Gegeben sind zweimal drei Polynome. Für jede Dreiergruppe ist zu entscheiden, ob die Polynome linear unabhängig sind. Das heißt: Keines lässt sich aus den anderen zusammenbauen. Der Weg: Jedes Polynom wird zu einer Spalte aus Zahlen, dann wird ein Gleichungssystem aufgestellt und mit dem Gauß-Verfahren gelöst. Rechts stehen die Zahlenspalten, links der Lösungsweg. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.
Die Aufgabe
Sei P(n) die Menge aller reeller Polynome n-ten Grades. Seien ferner p(x),q(x)∈P(n). Dann ist eine übliche Darstellung
p(x)=anxn+an−1xn−1+an−2xn−1+⋯+a1x+a0
q(x)=bnxn+bn−1xn−1+bn−2xn−1+⋯+b1x+b0
mit ai,bi∈R∀i=0,1…n. Die Menge P(n) bildet mit der Addition
Sind die folgenden Vektoren aus P(3) linear unabhängig oder linear abhängig?
a)
p1(x)=3x3+x2,p2(x)=7,5x3−4x2−3,p3(x)=−x3+4x2+2
b)
q1(x)=x3+2x−1,q2(x)=x3−x+1,q3(x)=2x3+x
Ein Polynom ist eine Summe von Potenzen von x, jede mit einer Zahl davor, zum Beispiel 3x3+x2. Die Zahlen vor den Potenzen heißen Koeffizienten. Der Grad ist die höchste vorkommende Potenz. P(3) ist die Menge aller Polynome bis zum Grad 3. Gemeint ist „vom Grad höchstens 3“: Sonst wäre zum Beispiel das Nullpolynom (alle Koeffizienten 0) nicht dabei, und Summen von Polynomen könnten aus der Menge herausfallen.
Der Aufgabentext sagt: Diese Polynome kann man wie Vektoren addieren und mit Zahlen multiplizieren, die Menge ist also ein Vektorraum. Darum ist die Frage nach linearer Unabhängigkeit sinnvoll. Die Polynome sind hier die „Vektoren“.
Aus Ü2 A4 („Lineare Unabhängigkeit im ℝ³ prüfen“): Eine Linearkombination multipliziert jeden Vektor mit einer Zahl und addiert alles. Die Vektoren sind linear unabhängig, wenn die Linearkombination nur dann den Nullvektor ergibt, wenn alle Zahlen 0 sind. Gibt es eine andere Möglichkeit, sind sie linear abhängig. Der Nullvektor im Vektorraum der Polynome ist das Nullpolynom.
Merke: Zwei Polynome sind genau dann gleich, wenn alle ihre Koeffizienten gleich sind. Darum kann man jedes Polynom bis Grad 3 durch seine vier Koeffizienten ersetzen und mit diesen Zahlen rechnen.
Hinweis zum Aufgabentext: In den Formeln für p(x) und q(x) steht beim dritten Summanden xn−1. Das ist ein Tippfehler. Es muss xn−2 heißen, so steht es auch in der Formel für λ⋅p(x). Für die Aufgabe spielt das keine Rolle, denn die Polynome in a) und b) sind ausgeschrieben.
So gehen wir vor, für a) und b) getrennt:
Jedes Polynom als Spalte seiner vier Koeffizienten schreiben.
Die Gleichung „Linearkombination = Nullpolynom“ aufstellen.
Sie als Gleichungssystem schreiben, eine Gleichung je Zeile (je Potenz von x).
Mit dem Gauß-Verfahren lösen. Gibt es nur die Lösung 0, sind die Polynome unabhängig; gibt es mehr, sind sie abhängig.
Aus Ü2 A4 („Lineare Unabhängigkeit im ℝ³ prüfen“): Das Gauß-Verfahren formt ein Gleichungssystem Zeile für Zeile um, bis man die Lösung ablesen kann. Die erlaubten Umformungen stehen in Schritt 4.
a) Polynome als Koeffizientenspalten schreiben
Koeffizienten in der Reihenfolge x³, x², x, 1
p1=3100,p2=7,5−40−3,p3=−1402
Ein Polynom bis Grad 3 hat vier Koeffizienten: den vor x3, vor x2, vor x und die Zahl ohne x. Wir schreiben sie in dieser festen Reihenfolge untereinander. Das ist der Koeffizientenvektor des Polynoms. Fehlt eine Potenz, ist ihr Koeffizient 0.
Warum tun wir das? Addieren und Multiplizieren mit einer Zahl gehen bei Polynomen Koeffizient für Koeffizient. Mit den Zahlenspalten rechnen wir daher genauso wie mit den Polynomen, aber viel übersichtlicher.
In p1 kommen x und die Zahl ohne x nicht vor, in p2 und p3 kommt x nicht vor. Diese Koeffizienten sind 0.
a) Ansatz: Linearkombination gleich Nullpolynom
Ansatz mit den Koeffizientenspalten
λ13100+λ27,5−40−3+λ3−1402=0000
Wir fragen: Welche Zahlen λ1,λ2,λ3 machen die Linearkombination zum Nullpolynom? (Das griechische λ heißt „Lambda“; es sind die Faktoren, mit denen wir die Polynome multiplizieren.) λ1=λ2=λ3=0 geht immer. Entscheidend ist, ob es noch eine andere Möglichkeit gibt.
Das Nullpolynom hat in der Koeffizientenspalte lauter Nullen. Nach dem Merke-Kasten heißt „gleich dem Nullpolynom“: Jeder der vier Koeffizienten der Summe ist 0.
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