + ( − 2 ) 2 ⋅ 1,36 1^2 \cdot 4{,}8 + (-2)^2 \cdot 1{,}36 1 2 ⋅ 4 , 8 + ( − 2 ) 2 ⋅ 1 , 36 (unabhängig)
10,24
In Worten: Y Y Y liegt im Mittel bei 1,2 und streut mit der Standardabweichung
σ Y ≈ 1,17 \sigma_Y \approx 1{,}17 σ Y ≈ 1 , 17 darum. X X X liegt im Mittel bei 8 Erfolgen; höchstens 5 Erfolge
gibt es nur in rund 12,6 % der Fälle. 3 X + 5 Y 3X + 5Y 3 X + 5 Y liegt im Mittel bei 30, und X − 2 Y X - 2Y X − 2 Y streut
mit der Standardabweichung 10,24 = 3,2 \sqrt{10{,}24} = 3{,}2 10 , 24 = 3 , 2 deutlich stärker als X X X allein
(σ X ≈ 2,19 \sigma_X \approx 2{,}19 σ X ≈ 2 , 19 ).
Rückblick in vier Sätzen: Der Erwartungswert ist der gewichtete Mittelwert, die
Varianz die mittlere quadratische Abweichung. Verschieben ändert nur den Erwartungswert, ein
Faktor
a a a geht als
a 2 a^2 a 2 in die Varianz. Erwartungswerte von Summen darf man immer
aufteilen. Erwartungswerte von Produkten und Varianzen von Summen nur bei Unabhängigkeit.