Chi-Quadrat-Anpassungstest: stimmt die Planung der Mensa?
Der Mensachef plant mit 20 % Rinderbraten, 50 % Schnitzel und 30 % Salat. An einem Tag werden
910, 2.570 und 1.520 Essen ausgegeben. Passt das zu seiner Annahme, oder ist die Abweichung zu
groß, um Zufall zu sein? Der χ²-Anpassungstest („Chi-Quadrat“) vergleicht dazu die
beobachteten mit den erwarteten Anzahlen, fasst alle Abweichungen in einer Zahl D zusammen und
prüft, ob D über einer Grenze liegt. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung
zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen
Schritt springt direkt dorthin.
Schritt 0Die Aufgabe
Bei seiner Disposition geht der Mensachef davon aus, dass an einem Tag, mit folgendem
Essensangebot
Ausgabe I
Magerer Rinderbraten in Rotweinsoße, Kartoffelknödel und Apfelrotkohl
Ausgabe II
Paniertes Schnitzel mit Pommes-Frites und Salat
Buffet
Salat
sich 20 % der Studierenden für I, 50 % für II und 30 % für Buffet
entscheiden. Nach einem solchen Tag wird festgestellt, dass 910 Rinderbraten,
2.570 Schnitzel und 1.520 Salate ausgegeben worden sind.
Stimmen diese Daten mit den Annahmen des Mensachefs zum Niveau 5 % überein?
Muss er ernsthaft daran denken, seine Disposition zu ändern?
Die Aufgabe nummeriert die beiden Fragen nicht; hier heißen sie zur Orientierung (i) und (ii).
Essen
Annahme
ausgegeben
Ausgabe I: Rinderbraten
20 %
910
Ausgabe II: Schnitzel
50 %
2.570
Buffet: Salat
30 %
1.520
Hinweis zur Musterlösung: Die Entscheidung stimmt: H0 wird verworfen, die Daten passen
nicht zur Annahme. Die Musterlösung schreibt die Alternative als H1; hier heißt sie wie im
Skript HA. Als p-Wert steht dort 0,005721, R gibt 0,005723 aus (Schritt 15 und 16) — ein
Unterschied in der vierten Stelle, der an der Entscheidung nichts ändert. Die zweite Frage
beantwortet die Musterlösung mit einem Satz („Disposition überdenken“). Hier kommt eine
Ergänzung dazu: Die Abweichungen sind in Prozent klein, bei 5.000 Essen fallen aber schon kleine
Abweichungen auf (Schritt 19).
(i) Beobachtet gegen erwartet
Test wählen, Hypothesen, Teststatistik D von Hand
Schritt 1Die Daten: drei Klassen und n = 5.000
Drei Klassen k=1,2,3 (I Rinderbraten, II Schnitzel, Buffet Salat), also d=3
X1=910,X2=2.570,X3=1.520
Stichprobenumfang: alle ausgegebenen Essen zusammen
n=X1+X2+X3=910+2.570+1.520=5.000
Klasse
Essen
beobachtet
k
Xk
1
I · Rinderbraten
910
2
II · Schnitzel
2.570
3
Buffet · Salat
1.520
Σ
5.000
Schritt 2Welcher Test und warum
Die Annahme des Mensachefs: eine feste Verteilung auf die drei Klassen
p10=0,2,p20=0,5,p30=0,3
Probe: Jeder Studierende wählt genau ein Essen, die Anteile ergeben zusammen 1
0,2+0,5+0,3=1
Daten = Anzahlen je Klasse, Frage = passen sie zu fest vorgegebenen Anteilen?
⇒χ2-Anpassungstest
Schritt 3Die erwarteten Häufigkeiten
Erwartete Häufigkeit der Klasse k, wenn die Annahme stimmt
n⋅pk0
Mit n=5.000 eingesetzt
n⋅p10=5.000⋅0,2=1.000
n⋅p20=5.000⋅0,5=2.500
n⋅p30=5.000⋅0,3=1.500
Probe: Auch die erwarteten Anzahlen ergeben zusammen n
Teststatistik des χ²-Anpassungstests: die Summe der Beiträge aller d Klassen
D=k=1∑dn⋅pk0(Xk−n⋅pk0)2
Die drei Beiträge aus Schritt 9 addieren
D=8,1+1,96+0,2667=10,3267≈10,33
(i) Kritischer Wert und Entscheidung
χ²-Verteilung, qchisq, p-Wert, Probe mit R
Schritt 11Wie groß wird D, wenn H0 stimmt? Die χ²-Verteilung
Auch wenn H0 stimmt, weichen die Anzahlen zufällig ab: D ist dann meist größer als 0
D≥0immer, denn es werden nur Quadrate geteilt und addiert
Wenn H0 stimmt, folgt D näherungsweise der χ²-Verteilung mit d−1 Freiheitsgraden
D∼ca.χd−12
Ihr Mittelwert ist die Zahl der Freiheitsgrade: typischer Wert von D unter H0
Mittelwert von χd−12=d−1
Schritt 12Freiheitsgrade: d − 1 = 2
Die drei Anzahlen müssen zusammen n=5.000 ergeben: Die dritte liegt durch die beiden
anderen fest
X3=n−X1−X2=5.000−910−2.570=1.520
Ebenso bei den Abweichungen (Summe 0, Schritt 6)
X3−np30=−((−90)+70)=+20
Frei sind also nur zwei der drei Klassen
d−1=3−1=2 Freiheitsgrade,D∼ca.χ22
Schritt 13Der kritische Wert mit qchisq: 5,99
Nur große D sprechen gegen H0: Ablehnbereich rechts, mit der Fläche α
H0 verwerfen, falls D>χd−1;1−α2
Hier: das 95-%-Quantil der χ²-Verteilung mit 2 Freiheitsgraden
χd−1;1−α2=χ3−1;1−0,052=χ2;0,952
qchisq(0.95, df = 2)
#[1] 5.991465
Auf zwei Nachkommastellen gerundet; Ablehnbereich
χ2;0,952≈5,99⇒H0 verwerfen, falls D>5,99
Schritt 14Entscheidung: H0 verwerfen
Teststatistik (Schritt 10) mit dem kritischen Wert (Schritt 13) vergleichen
D=10,33>5,99=χ2;0,952
D liegt im Ablehnbereich
⇒H0 wird zum Niveau α=5% verworfen
Antwort auf (i): Nein. Die ausgegebenen Essen stimmen zum Niveau 5 % nicht mit der
Annahme 20 % / 50 % / 30 % des Mensachefs überein. Die Abweichungen sind zu groß, um sie mit
Zufall zu erklären.
Schritt 15Der p-Wert: 0,57 %
p-Wert: Wahrscheinlichkeit, unter H0 ein D zu bekommen, das mindestens so groß ist
wie 10,33
p=P(D≥10,3267∣H0)=1−F(10,3267)
1 - pchisq(10.32667, df = 2)
#[1] 0.005722583
Vergleich mit dem Niveau
p≈0,0057=0,57%<5%=α⇒H0 verwerfen
p-Wert
gegen H0 spricht
über 15 %
nichts
10 % bis unter 15 %
kaum etwas
5 % bis unter 10 %
einiges
1 % bis unter 5 %
vieles
unter 1 %
sehr vieles — hier: 0,57 %
Schritt 16Probe mit chisq.test
chisq.test(c(910, 2570, 1520), p = c(0.2, 0.5, 0.3))
# Chi-squared test for given probabilities
#
# data: c(910, 2570, 1520)
# X-squared = 10.327, df = 2, p-value = 0.005723
chisq.test(c(910, 2570, 1520), p = c(0.2, 0.5, 0.3))$expected
#[1] 1000 2500 1500
Vergleich mit der Rechnung von Hand
X-squared=10,327≈D,df=2=d−1,p-value=0,005723≈p✓
Schritt 17Ergänzung: bei 2 Freiheitsgraden geht es auch von Hand
Ergänzung — für die Lösung nicht nötig. Sie zeigt, woher die Zahlen von R kommen.
Bei genau 2 Freiheitsgraden ist die χ²-Verteilung eine Exponentialverteilung mit λ=21
f(x)=21e−x/2(x≥0),P(D>x)=e−x/2
Kritischer Wert: rechts von c sollen 5 % liegen; nach c auflösen (ln macht
e… rückgängig)
e−c/2=0,05⇒−2c=ln0,05=−2,9957⇒c=2⋅2,9957=5,9915
p-Wert: Fläche rechts von D=10,3267
p=e−10,3267/2=e−5,1633≈0,005723
(ii) Muss er die Disposition ändern?
wo die Abweichung herkommt, wie groß sie ist
Schritt 18Wo die Abweichung herkommt: der Rinderbraten
Anteil jeder Klasse an D=10,3267 (Beiträge aus Schritt 9)
Rinderbraten: 90 weniger,Schnitzel: 70 mehr,Salat: 20 mehr als erwartet
Antwort auf (ii): Ja. Die Daten widersprechen seiner Annahme deutlich (p≈0,57%). Er sollte seine Planung anpassen: vor allem weniger Rinderbraten, etwas mehr
Schnitzel.
Schritt 19Ergänzung: kleine Abweichungen, großes n
✓(i) D=10,33>χ2;0,952=5,99, p≈0,0057: H0 wird zum Niveau 5 % verworfen. Die Daten stimmen nicht mit der
Annahme 20 % / 50 % / 30 % überein.
✓(ii) Ja, er sollte die Disposition anpassen: weniger Rinderbraten (beobachtet 18,2 %
statt 20 %), etwas mehr Schnitzel (51,4 % statt 50 %). Die Änderung ist klein — es geht um
1 bis 2 Prozentpunkte, nicht um ein neues Konzept.
Proben: Beobachtete und erwartete Anzahlen ergeben beide 5.000, die Abweichungen
zusammen 0. R bestätigt D (X-squared = 10.327), die 2
Freiheitsgrade, den kritischen Wert 5,991465 und den p-Wert 0,005723. Bei 2 Freiheitsgraden
lassen sich beide Zahlen auch mit e−x/2 von Hand nachrechnen.
Typische Fehler: Die Abweichungen nicht quadrieren (Summe immer 0). Durch die
beobachtete statt durch die erwartete Anzahl teilen. Als Freiheitsgrade d=3 oder n−1
statt d−1=2 nehmen. Das Quantil 0,975 nehmen, weil HA „ungleich“ heißt — der
Ablehnbereich liegt beim χ²-Test nur rechts. „H0 beibehalten“ als Beweis lesen, dass der
Mensachef recht hat.