Ein Sägewerk schneidet Dachbalken. Jeder Balken soll 750 cm lang sein. Dem Inhaber wird
vorgeworfen, seine Balken seien im Mittel kürzer als 750 cm. Das Wort „unterstellt“ in
der Aufgabe heißt: Jemand behauptet das, bewiesen ist es noch nicht.
Um den Vorwurf zu prüfen, wurden 40 Balken zufällig herausgegriffen und gemessen. Im
Durchschnitt waren sie 749 cm lang, also 1 cm zu kurz. Von der Säge ist außerdem
bekannt, wie stark ihre Schnitte schwanken: Die Standardabweichung ist σ = 0,6 \sigma = 0{,}6 σ = 0 , 6 cm.
Gesucht ist eine Ja-oder-Nein-Antwort: Kann man den Vorwurf „zum Niveau α = 1 % \alpha =
1\,\% α = 1 % “ nachweisen? Was „zum Niveau 1 %“ heißt, klärt Schritt 6.
Neu auf diesem Blatt: Bisher wurde vor allem geschätzt, zuletzt mit einem
Konfidenzintervall. Hier wird entschieden . Das Werkzeug dafür heißt
statistischer Test . Er sagt, ob die Daten stark genug gegen eine Annahme sprechen, um
sie zu verwerfen. In Aufgabe 3 wurde schon einmal entschieden, dort über das
Konfidenzintervall. Hier wird zum ersten Mal ein Test Schritt für Schritt durchgerechnet, und
jeder Baustein wird von Grund auf erklärt.
Der Weg in drei Etappen:
Die Frage als Test schreiben (Schritte 1–7): zwei Hypothesen H 0 H_0 H 0 und H A H_A H A , die zwei
möglichen Fehler, das Signifikanzniveau α \alpha α und die Wahl des Tests.
Rechnen und entscheiden (Schritte 8–16): die Teststatistik Z Z Z ausrechnen, den kritischen
Wert bestimmen, beide vergleichen und die Frage beantworten.
Zwei Ergänzungen (Schritte 17–18): dieselbe Entscheidung in Zentimetern und mit dem p-Wert.
Merke: Ein Test kann nur eine Annahme
verwerfen . Deshalb kommt das, was man
zeigen will, in die Alternative
H A H_A H A — hier also „die Balken sind im Mittel zu kurz“.
Zur Musterlösung: Sie rechnet genauso und kommt auf dieselben Zahlen:
Z ≈ − 10,541 Z \approx
-10{,}541 Z ≈ − 10 , 541 , kritischer Wert
− 2,3263 -2{,}3263 − 2 , 3263 ,
H 0 H_0 H 0 wird verworfen. Das Artefakt ergänzt die
Begründungen und zwei Zusatzrechnungen.
n = 40 n = 40 n = 40 ,
x ˉ 40 = 749 \bar x_{40} = 749 x ˉ 40 = 749 cm,
σ = 0,6 \sigma = 0{,}6 σ = 0 , 6 cm,
μ 0 = 750 \mu_0 = 750 μ 0 = 750
cm
Zuerst bekommt jede Angabe der Aufgabe einen Namen.
X i X_i X i ist die Länge des i i i -ten gemessenen Balkens in cm, für i = 1 , … , 40 i = 1, \dots, 40 i = 1 , … , 40 . Die 40
Balken sind die Stichprobe , ihr Umfang ist n = 40 n = 40 n = 40 .
x ˉ 40 = 749 \bar x_{40} = 749 x ˉ 40 = 749 cm ist der Stichprobenmittelwert : die durchschnittliche Länge
dieser 40 Balken.
σ = 0,6 \sigma = 0{,}6 σ = 0 , 6 cm ist die Standardabweichung der Säge: So weit weicht ein
einzelner Balken typischerweise von der mittleren Länge ab. Sie ist bekannt. Man muss
sie also nicht wie in Blatt 5 aus den Daten schätzen.
μ \mu μ („mü“) ist der Erwartungswert : die mittlere Länge aller
Balken, die diese Säge schneidet. Um μ \mu μ geht es im Vorwurf. μ \mu μ ist
unbekannt — sonst bräuchte man keinen Test.
μ 0 = 750 \mu_0 = 750 μ 0 = 750 cm ist die Solllänge. Die kleine 0 markiert einen festen Vergleichswert,
mit dem μ \mu μ verglichen wird.
„Zufällig entnommen“ heißt hier: Die Längen X 1 , … , X 40 X_1, \dots, X_{40} X 1 , … , X 40 sind
unabhängig und identisch verteilt . Das bedeutet: Jede Messung folgt derselben
Verteilung, denn alle Balken kommen von derselben Säge. Und keine Messung beeinflusst eine
andere.
Im Bild steht der gemessene Mittelwert 749 cm als Punkt, die Solllänge 750 cm als
gestrichelte Linie.
Aus Blatt 5, Aufgabe 2 („Mittelwert und Median: ein Ausreißer bei den Ausgaben“):
Der Stichprobenmittelwert ist
x ˉ n = 1 n ∑ i = 1 n x i \bar x_n = \frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n} x_i x ˉ n = n 1 ∑ i = 1 n x i , die Summe aller
Werte geteilt durch ihre Anzahl. Hier nennt die Aufgabe ihn fertig:
x ˉ 40 = 749 \bar x_{40} = 749 x ˉ 40 = 749
cm.
Aus Blatt 5, Aufgabe 3 („Stichprobenvarianz: die Länge der Fische“): Dort war die
Streuung unbekannt und wurde aus den Daten geschätzt (
s s s ). Hier ist
σ \sigma σ von der
Maschine bekannt. Dieser Unterschied entscheidet in Schritt 7 über den Test.
1 cm unter dem Soll: Zufall oder zu kurz?
Der Mittelwert der 40 Balken liegt 1 cm unter dem Soll. Ist der Vorwurf damit bewiesen?
Nein, noch nicht.
Der Mittelwert hängt davon ab, welche 40 Balken man zufällig gegriffen hat. Andere 40
Balken hätten einen etwas anderen Mittelwert ergeben. Selbst wenn die Säge im Mittel genau
750 cm schneidet, kommt bei 40 Balken fast nie genau 750,0 cm heraus. Mal sind es ein paar
Millimeter mehr, mal weniger.
Für die 749 cm gibt es also zwei mögliche Erklärungen:
Zufall: Die Balken sind im Mittel in Ordnung (μ ≥ 750 \mu \ge 750 μ ≥ 750 ). Die Stichprobe ist
nur zufällig etwas kurz ausgefallen.
Echter Fehler: Die Säge schneidet im Mittel zu kurz (μ < 750 \mu < 750 μ < 750 ).
Ein Test fragt: Ist die Abweichung so groß, dass Zufall allein sie kaum noch erklären
kann? Dafür braucht man zweierlei: eine klare Formulierung der beiden Erklärungen
(Schritte 3–6) und ein Maß dafür, wie stark der Mittelwert zufällig schwankt (Schritt 8).
H 0 : μ ≥ 750 H_0: \mu \ge 750 H 0 : μ ≥ 750 gegen
H A : μ < 750 H_A: \mu < 750 H A : μ < 750
Eine Hypothese ist eine Aussage über den unbekannten Wert μ \mu μ , die stimmen kann
oder nicht. Ein Test stellt zwei Hypothesen gegeneinander:
die Nullhypothese H 0 H_0 H 0 (gelesen „H null“),
die Alternative H A H_A H A (gelesen „H A“).
Die beiden dürfen sich nicht überschneiden, und zusammen müssen sie alle Möglichkeiten
abdecken. Hier:
H A : μ < 750 H_A: \mu < 750 H A : μ < 750 — die Balken sind im Mittel kürzer als 750 cm. Das ist der
Vorwurf.
H 0 : μ ≥ 750 H_0: \mu \ge 750 H 0 : μ ≥ 750 — die Balken sind im Mittel mindestens 750 cm lang, also nicht
zu kurz. Das Zeichen ≥ \ge ≥ heißt „größer oder gleich“.
Jeder mögliche Wert von μ \mu μ gehört zu genau einer der beiden. Der Wert 750 selbst gehört
zu H 0 H_0 H 0 : Genau richtig ist nicht „zu kurz“.
Zu lange Balken wirft dem Inhaber niemand vor. Deshalb zählt nur die Richtung „kürzer“. So
ein Test heißt einseitig . Weil die Alternative links von 750 liegt, genauer
linksseitig . Im Bild sind die beiden Bereiche als Bänder eingezeichnet.
Aus Aufgabe 3 („Ein Ausreißer im Konfidenzintervall: Mehlpackungen“): Dort ging es
um
H 0 : μ = 500 H_0: \mu = 500 H 0 : μ = 500 gegen
H A : μ ≠ 500 H_A: \mu \ne 500 H A : μ = 500 — gefragt war, ob das Füllgewicht in
irgendeine Richtung abweicht. Das ist ein zweiseitiger Test. Hier zählt nur eine
Richtung.
„zeigen“ heißt:
H 0 H_0 H 0 verwerfen
Warum steht der Vorwurf in H A H_A H A und nicht in H 0 H_0 H 0 ? Das liegt daran, wie ein Test endet.
Es gibt nur zwei Ausgänge:
H 0 H_0 H 0 verwerfen. Die Daten sprechen so stark gegen H 0 H_0 H 0 , dass man H 0 H_0 H 0 ablehnt.
Dann gilt H A H_A H A als gezeigt . Der Test ist so gebaut, dass er H 0 H_0 H 0 zu Unrecht nur
selten verwirft: Wenn H 0 H_0 H 0 stimmt, passiert das in höchstens α \alpha α der Fälle. Wie
klein α \alpha α ist, legt Schritt 6 fest.
H 0 H_0 H 0 nicht verwerfen. Die Daten reichen nicht, um H 0 H_0 H 0 abzulehnen. Das heißt
nicht , dass H 0 H_0 H 0 gezeigt ist. Man weiß danach nur: Die Beweislage war zu
schwach.
Nur der erste Ausgang ist eine belastbare Aussage. Was man zeigen will, muss deshalb in
H A H_A H A stehen. „Die Unterstellung nachweisen“ heißt also: H 0 H_0 H 0 verwerfen.
Vergleich mit einem Gericht: Ein Angeklagter gilt als unschuldig, bis seine Schuld
bewiesen ist. Die Unschuld ist H 0 H_0 H 0 , der Vorwurf ist H A H_A H A . Ein Freispruch aus Mangel an
Beweisen heißt nicht, dass die Unschuld bewiesen ist. So ist es auch hier: Der Inhaber
gilt als ehrlich (H 0 H_0 H 0 ), bis die Daten deutlich dagegen sprechen.
Merke: Die Vermutung, die man zeigen will, kommt in
H A H_A H A . „Zeigen“ heißt:
H 0 H_0 H 0
verwerfen. „
H 0 H_0 H 0 nicht verwerfen“ zeigt gar nichts.
Typischer Fehler: H 0 : μ < 750 H_0: \mu < 750 H 0 : μ < 750 ansetzen. Dann könnte der Test höchstens
zeigen, dass die Balken
nicht zu kurz sind — das Gegenteil der Frage.
Fehler 1. Art:
H 0 H_0 H 0 verworfen, obwohl
H 0 H_0 H 0 stimmt
Der Test entscheidet mit zufälligen Daten. Deshalb kann er sich irren. Es gibt genau zwei
Arten, sich zu irren; die Tabelle im Lösungsweg stellt alle vier Fälle nebeneinander.
Fehler 1. Art: H 0 H_0 H 0 stimmt, aber der Test verwirft H 0 H_0 H 0 . Hier: Die Balken sind
im Mittel in Ordnung, und trotzdem wird der Inhaber beschuldigt. Das ist der Fehler, den
man vor allem vermeiden will.
Fehler 2. Art: H A H_A H A stimmt, aber der Test verwirft H 0 H_0 H 0 nicht. Hier: Die Säge
schneidet wirklich zu kurz, aber der Test merkt es nicht.
Bei fester Stichprobengröße kann man nicht beide Fehler zugleich beliebig klein machen.
Ein Test, der sehr vorsichtig verwirft, beschuldigt selten jemanden zu Unrecht (wenig
Fehler 1. Art). Dafür übersieht er öfter echte Mängel (mehr Fehler 2. Art). Man muss sich
also entscheiden, welchen Fehler man begrenzt. Das zeigt der nächste Schritt.
Im Bild steht über jedem Band, welcher Fehler dort passieren kann.
P ( Fehler 1. Art ) ≤ α = 0,01 P(\text{Fehler 1. Art}) \le \alpha = 0{,}01 P ( Fehler 1. Art ) ≤ α = 0 , 01
Man begrenzt den Fehler 1. Art. Dafür legt man eine obere Schranke α \alpha α („alpha“) fest
und baut den Test so, dass gilt:
P ( Fehler 1. Art ) ≤ α P(\text{Fehler 1. Art}) \le \alpha P ( Fehler 1. Art ) ≤ α
Diese Schranke heißt Signifikanzniveau . Hier gibt die Aufgabe α = 1 % = 0,01 \alpha = 1\,\% =
0{,}01 α = 1 % = 0 , 01 vor. In Worten: Sind die Balken im Mittel in Ordnung, beschuldigt der Test den
Inhaber in höchstens 1 % der Fälle zu Unrecht.
„Zum Niveau 1 % nachweisen“ heißt also: H 0 H_0 H 0 mit einem Test verwerfen, dessen Fehler 1.
Art höchstens 1 % beträgt.
Zwei Dinge gehören dazu:
α \alpha α wird vor dem Blick auf die Daten festgelegt und danach nicht mehr
geändert. Sonst könnte man sich das gewünschte Ergebnis passend machen.
α \alpha α begrenzt nur den Fehler 1. Art. Den Fehler 2. Art begrenzt der Test nicht. Auch
deshalb zeigt „H 0 H_0 H 0 nicht verwerfen“ nichts (Schritt 4).
Aus Aufgabe 1 („Konfidenzintervall bei bekannter Varianz“): Dort hieß
α \alpha α
Irrtumswahrscheinlichkeit, und
1 − α 1 - \alpha 1 − α war das Sicherheitsniveau. Beim Test heißt
dasselbe
α \alpha α Signifikanzniveau.
σ = 0,6 \sigma = 0{,}6 σ = 0 , 6 cm bekannt ⇒ Gauß-Test
Für Tests über den Erwartungswert μ \mu μ unterscheidet das Skript zwei Fälle:
Fall 1: Die Standardabweichung σ \sigma σ ist bekannt. Dann nimmt man den
Gauß-Test .
Fall 2: σ \sigma σ ist unbekannt und muss aus den Daten geschätzt werden. Dann
nimmt man den t-Test (Aufgaben 5 und 6).
Hier kennt man σ = 0,6 \sigma = 0{,}6 σ = 0 , 6 cm von der Maschine. Also: Gauß-Test . Er heißt nach
Carl Friedrich Gauß, weil er mit der Normalverteilung rechnet, der „Gaußschen
Glockenkurve“.
Voraussetzung: Streng genommen verlangt der Gauß-Test normalverteilte Längen. Das
sagt die Aufgabe nicht ausdrücklich. Es reicht aber hier, weil der Test nur mit dem
Mittelwert arbeitet. Der zentrale Grenzwertsatz sagt: Der Mittelwert vieler
unabhängiger, identisch verteilter Messungen ist näherungsweise normalverteilt, egal wie
die einzelnen Messungen verteilt sind. „Viele“ heißt als Faustregel n ≥ 30 n \ge 30 n ≥ 30 . Mit n = 40 n =
40 n = 40 ist das erfüllt. Alles, was ab Schritt 8 über die Normalverteilung des Mittelwerts
gesagt wird, gilt deshalb hier näherungsweise .
Aus Aufgabe 1 („Konfidenzintervall bei bekannter Varianz“), Schritt 6: Der zentrale
Grenzwertsatz sagt: Auch wenn die einzelnen Messungen nicht normalverteilt sind, ist ihr
Mittelwert bei großem
n n n ungefähr normalverteilt. Als Faustregel gilt
n ≥ 30 n \ge 30 n ≥ 30 .
Aus Aufgabe 3 („Ein Ausreißer im Konfidenzintervall: Mehlpackungen“): Ein
zweiseitiger Test und das Konfidenzintervall kommen zur selben Entscheidung:
H 0 : μ = μ 0 H_0: \mu =
\mu_0 H 0 : μ = μ 0 wird genau dann verworfen, wenn
μ 0 \mu_0 μ 0 nicht im Intervall liegt. Hier ist der Test
einseitig; deshalb wird er direkt gerechnet.
σ 40 = 0,6 6,3246 ≈ 0,0949 \dfrac{\sigma}{\sqrt{40}} = \dfrac{0{,}6}{6{,}3246} \approx 0{,}0949 40 σ = 6 , 3246 0 , 6 ≈ 0 , 0949 cm
Zurück zur Frage aus Schritt 2: Ist 1 cm viel? Das hängt davon ab, wie stark der
Mittelwert von 40 Balken zufällig schwankt.
Den Mittelwert als Zufallsgröße schreibt man mit großem Buchstaben: X ˉ 40 \bar X_{40} X ˉ 40 . Gemeint
ist der Mittelwert, bevor gemessen wird — er kann noch verschieden ausfallen. Das
kleine x ˉ 40 = 749 \bar x_{40} = 749 x ˉ 40 = 749 ist der Wert, der tatsächlich herauskam.
Aus Aufgabe 1 ist bekannt: X ˉ n ∼ N ( μ , σ 2 / n ) \bar X_n \sim N\big(\mu,\ \sigma^2/n\big) X ˉ n ∼ N ( μ , σ 2 / n ) . Der Mittelwert ist
normalverteilt um μ \mu μ — hier nach Schritt 7 näherungsweise. Seine Standardabweichung ist
σ / n \sigma/\sqrt{n} σ / n , also viel kleiner als die eines einzelnen Balkens:
40 ≈ 6,3246 \sqrt{40} \approx 6{,}3246 40 ≈ 6 , 3246
σ 40 = 0,6 6,3246 ≈ 0,0949 \dfrac{\sigma}{\sqrt{40}} = \dfrac{0{,}6}{6{,}3246} \approx 0{,}0949 40 σ = 6 , 3246 0 , 6 ≈ 0 , 0949 cm (auf vier
Nachkommastellen gerundet)
Ein einzelner Balken weicht typischerweise um 0,6 cm ab. Der Mittelwert von 40 Balken nur
um knapp 0,1 cm: Beim Mitteln gleichen sich zu lange und zu kurze Balken weitgehend aus.
Was heißt das für 749 cm? Angenommen, μ = 750 \mu = 750 μ = 750 . Nach der dritten σ-Regel landet
x ˉ 40 \bar x_{40} x ˉ 40 dann in ungefähr 99,6 % der Fälle zwischen 750 − 3 ⋅ 0,0949 ≈ 749,72 750 - 3 \cdot 0{,}0949 \approx
749{,}72 750 − 3 ⋅ 0 , 0949 ≈ 749 , 72 und 750 + 3 ⋅ 0,0949 ≈ 750,28 750 + 3 \cdot 0{,}0949 \approx 750{,}28 750 + 3 ⋅ 0 , 0949 ≈ 750 , 28 cm. Die gemessenen 749 cm liegen
weit links davon — so weit, dass sie im Bild gar nicht mehr Platz haben. Der Pfeil zeigt
dorthin.
Aus Aufgabe 1 („Konfidenzintervall bei bekannter Varianz“): Sind
X 1 , … , X n X_1, \dots, X_n X 1 , … , X n
unabhängig und
N ( μ , σ 2 ) N(\mu, \sigma^2) N ( μ , σ 2 ) -verteilt, so ist
X ˉ n ∼ N ( μ , σ 2 / n ) \bar X_n \sim N(\mu, \sigma^2/n) X ˉ n ∼ N ( μ , σ 2 / n ) . Die
Varianz des Mittelwerts ist
σ 2 / n \sigma^2/n σ 2 / n , seine Standardabweichung
σ / n \sigma/\sqrt{n} σ / n . Hier
gilt die Normalverteilung nach Schritt 7 näherungsweise; Varianz und Standardabweichung
des Mittelwerts gelten genau.
Aus Blatt 4, Aufgabe 1 („Normalverteilung: die σ-Regeln“): Zwischen
μ − 3 σ \mu - 3\sigma μ − 3 σ
und
μ + 3 σ \mu + 3\sigma μ + 3 σ liegen rund 99,6 % der Fläche unter der Glockenkurve.
Z = n ⋅ x ˉ n − μ 0 σ = x ˉ n − μ 0 σ / n Z = \sqrt{n}\cdot\dfrac{\bar x_n - \mu_0}{\sigma} = \dfrac{\bar x_n -
\mu_0}{\sigma/\sqrt{n}} Z = n ⋅ σ x ˉ n − μ 0 = σ / n x ˉ n − μ 0
Ein Test braucht eine einzige Zahl, die aus den Daten berechnet wird und über die
Entscheidung bestimmt. Sie heißt Teststatistik . Beim Gauß-Test heißt sie Z Z Z :
Z = n ⋅ x ˉ n − μ 0 σ Z = \sqrt{n}\cdot\dfrac{\bar x_n - \mu_0}{\sigma} Z = n ⋅ σ x ˉ n − μ 0
Die Zeichen: n n n Stichprobenumfang, x ˉ n \bar x_n x ˉ n Stichprobenmittelwert, μ 0 \mu_0 μ 0 Solllänge,
σ \sigma σ Standardabweichung eines Balkens.
Was misst Z Z Z ? Man sieht es nach einer Umformung. Mal n \sqrt{n} n ist dasselbe wie
geteilt durch 1 / n 1/\sqrt{n} 1/ n . Also ist der Nenner eigentlich σ / n \sigma/\sqrt{n} σ / n — die
Standardabweichung des Mittelwerts aus Schritt 8. Die Umformung steht Zeile für Zeile im
Lösungsweg.
Z Z Z zählt also: Um wie viele Standardabweichungen des Mittelwerts liegt x ˉ n \bar x_n x ˉ n
neben μ 0 \mu_0 μ 0 ? Im Bild ist eine solche Einheit, 0,0949 cm, als Klammer eingezeichnet. Oben
steht jetzt die Skala für Z Z Z , unten die für den Mittelwert in cm.
Z Z Z ist negativ , wenn der Mittelwert unter 750 cm liegt.
Z Z Z nahe 0 heißt: Der Mittelwert liegt dicht am Soll.
Für μ 0 \mu_0 μ 0 setzt man die Solllänge 750 ein, also den Rand von H 0 H_0 H 0 . Warum das für ganz
H 0 : μ ≥ 750 H_0: \mu \ge 750 H 0 : μ ≥ 750 ausreicht, begründet Schritt 14.
Z = 40 ⋅ 749 − 750 0,6 ≈ − 10,54 Z = \sqrt{40}\cdot\dfrac{749 - 750}{0{,}6} \approx -10{,}54 Z = 40 ⋅ 0 , 6 749 − 750 ≈ − 10 , 54
Jetzt werden die Zahlen eingesetzt: n = 40 n = 40 n = 40 , x ˉ 40 = 749 \bar x_{40} = 749 x ˉ 40 = 749 , μ 0 = 750 \mu_0 = 750 μ 0 = 750 , σ = 0,6 \sigma
= 0{,}6 σ = 0 , 6 .
Z = 40 ⋅ 749 − 750 0,6 Z = \sqrt{40}\cdot\dfrac{749 - 750}{0{,}6} Z = 40 ⋅ 0 , 6 749 − 750
Erst der Zähler des Bruchs: 749 − 750 = − 1 749 - 750 = -1 749 − 750 = − 1 .
Z = 6,3246 ⋅ − 1 0,6 = − 6,3246 0,6 ≈ − 10,541 Z = 6{,}3246 \cdot \dfrac{-1}{0{,}6} = -\dfrac{6{,}3246}{0{,}6} \approx -10{,}541 Z = 6 , 3246 ⋅ 0 , 6 − 1 = − 0 , 6 6 , 3246 ≈ − 10 , 541
R rechnet mit dem vollen Wert von 40 \sqrt{40} 40 und gibt − 10,54093 -10{,}54093 − 10 , 54093 . Auf zwei
Nachkommastellen: Z ≈ − 10,54 Z \approx \mathbf{-10{,}54} Z ≈ − 10 , 54 . Die Musterlösung schreibt − 10,541 -10{,}541 − 10 , 541 —
dieselbe Zahl.
Probe mit Schritt 8: − 1 0,0949 ≈ − 10,54 \dfrac{-1}{0{,}0949} \approx -10{,}54 0 , 0949 − 1 ≈ − 10 , 54 . Beide Wege geben
dasselbe, denn es ist dieselbe Rechnung.
In Worten: Der Mittelwert der 40 Balken liegt 10,54 Standardabweichungen des
Mittelwerts unter der Solllänge. Die Skala im Bild reicht nur bis − 4 -4 − 4 ; der Pfeil zeigt,
dass Z Z Z weit links außerhalb liegt.
Ist
μ = 750 \mu = 750 μ = 750 , dann ist
Z Z Z (näherungsweise)
∼ N ( 0 , 1 ) \sim N(0,\,1) ∼ N ( 0 , 1 )
Ist − 10,54 -10{,}54 − 10 , 54 ungewöhnlich? Dafür muss man wissen, welche Werte Z Z Z annimmt, wenn H 0 H_0 H 0
stimmt. Zuerst für den Rand von H 0 H_0 H 0 , also μ = 750 \mu = 750 μ = 750 .
Dann ist X ˉ 40 ∼ N ( 750 , 0,6 2 / 40 ) \bar X_{40} \sim N\big(750,\ 0{,}6^2/40\big) X ˉ 40 ∼ N ( 750 , 0 , 6 2 /40 ) (Schritt 8). Z Z Z als Zufallsgröße
lautet:
Z = X ˉ 40 − 750 σ / 40 Z = \dfrac{\bar X_{40} - 750}{\sigma/\sqrt{40}} Z = σ / 40 X ˉ 40 − 750
Das ist genau das Standardisieren : vom Mittelwert die Mitte 750 abziehen und durch
seine Standardabweichung σ / 40 \sigma/\sqrt{40} σ / 40 teilen. Das Ergebnis ist
standardnormalverteilt — hier nach Schritt 7 näherungsweise: Z ∼ N ( 0 , 1 ) Z \sim N(0,\,1) Z ∼ N ( 0 , 1 ) ,
eine Glocke mit Mitte 0 und Standardabweichung 1.
Das Bild zeigt diese Glocke. Wenn μ = 750 \mu = 750 μ = 750 , ist Z Z Z eine Zufallszahl aus dieser Glocke.
Nach den σ-Regeln liegt sie in rund 99,6 % der Fälle zwischen − 3 -3 − 3 und 3 3 3 .
Wichtig: Diese Glocke gilt für jede Gauß-Test-Aufgabe, egal welche Zahlen. Das macht Z Z Z
so praktisch: Man braucht nur Quantile von N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) .
Aus Aufgabe 1 („Konfidenzintervall bei bekannter Varianz“): Standardisiert man den
Mittelwert, erhält man
n ⋅ X ˉ n − μ σ ∼ N ( 0 , 1 ) \sqrt{n}\cdot\dfrac{\bar X_n - \mu}{\sigma} \sim N(0,1) n ⋅ σ X ˉ n − μ ∼ N ( 0 , 1 ) . Hier
steht für
μ \mu μ der Wert
μ 0 = 750 \mu_0 = 750 μ 0 = 750 .
Aus Blatt 4, Aufgabe 3 („Standardnormalverteilung mit R“): Die
Standardnormalverteilung
N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) ist die Normalverteilung mit
μ = 0 \mu = 0 μ = 0 und
σ = 1 \sigma = 1 σ = 1 .
Wahrscheinlichkeiten sind Flächen unter ihrer Glocke; die ganze Fläche ist 1.
H 0 H_0 H 0 verwerfen, falls
Z < c Z < c Z < c mit
P ( Z < c ) = 0,01 P(Z < c) = 0{,}01 P ( Z < c ) = 0 , 01
Welche Werte von Z Z Z sprechen gegen H 0 H_0 H 0 und für H A : μ < 750 H_A: \mu < 750 H A : μ < 750 ?
Sind die Balken im Mittel zu kurz, liegt auch der Mittelwert meist unter 750 cm. Dann ist
Z Z Z negativ, und zwar umso stärker, je kürzer die Balken sind. Große positive Werte von
Z Z Z (lange Balken) sprechen nicht für den Vorwurf.
Also: H 0 H_0 H 0 verwerfen, wenn Z Z Z sehr klein ist , kleiner als eine Grenze c c c . Die
Werte von Z Z Z , bei denen man verwirft, heißen Ablehnbereich . Er liegt links;
deshalb heißt der Test linksseitig.
Wo liegt c c c ? Hier kommt α \alpha α ins Spiel. Ein Fehler 1. Art passiert, wenn H 0 H_0 H 0
stimmt und Z Z Z trotzdem im Ablehnbereich landet. Das soll bei μ = 750 \mu = 750 μ = 750 höchstens mit 1
% Wahrscheinlichkeit passieren. Man wählt c c c also so, dass die Fläche unter der Glocke
links von c c c genau 1 % ist:
P ( Z < c ) = 0,01 P(Z < c) = 0{,}01 P ( Z < c ) = 0 , 01
Im Bild ist das die schmale rote Fläche ganz links, beschriftet mit „1 %“. Die übrigen 99
% liegen rechts davon: Dort wird H 0 H_0 H 0 nicht verworfen.
c = q 0,01 = − q 0,99 ≈ − 2,3263 c = q_{0{,}01} = -q_{0{,}99} \approx -2{,}3263 c = q 0 , 01 = − q 0 , 99 ≈ − 2 , 3263
Gesucht ist die Grenze, links von der 1 % der Fläche von N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) liegt. So eine Grenze
heißt Quantil , hier das 1-%-Quantil q 0,01 q_{0{,}01} q 0 , 01 .
Das Skript und die Musterlösung schreiben es als − q 0,99 -q_{0{,}99} − q 0 , 99 . Das ist dieselbe Zahl,
wegen der Symmetrie der Glocke um 0: Links von − q 0,99 -q_{0{,}99} − q 0 , 99 liegt so viel Fläche wie
rechts von q 0,99 q_{0{,}99} q 0 , 99 , nämlich 1 − 0,99 = 0,01 1 - 0{,}99 = 0{,}01 1 − 0 , 99 = 0 , 01 .
R liefert das Quantil mit qnorm. Ohne weitere Angaben rechnet R
mit N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) :
qnorm(0.99) gibt 2,326348. Mit Minus davor und auf vier
Nachkommastellen gerundet:
c = − q 0,99 ≈ − 2,3263 c = -q_{0{,}99} \approx \mathbf{-2{,}3263} c = − q 0 , 99 ≈ − 2 , 3263
Diese Grenze heißt kritischer Wert . Die Entscheidungsregel lautet:
H 0 H_0 H 0 verwerfen, falls Z < − 2,3263 Z < -2{,}3263 Z < − 2 , 3263 .
Warum q 0,99 q_{0{,}99} q 0 , 99 und nicht q 0,995 q_{0{,}995} q 0 , 995 ? In Aufgabe 1 stand q 1 − α / 2 q_{1-\alpha/2} q 1 − α /2 ,
weil α \alpha α dort auf zwei Ränder verteilt wurde, je die Hälfte. Hier gibt es nur einen
Rand. Das ganze α = 1 % \alpha = 1\,\% α = 1 % liegt links, also q 1 − α = q 0,99 q_{1-\alpha} = q_{0{,}99} q 1 − α = q 0 , 99 .
Aus Blatt 4, Aufgabe 5 („Quantile: die Füllmenge einer Kaffeepackung“): Ein Quantil
ist die Grenze, links von der ein vorgegebener Anteil liegt; R berechnet es mit
qnorm. Dort stand für die Standardnormalverteilung
z 0,99 ≈ 2,326348 z_{0{,}99}
\approx 2{,}326348 z 0 , 99 ≈ 2 , 326348 . Skript und Musterlösung schreiben hier
q q q statt
z z z .
Aus Aufgabe 1 („Konfidenzintervall bei bekannter Varianz“): Dort wurde
q 1 − α / 2 = q 0,975 ≈ 1,96 q_{1-\alpha/2} = q_{0{,}975} \approx 1{,}96 q 1 − α /2 = q 0 , 975 ≈ 1 , 96 für die beiden 2,5-%-Ränder benutzt.
bei
μ = 750,1 \mu = 750{,}1 μ = 750 , 1 : nur
0,04 % 0{,}04\,\% 0 , 04 % · bei
μ = 750 \mu = 750 μ = 750 : genau
1 % 1\,\% 1 %
H 0 H_0 H 0 sagt μ ≥ 750 \mu \ge 750 μ ≥ 750 , nicht nur μ = 750 \mu = 750 μ = 750 . Gerechnet wurde aber mit μ 0 = 750 \mu_0 = 750 μ 0 = 750 .
Gilt die Garantie „höchstens 1 % Fehler 1. Art“ trotzdem für alle Werte in H 0 H_0 H 0 , zum
Beispiel für μ = 750,1 \mu = 750{,}1 μ = 750 , 1 ?
Ja. Angenommen, μ = 750,1 \mu = 750{,}1 μ = 750 , 1 . Dann liegt der Mittelwert im Schnitt bei 750,1 cm
statt bei 750 cm, also 0,1 cm höher. In Einheiten von σ / 40 \sigma/\sqrt{40} σ / 40 sind das
0,1 0,0949 ≈ 1,05 \dfrac{0{,}1}{0{,}0949} \approx 1{,}05 0 , 0949 0 , 1 ≈ 1 , 05 (genauer 1,0541 1{,}0541 1 , 0541 )
Die Glocke von Z Z Z rutscht um 1,05 nach rechts , weg vom Ablehnbereich: Bei μ = 750,1 \mu =
750{,}1 μ = 750 , 1 ist Z Z Z (näherungsweise) N ( 1,05 ; 1 ) N(1{,}05;\,1) N ( 1 , 05 ; 1 ) -verteilt, mit Mitte 1,05 statt 0. Im
Bild ist diese Glocke gestrichelt.
Wie viel Fläche liegt jetzt links von − 2,3263 -2{,}3263 − 2 , 3263 ? Die Tabelle von N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) bzw.
pnorm gilt nur für die Glocke mit Mitte 0. Also schiebt man
zurück: Man zieht von Z Z Z die neue Mitte 1,05 ab. Dann ist Z − 1,0541 Z - 1{,}0541 Z − 1 , 0541 wieder
N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) -verteilt. Die Grenze muss man um dasselbe verschieben:
Z < − 2,3263 ⟺ Z − 1,0541 < − 2,3263 − 1,0541 = − 3,3804 Z < -2{,}3263 \iff Z - 1{,}0541 < -2{,}3263 - 1{,}0541 = -3{,}3804 Z < − 2 , 3263 ⟺ Z − 1 , 0541 < − 2 , 3263 − 1 , 0541 = − 3 , 3804
Die Wahrscheinlichkeit dafür ist die Fläche unter N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) links von − 3,3804 -3{,}3804 − 3 , 3804 . Genau so
schiebt der R-Befehl im Lösungsweg die Grenze. R gibt 0,00036, also rund 0,04 %. Bei μ = 750 \mu
= 750 μ = 750 waren es dagegen 1 % (Schritt 12).
Je größer μ \mu μ , desto weiter rechts liegt die Glocke, und desto kleiner wird die Gefahr,
H 0 H_0 H 0 zu Unrecht zu verwerfen. Am größten ist sie am Rand, bei μ = 750 \mu = 750 μ = 750 : genau 1 %.
Das ist der ungünstigste Fall . Hält der Test ihn ein, hält er alle Fälle in H 0 H_0 H 0
ein. Deshalb genügt es, mit μ 0 = 750 \mu_0 = 750 μ 0 = 750 zu rechnen.
Merke: Bei einseitigen Tests rechnet man mit dem Rand von
H 0 H_0 H 0 . Dort ist die
Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art am größten, und sie ist genau
α \alpha α .
Z ≈ − 10,54 < − 2,3263 Z \approx -10{,}54 < -2{,}3263 Z ≈ − 10 , 54 < − 2 , 3263
Jetzt wird die Teststatistik aus Schritt 10 mit dem kritischen Wert aus Schritt 13
verglichen:
Z ≈ − 10,54 und − 2,3263 Z \approx -10{,}54 \quad \text{und} \quad -2{,}3263 Z ≈ − 10 , 54 und − 2 , 3263
Bei negativen Zahlen ist die Zahl kleiner, die weiter links auf dem Zahlenstrahl liegt.
− 10,54 -10{,}54 − 10 , 54 liegt weit links von − 2,3263 -2{,}3263 − 2 , 3263 . Also:
Z ≈ − 10,54 < − 2,3263 Z \approx -10{,}54 < -2{,}3263 Z ≈ − 10 , 54 < − 2 , 3263
Z Z Z liegt im Ablehnbereich. Und zwar nicht knapp: 10,54 : 2,3263 ≈ 4,5 10{,}54 : 2{,}3263 \approx 4{,}5 10 , 54 : 2 , 3263 ≈ 4 , 5 . Z Z Z
ist rund viereinhalbmal so weit von 0 entfernt wie die Grenze.
Im Bild: Der Ablehnbereich beginnt bei − 2,33 -2{,}33 − 2 , 33 , das Bild endet bei − 4 -4 − 4 , und Z Z Z liegt
noch einmal gut 6,5 Einheiten weiter links. Der Pfeil zeigt dorthin.
H 0 H_0 H 0 verwerfen: Die Unterstellung ist zum Niveau 1 % nachgewiesen
Weil Z Z Z im Ablehnbereich liegt, wird H 0 H_0 H 0 verworfen . Damit ist H A H_A H A gezeigt:
μ < 750 \mu < 750 μ < 750 .
Antwort: Ja. Zum Niveau α = 1 % \alpha = 1\,\% α = 1 % kann man nachweisen, dass die Dachbalken
im Mittel kürzer sind als die Solllänge von 750 cm.
Was heißt das genau? Wären die Balken im Mittel in Ordnung, käme ein solcher Test
in höchstens 1 % der Fälle zu diesem Ergebnis. Die Garantie betrifft also das
Verfahren .
Was es nicht heißt: „Mit 99 % Wahrscheinlichkeit sind die Balken zu kurz.“ μ \mu μ
ist eine feste Zahl. Sie ist entweder kleiner als 750 oder nicht. Zufällig sind nur die
Daten.
Und wenn Z Z Z nicht im Ablehnbereich gelegen hätte? Etwa bei Z = − 1,5 Z = -1{,}5 Z = − 1 , 5 . Dann
hätte man H 0 H_0 H 0 nicht verworfen. Die Antwort wäre gewesen: „Die Unterstellung lässt sich
zum Niveau 1 % nicht nachweisen.“ Das heißt nicht , dass die Balken in Ordnung sind
(Schritt 4).
Merke: Der Antwortsatz nennt die Entscheidung, das Niveau und die Aussage im
Sachzusammenhang — hier: Balken im Mittel kürzer als 750 cm.
verwerfen, falls
x ˉ 40 < 749,78 \bar x_{40} < 749{,}78 x ˉ 40 < 749 , 78 cm
Diese Ergänzung geht über die Aufgabe hinaus. Sie übersetzt die Regel „Z < − 2,3263 Z <
-2{,}3263 Z < − 2 , 3263 “ zurück in Zentimeter.
Man setzt die Formel für Z Z Z ein und löst nach x ˉ 40 \bar x_{40} x ˉ 40 auf. Die Zeilen stehen im
Lösungsweg:
Beide Seiten mal σ / 40 = 0,0949 \sigma/\sqrt{40} = 0{,}0949 σ / 40 = 0 , 0949 . Die Zahl ist positiv, also bleibt das
Zeichen < < < stehen.
Rechts: − 2,3263 ⋅ 0,0949 ≈ − 0,2208 -2{,}3263 \cdot 0{,}0949 \approx -0{,}2208 − 2 , 3263 ⋅ 0 , 0949 ≈ − 0 , 2208 .
Beide Seiten plus 750: x ˉ 40 < 749,7792 \bar x_{40} < 749{,}7792 x ˉ 40 < 749 , 7792 .
Mit den vollen Werten gibt R 749,7793. Gerundet: Der Test verwirft, sobald der Mittelwert
der 40 Balken unter 749,78 cm liegt.
Das zeigt anschaulich, wie genau ein Mittelwert aus 40 Messungen ist: Schon gut 2 mm zu
kurz im Mittel würden reichen. Die gemessenen 749 cm liegen 0,78 cm unter dieser Grenze.
Im Bild entspricht − 2,33 -2{,}33 − 2 , 33 auf der Z Z Z -Skala genau 749,78 cm auf der cm-Skala darunter.
p = P ( Z ≤ − 10,54 ) ≈ 2,8 ⋅ 10 − 26 p = P(Z \le -10{,}54) \approx 2{,}8 \cdot 10^{-26} p = P ( Z ≤ − 10 , 54 ) ≈ 2 , 8 ⋅ 1 0 − 26
Auch das geht über die Aufgabe hinaus. Statt mit dem kritischen Wert zu
vergleichen, geben Programme wie R meist den p-Wert aus.
Der p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, bei μ = 750 \mu = 750 μ = 750 ein Z Z Z zu erhalten, das so klein
ist wie das beobachtete oder noch kleiner. Hier ist das die Fläche unter der Glocke links
von − 10,54 -10{,}54 − 10 , 54 :
p = P ( Z ≤ − 10,54 ) p = P(Z \le -10{,}54) p = P ( Z ≤ − 10 , 54 )
R rechnet das mit pnorm aus und antwortet
2.797279e-26. Das e-26 heißt „mal
10 − 26 10^{-26} 1 0 − 26 “:
p ≈ 2,8 ⋅ 10 − 26 = 0, 00 … 0 ⏟ 25 Nullen 28 p \approx 2{,}8 \cdot 10^{-26} = 0{,}\underbrace{00\ldots0}_{25\ \text{Nullen}}28 p ≈ 2 , 8 ⋅ 1 0 − 26 = 0 , 25 Nullen 00 … 0 28
Das ist praktisch 0. Die Fläche ist viel zu dünn, um sie im Bild zu zeichnen.
Die Regel: Ist p ≤ α p \le \alpha p ≤ α , verwirft man H 0 H_0 H 0 . Hier ist 2,8 ⋅ 10 − 26 ≤ 0,01 2{,}8 \cdot 10^{-26}
\le 0{,}01 2 , 8 ⋅ 1 0 − 26 ≤ 0 , 01 . Das ist dieselbe Entscheidung wie mit dem kritischen Wert. Anders gesagt: Der
p-Wert ist das kleinste α \alpha α , bei dem man H 0 H_0 H 0 gerade noch verwerfen würde.
Vorsicht: Der p-Wert ist nicht die Wahrscheinlichkeit, dass H 0 H_0 H 0 stimmt. Er ist
eine Wahrscheinlichkeit für die Daten, berechnet unter der Annahme μ = 750 \mu = 750 μ = 750 .
Aus Blatt 4, Aufgabe 3 („Standardnormalverteilung mit R“):
pnorm(x) gibt die Fläche links von
x x x unter der Glocke von
N ( 0 , 1 ) N(0,1) N ( 0 , 1 ) .
Baustein
hier
Hypothesen
H 0 : μ ≥ 750 H_0: \mu \ge 750 H 0 : μ ≥ 750 gegen H A : μ < 750 H_A: \mu < 750 H A : μ < 750
Signifikanzniveau
α = 0,01 \alpha = 0{,}01 α = 0 , 01
Test
Gauß-Test, linksseitig (σ \sigma σ bekannt)
Teststatistik
Z ≈ − 10,54 Z \approx -10{,}54 Z ≈ − 10 , 54
kritischer Wert
− q 0,99 ≈ − 2,3263 -q_{0{,}99} \approx -2{,}3263 − q 0 , 99 ≈ − 2 , 3263
Entscheidung
Z < − 2,3263 Z < -2{,}3263 Z < − 2 , 3263 : H 0 H_0 H 0 verwerfen
In Worten: Zum Niveau 1 % ist nachgewiesen, dass die Dachbalken im Mittel kürzer als
750 cm sind. Der Mittelwert der 40 Balken liegt so weit unter dem Soll, dass Zufall allein
das praktisch nicht erklären kann.
Proben: Z Z Z auf zwei Wegen gleich (40 ⋅ ( − 1 ) / 0,6 \sqrt{40} \cdot (-1)/0{,}6 40 ⋅ ( − 1 ) /0 , 6 und − 1 / 0,0949 -1/0{,}0949 − 1/0 , 0949 ).
In Zentimetern: 749 cm liegt unter der Grenze 749,78 cm. Der p-Wert 2,8 ⋅ 10 − 26 2{,}8 \cdot 10^{-26} 2 , 8 ⋅ 1 0 − 26
ist kleiner als α = 0,01 \alpha = 0{,}01 α = 0 , 01 . Alle drei Wege geben dieselbe Entscheidung.
Rückblick — so läuft jeder Test: (1) Vermutung in
H A H_A H A , das Gegenteil in
H 0 H_0 H 0 . (2)
α \alpha α vorher festlegen. (3) Den passenden Test wählen und die Teststatistik ausrechnen.
(4) Den kritischen Wert als Quantil bestimmen — einseitig
q 1 − α q_{1-\alpha} q 1 − α , zweiseitig
q 1 − α / 2 q_{1-\alpha/2} q 1 − α /2 . (5) Vergleichen, entscheiden und im Sachzusammenhang antworten.
Typische Fehler: Die Hypothesen vertauschen, also den Vorwurf in H 0 H_0 H 0 schreiben.
Durch σ \sigma σ statt durch σ / n \sigma/\sqrt{n} σ / n teilen: Dann käme − 1 / 0,6 ≈ − 1,67 -1/0{,}6 \approx -1{,}67 − 1/0 , 6 ≈ − 1 , 67
heraus, und man würde fälschlich nicht verwerfen. Beim einseitigen Test q 0,995 q_{0{,}995} q 0 , 995
nehmen. „H 0 H_0 H 0 nicht verwerfen“ als Beweis für H 0 H_0 H 0 lesen.