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LAG · Übungsblatt 4 · Aufgabe 7

Nebenklassen: verschobene Unterräume

Eine Nebenklasse v+Uv + U entsteht, wenn man zu jedem Vektor eines Unterraums UU denselben Vektor vv addiert. Wir zeichnen das in der Ebene: Aus einer Geraden durch den Ursprung wird eine parallele Gerade. Dann klären wir, wann so eine Nebenklasse selbst ein Unterraum ist, und beweisen, wann zwei Nebenklassen gleich sind. Rechts steht die Grafik zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran.

Die Aufgabe

7. Aufgabe. Unter einer Nebenklasse N(v,U)N(v,U) eines Untervektorraumes UU des Vektorraumes VV versteht man die Menge

N(v,U)=v+U(symbolische Schreibweise),N(v,U) = v + U \quad \text{(symbolische Schreibweise)},

wobei v∈Vv \in V ein beliebiger Vektor in VV (und damit möglicherweise auch in UU) ist.

a) Wie kann man sich eine Nebenklasse geometrisch veranschaulichen?

b) Sind Nebenklassen Untervektorräume? Falls ja, warum? Falls nein, evtl. wann doch?

c) Beweisen Sie folgenden Satz.

Satz: Sei UU ein Unterraum von VV. Zwei Nebenklassen

v1+U={v1+u∣u∈U, v1∈V}v_1 + U = \{ v_1 + u \mid u \in U,\ v_1 \in V \}
v2+U={v2+u∣u∈U, v2∈V}v_2 + U = \{ v_2 + u \mid u \in U,\ v_2 \in V \}

sind gleich, wenn gilt

v1−v2∈U,v_1 - v_2 \in U,

also

v1+U=v2+U⇒v1−v2∈U.v_1 + U = v_2 + U \Rightarrow v_1 - v_2 \in U.

Gegeben ist ein Vektorraum VV, darin ein Unterraum UU und ein beliebiger Vektor vv. Die Aufgabe fragt dreierlei: Wie sieht v+Uv + U aus (a)? Ist v+Uv + U wieder ein Unterraum, und wenn nur manchmal, wann (b)? Und wann sind zwei Nebenklassen v1+Uv_1 + U und v2+Uv_2 + U gleich (c)?

Das Zeichen ∈\in heißt „liegt in“, ∉\notin heißt „liegt nicht in“, ⇒\Rightarrow heißt „daraus folgt“. Zahlen gibt die Aufgabe nicht vor. Zum Zeichnen wählen wir ein Beispiel in der Ebene R2\mathbb{R}^2; die Beweise gelten dann für jeden Vektorraum.

Merke: Eine Nebenklasse ist ein verschobener Unterraum. Ein Unterraum muss den Nullvektor enthalten; ein verschobener tut das nur, wenn man ihn „in sich selbst“ verschiebt.

Zwei Hinweise vorab. Die Musterlösung antwortet bei b) nur „Nein“; die Frage „wann doch?“ beantworten wir in Schritt 9. Und der Satz in c) mischt „wenn“ und „daraus folgt“; wir beweisen beide Richtungen (Schritt 10 erklärt, warum).

So gehen wir vor:

  1. a) Was v+Uv + U bedeutet, und das Bild dazu: eine parallel verschobene Gerade.
  2. b) Liegt der Nullvektor in v+Uv + U? Genau dann, wenn v∈Uv \in U.
  3. c) Der Satz über gleiche Nebenklassen, in beide Richtungen bewiesen.

Was v + U bedeutet

Die Nebenklasse ausgeschrieben
N(v,U)=v+U={ v+u∣u∈U }N(v,U) = v + U = \{\, v + u \mid u \in U \,\}
Probe, ob ein Vektor x darin liegt
x∈v+U  ⟺  x=v+u  fu¨r ein u∈Ux \in v + U \iff x = v + u \ \text{ für ein } u \in U
Aus Ü3 A4 („Wahr oder falsch: Summen und Unterräume“): Ein Unterraum UU ist eine nichtleere Teilmenge von VV, die Summen und Vielfache ihrer Vektoren enthält. Darum liegt auch der Nullvektor 00 in jedem Unterraum: Man nimmt irgendein uu aus UU (UU ist nicht leer) und bildet das Vielfache 0⋅u=00 \cdot u = 0.

Einen Vektor kann man nicht wirklich zu einer Menge addieren. Darum nennt die Aufgabe v+Uv + U eine „symbolische Schreibweise“. Gemeint ist: Man nimmt jeden Vektor uu aus UU, addiert jedes Mal denselben Vektor vv, und sammelt alle Ergebnisse in einer Menge. Diese Menge heißt Nebenklasse.

Der senkrechte Strich in der Mengenklammer liest sich „für die gilt“. Ein Vektor xx liegt also genau dann in v+Uv + U, wenn es ein uu in UU gibt mit x=v+ux = v + u. Diese Probe brauchen wir in b) und c) immer wieder.

Beispiel: U ist eine Gerade durch den Ursprung

Unser Unterraum: eine Gerade durch 0
U={t⋅(21) | t∈R},z. B. (21), (00), (−2−1)∈UU = \left\{ t \cdot \begin{pmatrix} 2 \\ 1 \end{pmatrix} \,\middle|\, t \in \mathbb{R} \right\}, \qquad \text{z.\,B. } \begin{pmatrix} 2 \\ 1 \end{pmatrix},\ \begin{pmatrix} 0 \\ 0 \end{pmatrix},\ \begin{pmatrix} -2 \\ -1 \end{pmatrix} \in U

Zum Zeichnen nehmen wir V=R2V = \mathbb{R}^2, die Ebene. Als UU wählen wir alle Vielfachen t⋅(2,1)t \cdot (2, 1) des Vektors (2,1)(2, 1), mit einer beliebigen Zahl tt. Platzsparend schreiben wir einen Vektor als Zeile: (2,1)(2, 1) meint den Vektor mit den Einträgen 2 und 1.

UU ist ein Unterraum: Die Summe zweier Vielfacher von (2,1)(2, 1) ist wieder ein Vielfaches, s⋅(2,1)+t⋅(2,1)=(s+t)⋅(2,1)s \cdot (2,1) + t \cdot (2,1) = (s+t) \cdot (2,1), und ebenso jedes Vielfache eines Vielfachen. Mit t=0t = 0 liegt der Nullvektor darin. In der Grafik ist UU die Gerade durch den Ursprung in Richtung (2,1)(2, 1).

Aus Ü1 A3 („Geraden in der Ebene: Ursprung und Parallelität erkennen“): Eine Gerade {p+t⋅r}\{ p + t \cdot r \} geht durch den Ursprung, wenn man den Aufpunkt p=0p = 0 wählen kann. Zwei Geraden mit derselben Richtung rr sind parallel.
Noch 15 Schritte bis zum Ergebnis
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Nebenklasse in der Ebene

U und v + U mit v = (0, 2)

Abbildung 1Nebenklasse in der Ebene

U und v + U mit v = (0, 2)

Uv + Uvu = (2, 1)v + u = (2, 3)
Legendegerade gemeintU und die verschobene Gerade v + U.