Die Aufgabe will sechs Namen. Jeder Name steht für ein Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre
(kurz BWL). Jedes dieser Teilgebiete befasst sich mit genau einer Aufgabe, die in einem
Betrieb erledigt werden muss, zum Beispiel mit dem Einkauf.
„Nennen“ heißt: aufzählen. Eine Erklärung verlangt die Aufgabe nicht. Laut Deckblatt
entspricht die Punktzahl der geplanten Bearbeitungszeit. Die Klausur dauert 120 Minuten und
hat 120 Punkte: Ein Punkt ist also etwa eine Minute. Für 3 Punkte haben Sie etwa 3 Minuten.
Das reicht für eine saubere Liste.
Damit Sie die sechs Namen nicht nur auswendig lernen, sondern verstehen, geht dieser
Lösungsweg weiter als die Klausur:
- Einordnen: Was ist allgemeine und spezielle BWL? (Schritt 1)
- Die drei Arten, die spezielle BWL zu gliedern. (Schritt 2)
- Was eine Sachfunktion ist. (Schritt 3)
-
Die sechs Lehren einzeln, jeweils mit einem Beispiel aus einer Bäckerei. (Schritte 4 bis 9)
- Die Antwort, wie sie auf dem Papier stehen sollte. (Schritt 10)
Merke: Jede Sachfunktionslehre gehört zu einer Aufgabe im Betrieb. Wer die Aufgaben
kennt, kann die Namen ableiten.
allgemeine BWL: gilt für jeden Betrieb · spezielle BWL: ein Ausschnitt
Ein Betrieb ist eine Einheit, in der Menschen Sachgüter (Dinge wie Brötchen oder
Autos) oder Dienstleistungen (etwa einen Kredit oder eine Hotelübernachtung) herstellen
und an andere abgeben. Beides zusammen nennt die BWL Güter. Beispiele: eine Bäckerei, eine
Bank, ein Autowerk.
Die BWL ist die Wissenschaft davon, wie ein einzelner Betrieb wirtschaftet: wie er
plant, entscheidet und rechnet. Die Volkswirtschaftslehre (VWL) schaut dagegen auf die
Wirtschaft eines ganzen Landes.
Die BWL hat zwei große Teile:
-
Die allgemeine BWL behandelt Fragen, die sich jedem Betrieb stellen. Die Branche
und die Größe spielen keine Rolle. Beispiel: Wo ist der beste Standort? Diese Frage hat
die Bäckerei genauso wie ein Autowerk.
-
Die spezielle BWL geht in die Tiefe. Sie nimmt sich einen Ausschnitt vor und
untersucht seine Besonderheiten. Beispiel: Wie kauft ein Betrieb am besten ein?
Warum diese Teilung? Vieles gilt überall, das lernt man einmal. Anderes ist so besonders,
dass es ein eigenes Fachgebiet braucht.
Im Bild oben stehen beide Teile, jeder in einem eigenen Kasten. Die Aufgabe fragt nach
Lehren der speziellen BWL.
nach Funktionen · nach Wirtschaftszweigen · nach Betriebsgrößen
Die spezielle BWL wird auf drei Arten in Teilgebiete zerlegt. Jede Art stellt dem Betrieb
eine andere Frage:
-
Nach Funktionen: Welche Aufgabe im Betrieb wird untersucht? Zum Beispiel der
Einkauf. Das ist diese Aufgabe 1.
-
Nach Wirtschaftszweigen: Welche Branche wird untersucht? Ein Wirtschaftszweig ist
eine Gruppe von Betrieben, die Ähnliches anbieten, zum Beispiel alle Banken. Das ist
Aufgabe 2.
-
Nach Betriebsgrößen: Wie groß ist der Betrieb? Zum Beispiel ein kleiner
Handwerksbetrieb oder ein Konzern, also ein Verbund aus mehreren Unternehmen. Das ist
Aufgabe 3.
Die drei Arten schließen sich nicht aus. Die Bäckerei hat eine Branche, eine Größe und
erledigt viele Aufgaben. Man schaut nur jeweils aus einer anderen Richtung auf sie.
Im Bild sind das die drei Spalten in der speziellen BWL. Die Spalte mit der grünen
Beschriftung „Aufgabe 1“ gehört zu dieser Aufgabe. Grün hinterlegt sind in diesem Schritt
alle drei Spalten, weil es um alle drei geht.
Vorsicht: Die Klausur fragt nach allen drei Arten in getrennten Aufgaben. Eine
Bankbetriebslehre ist eine Lehre eines Wirtschaftszweigs, keine Sachfunktionslehre. Sie
gehört nicht in diese Antwort.
Sachfunktion = Aufgabe am Weg der Güter oder des Geldes
Eine Funktion ist in der BWL eine Aufgabe, die im Betrieb laufend erledigt werden
muss. Der Teil des Betriebs, der sie erledigt, heißt Funktionsbereich. Die
Musterlösung nennt die ganze Gruppe deshalb „Lehre von den Funktionsbereichen“.
Das „Sach-“ in Sachfunktion grenzt ab. In vielen Lehrbüchern stehen zwei Arten von
Aufgaben nebeneinander:
-
Sachfunktionen sind die konkreten Arbeiten am Weg der Güter und des Geldes durch
den Betrieb: einkaufen, lagern, herstellen, verkaufen, Geld besorgen, Geld langfristig
einsetzen (investieren).
-
Führungsaufgaben sind Planen, Entscheiden, Organisieren und Kontrollieren. Sie
kommen in jedem Bereich vor, im Einkauf genauso wie im Verkauf.
Die Namen der sechs Lehren enden auf „-wirtschaft“. Das heißt hier: alles im
Betrieb, was mit dieser einen Aufgabe zu tun hat. „Beschaffungswirtschaft“ ist also alles
rund um den Einkauf.
Ab jetzt folgen wir einer Bäckerei mit eigenem Laden. Erst dem Mehl bis zum verkauften
Brötchen (Schritte 4 bis 7), dann dem Geld (Schritte 8 und 9).
Lehre von der Beschaffungswirtschaft: einkaufen
Beschaffung heißt: alles besorgen, was der Betrieb für seine Arbeit braucht. Das
ist der Anfang des Wegs. Ohne Mehl gibt es kein Brötchen.
Die Bäckerei bestellt Mehl, Hefe, Zucker und Papiertüten beim Großhändler. Dabei muss sie
entscheiden: Was genau? Wie viel? Bei welchem Lieferanten? Und wann?
Warum ist das ein eigenes Fachgebiet? Beim Einkauf entstehen große Kosten. Wer zu teuer
oder zu spät einkauft, verliert Geld oder kann nicht backen.
Ausblick: Die ABC-Analyse aus Aufgabe 30 dieser Probeklausur ist ein Werkzeug aus diesem
Gebiet. Sie zeigt, auf welche Materialien man beim Einkauf besonders achten sollte.
Merke: Beschaffungswirtschaft ist der Einkauf. Es geht um das, was in den
Betrieb hineinkommt.
Lehre von der Lagerhaltungswirtschaft: vorrätig halten
Was eingekauft ist, wird selten sofort verbraucht. Es muss aufbewahrt werden. Das ist die
Lagerhaltung. Ein Lager ist der Ort, an dem Vorräte liegen.
In der Bäckerei stehen Mehlsäcke im Lagerraum. Vorbereitete Teiglinge liegen in der
Kühlzelle, bis sie gebacken werden.
Warum ein eigenes Fachgebiet? Beim Lager gibt es zwei Fehler in entgegengesetzte
Richtungen:
-
Zu viel Vorrat: Er braucht Platz und kostet Geld, das schon ausgegeben ist. Mehl
kann verderben.
-
Zu wenig Vorrat: Geht das Mehl aus, steht die Backstube still. Die Kunden gehen
leer aus.
Die Lagerhaltungswirtschaft sucht den richtigen Mittelweg.
Lehre von der Produktionswirtschaft: herstellen
Produktion heißt: aus dem Eingekauften die eigenen Güter herstellen. Hier entsteht
das, was der Betrieb später verkauft.
In der Bäckerei werden nachts aus Mehl, Wasser und Hefe Brötchen, Brot und Kuchen. Die
Fragen dazu: Was und wie viel wird gebacken? In welcher Reihenfolge? Mit welchen Öfen und
wie vielen Leuten?
Warum ein eigenes Fachgebiet? Die Mittel sind knapp. Es gibt nur zwei Öfen und drei
Bäcker. Wer sie gut einteilt, stellt mehr her und verschwendet weniger.
Ausblick: Aufgabe 29 dieser Probeklausur („Lineare Programmierung: das optimale
Tortenprogramm“) ist eine typische Frage der Produktionswirtschaft. Dort wird
ausgerechnet, wie viele Torten welcher Sorte man mit knappen Zutaten backen sollte.
Lehre von der Absatzwirtschaft: verkaufen
Absatz ist in der BWL das Wort für den Verkauf der eigenen Güter. Hier endet der
Weg der Güter: Das Brötchen geht an den Kunden. In vielen Büchern heißt dieses Gebiet
heute auch Marketing.
Die Bäckerei muss entscheiden: Was kostet ein Brötchen? Wie erfahren die Leute von dem
neuen Dinkelbrot (Werbung)? Wo wird verkauft: nur im eigenen Laden oder auch als Lieferung
an ein Café?
Warum ein eigenes Fachgebiet? Erst beim Verkauf kommt Geld zurück in den Betrieb. Ein
gutes Brötchen, das niemand kauft, bringt nichts ein.
Merke: Beschaffung ist der Eingang, Absatz ist der Ausgang des Betriebs. Dazwischen
liegen Lager und Produktion.
Lehre von der Finanzwirtschaft: Geld besorgen
Neben den Gütern fließt Geld durch den Betrieb. Die Finanzwirtschaft
kümmert sich darum, dass genug Geld da ist. Das Besorgen von Geld heißt
Finanzierung.
Es gibt zwei Quellen:
- Eigenkapital: Geld, das die Eigentümer selbst in den Betrieb geben.
-
Fremdkapital: geliehenes Geld, zum Beispiel ein Kredit von der Bank. Es muss mit
Zinsen zurückgezahlt werden.
Beispiel (die Zahl ist ausgedacht): Die Bäckerei braucht einen neuen Ofen für 30.000 €.
Sie nimmt dafür einen Kredit auf.
Dazu gehört eine zweite Frage: Kann der Betrieb seine Rechnungen jederzeit bezahlen? Diese
Fähigkeit heißt Liquidität. Wer nicht zahlen kann, ist zahlungsunfähig, auch wenn
er gute Brötchen backt.
Ausblick: Aufgabe 26 dieser Probeklausur („Teilzahlungskredit: was 0,3 % im Monat wirklich
kosten“) rechnet einen Kredit durch. Das ist Finanzwirtschaft.
Lehre von der Investitionswirtschaft: Geld langfristig einsetzen (investieren)
Eine Investition heißt: Geld in etwas stecken, das der Betrieb über mehrere Jahre
nutzt. Beispiele sind Maschinen, Fahrzeuge oder Gebäude.
Die Bäckerei kauft mit dem Kredit aus Schritt 8 den neuen Ofen für 30.000 €. Der Ofen
backt dann viele Jahre lang. Die Investitionswirtschaft fragt: Lohnt sich diese
Anschaffung? Und wenn es mehrere Öfen zur Auswahl gibt: welcher?
Warum ein eigenes Fachgebiet? Eine Investition bindet viel Geld für lange Zeit. Ein
Fehlkauf lässt sich schwer rückgängig machen.
Nicht verwechseln: Die Finanzwirtschaft fragt: Woher kommt das Geld?
Die Investitionswirtschaft fragt: Wofür wird es eingesetzt? Kredit aufnehmen
ist Finanzierung, den Ofen kaufen ist Investition. Das sind zwei Lehren. In der Klausur
zählen sie auch als zwei.
Beschaffung · Produktion · Absatz · Lagerhaltung · Investition · Finanz
Die Antwort ist eine Liste mit sechs Namen. Sie stehen rechts in der Reihenfolge der
Musterlösung. Die Reihenfolge spielt für die Punkte keine Rolle. Schreiben Sie die Namen
vollständig, mit der Endung „-wirtschaft“.
Merkhilfe, dem Weg folgend:
-
Güter: einkaufen (Beschaffung), aufbewahren (Lagerhaltung), herstellen (Produktion),
verkaufen (Absatz).
- Geld: besorgen (Finanz), langfristig einsetzen, also investieren (Investition).
Beim Verkauf kommt Geld zurück. Damit kauft die Bäckerei wieder Mehl ein. Der Kreislauf
beginnt von vorn.
Unter der Antwort rechts steht eine Kurzprobe. Mit ihr prüfen Sie in wenigen Sekunden, ob
nichts fehlt und nichts Falsches dabei ist.
Typische Fehler: Lehren eines Wirtschaftszweigs nennen, zum Beispiel
Bankbetriebslehre (das ist Aufgabe 2). „Allgemeine BWL“ nennen (sie ist der Gegenbegriff zur
speziellen BWL). Finanzierung und Investition als einen Punkt schreiben.
Ergänzung: Die Musterlösung schreibt nach den sechs Namen „etc.“. Es gibt also
weitere. In Lehrbüchern stehen oft auch die Personalwirtschaft (alles rund um die
Mitarbeiter) und das Rechnungswesen (alles Zählen und Rechnen im Betrieb). Ob die Klausur
sie als Sachfunktionslehren gelten lässt, sagt die Musterlösung nicht. Am sichersten sind
die sechs oben.