studyklar
LAG · Übungsblatt 9 · Aufgabe 2

Eigenwerte und Eigenvektoren von Streckung und Drehung

Zwei Matrizen mit einfacher Wirkung im R2\mathbb{R}^2: eine Streckung AA, die die beiden Achsen um verschiedene Faktoren streckt, und eine Drehung BB, die jeden Pfeil um einen Winkel α\alpha dreht. Gesucht sind ihre Eigenwerte und Eigenvektoren und was sie geometrisch bedeuten. Rechts siehst du die Ebene mit Beispielpfeilen; die Erklärung links sagt, welcher Teil gerade gemeint ist. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Gegeben seien die reelle Matrix einer Streckung AA und die reelle Matrix einer Drehung BB, jeweils im R2\mathbb{R}^2:

A=(a00b)  mit a,b≠0B=(cos⁡α−sin⁡αsin⁡αcos⁡α)A = \begin{pmatrix} a & 0 \\ 0 & b \end{pmatrix} \ \text{ mit } a, b \neq 0 \qquad\qquad B = \begin{pmatrix} \cos\alpha & -\sin\alpha \\ \sin\alpha & \cos\alpha \end{pmatrix}
  1. Bestimmen und deuten Sie geometrisch die Eigenwerte und die Eigenvektoren der Matrix AA. Hinweis: Unterscheiden Sie die beiden Fälle a≠ba \neq b und a=ba = b.
  2. Bestimmen und deuten Sie geometrisch die Eigenwerte und die Eigenvektoren der Matrix BB. Hinweis zum Rechnen: cos⁡2(x)+sin⁡2(x)=1\cos^2(x) + \sin^2(x) = 1.

Eine Matrix wirkt auf Vektoren: Sie macht aus einem Pfeil einen neuen Pfeil. Meist ändert sich dabei die Richtung. Ein Eigenvektor ist ein Pfeil, dessen Richtung bleibt; er wird nur gestreckt, gestaucht oder umgekehrt. Der Faktor dazu heißt Eigenwert. Wir fragen für zwei Matrizen: Welche Pfeile bleiben auf ihrer Geraden durch den Ursprung?

Merke: Ein Eigenvektor ist ein Pfeil, der nach der Abbildung auf seiner Geraden durch den Ursprung bleibt. Sein Eigenwert sagt, um welchen Faktor er dabei länger oder kürzer wird (negativ: er kehrt sich um).

So gehen wir vor:

  1. Eigenwert und Eigenvektor erklären und die Methode herleiten (charakteristisches Polynom).
  2. a) AA: Polynom aufstellen, Eigenwerte ablesen, Eigenvektoren in den Fällen a≠ba \neq b und a=ba = b bestimmen und deuten.
  3. b) BB: Polynom aufstellen, mit cos⁡2+sin⁡2=1\cos^2 + \sin^2 = 1 vereinfachen, mit der Diskriminante klären, wann es reelle Eigenwerte gibt, und die Fälle deuten.

Zur Musterlösung: „Eigenvektoren sind die Einheitsvektoren“ meint alle Vielfachen t⋅(1,0)t \cdot (1, 0) und t⋅(0,1)t \cdot (0, 1) mit t≠0t \neq 0. „Jeder Vektor“ meint jeden Vektor außer dem Nullvektor, denn der ist nie ein Eigenvektor. Die Eigenwerte selbst nennt die Musterlösung nicht; wir leiten sie her.

Eigenwert und Eigenvektor

Definition: λ ist Eigenwert von A, v ein Eigenvektor dazu
A⋅v=λ⋅vmit v≠0A \cdot v = \lambda \cdot v \quad \text{mit } v \neq 0

Die Matrix AA macht aus einem Vektor vv den Vektor A⋅vA \cdot v. Meist zeigt der neue Pfeil in eine andere Richtung. Manche Pfeile werden aber nur gestreckt, gestaucht oder umgekehrt: A⋅vA \cdot v ist dann ein Vielfaches von vv.

Den Faktor nennt man Eigenwert λ\lambda (griechisch „lambda“), den Pfeil vv einen Eigenvektor zu λ\lambda. Der Nullvektor zählt nicht, denn für v=0v = 0 stimmt die Gleichung bei jedem λ\lambda.

Geometrisch: Der Eigenvektor bleibt auf seiner Geraden durch den Ursprung. Bei λ>0\lambda > 0 zeigt er weiter in dieselbe Richtung, bei λ<0\lambda < 0 in die Gegenrichtung. Bei ∣λ∣>1|\lambda| > 1 wird er länger, bei ∣λ∣<1|\lambda| < 1 kürzer.

Rechts als Beispiel a=2a = 2, b=12 b = \tfrac{1} {2} : Der Pfeil e1=(10)e_1 = \begin{pmatrix} 1 \\ 0 \end{pmatrix} wird zu A⋅e1=(2⋅1+0⋅00⋅1+12⋅0)=(20)=2⋅e1A \cdot e_1 = \begin{pmatrix} 2 \cdot 1 + 0 \cdot 0 \\ 0 \cdot 1 + \tfrac{1}{2} \cdot 0 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 2 \\ 0 \end{pmatrix} = 2 \cdot e_1. Also ist e1e_1 ein Eigenvektor zum Eigenwert 2.

Wie man Eigenwerte findet

Von der Definition zum charakteristischen Polynom
A⋅v=λ⋅v fu¨r ein v≠0  ⟺   A⋅v−λ⋅v=0 fu¨r ein v≠0  ⟺   A⋅v−(λE)⋅v=0 fu¨r ein v≠0  ⟺   (A−λE)⋅v=0 fu¨r ein v≠0  ⟺   pA(λ)=det⁡(A−λE)=0\begin{aligned} & A \cdot v = \lambda \cdot v \text{ für ein } v \neq 0 \\ \iff\ & A \cdot v - \lambda \cdot v = 0 \text{ für ein } v \neq 0 \\ \iff\ & A \cdot v - (\lambda E) \cdot v = 0 \text{ für ein } v \neq 0 \\ \iff\ & (A - \lambda E) \cdot v = 0 \text{ für ein } v \neq 0 \\ \iff\ & p_A(\lambda) = \det(A - \lambda E) = 0 \end{aligned}

Wir können nicht jeden Pfeil ausprobieren. Darum formen wir die Definition um. Jede Zeile rechts ist gleichwertig zur vorigen (Zeichen   ⟺  \iff, „genau dann, wenn“).

  1. λ⋅v\lambda \cdot v nach links bringen. Dann λ⋅v\lambda \cdot v als (λE)⋅v(\lambda E) \cdot v schreiben, denn E⋅v=vE \cdot v = v (EE ist die Einheitsmatrix). So kann man vv ausklammern.
  2. Ein v≠0v \neq 0 mit (A−λE)⋅v=0(A - \lambda E) \cdot v = 0 gibt es genau dann, wenn die Matrix A−λEA - \lambda E nicht umkehrbar ist, also ihre Determinante 0 ist.

det⁡(A−λE)\det(A - \lambda E) ist ein Polynom in λ\lambda, das charakteristische Polynom pA(λ)p_A(\lambda). Die Eigenwerte sind genau seine Nullstellen.

Aus Ü9 A1 („Eigenwerte der transponierten und der inversen Matrix“): Dort steht dieselbe Umformung ausführlich, mit dem Grund: det⁡(M)=0\det(M) = 0 heißt, dass die Spalten von MM linear abhängig sind.
Noch 18 Schritte bis zum Ergebnis
Den ganzen Lösungsweg sehen Studierende und Lehrende der HS KL. Registriere dich mit deiner Adresse @stud.hs-kl.de oder @hs-kl.de, dann geht es hier direkt weiter.

Die Streckung in der Ebene

Beispiel a = 2, b = ½: Pfeile vor und nach A

Abbildung 1Die Streckung in der Ebene

Beispiel a = 2, b = ½: Pfeile vor und nach A

e₁e₂w = (2, 1)A·e₁ = 2·e₁A·e₂ = ½·e₂A·w = (4; 0,5)
Legendegerade gemeintBeispiel a = 2, b = ½: grau die Pfeile e₁, e₂ und w vor der Streckung, schwarz ihre Bilder A·e₁, A·e₂ und A·w.