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MG · Vorlesung Teil 2 · Abschnitt 2

Direkter Beweis und Kettenschluss

Der direkte Beweis ist die häufigste Art zu beweisen. Man geht von der Voraussetzung aus und kommt Zeile für Zeile bei der Behauptung an. Hier steht, warum das erlaubt ist, und ein Beweis wird vorgeführt. Rechts baut er sich Zeile für Zeile auf. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran.

Worum es geht

Skript Teil 2, Folien 6 bis 10: Direkter Beweis.

Ein Satz der Form A⇒BA \Rightarrow B sagt: Wenn AA gilt, dann gilt auch BB. AA heißt Voraussetzung oder Hypothese, BB heißt Behauptung. Der direkte Beweis nimmt AA als wahr an und leitet daraus BB her.

So gehen wir vor:

  1. Die Regel, die jeden Schritt trägt: der Modus ponens.
  2. Wie sich daraus eine Kette von Schritten ergibt.
  3. Ein Beweis an einem Beispiel: Ist nn ungerade, ist auch n2n^2 ungerade.
  4. Der Kettenschluss: zwei Implikationen zu einer verbinden.

Wenn A gilt und aus A folgt B

Skript · modus ponendo ponens (Abtrennungsregel, kurz MP)
(A∧(A⇒B))⇒B\big(A \land (A \Rightarrow B)\big) \Rightarrow B

„Wenn AA (die Hypothese) gilt und aus AA folgt BB, dann muss auch BB gelten.“

Angenommen, zwei Dinge sind bekannt: AA ist wahr, und A⇒BA \Rightarrow B ist wahr. Dann darf man schließen: BB ist wahr. Diese Schlussregel heißt Abtrennungsregel: Man „trennt“ BB von der Implikation ab. Das Skript nennt sie lateinisch modus ponendo ponens, etwa „Schlussweise durch Setzen“. Wir sagen kurz Modus ponens oder MP.

Rechts sieht man, warum: AA und A⇒BA \Rightarrow B sind nur in Zeile 4 beide wahr. Und in Zeile 4 ist B=1B = 1.

Aus Teil 1, Abschnitt 3 („Wenn-dann, genau dann, XOR, NAND, NOR“): A⇒BA \Rightarrow B ist nur falsch, wenn AA wahr und BB falsch ist.

Der Modus ponens ist eine Tautologie

Voraussetzung und ganze Regel, Zeilen 1 bis 4
A∧(A⇒B): 0, 0, 0, 1A \land (A \Rightarrow B):\ 0,\,0,\,0,\,1
(A∧(A⇒B))⇒B: 1, 1, 1, 1\big(A \land (A \Rightarrow B)\big) \Rightarrow B:\ 1,\,1,\,1,\,1

Die ganze Regel ist selbst ein logischer Ausdruck: eine Implikation mit der Voraussetzung A∧(A⇒B)A \land (A \Rightarrow B). Diese Voraussetzung ist in den Zeilen 1 bis 3 gleich 0. Eine Implikation mit falscher Voraussetzung ist wahr, also steht dort 1. In Zeile 4 ist die Voraussetzung 1 und auch B=1B = 1, also 1⇒1=11 \Rightarrow 1 = 1.

Die Spalte ist in allen vier Zeilen 1. Der Ausdruck ist also eine Tautologie: immer wahr, egal was AA und BB sind.

Darum ist die Regel sicher. Wer sie benutzt, kann nie von Wahrem zu Falschem kommen.

Aus Teil 1, Abschnitt 5 („Tautologie, Gleichheit und Rechengesetze“): Eine Tautologie ist ein Ausdruck, der für jede Belegung wahr ist.
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Wahrheitstafel

Modus ponens

Abbildung 1Wahrheitstafel

Modus ponens

ZeileAABBA⇒BA \Rightarrow BA∧(A⇒B)A \land (A \Rightarrow B)(A∧(A⇒B))⇒B\big(A \land (A \Rightarrow B)\big) \Rightarrow B
100101
201101
310001
411111
Legendegerade gemeintWahrheitstafel des Modus ponens.