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Statistik · Übungsblatt 5 · Aufgabe 1

Dichte ⅔(x+1): Verteilungsfunktion, Erwartungswert, Varianz

Eine Zufallsvariable nimmt Werte zwischen 0 und 1 an. Wie wahrscheinlich welche Werte sind, beschreibt die Dichte f(x)=23(x+1)f(x) = \tfrac{2}{3}(x + 1), eine schräge Gerade. Gesucht sind die Verteilungsfunktion, der Erwartungswert, die Varianz und eine Zeichnung. Gerechnet wird von Hand mit Integralen, also mit Flächen unter einer Kurve; jeder Rechenschritt ist gezeigt. Der ganze Lösungsweg steht von Anfang an da. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran, die Erklärung gehört jeweils zum aktuellen Schritt. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Aufgabe 1

Gegeben ist folgende Dichtefunktion, d.h. die ZV hat die Dichtefunktion

f(x)={23(x+1)fu¨r 0<x<10sonst.f(x) = \begin{cases} \frac{2}{3}(x + 1) & \text{für } 0 < x < 1 \\ 0 & \text{sonst.} \end{cases}

Bestimmen Sie

  1. Verteilungsfunktion
  2. Erwartungswert
  3. Varianz
  4. Zeichnen Sie die Dichte- und Verteilungsfunktion ein.

XX ist eine Größe, deren Wert vom Zufall abhängt. Sie kann jede Zahl zwischen 0 und 1 annehmen, auch 0,3 oder 0,817. Wie die Wahrscheinlichkeit auf diese Zahlen verteilt ist, sagt die Funktion ff. Sie heißt Dichtefunktion oder kurz Dichte; was das genau ist, erklärt Schritt 1. ZV ist die Abkürzung für Zufallsvariable.

Gesucht sind drei Rechenergebnisse und eine Zeichnung. Die Verteilungsfunktion gibt an, wie wahrscheinlich XX höchstens einen bestimmten Wert hat. Der Erwartungswert ist der Durchschnittswert von XX, die Varianz misst, wie stark die Werte um ihn streuen. Jeder Begriff wird in seinem Schritt genauer erklärt.

Der Weg:

  1. Klären, was eine Dichte ist, und prüfen, dass die Fläche unter f gleich 1 ist (Schritte 1 und 2).
  2. a) Die Verteilungsfunktion als Fläche links von x bestimmen (Schritte 3 und 4).
  3. b) Den Erwartungswert als Integral berechnen (Schritt 5).
  4. c) Erst E(X²), dann die Varianz berechnen (Schritte 6 und 7).
  5. d) Dichte und Verteilungsfunktion mit Wertetabellen zeichnen (Schritt 8).
Merke: Bei einer Dichte ist jede Wahrscheinlichkeit eine Fläche unter der Kurve. Flächen berechnet man mit Integralen. Alle vier Teile beruhen auf dieser einen Idee.

Was eine Dichtefunktion ist

Eigenschaften einer Dichtefunktion f(x) einer stetigen ZV X (Formelsammlung)
(1)f(x)≥0(1)\quad f(x) \ge 0
(2)∫−∞∞f(x) dx=1(2)\quad \int_{-\infty}^{\infty} f(x)\,dx = 1
(3)P(a<X≤b)=∫abf(x) dx(3)\quad P(a < X \le b) = \int_a^b f(x)\,dx

Eine Zufallsvariable (ZV) ist eine Größe, deren Wert vom Zufall abhängt. Hier heißt sie XX.

XX ist stetig: Sie kann jeden Wert in einem Bereich annehmen, hier jede Zahl zwischen 0 und 1. Das Gegenstück ist eine diskrete ZV mit einzelnen, getrennten Werten, etwa die Augenzahl eines Würfels.

Bei einer stetigen ZV beschreibt eine Kurve, die Dichtefunktion f(x)f(x), wo die Werte liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass XX in einem Bereich landet, ist die Fläche unter dieser Kurve über dem Bereich. Wo die Kurve hoch ist, liegt viel Fläche: Dort landet XX oft. Hier steigt ff von links nach rechts, große Werte kommen also etwas häufiger vor als kleine.

Die Formelsammlung nennt drei Eigenschaften einer Dichte. Das Zeichen ∫\int ist ein Integral: Es berechnet eine Fläche unter einer Kurve. Wie man es ausrechnet, zeigt Schritt 2. Das Zeichen ∞\infty heißt „unendlich“: ∫−∞∞\int_{-\infty}^{\infty} meint die Fläche über der ganzen x-Achse, von ganz links bis ganz rechts.

  • (1) Die Kurve liegt nie unter der x-Achse.
  • (2) Die ganze Fläche unter der Kurve ist 1: Irgendeinen Wert nimmt X sicher an.
  • (3) Die Fläche zwischen aa und bb ist die Wahrscheinlichkeit, dass XX über aa und höchstens bei bb liegt.

Die Fallunterscheidung: Die geschweifte Klammer sagt, welche Zeile wo gilt. Zwischen 0 und 1 gilt f(x)=23(x+1)f(x) = \tfrac{2}{3}(x + 1), überall sonst f(x)=0f(x) = 0. Genau bei x=0x = 0 und x=1x = 1 gilt schon „sonst“, denn 0<x<10 < x < 1 verlangt echt größer und echt kleiner. In der Grafik zeigen das die leeren Punkte.

Integrieren: Die Fläche unter f ist 1

Potenzregel für eine Stammfunktion
∫xn dx=xn+1n+1\int x^n\,dx = \frac{x^{n+1}}{n+1}
Ganze Fläche unter f: nur von 0 bis 1, sonst ist f = 0
∫−∞∞f(x) dx=∫0123(x+1) dx=23∫01(x+1) dx\int_{-\infty}^{\infty} f(x)\,dx = \int_0^1 \frac{2}{3}(x + 1)\,dx = \frac{2}{3}\int_0^1 (x + 1)\,dx
=23[x22+x]01=23((122+1)−(022+0))= \frac{2}{3}\Big[\frac{x^2}{2} + x\Big]_0^1 = \frac{2}{3}\Big(\Big(\frac{1^2}{2} + 1\Big) - \Big(\frac{0^2}{2} + 0\Big)\Big)
=23⋅32=1= \frac{2}{3} \cdot \frac{3}{2} = 1

Die Fläche ist 1. ff ist also eine erlaubte Dichte.

Bevor wir rechnen, prüfen wir Eigenschaft (2): Ist die ganze Fläche unter ff gleich 1? Dabei lernen wir das Werkzeug für alle weiteren Teile, das Integrieren.

Das Integral ∫abf(x) dx\int_a^b f(x)\,dx ist die Fläche unter ff von aa bis bb. aa heißt untere, bb obere Grenze. Das dxdx am Ende sagt nur: xx ist die Größe, die von aa nach bb läuft. Außerhalb von 0 bis 1 ist f=0f = 0, dort liegt keine Fläche. Darum reicht das Integral von 0 bis 1.

So rechnet man es aus: Man sucht eine Stammfunktion: eine Funktion, deren Ableitung (ihre Steigung) die Kurve unter dem Integral ist. Dann setzt man erst die obere, dann die untere Grenze ein und zieht ab. Die eckige Klammer [ ]ab\big[\ \big]_a^b ist die Schreibweise dafür.

Drei Regeln reichen für die ganze Aufgabe:

  • Potenzregel: Aus xnx^n wird xn+1n+1\tfrac{x^{n+1}}{n+1}: Exponent um 1 erhöhen, durch den neuen Exponenten teilen. xx ist x1x^1 und wird x22\tfrac{x^2}{2}. Die Zahl 1 ist x0x^0 und wird x11=x\tfrac{x^1}{1} = x.
  • Faktorregel: Ein fester Faktor wie 23\tfrac{2}{3} darf vor das Integral und bleibt stehen.
  • Summenregel: Bei einer Summe wie x+1x + 1 integriert man jeden Summanden einzeln.

Probe ohne Integral: Die Fläche unter einer Geraden ist ein Trapez. Seine Fläche ist die mittlere Höhe mal die Breite: 12(23+43)⋅1=1\tfrac{1}{2}\big(\tfrac{2}{3} + \tfrac{4}{3}\big) \cdot 1 = 1. Die Höhen sind ff am linken Rand, 23(0+1)=23\tfrac{2}{3}(0 + 1) = \tfrac{2}{3}, und am rechten, 23(1+1)=43\tfrac{2}{3}(1 + 1) = \tfrac{4}{3}. Stimmt.

Merke: ∫abxn dx=[xn+1n+1]ab\int_a^b x^n\,dx = \Big[\tfrac{x^{n+1}}{n+1}\Big]_a^b. Die Fläche ist der Wert an der oberen Grenze minus den Wert an der unteren.
Noch 7 Schritte bis zum Ergebnis
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Dichte und Verteilungsfunktion

beide in einem Koordinatensystem, wie d) es verlangt

Abbildung 1Dichte und Verteilungsfunktion

beide in einem Koordinatensystem, wie d) es verlangt

00,250,50,7511,251,5−0,2500,250,50,7511,25Höhe f(x) bzw. F(x)Wert xE(X) ≈ 0,56± σ ≈ 0,28F(x)f(x)Fläche 1F(0,5) =Fläche bis 0,5F(0,5) ≈ 0,4167
Legendedurchgezogen: Dichte fgestrichelt: Verteilungsfunktion Fsenkrecht gestrichelt (ab Schritt 5): E(X)getönt: die gemeinte Fläche unter fgerade gemeintDas Koordinatensystem für die Lösung: waagerecht die Werte x, senkrecht die Höhe der Kurven. Ab Schritt 1 steht darin die gegebene Dichte f, in Schritt 8 kommt die Verteilungsfunktion F dazu.