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BWL · Probeklausur · Aufgabe 12

Gewinn ist nicht gleich Gewinn

Gesucht sind fünf Gewinnarten. Jede beantwortet eine andere Frage: Was steht in der Buchhaltung? Lohnt sich der Betrieb wirklich? Was verdienen alle Geldgeber zusammen? Für welchen Zeitraum wird gerechnet? Wie viel bringt jeder eingesetzte Euro? Der Weg: ein erfundenes Fahrradgeschäft als Beispiel, dann jede Gewinnart mit seinen Zahlen, zum Schluss die Liste für die Klausur. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

Nennen Sie fünf unterschiedliche Gewinnarten. (2,5 P)

In eigenen Worten: Zählen Sie fünf Begriffe auf, die jeweils eine bestimmte Art von Gewinn bezeichnen. Eine Erklärung wird nicht verlangt.

Einordnung

was Gewinn ist, und das Beispiel

Schritt 1 Warum es mehrere Gewinnarten gibt

Frage Gewinnart
Was steht in der Buchhaltung? pagatorischer Gewinn
Lohnt sich der Betrieb, wenn auch die eigene Arbeit und das eigene Geld etwas kosten? kalkulatorischer Gewinn
Was verdienen alle Geldgeber zusammen? Kapitalgewinn
Für welchen Zeitraum wird gerechnet? Periodengewinn oder Totalgewinn
Wie viel Gewinn bringt jeder eingesetzte Euro? Rentabilitäten

Schritt 2 Das Beispiel: Radhaus Speiche

Erfundenes Beispiel. Ein Fahrradgeschäft, ein Geschäftsjahr, alle Beträge in Euro.

Posten Betrag
Erträge: verkaufte Räder und Reparaturen 600.000
Aufwand: Einkauf der verkauften Räder und Teile 380.000
Aufwand: Löhne für zwei Mechaniker 110.000
Aufwand: Ladenmiete 36.000
Aufwand: Sonstiges (Strom, Versicherung) 8.000
Aufwand: Zinsen für den Bankkredit 6.000
Aufwand gesamt 540.000
Kapital und weitere Angaben Betrag
eigenes Geld der Inhaberin (Eigenkapital) 280.000
Bankkredit (Fremdkapital), Zinssatz 4 % 150.000
Gehalt, das die Inhaberin als Angestellte anderswo bekäme 45.000
Zinssatz einer sicheren Geldanlage 3 %
Probe: Summe der Aufwendungen und Zinsen des Kredits
380.000+110.000+36.000+8.000+6.000=540.000380.000 + 110.000 + 36.000 + 8.000 + 6.000 = 540.000
150.000⋅0,04=6.000150.000 \cdot 0{,}04 = 6.000

Drei Gewinne in Euro

gleiches Jahr, drei Rechenwege

Schritt 3 Pagatorischer Gewinn

Allgemein
pagatorischer Gewinn=Ertrag−Aufwand\text{pagatorischer Gewinn} = \text{Ertrag} - \text{Aufwand}
Radhaus Speiche, Beträge in Euro
pagatorischer Gewinn=600.000−540.000=60.000\text{pagatorischer Gewinn} = 600.000 - 540.000 = 60.000

Schritt 4 Kalkulatorischer Gewinn

Allgemein
kalkulatorischer Gewinn=Leistung−Kosten\text{kalkulatorischer Gewinn} = \text{Leistung} - \text{Kosten}
Zusatzkosten (ohne Zahlung, ohne Aufwand): Unternehmerlohn und Zinsen auf das Eigenkapital
Eigenkapitalzinsen=280.000⋅0,03=8.400\text{Eigenkapitalzinsen} = 280.000 \cdot 0{,}03 = 8.400
Kosten=540.000+45.000+8.400=593.400\text{Kosten} = 540.000 + 45.000 + 8.400 = 593.400
Radhaus Speiche, Beträge in Euro (Leistung = Ertrag = 600.000)
kalkulatorischer Gewinn=600.000−593.400=6.600\text{kalkulatorischer Gewinn} = 600.000 - 593.400 = 6.600

Schritt 5 Kapitalgewinn

Allgemein
Kapitalgewinn=pagatorischer Gewinn+Fremdkapitalzinsen\text{Kapitalgewinn} = \text{pagatorischer Gewinn} + \text{Fremdkapitalzinsen}
Radhaus Speiche, Beträge in Euro
Kapitalgewinn=60.000+6.000=66.000\text{Kapitalgewinn} = 60.000 + 6.000 = 66.000
Wer bekommt was? Euro
Inhaberin (Eigenkapital): pagatorischer Gewinn 60.000
Bank (Fremdkapital): Zinsen 6.000
alle Geldgeber zusammen: Kapitalgewinn 66.000

Zeitraum und Verhältnis

die Punkte 4 und 5 der Liste

Schritt 6 Periodengewinn und Totalgewinn

Erfundenes Beispiel: ein Crêpes-Stand auf einem Stadtfest, drei Tage. Ein Tag ist hier eine Periode. Zutaten werden jeden Morgen frisch gekauft und am selben Tag verbraucht, der Stand wird tageweise gemietet, alle zahlen sofort bar.

Periode Einzahlungen Auszahlungen Periodengewinn
Tag 1 (Regen) 800 900 −100
Tag 2 1.400 800 +600
Tag 3 1.200 750 +450
ganze Lebensdauer 3.400 2.450 Totalgewinn +950
Totalgewinn über die ganze Lebensdauer, Beträge in Euro
Totalgewinn=3.400−2.450=950\text{Totalgewinn} = 3.400 - 2.450 = 950
Probe: Die Periodengewinne zusammen ergeben denselben Betrag
−100+600+450=950-100 + 600 + 450 = 950

Schritt 7 Rentabilitäten

Allgemein: Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital, in Prozent
Rentabilita¨t=GewinnKapital⋅100\text{Rentabilität} = \frac{\text{Gewinn}}{\text{Kapital}} \cdot 100
Radhaus Speiche: pagatorischer Gewinn durch Eigenkapital, auf zwei Stellen gerundet
60.000280.000⋅100=21,428…≈21,43 %\frac{60.000}{280.000} \cdot 100 = 21{,}428\ldots \approx 21{,}43\ \%

Schritt 8 Die fünf Begriffe geordnet

Nr. Begriff worin er sich unterscheidet Einheit
1 pagatorischer Gewinn Rechenweg: Ertrag und Aufwand aus der Buchhaltung €
2 kalkulatorischer Gewinn Rechenweg: Leistung und Kosten, mit Zusatzkosten €
3 Kapitalgewinn Empfänger: alle Geldgeber, nicht nur die Eigentümer €
4 Periodengewinn oder Totalgewinn Zeitraum: eine Periode oder die ganze Lebensdauer €
5 Rentabilitäten keine Geldgröße, sondern Gewinn im Verhältnis zum Kapital %

Schritt 9 Ergebnis

Fünf Gewinnarten, wie in der Musterlösung:

✓Pagatorischer Gewinn
✓Kalkulatorischer Gewinn
✓Kapitalgewinn
✓Periodengewinn oder pagatorischer Totalgewinn
✓Rentabilitäten

Am Radhaus Speiche: 60.000 € pagatorischer Gewinn, 6.600 € kalkulatorischer Gewinn, 66.000 € Kapitalgewinn, 21,43 % Eigenkapitalrentabilität.