Die Aufgabe ist kurz: „Unterscheiden Sie zwei Betriebsgrößen.“ Gemeint ist ein Teil der
Betriebswirtschaftslehre (kurz BWL): Die BWL hat für Betriebe verschiedener Größe
eigene Teilgebiete.
Dabei fällt oft das Wort Unternehmen. So nennt man Betriebe, die ihre Leistungen am
Markt verkaufen. Die Begriffe dieser Aufgabe sind mit diesem Wort gebildet. Deshalb heißt es
in diesem Artefakt meist Unternehmen. Gemeint sind dieselben Betriebe.
Die Musterlösung nennt zwei Teilgebiete:
- die Mittelstandsökonomik für kleine und mittlere Unternehmen,
-
die Konzernbetriebslehre für Konzerne, also große Verbünde aus mehreren Unternehmen.
Die Aufgabe sagt „Betriebsgrößen“, die Musterlösung antwortet mit zwei Lehren. Das
passt so zusammen: Jede Lehre steht für eine Größe. Die eine für die kleinen und mittleren,
die andere für die großen.
„Unterscheiden“ heißt: zwei Dinge benennen und sagen, worin sie sich unterscheiden. Die
Musterlösung nennt nur die beiden Namen. Laut Deckblatt entspricht die Punktzahl der geplanten
Bearbeitungszeit. Die Klausur dauert 120 Minuten und hat 120 Punkte: Ein Punkt ist also etwa
eine Minute. Für 4 Punkte haben Sie etwa 4 Minuten. Das reicht für die Namen und je ein bis
zwei Sätze. So ist die Antwort auf der sicheren Seite.
Der Weg:
- Einordnen: allgemeine und spezielle BWL. (Schritt 1)
- Warum die Größe eines Betriebs eine Rolle spielt. (Schritt 2)
- Woran man die Größe misst. (Schritt 3)
- Die zwei Lehren einzeln, dann nebeneinander. (Schritte 4 bis 6)
- Ergänzung: eine übliche Abgrenzung mit Zahlen. (Schritt 7)
- Die Antwort, wie sie auf dem Papier stehen sollte. (Schritt 8)
allgemeine BWL: gilt für jeden Betrieb · spezielle BWL: ein Ausschnitt
Ein Betrieb ist eine Einheit, in der Menschen Sachgüter (Dinge wie Brötchen oder
Autos) oder Dienstleistungen (etwa einen Kredit oder eine Hotelübernachtung) herstellen
und an andere abgeben. Beides zusammen nennt die BWL Güter. Die BWL ist die
Wissenschaft davon, wie ein einzelner Betrieb wirtschaftet: wie er plant, entscheidet und
rechnet.
Die BWL hat zwei große Teile:
-
Die allgemeine BWL behandelt Fragen, die sich jedem Betrieb stellen. Die Branche
und die Größe spielen keine Rolle. Beispiel: Wo ist der beste Standort?
-
Die spezielle BWL geht in die Tiefe. Sie nimmt sich einen Ausschnitt vor und
untersucht seine Besonderheiten. Beispiel: Was ist bei einem kleinen Familienbetrieb
anders als bei einem Weltkonzern?
Im Bild oben stehen beide Teile, jeder in einem eigenen Kasten. Die Lehren von den
Betriebsgrößen gehören zur speziellen BWL.
Aus Aufgabe 1 („Sachfunktionslehren: die spezielle BWL nach Aufgaben im Betrieb“):
Dort steht dieselbe Einteilung ausführlicher. Aufgabe 1 fragt nach der ersten Spalte der
speziellen BWL, diese Aufgabe nach der dritten.
gleiche Aufgabe, andere Größe → andere Lösung
Die spezielle BWL wird auf drei Arten in Teilgebiete zerlegt. Jede Art stellt dem Betrieb
eine andere Frage: Welche Aufgabe? Welche Branche? Wie groß? Die obere Tabelle rechts
zeigt alle drei. Diese Aufgabe fragt nach der dritten Art.
Aus Aufgabe 1 („Sachfunktionslehren: die spezielle BWL nach Aufgaben im Betrieb“):
Die Gliederung nach Funktionen untersucht je eine Aufgabe im Betrieb, zum Beispiel die
Finanzwirtschaft: das Besorgen von Geld.
Aus Aufgabe 2 („Lehren der Wirtschaftszweige: die spezielle BWL nach Branchen“):
Die Gliederung nach Wirtschaftszweigen untersucht je eine Branche, zum Beispiel alle
Banken (Bankbetriebslehre).
Warum braucht man daneben noch die Größe? Die untere Tabelle rechts zeigt es. Eine kleine
Bäckerei und ein großer Autokonzern müssen beide Geld besorgen. Sie tun es aber ganz
verschieden:
-
Die Bäckerei leiht sich Geld bei ihrer Hausbank, also der Bank, bei der sie ihr
Konto hat.
-
Der Konzern verkauft zusätzlich Aktien (Anteile am Unternehmen) und
Anleihen (Schuldscheine, für die er Zinsen zahlt) an der Börse, einem
Markt, auf dem solche Wertpapiere gehandelt werden.
Auch wer entscheidet, ist verschieden. In der Bäckerei entscheidet die Inhaberin selbst.
Im Konzern entscheiden angestellte Manager über viele Abteilungen hinweg. Deshalb gibt es
für kleine und für große Betriebe eigene Lehren.
Beschäftigte · Umsatz · Bilanzsumme
„Groß“ und „klein“ muss man messen können. Üblich sind drei Maßstäbe:
- Beschäftigte: wie viele Menschen im Unternehmen arbeiten.
-
Umsatz: wie viel Geld die Verkäufe in einem Jahr einbringen. Verkauft die
Bäckerei 100.000 Brötchen zu 0,50 €, sind das 50.000 € Umsatz (die Zahlen sind
ausgedacht).
-
Bilanzsumme: was alles, was dem Unternehmen gehört, am Jahresende wert ist:
Gebäude, Maschinen, Vorräte, Geld auf dem Konto. Die Bilanz ist die Aufstellung,
in der das steht.
Wichtig: Die Musterlösung nennt keine Zahlen, ab wann ein Unternehmen klein, mittel
oder groß ist. Eine übliche Abgrenzung mit Zahlen steht in Schritt 7, deutlich als
Ergänzung gekennzeichnet.
Mittelstandsökonomik: Lehre von den kleinen und mittleren Unternehmen
Das Wort hat zwei Teile:
- Ökonomik heißt: die Wissenschaft von der Wirtschaft.
- Mittelstand heißt: die kleinen und mittleren Unternehmen, kurz KMU.
Die Mittelstandsökonomik ist also die Lehre von den kleinen und mittleren Unternehmen.
Was ist typisch für sie? Viele sind Familienunternehmen. Die Eigentümer leiten das
Unternehmen selbst. Eigentum und Leitung liegen in einer Hand. Die Wege sind kurz: Die
Inhaberin der Bäckerei kauft selbst ein, stellt selbst Leute ein und entscheidet selbst
über den neuen Ofen. Große Fachabteilungen gibt es nicht.
Beispiele: die Bäckerei um die Ecke, ein Malerbetrieb, ein Familienbetrieb, der
Werkzeugmaschinen baut und in die ganze Welt liefert.
Warum eine eigene Lehre? Viele Werkzeuge der BWL wurden für große Unternehmen entwickelt.
Ein Betrieb mit zwölf Leuten hat keine eigene Abteilung dafür. Dazu kommen eigene Fragen,
zum Beispiel: Wer übernimmt den Betrieb, wenn die Inhaberin in Rente geht?
Konzern = mehrere rechtlich selbstständige Unternehmen unter einheitlicher Leitung
Ein Konzern ist ein Verbund aus mehreren Unternehmen. Zwei Merkmale machen ihn aus:
-
Rechtlich selbstständig: Jedes Unternehmen im Konzern bleibt ein eigenes
Unternehmen. Es hat einen eigenen Namen, schließt eigene Verträge und stellt eine eigene
Bilanz auf.
-
Einheitliche Leitung: Trotzdem gibt ein Unternehmen die Richtung für alle vor. Es
heißt Mutterunternehmen, die geführten heißen Tochterunternehmen.
Beispiel: Ein großer Autohersteller ist die Mutter. Zu ihm gehören als Töchter mehrere
Autohersteller mit eigener Marke, eine eigene Bank für Autokredite und Werke im Ausland.
Die Konzernbetriebslehre untersucht die Fragen, die erst in so einem Verbund
entstehen: Wie viel darf eine Tochter selbst entscheiden? Zu welchem Preis liefert eine
Tochter an eine andere? Wie rechnet man am Jahresende alle Töchter zu einer gemeinsamen
Bilanz zusammen, als wären sie ein Unternehmen? Geleitet wird meist von angestellten
Managern, nicht von den Eigentümern.
Genau genommen: „Konzern“ beschreibt keine Größe, sondern eine Verbindung von
Unternehmen. Es gibt auch kleine Konzerne, etwa ein kleines Unternehmen mit einem einzigen
Tochterunternehmen. Die meisten Konzerne sind aber sehr groß. In der Musterlösung steht
die Konzernbetriebslehre deshalb für die großen Unternehmen.
klein, ein Unternehmen, Eigentümer leiten ↔ groß, viele Unternehmen, Manager leiten
„Unterscheiden“ verlangt, die beiden nebeneinanderzustellen. Die Tabelle rechts macht das
Merkmal für Merkmal. Alles darin kam in den Schritten 2, 4 und 5 schon vor.
Das wichtigste Merkmal zuerst: die Größe. Die Mittelstandsökonomik befasst sich mit
kleinen und mittleren Unternehmen, die Konzernbetriebslehre mit meist sehr großen
Verbünden.
Die beiden Lehren unterscheiden sich in mehreren Merkmalen. Größe und Aufbau hängen
zusammen, sind aber nicht dasselbe: Ein Konzern besteht immer aus mehreren Unternehmen,
ist aber nur meistens groß. Die weiteren Merkmale:
-
Aufbau: ein einzelnes Unternehmen gegenüber vielen Unternehmen unter einem Dach.
-
Leitung: Im Mittelstand leiten meist die Eigentümer selbst. Im Konzern leiten
angestellte Manager.
-
Geld besorgen: Der Mittelstand nutzt eigenes Geld und Kredite der Hausbank. Große
Konzerne können zusätzlich Aktien und Anleihen ausgeben.
Das Wort „meist“ steht hier mit Absicht. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel große
Familienunternehmen, die trotzdem von der Familie geführt werden.
mittleres Unternehmen: unter 250 Beschäftigte und Umsatz bis 50 Mio. € oder Bilanzsumme bis
43 Mio. €
Das steht nicht in der Musterlösung. Es hilft aber, sich unter „klein“ und „mittel“
etwas vorzustellen.
Die EU-Kommission hat 2003 festgelegt, ab wann ein Unternehmen als klein oder mittel gilt.
Diese Abgrenzung wird oft benutzt, zum Beispiel bei Förderprogrammen. Rechts stehen die
Grenzen. „Mio. €“ heißt Millionen Euro.
So liest man eine Zeile: Ein Unternehmen ist ein mittleres Unternehmen, wenn zwei
Dinge gelten:
- Es hat weniger als 250 Beschäftigte. Das muss immer erfüllt sein.
-
Sein Umsatz ist höchstens 50 Mio. € oder seine Bilanzsumme ist höchstens 43 Mio.
€. Eine der beiden Grenzen reicht.
Wer darüber liegt, gilt als großes Unternehmen.
Eine wichtige Regel dazu: Gehört ein Unternehmen zu einem Konzern, zählt die EU die Zahlen
des ganzen Konzerns zusammen. Eine kleine Konzerntochter ist deshalb kein KMU.
Beispiel (ausgedacht): Ein Familienbetrieb hat 180 Beschäftigte und 60 Mio. € Umsatz, aber
nur 30 Mio. € Bilanzsumme. 180 liegt unter 250. Der Umsatz liegt über 50 Mio. €, aber die
Bilanzsumme liegt unter 43 Mio. €. Also ist er ein mittleres Unternehmen.
Vorsicht: „Mittelstand“ meint im Deutschen oft mehr als diese Zahlen. Häufig zählt
man auch größere Familienunternehmen dazu, solange die Eigentümer sie selbst führen.
Schreiben Sie in der Klausur keine Zahlen als Antwort, die Musterlösung verlangt sie
nicht.
Mittelstandsökonomik (klein und mittel) · Konzernbetriebslehre (groß, viele Unternehmen)
Die Antwort nennt beide Lehren und sagt zu jeder in einem Satz, wofür sie steht. Die Namen
stammen aus der Musterlösung. Die Sätze dazu machen aus dem Nennen ein Unterscheiden.
Zusammengefasst:
-
Die spezielle BWL gliedert sich nach Funktionen, Wirtschaftszweigen und Betriebsgrößen.
-
Nach der Größe gibt es die Mittelstandsökonomik (kleine und mittlere Unternehmen, oft von
den Eigentümern geführt) und die Konzernbetriebslehre (Verbünde aus rechtlich
selbstständigen Unternehmen unter einheitlicher Leitung, meist sehr groß).
Unter der Antwort rechts steht eine Kurzprobe. Mit ihr prüfen Sie in wenigen Sekunden, ob
nichts fehlt und nichts Falsches dabei ist.
Typische Fehler: Zwei Branchen nennen, etwa Industrie und Handel (das ist Aufgabe 2,
keine Größe). Nur „klein“ und „groß“ schreiben, ohne die beiden Lehren zu nennen. Jedes
große Unternehmen einen Konzern nennen: Zum Konzern gehören mehrere rechtlich selbstständige
Unternehmen. Zahlengrenzen wie die aus Schritt 7 als Antwort der Musterlösung ausgeben.