BWL ist die Abkürzung für Betriebswirtschaftslehre. Sie untersucht Betriebe:
Einheiten, die Güter herstellen und an andere abgeben, zum Beispiel eine Bäckerei, ein
Autowerk oder eine Bank. Die BWL fragt, wie Betriebe planen, einkaufen, herstellen, verkaufen
und entscheiden.
Wissenschaftlich heißt: Die BWL arbeitet nach festen Regeln. Ihre Aussagen sollen nicht
bloß Meinungen sein, sondern sich prüfen lassen. Welche Regeln das genau sind, steht unten im
Schaubild (Schritte 9 und 10).
Die Frage lautet also: Was tut die BWL, wenn sie als Wissenschaft arbeitet? Die Musterlösung
antwortet mit einem Schaubild (Abbildung 9). Es ist direkt unter dem Aufgabentext nachgebaut.
Fachterminologie heißt: die Fachwörter benutzen. Hier sind das vor allem
deskriptiv, explikativ, präskriptiv, rational kritisierbar und
intersubjektiv nachprüfbar. Die Aufgabe verlangt diese Fachwörter ausdrücklich. Jedes
davon wird unten übersetzt und an einem Beispiel erklärt.
Zum Umfang: 7 Punkte. Laut Deckblatt der Klausur entspricht ein Punkt etwa einer Minute
Bearbeitungszeit. Die Musterlösung nennt keine Punkteverteilung. Das Schaubild hat aber genau
sieben Bausteine (Beobachtung, Beschreibung, Erklärung, Gestaltung, kritisch hinterfragen,
Utopien, die Regel unten). Wer alle sieben mit ihren Fachwörtern nennt, hat die Antwort
vollständig.
Merke: Die Aufgaben bauen aufeinander auf. Erst erkennen, was ist und warum. Dann
gestalten, was sein soll. Und bei allem so arbeiten, dass andere es prüfen können.
Was ist? · Warum ist es so? · Was soll man tun?
Das Schaubild liest man von oben nach unten.
-
Oben stehen drei Kästen: Beobachtung, Beschreibung, Erklärung. Sie dienen dem
Erkennen: Man will verstehen, was im Betrieb passiert.
-
In der Mitte steht die Gestaltung: Man will den Betrieb verbessern. Der
Pfeil von oben zeigt, dass die Gestaltung auf dem Erkennen aufbaut.
-
Ganz unten steht eine Regel, die für alle Aufgaben gilt. Der Pfeil nach oben
zeigt: Diese Regel gilt für alle Aufgaben darüber.
Jede Stufe beantwortet eine eigene Leitfrage. Die Tabelle rechts ordnet jeder Stufe ihre
Frage und ihren Fachnamen zu. Die Fachnamen erklären die nächsten Schritte einzeln.
Damit die Begriffe greifbar werden, begleitet uns ein ausgedachtes Beispiel: Eine
Bäckereikette stellt fest, dass abends viel Brot übrig bleibt. Übriges Brot kostet Geld,
denn Mehl und Arbeit sind bezahlt, aber nichts wurde eingenommen.
Merke: Drei Leitfragen, in dieser Reihenfolge: Was ist? Warum ist es so? Was soll
man tun?
Beobachtung = Sammeln und Ordnen von Material zu einer Frage
Am Anfang steht die Beobachtung. Man schaut sich die betriebliche Wirklichkeit an,
also das, was im Betrieb tatsächlich passiert.
Beobachten heißt hier nicht bloß Hinsehen. Man sammelt Material (Zahlen, Listen,
Aussagen von Mitarbeitern) und ordnet es. In der Tabelle rechts sind die Zahlen der
Filiale Nord nach Tag und Wetter geordnet.
Warum „bezüglich ausgewählter Fragestellungen“? Man kann nicht alles sammeln, was in einem
Betrieb passiert. Die Frage bestimmt, was man sammelt. Hier lautet sie: Warum bleibt so
viel Brot übrig? Deshalb notiert man das Wetter. Die Farbe der Schürzen notiert man nicht,
denn sie hat mit der Frage nichts zu tun.
Warum steht die Beobachtung am Anfang? Ohne Material gibt es nichts zu beschreiben und
nichts zu erklären.
Merke: Beobachtung = Material zu einer bestimmten Frage sammeln und ordnen.
Restequote=20040=20%
Als Nächstes wird das Material beschrieben. Wichtig ist der Zusatz „mit
präzisierten Begriffen“. Präzisiert heißt: genau festgelegt, sodass jeder dasselbe
darunter versteht.
Warum ist das nötig? „Viel Brot übrig“ ist ungenau. Sind 40 Brote viel? In einer kleinen
Filiale ja, in einer großen vielleicht nicht. Und zählt ein Brot, das kurz vor
Ladenschluss zum halben Preis verkauft wird, als übrig? Die Restequote legt fest: Es zählt
nur, was bis Ladenschluss gar nicht verkauft ist.
Deshalb legt man einen Begriff genau fest. Im Beispiel die Restequote: der Anteil
der gebackenen Brote, der bis Ladenschluss nicht verkauft ist. Die Formel rechts sagt
genau, was gezählt wird. Am Dienstag: 40 übrige von 200 gebackenen Broten, also 40:200=0,20. Mal 100 genommen sind das 20 %.
Die anderen Tage genauso: 16:200=0,08, also 8 %. 14:200=0,07, also 7 %.
36:200=0,18, also 18 %.
Jetzt lassen sich die Tage vergleichen, und auch Filialen verschiedener Größe.
Merke: Beschreibung = die Wirklichkeit mit genau festgelegten Begriffen darstellen,
damit alle dasselbe meinen.
deskriptiv = beschreibend · Beobachtung + Beschreibung
Jetzt kommt das erste Fachwort. Deskriptiv heißt beschreibend. Es kommt vom
lateinischen Wort describere, beschreiben.
Die deskriptive Betriebswirtschaftslehre umfasst die ersten beiden Aufgaben:
Beobachtung und Beschreibung. Im Schaubild reicht ihr Balken deshalb genau unter diese
beiden Kästen.
Sie beantwortet die Frage: Was ist? Die Aussage rechts ist deskriptiv. Sie sagt,
wie hoch die Restequote war. Sie sagt nicht, warum sie so hoch war, und nicht, was
man tun soll.
Weiteres Beispiel aus dem Unternehmensalltag: „Im letzten Jahr haben 12 von 80
Mitarbeitern gekündigt.“ Das beschreibt, wie es ist. Mehr nicht.
Merke: deskriptiv = beschreibend. Die deskriptive BWL beobachtet und beschreibt.
Sie fragt: Was ist?
Mittel: trocken 7,5 % · Regen 19 %
Die dritte Aufgabe ist die Erklärung. Man sucht nach Wirkungszusammenhängen.
Ein Wirkungszusammenhang verbindet eine Ursache mit einer Wirkung: Weil A
passiert, passiert B.
Im Beispiel fällt in der Tabelle etwas auf. Wir bilden je Wetter den Mittelwert der
Restequoten: die Quoten zusammenzählen und durch die Anzahl der Tage teilen.
- trockene Tage (Montag, Mittwoch): (8%+7%):2=15%:2=7,5%
- Regentage (Dienstag, Donnerstag): (20%+18%):2=38%:2=19%
An Regentagen bleibt also deutlich mehr übrig. Das allein ist aber noch keine Erklärung,
sondern wieder eine Beschreibung. Zur Erklärung wird es erst mit einem Grund: Bei Regen
gehen weniger Menschen spazieren oder einkaufen. Es kommen weniger
Laufkunden (Kunden, die spontan vorbeikommen). Also wird weniger verkauft, und mehr
bleibt übrig.
Vier Tage sind für einen echten Beweis viel zu wenig. Das Beispiel zeigt nur die Art des
Denkens. Prüfen ließe sich der Grund zum Beispiel, indem man an der Kasse die Zahl der
Kunden je Tag zählt.
Merke: Erklärung = sagen, welche Ursache welche Wirkung hat. Eine Erklärung braucht
einen Grund, nicht nur ein Muster in den Zahlen.
explikativ = erklärend · „Wenn …, dann …“
Das zweite Fachwort. Explikativ heißt erklärend. Es kommt vom lateinischen
Wort explicare, erklären, wörtlich auseinanderfalten.
Die explikative Betriebswirtschaftslehre beantwortet die Frage:
Warum ist es so? Ihre Aussagen haben oft die Form „Wenn …, dann …“, wie die Aussage
rechts.
Im Schaubild reicht ihr Balken unter alle drei Kästen. Warum? Erklären kann man
nur, was man vorher beobachtet und beschreibt hat. Ohne die Restequote aus Schritt 3 gäbe
es nichts, dessen Ursache man suchen könnte. Die explikative BWL baut also auf der
deskriptiven auf und geht einen Schritt weiter.
Weiteres Beispiel aus dem Unternehmensalltag: „Wenn die Schichtpläne kurzfristig geändert
werden, dann kündigen mehr Mitarbeiter.“ Das ist ein Erklärungsversuch für die Kündigungen
aus Schritt 4.
Merke: explikativ = erklärend. Die explikative BWL beobachtet, beschreibt und
erklärt. Sie fragt: Warum ist es so?
präskriptiv = vorschreibend · Empfehlung: 170 statt 200 Brote
Der Pfeil im Schaubild führt vom Erkennen nach unten zur Gestaltung der
betrieblichen Realität. Er beginnt am Balken der explikativen BWL, der alle drei Kästen
umfasst. Gestalten heißt: den Betrieb bewusst verändern, damit er ein Ziel besser
erreicht.
Das dritte Fachwort. Präskriptiv heißt vorschreibend. Es kommt vom
lateinischen Wort praescribere, vorschreiben. Die präskriptive BWL gibt
Handlungsempfehlungen. Sie fragt: Was soll man tun?
Warum kommt die Gestaltung erst nach der Erklärung? Nur wer die Ursache kennt, kann an der
richtigen Stelle ansetzen. Wüsste die Kette nicht, dass Regen die Ursache ist, würde sie
vielleicht an jedem Tag weniger backen. Dann fehlte an trockenen Tagen Brot.
Im Beispiel: An den Regentagen wurden 160 und 164 Brote verkauft (gebacken minus übrig,
siehe rechts). Die Empfehlung lautet: Ist Regen angesagt, etwa 170 Brote backen. Die 170
sind keine Rechnung, sondern eine Entscheidung: ein kleiner Vorrat über den 164, damit
kein Kunde leer ausgeht.
Eine Empfehlung gilt immer für ein Ziel. Hier ist es „weniger Reste“. Hätte die Kette das
Ziel „nie ein leeres Regal“, sähe die Empfehlung anders aus.
Weiteres Beispiel aus dem Unternehmensalltag, zu den Kündigungen aus Schritt 4 und 6:
„Ziel: weniger Kündigungen. Empfehlung: Schichtpläne mindestens zwei Wochen vorher
festlegen.“ Damit ist die Kette an einem zweiten Fall vollständig: beschreiben, erklären,
gestalten.
Merke: präskriptiv = vorschreibend. Die präskriptive BWL gestaltet die betriebliche
Realität. Sie fragt: Was soll man tun?
Bestehendes hinterfragen · Neues ausdenken
Im Schaubild zeigen zwei weitere Pfeile auf die Gestaltung. Sie sagen, woher die Ideen für
Veränderungen kommen.
Links: betriebswirtschaftliche Strukturen und Prozesse kritisch hinterfragen.
Strukturen sind der feste Aufbau eines Betriebs, zum Beispiel wer wofür zuständig
ist. Prozesse sind Abläufe, zum Beispiel wie eine Bestellung vom Kunden bis zur
Lieferung läuft. Kritisch hinterfragen heißt: nicht einfach hinnehmen, „weil es immer so
war“, sondern fragen, ob es gut so ist. Im Beispiel: Muss wirklich jede Filiale bis
Ladenschluss alle Sorten anbieten? Vielleicht erzeugt genau diese Regel die Reste.
Rechts: Utopien. Das Wort kommt aus dem Griechischen und heißt ungefähr
„Nicht-Ort“, also ein Ort, den es nicht gibt. Die Musterlösung erklärt es als
noch nicht realisierte betriebswirtschaftliche Konzepte. Ein Konzept ist ein
ausgearbeiteter Plan, wie etwas funktionieren soll. Gemeint sind also Pläne, die es in
diesem Betrieb noch nicht gibt. Im Beispiel: Kunden bestellen am Vorabend per App, und
gebacken wird fast nur, was bestellt ist.
Der Unterschied: Kritisches Hinterfragen geht vom Bestehenden aus. Eine Utopie geht
von etwas noch nicht Vorhandenem aus.
Merke: Gestaltung schöpft aus zwei Quellen: Bestehendes kritisch hinterfragen und
Utopien, also noch nicht realisierte Konzepte.
rational kritisierbar = mit Gründen angreifbar
Unten im Schaubild steht die Regel, die für alle Aufgaben gilt: Es müssen
rational kritisierbare und intersubjektiv nachprüfbare
Aussagensysteme formuliert werden.
Ein Aussagensystem ist eine Gruppe von Aussagen, die zusammengehören und sich nicht
widersprechen. Im Beispiel: die Beschreibung (Restequote), die Erklärung (Regen,
Laufkunden) und die Empfehlung (170 Brote) bauen aufeinander auf. Und sie widersprechen
sich nicht: Die Erklärung sagt, bei Regen wird weniger verkauft. Die Empfehlung sagt, bei
Regen weniger backen. Beides passt zusammen. Würde die Empfehlung bei Regen mehr Brot
vorschlagen, wäre das Aussagensystem widersprüchlich.
Das vierte Fachwort. Rational heißt: mit dem Verstand, mit Gründen.
Kritisierbar heißt: Man kann widersprechen. Rational kritisierbar ist eine Aussage
also, wenn sie so klar und begründet ist, dass man sie mit Argumenten angreifen und
notfalls widerlegen kann.
Das klingt seltsam: Eine gute Aussage soll angreifbar sein? Ja. Nur eine Aussage, die
falsch sein könnte, sagt überhaupt etwas. Die Aussage „Bei Regen steigt die
Restequote“ kann man prüfen. Jemand könnte einwenden: „Am Dienstag war vor der Tür eine
Baustelle, daran lag es.“ Dann muss man nachsehen. Die Aussage „Brot geht halt mal besser,
mal schlechter“ kann nie falsch sein. Deshalb hilft sie auch niemandem.
Merke: rational kritisierbar = so klar begründet, dass man mit Argumenten
widersprechen kann.
intersubjektiv = zwischen Personen · verschiedene Prüfer kommen zum selben
Prüfergebnis
Das fünfte Fachwort. Inter ist lateinisch und heißt „zwischen“. Ein
Subjekt ist hier die einzelne Person, die etwas beobachtet oder behauptet.
Intersubjektiv heißt also: zwischen mehreren Personen gültig, nicht nur für eine
einzelne.
Intersubjektiv nachprüfbar ist eine Aussage, wenn verschiedene Personen sie mit
denselben Daten und denselben Methoden prüfen können und dabei untereinander zum selben
Prüfergebnis kommen. Das Ergebnis kann auch lauten: Die Aussage stimmt nicht. Es kommt
also nicht darauf an, wer die Aussage macht oder prüft.
Im Beispiel: „Am Dienstag blieben 40 von 200 Broten übrig“ kann die Filialleiterin prüfen,
ein Mitarbeiter in der Zentrale ebenso. Beide zählen Backzettel und Kassendaten nach und
kommen auf 40. „Die Verkäuferin hat das Gefühl, dienstags ist weniger los“ kann niemand
außer ihr prüfen.
Warum ist das so wichtig? So unterscheidet sich Wissenschaft von persönlicher Meinung. Ein
Unternehmen, das auf nachprüfbare Aussagen baut, kann seine Entscheidungen begründen, auch
gegenüber Chefs, Banken oder Kunden.
Merke: intersubjektiv nachprüfbar = verschiedene Personen können es mit denselben
Daten und Methoden prüfen und kommen untereinander zum selben Prüfergebnis, auch wenn es
„stimmt nicht“ lautet.
Beobachtung · Beschreibung · Erklärung → Gestaltung, alles prüfbar
Rechts steht die Antwort so, wie sie auf dem Papier stehen kann. Am sichersten ist es, das
Schaubild zu zeichnen und die sieben Sätze dazuzuschreiben, einen je Baustein. Jeder Satz
enthält mindestens ein Fachwort. Die Tabelle darunter übersetzt alle Fachwörter noch einmal.
Zusammengefasst:
-
Erkennen: Beobachtung und Beschreibung (deskriptiv, „Was ist?“), dazu Erklärung
(explikativ, „Warum ist es so?“).
-
Gestalten: präskriptiv, „Was soll man tun?“, mit Ideen aus kritischem Hinterfragen und
Utopien.
- Für alles: rational kritisierbare und intersubjektiv nachprüfbare Aussagensysteme.
Merkhilfe: Die Anfangsbuchstaben D, E, P folgen dem Alphabet und der Reihenfolge:
Deskriptiv (beschreiben), Explikativ (erklären), Präskriptiv
(vorschreiben). Die Lateinwörter stecken im Deutschen: describere ≈ beschreiben, explicare ≈
erklären, praescribere ≈ vorschreiben.
Typische Fehler: Die Aufgaben nur auf Deutsch nennen, ohne die Fachwörter. Explikativ
und präskriptiv vertauschen. Die deskriptive BWL auch auf die Erklärung ausdehnen (sie
umfasst nur Beobachtung und Beschreibung). Die Regel unten vergessen. „Intersubjektiv“ mit
„subjektiv“ verwechseln: Es meint gerade das Gegenteil einer bloß persönlichen Sicht.