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LAG · Übungsblatt 2 · Aufgabe 4

Lineare Unabhängigkeit im ℝ³ prüfen

Gegeben sind vier Mengen von Vektoren. Für jede Menge ist zu entscheiden, ob ihre Vektoren linear unabhängig sind. Das heißt: Keiner der Vektoren lässt sich aus den anderen zusammenbauen. Der Weg ist bei jeder Menge derselbe: eine Gleichung mit unbekannten Faktoren aufstellen und lösen. Bei U genügen die Gleichungen selbst, ab V kommt das Gauß-Verfahren dazu (es wird dort erklärt). Rechts stehen die vier Mengen, links der Lösungsweg. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Welche der folgenden Mengen von Vektoren des R3\mathbb{R}^3 sind linear unabhängig?

U={(120),(−211)},V={(1−28),(45−3),(321)},U = \left\{ \begin{pmatrix} 1 \\ 2 \\ 0 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} -2 \\ 1 \\ 1 \end{pmatrix} \right\}, \quad V = \left\{ \begin{pmatrix} 1 \\ -2 \\ 8 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} 4 \\ 5 \\ -3 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} 3 \\ 2 \\ 1 \end{pmatrix} \right\},
W={(1−28),(45−3),(−2−919)},X={(1−28),(45−3),(321),(37−11)}W = \left\{ \begin{pmatrix} 1 \\ -2 \\ 8 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} 4 \\ 5 \\ -3 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} -2 \\ -9 \\ 19 \end{pmatrix} \right\}, \quad X = \left\{ \begin{pmatrix} 1 \\ -2 \\ 8 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} 4 \\ 5 \\ -3 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} 3 \\ 2 \\ 1 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} 3 \\ 7 \\ -11 \end{pmatrix} \right\}

Ein Vektor des R3\mathbb{R}^3 ist eine Spalte aus drei reellen Zahlen. Gegeben sind vier Mengen solcher Vektoren, benannt UU, VV, WW und XX. Für jede Menge ist gefragt: Sind ihre Vektoren linear unabhängig?

Wir brauchen zuerst zwei Begriffe. Eine Linearkombination von Vektoren v1,…,vkv_1, \dots, v_k ist eine Summe, in der jeder Vektor mit einer Zahl multipliziert wird:

a1⋅v1+a2⋅v2+⋯+ak⋅vka_1 \cdot v_1 + a_2 \cdot v_2 + \dots + a_k \cdot v_k

Die Zahlen a1,…,aka_1, \dots, a_k heißen Koeffizienten. Setzt man alle Koeffizienten gleich 0, kommt immer der Nullvektor heraus, also die Spalte aus lauter Nullen. Das ist die triviale (selbstverständliche) Möglichkeit.

Merke: Vektoren heißen linear unabhängig, wenn der Nullvektor nur mit a1=⋯=ak=0a_1 = \dots = a_k = 0 herauskommt. Gibt es noch eine andere Möglichkeit (mindestens ein Koeffizient ungleich 0), sind sie linear abhängig.

Warum heißt das „abhängig“? Ist etwa a2≠0a_2 \neq 0, kann man die Gleichung nach v2v_2 umstellen. Dann ist v2v_2 aus den anderen Vektoren zusammengebaut, er hängt also von ihnen ab.

In jeder Menge heißen die Vektoren der Reihe nach v1v_1, v2v_2 und so weiter. v1v_1 in UU ist also nicht dasselbe wie v1v_1 in VV, auch wenn einzelne Vektoren in mehreren Mengen vorkommen. So gehen wir vor, mit jeder Menge einzeln:

  1. Die Gleichung „Linearkombination = Nullvektor“ aufstellen.
  2. Sie als Gleichungssystem schreiben, eine Gleichung je Zeile des Vektors.
  3. Das System lösen (ab Menge V mit dem Gauß-Verfahren, das dort erklärt wird): Gibt es nur die Lösung 0, ist die Menge unabhängig; gibt es mehr, ist sie abhängig.

U: Gleichung mit Nullvektor aufstellen

Ansatz mit den Vektoren von U
a1(120)+a2(−211)=(000)a_1 \begin{pmatrix} 1 \\ 2 \\ 0 \end{pmatrix} + a_2 \begin{pmatrix} -2 \\ 1 \\ 1 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix}
Zeile für Zeile: ein Faktor wird mit jeder Zahl des Vektors multipliziert
(a1⋅1+a2⋅(−2)a1⋅2+a2⋅1a1⋅0+a2⋅1)=(000)\begin{pmatrix} a_1 \cdot 1 + a_2 \cdot (-2) \\ a_1 \cdot 2 + a_2 \cdot 1 \\ a_1 \cdot 0 + a_2 \cdot 1 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix}
Das Gleichungssystem
I:a1−2a2=0II:2a1+a2=0III:a2=0\begin{aligned} \text{I:} \quad & a_1 - 2a_2 = 0 \\ \text{II:} \quad & 2a_1 + a_2 = 0 \\ \text{III:} \quad & a_2 = 0 \end{aligned}

Wir fragen, welche Zahlen a1a_1 und a2a_2 die Linearkombination zum Nullvektor machen. a1=a2=0a_1 = a_2 = 0 geht immer. Entscheidend ist, ob es noch eine andere Möglichkeit gibt.

Ein Vektor ist gleich dem Nullvektor, wenn jede seiner drei Zeilen 0 ist. Darum zerfällt die eine Vektorgleichung in drei gewöhnliche Gleichungen, eine je Zeile. Wir nummerieren sie mit I, II und III.

U: das System lösen

Aus III
a2=0a_2 = 0
In I einsetzen
a1−2⋅0=0  ⇒  a1=0a_1 - 2 \cdot 0 = 0 \;\Rightarrow\; a_1 = 0
Probe in II
2⋅0+0=0  ✓2 \cdot 0 + 0 = 0 \;\checkmark

Einzige Lösung ist (a1,a2)=(0,0)(a_1, a_2) = (0, 0). Also ist UU linear unabhängig.

Gleichung III besteht nur aus a2a_2, also steht a2a_2 fest. Dann setzen wir a2a_2 in eine andere Gleichung ein und erhalten a1a_1.

Die Probe mit Gleichung II zeigt, dass kein Widerspruch entsteht. Es gibt also genau eine Lösung, die triviale. Nach dem Merke-Kasten heißt das: UU ist linear unabhängig.

Merke: Bei genau zwei Vektoren geht es auch ohne Rechnung. Sie sind linear abhängig genau dann, wenn einer ein Vielfaches des anderen ist. Hier ist keiner ein Vielfaches des anderen: v1v_1 hat in der dritten Zeile eine 0, v2v_2 nicht. Wäre v1=c⋅v2v_1 = c \cdot v_2, stünde dort 0=c⋅10 = c \cdot 1, also c=0c = 0 und v1v_1 wäre der Nullvektor. Das ist es nicht. Wäre v2=c⋅v1v_2 = c \cdot v_1, stünde dort 1=c⋅01 = c \cdot 0, ein Widerspruch.
Noch 10 Schritte bis zum Ergebnis
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Die vier Mengen

Vektoren als Spalten, mit Ergebnis

Abbildung 1Die vier Mengen

Vektoren als Spalten, mit Ergebnis

Menge U2 Vektoren
v₁
120
v₂
−211

linear unabhängig · nur a₁ = a₂ = 0 ergibt den Nullvektor

Menge V3 Vektoren
v₁
1−28
v₂
45−3
v₃
321

linear unabhängig · nur a₁ = a₂ = a₃ = 0 ergibt den Nullvektor

Menge W3 Vektoren
v₁
1−28
v₂
45−3
v₃
−2−919

linear abhängig · −2·v₁ + 1·v₂ + 1·v₃ = Nullvektor

Menge X4 Vektoren
v₁
1−28
v₂
45−3
v₃
321
v₄
37−11

linear abhängig · 1·v₁ − 1·v₂ + 0·v₃ + 1·v₄ = Nullvektor

LegendeMenge, um die es im Schritt gehtDie vier Mengen der Aufgabe, jeweils mit dem Ergebnis. Der Lösungsweg zeigt, wie man darauf kommt.