Die Frage lautet: Was versteht man unter externen Effekten? Es gibt 10 Punkte. Das ist
viel für eine Begriffsfrage. Eine Definition in einem Satz reicht deshalb nicht.
„Was wird verstanden?“ heißt: den Begriff definieren und in ganzen Sätzen erklären. Die
Musterlösung besteht aus fünf Teilen. Diese fünf Teile sollten auch in Ihrer Antwort stehen:
- die Definition,
- der Unterschied zwischen privaten und sozialen Kosten,
- der negative externe Effekt,
- der positive externe Effekt,
- das Fazit: Der Markt verteilt hier nicht optimal.
Der Weg in diesem Artefakt: erst klären, was ein Preis auf einem Markt leisten soll (Schritt
1). Dann die fünf Teile der Reihe nach (Schritt 2 bis 8). Zwei erfundene Zahlenbeispiele
machen die Kosten sichtbar: eine Färberei und eine Imkerei. Sie stehen oben in der Grafik.
Merke: Ein externer Effekt ist eine Folge, die bei einem Dritten ankommt und
nicht über einen Preis abgerechnet wird. Der Verursacher zahlt den Schaden nicht, und für
einen Nutzen bekommt er kein Geld. „Dritter“ heißt: jemand, der weder das Gut herstellt noch
es kauft.
richtiger Preis
⇒ knappe Mittel landen an der richtigen Stelle
Externe Effekte sind eine Störung. Um sie zu verstehen, braucht man zuerst den Normalfall:
Wie soll ein Markt funktionieren?
Ein Gut ist knapp, wenn es weniger davon gibt, als alle gern hätten. Fast alles ist
knapp: Wasser, Boden, Arbeitszeit. Deshalb muss entschieden werden, wofür diese Mittel
verwendet werden.
Diese Verteilung heißt Allokation. Das Wort bedeutet „Zuteilung“. Beispiel: Wie
viel sauberes Wasser geht in die Herstellung von T-Shirts, wie viel bleibt als
Trinkwasser?
Eine Allokation ist optimal, wenn die Mittel dort landen, wo sie insgesamt den
größten Nutzen stiften.
Auf einem Markt übernimmt das der Preis. Er zeigt, wie knapp ein Gut ist und was
seine Herstellung kostet. Ist etwas teuer, kaufen die Leute weniger davon. So lenkt der
Preis die Mittel, ohne dass jemand das plant.
Merke: Das funktioniert nur, wenn der Preis alle Kosten enthält. Genau das
ist bei externen Effekten nicht der Fall.
Folgen
nicht dem Verursacher zurechenbar
⇒ externer Effekt
Jede Produktion und jede Nutzung eines Gutes hat Folgen. Meist trägt sie der, der das Gut
herstellt oder nutzt. Das ist der Verursacher. Die Musterlösung nennt ihn den
„Nutzer“ der Güter; gemeint ist dieselbe Person.
Manche Folgen treffen aber einen Dritten. Das ist jemand, der mit dem Geschäft
nichts zu tun hat. Solche Folgen lassen sich dem Verursacher nicht direkt
zurechnen: Man kann sie ihm nicht in Rechnung stellen. Dann spricht man von
externen Effekten. „Extern“ heißt „außerhalb“: Die Folge liegt außerhalb der
Rechnung des Verursachers.
Die Tabelle rechts zeigt: Externe Effekte entstehen bei der Produktion (die
Färberei) und bei der Verwendung eines Gutes (das Auto). Sie können schaden
(negativ) oder nützen (positiv).
Die Musterlösung sagt auch: In der Realität ist immer mit externen Effekten zu
rechnen. Der Grund: Fast jede Tätigkeit hat Nebenwirkungen auf andere, etwa Lärm, Abgase
oder Verkehr.
Merke: Nicht jede Wirkung auf andere ist ein externer Effekt. Steigt der Brotpreis
und ich zahle mehr, läuft das über den Preis. Extern ist eine Folge nur, wenn sie
am Markt vorbei geht, ohne Preis und ohne Bezahlung.
soziale Kosten
= private Kosten
⇒ externer Effekt
Die Musterlösung beschreibt externe Effekte über zwei Arten von Kosten.
Private Kosten sind die Kosten, die der Produzent oder Nutzer des Gutes selbst
übernimmt. Bei der Färberei: Löhne, Farbe, Strom.
Soziale Kosten sind alle Kosten, die bei der Produktion oder Verwendung entstehen,
in der ganzen Gesellschaft. Es ist egal, wer sie trägt. „Sozial“ heißt hier „die
Gesellschaft betreffend“, nicht „hilfsbereit“.
Ohne externe Effekte sind beide gleich: Der Verursacher trägt alles selbst. Gibt es
externe Effekte, weichen sie voneinander ab. Der Unterschied ist genau das, was bei
Dritten ankommt.
In der Grafik stehen die privaten Kosten jeweils links, die sozialen rechts daneben. Die
Balken „private Kosten“ zeigen, was der Verursacher selbst bezahlt: je 10.000 €. Grau ist
bei allen Balken der Betrag ohne Dritte. Rot mit „+“ kommt dazu, was Dritte zusätzlich
tragen. Grün gestrichelt mit „−“ fällt weg, was Dritte einsparen.
Merke: Private Kosten: was der Verursacher bezahlt. Soziale Kosten: was es alle
zusammen kostet.
externe Kosten und Leistungen stehen nicht in der Rechnung des Verursachers
Das Rechnungswesen ist die Buchhaltung und Kostenrechnung eines Betriebs. Dort
steht alles, was der Betrieb bezahlt und einnimmt.
Die Musterlösung sagt: Die externen Kosten oder Leistungen befinden sich nicht im
Rechnungswesen. Eine Leistung ist in der Kostenrechnung das Gegenstück zu Kosten:
der Wert dessen, was ein Betrieb erbringt.
Dazu die beiden erfundenen Beispiele aus der Grafik:
-
Die Färberei färbt T-Shirts und leitet ihr Abwasser in den Fluss. Ihre eigenen
Kosten betragen 10.000 € im Monat. Das Wasserwerk flussabwärts muss dadurch jeden Monat
4.000 € mehr für die Reinigung ausgeben. Diese 4.000 € stehen nur in der Rechnung des
Wasserwerks.
-
Die Imkerei hat Kosten von 10.000 € im Jahr und verkauft Honig. Ihre Bienen
bestäuben nebenbei die Bäume eines Obstbauern. Ohne sie müsste er fremde Bienenvölker
mieten. Das würde ihn 3.000 € im Jahr kosten. Diese Leistung von 3.000 € taucht bei der
Imkerei nirgends auf.
Die Zeiträume sind verschieden (Monat, Jahr). Das stört nicht, denn verglichen wird immer
nur innerhalb eines Beispiels.
Merke: Weil die externen Beträge nicht in seiner Rechnung stehen, beachtet der
Verursacher sie bei seinen Entscheidungen nicht.
10.000+4.000=14.000 · soziale Kosten
> private Kosten
Bei einem negativen externen Effekt werden Kosten der Produktion oder Verwendung
anderen als den Nutzern auferlegt. Diese anderen müssen
Nutzeneinbußen hinnehmen (sie haben weniger von etwas, zum Beispiel keinen Badesee
mehr) oder Aufwendungen tragen (sie müssen Geld ausgeben, zum Beispiel für die
Reinigung).
Im Beispiel trägt das Wasserwerk eine Aufwendung von 4.000 €. Die sozialen Kosten sind
deshalb höher als die privaten:
soziale Kosten=private Kosten+Belastung Dritter
soziale Kosten=10.000+4.000=14.000 Euro.
In der Grafik links: Der rechte Balken ist um den roten Teil höher als der linke.
Merke: Negativer externer Effekt: Dritte zahlen mit. Die sozialen Kosten sind
größer als die privaten Kosten.
10.000−3.000=7.000 · private Kosten
> soziale Kosten
Bei einem positiven externen Effekt hat ein Dritter einen Nutzen aus dem
Gut. Der Verursacher bekommt diesen Nutzen aber nicht bezahlt.
Im Beispiel spart der Obstbauer 3.000 € Miete für fremde Bienen. Diese Ersparnis wird von
den Kosten abgezogen. Der Grund: Der Gesellschaft entstehen durch die Imkerei 10.000 €
Kosten, an anderer Stelle fallen dafür 3.000 € weg.
soziale Kosten=private Kosten−Ersparnis Dritter
soziale Kosten=10.000−3.000=7.000 Euro.
Die Musterlösung sagt dazu nur: Ein positiver externer Effekt zeichnet sich dadurch aus,
dass die privaten Kosten größer sind als die sozialen Kosten. Das stimmt: 10.000>7.000. Der Satz allein erklärt aber nicht, woher der Unterschied kommt. Die Ursache ist
der Nutzen, den der Dritte gratis bekommt.
In der Grafik rechts: Der Balken der sozialen Kosten ist um den grün gestrichelten Teil
niedriger.
Merke: Positiver externer Effekt: Dritte profitieren, ohne zu zahlen. Die privaten
Kosten sind größer als die sozialen Kosten.
private Kosten > soziale Kosten
⇔ sozialer Nutzen > privater
Nutzen
Ergänzung, nicht gefragt. Die Klausur verlangt den Kosten-Satz aus Schritt 6.
Ist der Satz der Musterlösung zum positiven Effekt richtig? Ja. Man muss nur wissen, wie
gezählt wird.
Die Musterlösung schaut auf die Kosten. Sie zählt den Nutzen des Dritten als
Ersparnis, also als negative Kosten. Dann sinken die sozialen Kosten unter die privaten.
Viele Lehrbücher schauen stattdessen auf den Nutzen. Dort heißt es: Der
soziale Nutzen (der Nutzen für alle zusammen) ist größer als der
private Nutzen (der Nutzen, den der Verursacher selbst hat oder bezahlt bekommt).
Im Beispiel: Der Imker bekommt Geld für den Honig. Die 3.000 € für die Bestäubung kommen
beim Obstbauern an, nicht bei ihm.
Beide Sätze beschreiben denselben Sachverhalt.
Für die Klausur: Schreiben Sie den Satz der Musterlösung und ergänzen Sie den
Grund: „… weil Dritte einen Nutzen haben, für den sie nicht bezahlen.“ Dann ist klar, dass
Sie die Richtung verstanden haben.
kein Preis oder falscher Preis
⇒ Markt verteilt nicht optimal
Jetzt schließt sich der Kreis zu Schritt 1. Dort stand: Der Markt verteilt knappe Mittel
nur dann optimal, wenn die Preise alle Kosten enthalten. Bei externen Effekten gibt es
dafür zwei Hindernisse. Beide nennt die Musterlösung:
-
Es existiert kein Preis. Für sauberes Flusswasser zahlt die Färberei nichts. Für
die Bestäubung zahlt der Obstbauer nichts. Was keinen Preis hat, wird am Markt nicht
beachtet.
-
Der Preis gibt die Knappheit nicht korrekt wieder. Die Färberei kalkuliert ihren
Preis mit 10.000 € Kosten, obwohl die Gesellschaft 14.000 € trägt. Die T-Shirts sind
also zu billig. Es wird mehr gefärbt, als gut ist, und der Fluss wird zu stark belastet.
Auch der positive Effekt führt zu einer falschen Verteilung, nur in die andere Richtung.
Der Imker rechnet mit seinen 10.000 € Kosten und seinem Honigerlös. Die 3.000 € für die
Bestäubung bekommt er nicht. Also hält er weniger Bienenvölker, als für alle gut wäre.
Wenn der Markt die optimale Allokation nicht erreicht, spricht man von
Marktversagen.
Merke: Negativer Effekt: vom Gut wird zu viel hergestellt. Positiver Effekt:
zu wenig. In beiden Fällen ist die Allokation nicht optimal.
Definition · soziale
= private Kosten · negativ · positiv · Fazit
Rechts steht die Antwort so, wie sie in der Klausur stehen sollte. Sie enthält alle Aussagen
der Musterlösung. Ein kurzes Beispiel je Effekt (Abwasser, Bienen) zeigt zusätzlich, dass
Sie die Begriffe verstanden haben.
Der Weg in Kürze:
-
Folgen, die sich dem Nutzer (Verursacher) nicht zurechnen lassen, sind externe Effekte.
-
Private Kosten trägt der Verursacher, soziale Kosten trägt die ganze Gesellschaft. Bei
externen Effekten sind sie verschieden.
-
Negativ: soziale Kosten > private Kosten. Positiv: private Kosten > soziale Kosten.
-
Ohne Preis oder mit falschem Preis kann der Markt die knappen Mittel nicht optimal
verteilen.
Merkhilfe: Negativ: Dritte zahlen mit, also kommt bei den sozialen Kosten
etwas dazu. Positiv: Dritte sparen, also geht bei den sozialen Kosten etwas
weg.
Typische Fehler: Die Richtung beim positiven Effekt vertauschen. Das Fazit weglassen:
Es bringt Punkte. „Positiv“ als „gut für den Markt“ verstehen: Auch der positive Effekt
führt zu einer falschen Verteilung. „Sozial“ als „hilfsbereit“ lesen: Gemeint ist die ganze
Gesellschaft.
Ergänzung, nicht gefragt: Der Staat kann gegensteuern. Muss die Färberei zum Beispiel
4.000 € Abwassergebühr zahlen, gehören diese Kosten zu ihren privaten Kosten. Dann stimmen
private und soziale Kosten wieder überein.