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LAG · Übungsblatt 6 · Aufgabe 2

Wahr oder falsch: lineare Abbildungen

Zehn kurze Aussagen über eine lineare Abbildung, ihren Kern und ihren Rang. Bei jeder ist zu entscheiden: wahr oder falsch. Wahr heißt hier: Die Aussage gilt für jede lineare Abbildung, und das wird begründet. Falsch heißt: Es gibt mindestens ein konkretes Beispiel, bei dem sie nicht gilt. Der ganze Lösungsweg steht offen da, die Erklärung gehört jeweils zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Wahr oder falsch? Bitte mit Begründung!

Sei ff eine lineare Abbildung eines reellen Vektorraumes UU in einen reellen Vektorraum VV. Dann gilt:

  1. f(0)=0f(0) = 0
  2. f(−u)=−f(u)  ∀u∈Uf(-u) = -f(u)\ \ \forall u \in U
  3. f(λu)=f(λ)⋅f(u)  ∀u∈U, ∀λ∈Rf(\lambda u) = f(\lambda)\cdot f(u)\ \ \forall u \in U,\ \forall \lambda \in \mathbb{R}.

Sei WW der Kern einer linearen Abbildung f ⁣:U→Vf\colon U \to V. Dann gilt

  1. W={v∈V∣f(v)=0}W = \{v \in V \mid f(v) = 0\}
  2. W={u∈U∣f(u)=0}W = \{u \in U \mid f(u) = 0\}
  3. W={f(u)∣u=0}W = \{f(u) \mid u = 0\}.

Der Rang einer linearen Abbildung f ⁣:U→Vf\colon U \to V ist gleich

  1. dim(u)
  2. dim(V)
  3. dim(Kern(f))
  4. dim(Bild(f)).

In k) steht im Original „dim(u)“ mit kleinem u. Gemeint ist dim⁡(U)\dim(U), die Dimension des Raums UU.

Gegeben ist eine Abbildung ff von einem Vektorraum UU in einen Vektorraum VV. Man schreibt das f ⁣:U→Vf\colon U \to V: ff nimmt einen Vektor uu aus UU und liefert einen Vektor f(u)f(u) in VV. „Reell“ heißt: Die Zahlen, mit denen man Vektoren malnimmt, sind reelle Zahlen.

Die Aufgabe hat drei Gruppen. In e) bis g) geht es um Rechenregeln für ff, in h) bis j) um den Kern, in k) bis n) um den Rang. Die Teile heißen im Original e) bis n), nicht a) bis j); diese Buchstaben behalten wir bei, damit sie zum Blatt passen.

Merke: Eine Aussage über „eine lineare Abbildung“ ist nur wahr, wenn sie für jede lineare Abbildung gilt. Dafür braucht man eine Begründung, die für alle passt. Für „falsch“ reicht ein konkretes Gegenbeispiel.

So gehen wir vor:

  1. Wiederholen, was „linear“ heißt, dann e), f) und g).
  2. Den Kern erklären, dann h), i) und j).
  3. Bild, Dimension und Rang erklären, dann k), l), m) und n).

Was „linear“ heißt

Definition · lineare Abbildung

f ⁣:U→Vf\colon U \to V heißt linear, wenn für alle u,w∈Uu, w \in U und alle λ∈R\lambda \in \mathbb{R} gilt:

f(u+w)=f(u)+f(w)(Additivita¨t)f(u + w) = f(u) + f(w) \qquad \text{(Additivität)}
f(λu)=λ f(u)(Homogenita¨t)f(\lambda u) = \lambda\, f(u) \qquad \text{(Homogenität)}

Alle zehn Teile drehen sich um lineare Abbildungen. Darum steht die Definition zuerst. Eine Abbildung heißt linear, wenn sie zwei Regeln erfüllt.

Additivität: Man darf erst addieren und dann abbilden, oder erst abbilden und dann addieren. Es kommt dasselbe heraus.

Homogenität: Ein Faktor λ\lambda (eine reelle Zahl, gesprochen „lambda“) darf vor das ff gezogen werden.

Aus Ü6 A1 („Lineare Abbildung: Matrix, Kern, Bild, Umkehrung“): Dort wird für eine konkrete Abbildung gezeigt, dass sie beide Regeln erfüllt. Das ist der Nachweis „ff ist linear“.

Mehr als diese zwei Regeln weiß man über ff nicht. Jede Begründung in e) bis g) muss also aus ihnen kommen.

e) f(0) = 0: wahr

Additivität mit u = w = 0
f(0)=f(0+0)weil 0+0=0=f(0)+f(0)Additivita¨t⇒ 0=f(0)auf beiden Seiten f(0) abziehen\begin{aligned} f(0) &= f(0 + 0) && \text{weil } 0 + 0 = 0 \\ &= f(0) + f(0) && \text{Additivität} \\ \Rightarrow\ 0 &= f(0) && \text{auf beiden Seiten } f(0) \text{ abziehen} \end{aligned}

Die Null links ist der Nullvektor von UU, die Null rechts der Nullvektor von VV. Die Aussage sagt: ff schickt die Null immer auf die Null.

Der Trick: Die Null ändert sich nicht, wenn man sie zu sich selbst addiert, also 0=0+00 = 0 + 0. Dann hilft die Additivität aus Schritt 1.

Am Ende steht f(0)=f(0)+f(0)f(0) = f(0) + f(0). Auf beiden Seiten wird f(0)f(0) abgezogen. Das darf man, weil jeder Vektor in VV einen Gegenvektor hat. Links bleibt 00, rechts f(0)f(0).

Die Begründung nutzt nur die Additivität. Sie gilt also für jede lineare Abbildung: wahr.

Noch 12 Schritte bis zum Ergebnis
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Die zehn Urteile und f: U → V

was im Schritt gemeint ist

Abbildung 1Die zehn Urteile und f: U → V

was im Schritt gemeint ist

e)wahr
f)wahr
g)falsch
h)falsch
i)wahr
j)falsch
k)falsch
l)falsch
m)falsch
n)wahr
UVfKern(f)Bild(f)00u−uf(u)−f(u)
Legendegerade gemeintam falschen Ort gesuchtOben die zehn Urteile. Unten die Skizze: f bildet links U nach rechts V ab; Kern(f) liegt in U, Bild(f) in V.