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BWL · Probeklausur · Aufgabe 6

Der Homo oeconomicus: ein Mensch, den es nur im Modell gibt

Gesucht sind die Eigenschaften des Homo oeconomicus. Das ist eine gedachte Figur: ein Mensch, der immer perfekt wirtschaftlich handelt. Der Weg: erst klären, was diese Figur ist und wozu man sie braucht. Dann seine acht Eigenschaften einzeln, jede mit einem Beispiel aus dem Alltag und mit dem Grund, warum echte Menschen anders handeln. Zum Schluss, wie aus diesen Eigenschaften die Bedingungen eines vollkommenen Marktes werden. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

6. Beschreiben Sie die Charaktereigenschaften des Homo oeconomicus. (08 P)

In eigenen Worten: Wie ist der „wirtschaftende Mensch“ gebaut, den sich die Wirtschaftswissenschaft ausgedacht hat? Was weiß er, was will er, was kann er? Verlangt sind ganze Sätze, nicht nur Stichworte.

Einordnung

was die Figur ist und wozu man sie braucht

Schritt 1 Ein Mensch als Modell

Der Name
homo oeconomicus (Latein) = der wirtschaftende Mensch
Modell lässt weg damit man …
Stadtplan Bäume, Autos, Menschen den Weg findet
Homo oeconomicus Launen, Gewohnheiten, Wissenslücken ausrechnen kann, wie Märkte funktionieren

Die acht Eigenschaften lassen sich nach vier Fragen ordnen: Wie sieht er die Welt? Was weiß er? Was will er? Was kann er?

Wie sieht er die Welt?

alles ist gleich, nichts wird bevorzugt

Schritt 2 Keine Präferenzen

So steht es in der Musterlösung
„Der homo oeconomicus besitzt keine zeitlichen, örtlichen, sachlichen und persönlichen Präferenzen.“
Präferenz ein echter Mensch … der Homo oeconomicus …
zeitlich kauft um 23 Uhr am Kiosk, obwohl die Cola morgen im Supermarkt billiger ist achtet nur auf den Preis, nicht auf die Uhrzeit
örtlich geht in den Supermarkt um die Ecke, nicht in den billigeren drei Kilometer weiter nimmt den billigeren: Im Modell sind alle Orte gleich (Schritt 3), der Weg kostet nichts
sachlich nimmt die Marke mit der schöneren Verpackung, der Inhalt ist gleich sieht nur den Inhalt
persönlich kauft beim Bäcker, dessen Verkäuferin er nett findet kauft bei dem, der billiger ist

Schritt 3 Nur homogene Orte, Güter und Personen

So steht es in der Musterlösung
„Für ihn gibt es nur homogene Orte, Güter und Personen.“
homogen im Modell im Alltag
Güter Jeans ist Jeans Marke, Schnitt und Stoff unterscheiden sich
Orte jeder Laden liegt gleich günstig der eine liegt auf dem Heimweg, der andere nicht
Personen jeder Verkäufer ist gleich der eine berät gut, dem anderen traut man nicht

Wo alles gleich ist, gibt es nichts zu bevorzugen. Schritt 2 und Schritt 3 sind zwei Seiten derselben Annahme.

Was weiß er?

alles, auch die Zukunft

Schritt 4 Vollkommene Marktübersicht und Voraussicht

So steht es in der Musterlösung
„In allen Entscheidungssituationen kann er sich auf seine vollkommene Marktübersicht und vollkommene Voraussicht bezüglich der Handlungen der anderen Marktteilnehmer, seiner Handlungsalternativen und der Konsequenzen seines Handelns verlassen.“
Er weiß … Beispiel: gebrauchtes Handy kaufen
alle Angebote (Marktübersicht) jedes Angebot auf jeder Plattform, mit Preis und Zustand
was die anderen tun werden dass der Verkäufer morgen 20 € nachlassen würde
alle eigenen Möglichkeiten gebraucht kaufen, neu kaufen, altes reparieren, warten
die Folgen jeder Möglichkeit dass der Akku dieses Geräts in drei Monaten schwach wird

Im Alltag: Man sieht nur einen Teil der Angebote. Suchen kostet Zeit. Was der Verkäufer verschweigt, erfährt man oft erst nach dem Kauf.

Was will er?

immer dasselbe, und davon so viel wie möglich

Schritt 5 Ein eindeutiges und stabiles Zielsystem

So steht es in der Musterlösung
„Er weiß immer, was er will, denn er verfügt über ein eindeutig definiertes, widerspruchsfreies, konsistentes und stabiles Zielsystem …“
Das Zielsystem ist … heißt im Alltag oft nicht so
eindeutig definiert er weiß genau, was er will „irgendwas Leckeres“ – und dann 20 Minuten vor dem Regal
widerspruchsfrei kein Ziel steht einem anderen im Weg viel sparen wollen und jedes Wochenende ausgehen
konsistent die Rangfolge passt zusammen: Pizza vor Nudeln und Nudeln vor Salat, also Pizza vor Salat heute so, morgen umgekehrt, ohne Grund
stabil die Ziele ändern sich nicht Neujahrsvorsatz Fitnessstudio, im Februar vergessen

Schritt 6 Maximaler Eigennutzen

So steht es in der Musterlösung
„… Zielsystem, das auf maximalen Eigennutzen (Gewinn) ausgelegt ist.“
Wer maximiert im Alltag auch
Haushalt (Verbraucher) seinen Nutzen Trinkgeld, Spenden, dem Freund beim Umzug helfen
Unternehmen seinen Gewinn eine Filiale mit Verlust weiterführen, damit die Mitarbeiter ihre Stelle behalten

Schritt 7 Das ökonomische Prinzip

So steht es in der Musterlösung
„Darüber hinaus handelt er stets nach dem ökonomischen Prinzip …“
Form fest ist … so viel wie möglich / so wenig wie möglich Beispiel
Maximumprinzip das Mittel möglichst viel erreichen 50 € für den Wocheneinkauf: möglichst viel Nutzen daraus
Minimumprinzip das Ziel möglichst wenig einsetzen Zutaten für ein bestimmtes Rezept: möglichst billig einkaufen

Im Alltag: der Schokoriegel an der Kasse, den man gar nicht kaufen wollte.

Was kann er?

ohne Pause handeln, ohne Grenze rechnen

Schritt 8 Unendlich schnelle Reaktionsfähigkeit

So steht es in der Musterlösung
„… kann auf eine unendlich schnelle Reaktionsfähigkeit zurückgreifen …“
Was passiert Homo oeconomicus echter Mensch
Tankstelle B senkt den Preis um 10 Cent tankt im selben Augenblick bei B merkt es erst am nächsten Tag, oder gar nicht
ein anderer Handyvertrag wird billiger wechselt sofort muss die Kündigungsfrist abwarten

Schritt 9 Unbegrenzte Denk- und Rechenfähigkeit

So steht es in der Musterlösung
„… und ist mit einer unbegrenzten Denk- und Rechenfähigkeit ausgestattet.“
Aufgabe Homo oeconomicus echter Mensch
den besten von 40 Handytarifen finden, jeder mit anderer Laufzeit, anderem Datenvolumen, anderem Preis rechnet alle durch und findet in einem Augenblick den besten vergleicht drei, nimmt einen, der „gut genug“ ist, oder den, den ein Freund hat

Wozu das Ganze?

der letzte Satz der Musterlösung

Schritt 10 Vom Modellmenschen zum vollkommenen Markt

So steht es in der Musterlösung
„Genau mit diesen Annahmen werden vollkommene Märkte beschrieben.“

Ergänzung zum Verstehen, nicht Teil der Musterlösung

Wenn alle Marktteilnehmer so sind … … dann gilt auf dem Markt
alles gleich (Schritt 2 und 3) kein Anbieter hat treue Kunden
alles wissen (Schritt 4) jeder kennt den billigsten Preis
sofort handeln (Schritt 8) alle wechseln im selben Augenblick
Wer mehr verlangt als die anderen, verkauft nichts. Für ein Gut gibt es nur einen Preis.

Schritt 11 Ergebnis

So kann die Antwort in der Klausur lauten:

Der Homo oeconomicus ist ein Modell des wirtschaftenden Menschen. Er besitzt keine zeitlichen, örtlichen, sachlichen und persönlichen Präferenzen. Für ihn gibt es nur homogene Orte, Güter und Personen. In allen Entscheidungssituationen kann er sich auf seine vollkommene Marktübersicht und vollkommene Voraussicht verlassen: bezüglich der Handlungen der anderen Marktteilnehmer, seiner Handlungsalternativen und der Konsequenzen seines Handelns. Er weiß immer, was er will, denn er hat ein eindeutig definiertes, widerspruchsfreies, konsistentes und stabiles Zielsystem. Dieses ist auf maximalen Eigennutzen (Gewinn) ausgelegt. Er handelt stets nach dem ökonomischen Prinzip, reagiert unendlich schnell und hat eine unbegrenzte Denk- und Rechenfähigkeit. Genau mit diesen Annahmen werden vollkommene Märkte beschrieben.

✓Welt: keine Präferenzen · nur homogene Orte, Güter, Personen
✓Wissen: vollkommene Marktübersicht und Voraussicht
✓Wollen: eindeutiges, widerspruchsfreies, konsistentes, stabiles Zielsystem · maximaler Eigennutzen (Gewinn) · ökonomisches Prinzip
✓Können: unendlich schnelle Reaktion · unbegrenzte Denk- und Rechenfähigkeit
✓Schlusssatz: Diese Annahmen beschreiben den vollkommenen Markt.