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LAG · Übungsblatt 10 · Aufgabe 8

Gram-Schmidt: aus drei Vektoren im ℝ³ eine Orthonormalbasis bauen

Eine Basis des Raums R3\mathbb{R}^3 sind drei Pfeile, mit denen sich jeder Punkt des Raums eindeutig erreichen lässt. Gegebene Basis-Pfeile stehen aber meist schief zueinander und haben krumme Längen. Das Verfahren von Gram und Schmidt macht daraus drei Pfeile der Länge 1, die paarweise senkrecht aufeinander stehen: eine Orthonormalbasis. Zuerst weisen wir nach, dass die gegebenen Pfeile eine Basis sind. Dann bauen wir die neue Basis Pfeil für Pfeil. Der ganze Lösungsweg steht offen da, die Erklärung gehört jeweils zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Gegeben seien die drei Vektoren

v1=(122),v2=(−120),v3=(14−1).v_1 = \begin{pmatrix} 1 \\ 2 \\ 2 \end{pmatrix}, \quad v_2 = \begin{pmatrix} -1 \\ 2 \\ 0 \end{pmatrix}, \quad v_3 = \begin{pmatrix} 1 \\ 4 \\ -1 \end{pmatrix}.
  1. Zeigen Sie, dass B={v1,v2,v3}B = \{v_1, v_2, v_3\} eine Basis des R3\mathbb{R}^3 darstellen.
  2. Berechnen Sie nach dem Verfahren von Gram und Schmidt eine Orthonormalbasis des R3\mathbb{R}^3.

Gegeben sind drei Vektoren im Raum R3\mathbb{R}^3. Ein Vektor ist ein Pfeil vom Ursprung aus, beschrieben durch drei Zahlen.

Bei a) ist zu zeigen: Die drei Vektoren bilden eine Basis. Bei b) ist die Orthonormalbasis gesucht, die das Verfahren von Gram und Schmidt aus diesen drei Vektoren macht. Die Reihenfolge v1,v2,v3v_1, v_2, v_3 ist dabei wichtig: eine andere Reihenfolge führt zu einer anderen Orthonormalbasis.

Merke: Eine Orthonormalbasis ist eine Basis, deren Vektoren alle die Länge 1 haben (normiert) und paarweise senkrecht aufeinander stehen (orthogonal).

So gehen wir vor:

  1. Teil a): erklären, was eine Basis ist, und das Gleichungssystem aufstellen.
  2. Teil a): mit dem Gauß-Verfahren lösen, daraus folgt die Basis.
  3. Teil b): die Idee des Verfahrens, dann e₁ aus v₁ durch Normieren.
  4. Teil b): von v₂ den Anteil in Richtung e₁ abziehen und normieren ergibt e₂.
  5. Teil b): von v₃ die Anteile in Richtung e₁ und e₂ abziehen und normieren ergibt e₃.
  6. Probe: Längen und Skalarprodukte, dann Vergleich mit der Musterlösung.

Was eine Basis ist und was zu zeigen bleibt

Linear unabhängig heißt: Diese Gleichung hat nur die Lösung λ₁ = λ₂ = λ₃ = 0
λ1(122)+λ2(−120)+λ3(14−1)=(000)\lambda_1 \begin{pmatrix} 1 \\ 2 \\ 2 \end{pmatrix} + \lambda_2 \begin{pmatrix} -1 \\ 2 \\ 0 \end{pmatrix} + \lambda_3 \begin{pmatrix} 1 \\ 4 \\ -1 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix}
Drei Vektoren und dim ℝ³ = 3
3 linear unabha¨ngige Vektoren in R3  ⇒  Basis\text{3 linear unabhängige Vektoren in } \mathbb{R}^3 \;\Rightarrow\; \text{Basis}

Eine Basis des R3\mathbb{R}^3 ist eine Menge von Vektoren, die zwei Bedingungen erfüllt: Sie sind linear unabhängig, und mit ihnen lässt sich jeder Vektor des Raums darstellen. Der Raum R3\mathbb{R}^3 hat die Dimension 3: Jede Basis hat genau drei Vektoren.

Wir haben genau drei Vektoren. Deshalb reicht es zu zeigen, dass sie linear unabhängig sind: Drei linear unabhängige Vektoren in einem Raum der Dimension 3 bilden von selbst eine Basis.

Aus Ü2 A4 („Lineare Unabhängigkeit im ℝ³ prüfen“): Vektoren sind linear unabhängig, wenn nur die Kombination mit lauter Nullen als Faktoren den Nullvektor ergibt. Wir fragen also: Welche Zahlen λ1,λ2,λ3\lambda_1, \lambda_2, \lambda_3 ergeben λ1v1+λ2v2+λ3v3=0\lambda_1 v_1 + \lambda_2 v_2 + \lambda_3 v_3 = 0?

Das Gleichungssystem aufstellen

Die Gleichungen, Zeile für Zeile
λ1−λ2+λ3=02λ1+2λ2+4λ3=02λ1+0λ2−λ3=0\begin{aligned} \lambda_1 - \lambda_2 + \lambda_3 &= 0 \\ 2\lambda_1 + 2\lambda_2 + 4\lambda_3 &= 0 \\ 2\lambda_1 + 0\lambda_2 - \lambda_3 &= 0 \end{aligned}
Erweiterte Matrix: Spalten sind v₁, v₂, v₃
(1−110224020−10)IIIIII\left(\begin{array}{ccc|c} 1 & -1 & 1 & 0 \\ 2 & 2 & 4 & 0 \\ 2 & 0 & -1 & 0 \end{array}\right) \begin{matrix} \text{I} \\ \text{II} \\ \text{III} \end{matrix}

Die Vektorgleichung gilt in jeder der drei Zeilen. Zeile für Zeile entsteht eine Gleichung: In der ersten stehen die ersten Einträge der Vektoren, in der zweiten die zweiten, in der dritten die dritten. Die Unbekannten sind λ1,λ2,λ3\lambda_1, \lambda_2, \lambda_3.

Die Zahlen schreiben wir als erweiterte Matrix: Die drei Vektoren stehen als Spalten links vom Strich, rechts vom Strich steht die Null der rechten Seite. Die Zeilen nennen wir I, II und III.

Noch 14 Schritte bis zum Ergebnis
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Der Raum mit den Vektoren

graue Pfeile: gegeben, farbige: Ergebnis; Schrägbild, rechte Winkel erscheinen schief

Abbildung 1Der Raum mit den Vektoren

graue Pfeile: gegeben, farbige: Ergebnis; Schrägbild, rechte Winkel erscheinen schief

v₁v₂v₃e₁e₂e₃
Legendein diesem Schritt gemeintDie gegebenen Vektoren v₁, v₂, v₃ (grau) und die berechnete Orthonormalbasis e₁, e₂, e₃.