Gesucht sind fünf Gewinnarten. Der Arbeitsauftrag heißt „Nennen“. Nennen heißt:
aufzählen, ohne zu erklären.
Die Aufgabe bringt 2,5 Punkte. Vermutlich gibt es für jeden richtigen Begriff einen
halben Punkt. In der Klausur genügt also eine Liste mit fünf Begriffen.
Fünf Fachwörter behält man aber nur, wenn man weiß, was sie bedeuten. Deshalb erklärt dieses
Artefakt jeden Begriff an einem Beispiel mit Zahlen.
Der Weg:
- klären, was Gewinn ist und warum es mehrere Arten gibt (Schritt 1),
- ein erfundenes Fahrradgeschäft als Beispiel (Schritt 2),
- jede Gewinnart einzeln (Schritte 3 bis 7),
-
die fünf Begriffe geordnet und die Stellen, an denen die Musterlösung ungenau ist (Schritte
6 bis 8),
- die Liste für die Klausur (Schritt 9).
Gewinn = was übrig bleibt · jede Gewinnart beantwortet eine andere Frage
Gewinn heißt allgemein: Was ein Unternehmen erwirtschaftet hat, minus dem, was es
dafür verbraucht hat. Ist das Ergebnis negativ, ist es ein Verlust.
Aus Aufgabe 11 („Hauptziel nach Reichling: das Unternehmen dauerhaft erhalten“):
Das Hauptziel eines Unternehmens nach Reichling ist seine Erhaltung bis zum jüngsten Tag
und darüber hinaus, also ohne geplantes Ende. Der Gewinn ist dafür ein Mittel, zum
Beispiel für Investitionen und Rücklagen.
Wer Gewinn als Mittel braucht, muss ihn messen. Dabei kommt es darauf an, was man wissen
will. Die Tabelle rechts zeigt fünf Fragen. Zu jeder Frage gehört eine Gewinnart.
Wichtig: Es ist nicht ein Gewinn richtig und die anderen falsch. Es sind verschiedene
Blickwinkel auf dasselbe Unternehmen. Deshalb kommen im Beispiel auch verschiedene Beträge
heraus.
Ertrag 600.000 € · Aufwand 540.000 € · Eigenkapital 280.000 € · Kredit 150.000 € zu 4
%
Das Radhaus Speiche ist ein erfundenes Fahrradgeschäft. Es gehört einer Inhaberin.
Rechts stehen seine Zahlen für ein Geschäftsjahr.
Zwei Wörter aus der Tabelle:
-
Ertrag: der Wert von allem, was das Geschäft im Jahr erwirtschaftet hat, hier
verkaufte Räder und Reparaturen.
-
Aufwand: der Wert von allem, was das Geschäft im Jahr verbraucht hat: eingekaufte
Ware, Löhne, Miete, Strom, Zinsen.
Das Geld im Geschäft kommt aus zwei Quellen. Das Eigenkapital ist das Geld, das die
Inhaberin selbst hineingesteckt hat (280.000 €). Das Fremdkapital ist geliehenes
Geld, hier ein Bankkredit (150.000 €). Dafür zahlt das Geschäft der Bank 4 % Zinsen im
Jahr, also 150.000⋅0,04=6.000 €. Die Zinsen sind im Aufwand schon enthalten.
Die letzten beiden Zeilen (45.000 € und 3 %) braucht erst Schritt 4.
Hinweis: Alle Zahlen sind erfunden. Sie sollen nur zeigen, wie sich die Gewinnarten
unterscheiden. Aufgabe 13 rechnet mit demselben Beispiel weiter.
pagatorischer Gewinn = Ertrag − Aufwand = 600.000 − 540.000 = 60.000 €
Pagatorisch kommt vom italienischen „pagare“, das heißt „zahlen“. Der pagatorische
Gewinn beruht auf Zahlungen, also auf Geld, das tatsächlich fließt, früher, jetzt oder
später: Kunden zahlen für Räder, das Geschäft zahlt Ware, Löhne, Miete und Zinsen.
Diese Beträge schreibt die Buchhaltung auf. Das ist die Abteilung, die alle
Geschäftsvorfälle nach gesetzlichen Regeln festhält. Am Jahresende stellt sie Ertrag und
Aufwand gegenüber:
pagatorischer Gewinn=Ertrag−Aufwand
Beim Radhaus: 600.000−540.000=60.000 €. Das ist der Gewinn, der im Jahresabschluss
steht, also in der Abrechnung am Ende des Geschäftsjahres.
Im Bild ist das Kasten 1. Sein Balken ist fast voll.
Merke: Pagatorischer Gewinn = Ertrag − Aufwand. Er gehört den Eigentümern, denn die
Zinsen für die Bank sind schon abgezogen.
kalkulatorischer Gewinn = Leistung − Kosten = 600.000 − 593.400 = 6.600 €
Der pagatorische Gewinn von 60.000 € sieht gut aus. Aber: Die Inhaberin arbeitet das ganze
Jahr im Laden und bekommt kein Gehalt. Und ihre 280.000 € könnte sie auch sicher anlegen.
Beides kostet sie etwas, auch wenn kein Geld fließt.
Kalkulatorisch kommt von „kalkulieren“, also berechnen. Der kalkulatorische Gewinn
stammt aus einer internen Rechnung, die nur das Unternehmen selbst nutzt. Sie
rechnet mit Leistung und Kosten:
-
Leistung ist der Wert dessen, was der Betrieb für seinen eigentlichen Zweck
erstellt hat. Beim Radhaus sind das die 600.000 €.
-
Kosten sind der Verbrauch von Werten für diesen Zweck. Dazu zählen auch Kosten,
denen keine Zahlung und kein Aufwand gegenüberstehen. Sie heißen Zusatzkosten und
gehören zu den kalkulatorischen Kosten.
Zwei solche Zusatzkosten kommen hier dazu:
- Unternehmerlohn: das Gehalt, das die Inhaberin anderswo bekäme, 45.000 €.
-
Eigenkapitalzinsen: die Zinsen, die ihr Geld sicher angelegt bringen würde:
280.000⋅0,03=8.400 €.
Kosten: 540.000+45.000+8.400=593.400 €. Kalkulatorischer Gewinn: 600.000−593.400=6.600 €.
Deutung: Rechnet man die eigene Arbeit und das eigene Geld mit ein, bleiben nur 6.600 €
übrig. Das Geschäft lohnt sich, aber knapp. Im Bild ist Balken 2 sehr kurz.
Vereinfachung: Hier ist der ganze Aufwand zugleich Kosten und der ganze Ertrag
zugleich Leistung. In echten Betrieben weichen sie teilweise voneinander ab, zum Beispiel
bei einer Spende: Sie ist Aufwand, aber keine Kosten, weil sie nicht dem Betriebszweck
dient.
Kapitalgewinn = pagatorischer Gewinn + Fremdkapitalzinsen = 60.000 + 6.000 =
66.000 €
Das Geld im Radhaus stammt von zwei Geldgebern: der Inhaberin (Eigenkapital) und der Bank
(Fremdkapital). Beide bekommen etwas für ihr Geld:
- die Inhaberin den pagatorischen Gewinn, 60.000 €,
- die Bank ihre Zinsen, 6.000 €.
Der Kapitalgewinn ist die Summe: was das ganze Kapital erwirtschaftet hat,
egal wem es gehört.
Kapitalgewinn=pagatorischer Gewinn+Fremdkapitalzinsen
Beim Radhaus: 60.000+6.000=66.000 €.
Warum die Zinsen wieder dazukommen: Beim pagatorischen Gewinn wurden sie als
Aufwand abgezogen. Aus Sicht des ganzen Kapitals sind sie aber kein Verbrauch. Sie sind
der Anteil, den der Geldgeber Bank bekommt.
Das macht Betriebe vergleichbar. Angenommen, ein zweites Radhaus arbeitet genauso, hat
aber keinen Kredit. Es zahlt keine Zinsen, sein pagatorischer Gewinn ist 66.000 €. Der
Kapitalgewinn ist bei beiden gleich: 66.000 €. Er zeigt, was der Betrieb leistet,
unabhängig davon, woher das Geld kommt.
Nicht verwechseln: Im Alltag und im Steuerrecht heißt „Kapitalgewinn“ oft der
Gewinn beim Verkauf von Aktien. Das ist hier nicht gemeint.
Periode = ein Abschnitt (z. B. ein Jahr) · Total = ganze Lebensdauer
Punkt 4 der Musterlösung unterscheidet nicht nach dem Rechenweg, sondern nach dem
Zeitraum.
-
Periodengewinn: der Gewinn eines Abschnitts, meist eines Geschäftsjahres. Die
60.000 € des Radhauses sind ein Periodengewinn.
-
Totalgewinn: der Gewinn über die ganze Lebensdauer, von der Gründung bis
zur Schließung. „Pagatorisch“ heißt auch hier: aus Zahlungen. Man rechnet alle
Einzahlungen (Geld fließt herein) minus alle Auszahlungen (Geld fließt
hinaus). Geld, das die Eigentümer selbst einlegen oder herausnehmen, zählt dabei nicht
mit.
Rechts ein zweites erfundenes Beispiel, weil man einen Totalgewinn nur bei einem
Unternehmen mit Ende ausrechnen kann: ein Crêpes-Stand, drei Tage Stadtfest. Ein Tag ist
hier eine Periode. Die Annahmen:
- Die Zutaten werden jeden Morgen frisch gekauft und am selben Tag verbraucht.
- Den Stand mietet die Betreiberin tageweise, für 100 € am Tag.
- Eine Aushilfe bekommt 300 € am Tag, bar am Abend.
- Alle Kunden zahlen sofort bar.
Allgemein ist ein Periodengewinn Ertrag minus Aufwand, wie beim Radhaus. Nur weil hier
alles am selben Tag bezahlt und verbraucht wird, ist er gleich Einzahlungen minus
Auszahlungen dieses Tages.
Am ersten Tag regnet es. Es kommen wenig Kunden, die Zutaten für 500 € sind aber schon
gekauft. Deshalb steht dort ein Verlust.
- Tag 1: 800−(100+500+300)=800−900=−100 €
- Tag 2: 1.400−(100+400+300)=1.400−800=600 €
- Tag 3: 1.200−(100+350+300)=1.200−750=450 €
- Totalgewinn: 3.400−2.450=950 €.
Die drei Periodengewinne ergeben zusammen wieder 950 €. Periodengewinne verteilen den
Totalgewinn auf die einzelnen Abschnitte.
Aus Aufgabe 11 („Hauptziel nach Reichling: das Unternehmen dauerhaft erhalten“):
Ein Unternehmen soll ohne geplantes Ende bestehen.
Den Totalgewinn des Radhauses kennt man deshalb erst, wenn es schließt. Weil kein Ende
geplant ist, misst man den Erfolg in Perioden.
Zur Musterlösung: Sie schreibt „Periodengewinn oder pagatorischer
Totalgewinn“. Das klingt, als wären es zwei Namen für dieselbe Sache. Es sind aber zwei
verschiedene Zeiträume: ein Abschnitt und die ganze Lebensdauer. Die Periodengewinne sind
Teile des Totalgewinns. Gemeint ist wohl: Man unterscheidet Gewinne nach dem Zeitraum.
Rentabilität = Gewinn / Kapital · 100; Radhaus: 60.000 / 280.000 · 100 ≈
21,43 %
Sind 60.000 € Gewinn viel? Das hängt davon ab, wie viel Geld dafür eingesetzt wurde. Eine
Rentabilität setzt deshalb einen Gewinn ins Verhältnis zum Kapital, das ihn
erwirtschaftet hat:
Rentabilita¨t=KapitalGewinn⋅100
Das „mal 100“ macht aus dem Anteil eine Prozentzahl.
Beispiel: Der pagatorische Gewinn gehört der Inhaberin. Also teilt man ihn durch ihr
Eigenkapital. Das ergibt die Eigenkapitalrentabilität: 280.00060.000⋅100=21,428… Auf zwei Nachkommastellen gerundet sind das 21,43 %. Die
dritte Nachkommastelle ist eine 8, deshalb wird aufgerundet.
Zwei Zeichen im Rechenweg rechts: Die drei Punkte „…“ heißen, dass weitere
Nachkommastellen folgen. Das Zeichen ≈ heißt „ungefähr gleich“, hier also „gerundet“.
Deutung: Jede 100 € Eigenkapital haben im Jahr rund 21,43 € Gewinn gebracht.
Der Plural „Rentabilitäten“ steht da, weil es mehrere gibt, je nachdem, welcher Gewinn
durch welches Kapital geteilt wird. Die beiden wichtigsten rechnet Aufgabe 13 vollständig
durch.
Zur Musterlösung: Streng genommen ist eine Rentabilität keine Gewinnart, sondern
eine Verhältniszahl. Sie wird in Prozent angegeben, nicht in Euro. Man kann sie als
„Gewinn je eingesetztem Kapital“ verstehen. Im Bild steht sie deshalb in Kasten 5 ohne
Euro-Balken.
Rechenweg (1, 2) · Empfänger (3) · Zeitraum (4) · Verhältnis (5)
Die fünf Begriffe der Musterlösung liegen nicht auf einer Ebene. Sie unterscheiden Gewinne
nach verschiedenen Merkmalen. Die Tabelle rechts ordnet sie:
-
Rechenweg: pagatorisch (Ertrag − Aufwand) oder kalkulatorisch (Leistung −
Kosten).
-
Empfänger: nur die Eigentümer (pagatorischer Gewinn) oder alle Geldgeber
(Kapitalgewinn).
- Zeitraum: eine Periode oder die ganze Lebensdauer.
- Verhältnis: Gewinn in Prozent des Kapitals (Rentabilität).
Daraus folgt: Ein Gewinn kann mehrere Merkmale zugleich haben. Die 60.000 € des Radhauses
sind pagatorisch und ein Periodengewinn. Die Punkte 1 und 4 überschneiden sich
also.
Für die Klausur: Die Liste der Musterlösung trotzdem so hinschreiben, wie sie ist.
Die Überschneidungen zu kennen hilft beim Verstehen, gefragt ist aber nur das Nennen.
pagatorisch · kalkulatorisch · Kapitalgewinn · Periode/Total · Rentabilitäten
So kann die Antwort in der Klausur aussehen:
- Pagatorischer Gewinn
- Kalkulatorischer Gewinn
- Kapitalgewinn
- Periodengewinn oder pagatorischer Totalgewinn
- Rentabilitäten
Das ist wörtlich die Liste der Musterlösung. Mehr verlangt „Nennen“ nicht.
Zusammengefasst am Radhaus Speiche:
- Pagatorisch: Ertrag − Aufwand = 60.000 €.
- Kalkulatorisch: zusätzlich eigene Arbeit und eigenes Geld als Kosten = 6.600 €.
- Kapitalgewinn: pagatorischer Gewinn + Zinsen der Bank = 66.000 €.
- Periode oder Total: ein Jahr oder die ganze Lebensdauer.
- Rentabilität: Gewinn in Prozent des Kapitals, z. B. 21,43 %.
Merkhilfe: Zwei Rechenwege, ein Empfänger, zwei Zeiträume, ein Verhältnis.
Typische Fehler: „Umsatz“ als Gewinnart nennen. Umsatz ist das, was hereinkommt,
bevor irgendetwas abgezogen ist. Kapitalgewinn mit dem Gewinn aus einem Aktienverkauf
verwechseln. Periodengewinn und Totalgewinn für dasselbe halten.