← Übersicht BWL
BWL · Probeklausur · Aufgabe 14

Neun Marktformen in einer Tabelle

Gesucht ist eine Tabelle aller Marktformen auf vollkommenen Märkten, mit einem Beispiel je Marktform. Eine Marktform beschreibt, wie viele Anbieter und wie viele Nachfrager sich auf einem Markt gegenüberstehen. Der Weg: erst klären, was ein vollkommener Markt ist, dann die Tabelle aus zwei Merkmalen aufbauen, dann Feld für Feld Name und Beispiel erklären. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

14. Stellen Sie die Marktformen auf vollkommenen Märkten tabellarisch dar! Geben Sie zu jeder Marktform ein realistisches Beispiel. (09 P)

Gesucht: eine Tabelle mit neun Feldern. In jedem Feld steht der Name der Marktform und ein Beispiel aus der Wirklichkeit.

Der Aufbau der Tabelle

welcher Markt, welche Merkmale, welche Namen

Schritt 1 Was ein vollkommener Markt ist

Bedingung Was sie heißt Beispiel Wertpapierbörse
Der Preis entsteht am Markt Nur Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, nicht etwa der Staat. Der Kurs entsteht aus Kauf- und Verkaufsaufträgen.
Vollkommene Markttransparenz Alle kennen alle Preise und Angebote. Jeder Kurs ist sofort für alle sichtbar.
Homogenität auf beiden Marktseiten Alle verkaufen gleichartige Güter. Kein Käufer bevorzugt einen bestimmten Anbieter, kein Anbieter einen bestimmten Käufer. Eine Aktie der Firma X ist dieselbe, egal wer sie verkauft oder kauft.
Anpassung ohne Zeit Alle reagieren sofort auf neue Preise. Ein Kaufauftrag wird in Sekunden ausgeführt.

Sind diese Bedingungen erfüllt, unterscheiden sich Märkte nur noch in der Zahl und Größe der Anbieter und Nachfrager. Ausführlich: Aufgabe 18.

Schritt 2 Zwei Merkmale, je drei Stufen

Merkmal Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
Anbieter (Spalten) viele kleine wenige mittelgroße ein großer
Nachfrager (Zeilen) viele kleine wenige mittelgroße ein großer
Jede Stufe der Anbieter trifft auf jede Stufe der Nachfrager
3⋅3=9 Marktformen3 \cdot 3 = 9 \ \text{Marktformen}

Schritt 3 Die Namen verstehen

Baustein Herkunft Bedeutung in der Tabelle
Poly-pol griechisch: viele viele kleine Teilnehmer
Oligo-pol griechisch: wenige wenige mittelgroße Teilnehmer
Mono-pol griechisch: allein ein großer Teilnehmer
Angebots- auf der Anbieterseite sind es weniger als auf der Nachfrageseite
Nachfrage- auf der Nachfrageseite sind es weniger als auf der Anbieterseite
bilateral lateinisch: zweiseitig beide Seiten sind gleich besetzt
beschränkt einer auf der einen Seite, nur wenige auf der anderen

Regel: Der Name nennt die Seite mit weniger Teilnehmern. Sind beide Seiten gleich besetzt, heißt die Marktform „bilateral“.

Die neun Felder

Name, Beispiel der Musterlösung, wer auf welcher Seite steht

Schritt 4 Bilaterales Polypol

Anbieter: viele kleine · Nachfrager: viele kleine
Bilaterales Polypol, z. B. Supermarkt, Bäckereien, Devisen- und Wertpapierbörsen
Beispiel Anbieter Nachfrager passt?
Wertpapierbörse viele Anleger, die eine Aktie verkaufen viele Anleger, die sie kaufen sehr gut
Devisenbörse viele Banken und Firmen mit fremder Währung viele, die diese Währung brauchen sehr gut
Bäckereien viele Bäckereien viele Haushalte nur nach der Zahl
Supermarkt viele Lebensmittelgeschäfte viele Haushalte nur nach der Zahl

Schritt 5 Angebots-Oligopol

Anbieter: wenige mittelgroße · Nachfrager: viele kleine
Angebots-Oligopol, z. B. Strommarkt, Mineralölmarkt
Beispiel Anbieter Nachfrager
Strommarkt wenige große Energiekonzerne, die einen großen Teil des Stroms erzeugen Millionen Haushalte und Betriebe
Mineralölmarkt wenige Mineralölkonzerne mit eigenen Tankstellenketten Millionen Autofahrer

Schritt 6 Angebots-Monopol

Anbieter: ein großer · Nachfrager: viele kleine
Angebots-Monopol, z. B. Briefmonopol, Wasserwerke
Beispiel Anbieter Nachfrager
Wasserwerke das eine Wasserwerk der Stadt alle Haushalte der Stadt
Briefmonopol früher allein die Deutsche Post alle, die Briefe verschicken

Schritt 7 Nachfrage-Oligopol

Anbieter: viele kleine · Nachfrager: wenige mittelgroße
Nachfrage-Oligopol, Molkereien, Winzergenossenschaften
Beispiel Gut Anbieter Nachfrager
Molkereien Rohmilch viele Milchbauern wenige Molkereien in der Region
Winzergenossenschaften Trauben viele Winzer wenige Genossenschaften in der Region

Schritt 8 Nachfrage-Monopol

Anbieter: viele kleine · Nachfrager: ein großer
Nachfrage-Monopol, z. B. Autobahnbau, Polizeiuniformen
Beispiel Anbieter Nachfrager
Autobahnbau viele Baufirmen der Staat als einziger Auftraggeber
Polizeiuniformen viele Textilhersteller der Staat als einziger Käufer

Schritt 9 Bilaterales Oligopol

Anbieter: wenige mittelgroße · Nachfrager: wenige mittelgroße
Bilaterales Oligopol, Flugzeugmarkt, Reedereien
Beispiel Anbieter Nachfrager
Flugzeugmarkt wenige Hersteller großer Passagierflugzeuge wenige große Fluggesellschaften
Reedereien wenige große Werften wenige große Reedereien, die Schiffe kaufen

Schritt 10 Die beiden beschränkten Monopole

Anbieter: ein großer · Nachfrager: wenige mittelgroße
beschränktes Angebots-Monopol, z. B. Spezialpatente, Medizin oder Medizingeräte
Anbieter: wenige mittelgroße · Nachfrager: ein großer
beschränktes Nachfrage-Monopol, z. B. Antiquitäten, Münzen, Briefmarken
Beispiel Anbieter Nachfrager
Spezialpatent, Medizingerät die eine Firma mit dem Patent wenige Kliniken, die das Gerät brauchen
Antiquität, Münze, Briefmarke wenige Besitzer eines seltenen Stücks ein Museum oder Sammler, der genau dieses Stück sucht

Schritt 11 Bilaterales Monopol

Anbieter: ein großer · Nachfrager: ein großer
Bilaterales Monopol, Einziger Hersteller eines BMW-Scheinwerfers
Beispiel Anbieter Nachfrager
BMW-Scheinwerfer der eine Zulieferer, der diesen Scheinwerfer baut BMW, die einzige Firma, die ihn einbaut

Schritt 12 Ergebnis

Nachfrager ↓ · Anbieter → viele kleine wenige mittelgroße ein großer
viele kleine Bilaterales Polypol
z. B. Supermarkt, Bäckereien, Devisen- und Wertpapierbörsen
Angebots-Oligopol
z. B. Strommarkt, Mineralölmarkt
Angebots-Monopol
z. B. Briefmonopol, Wasserwerke
wenige mittelgroße Nachfrage-Oligopol
Molkereien, Winzergenossenschaften
Bilaterales Oligopol
Flugzeugmarkt, Reedereien
beschränktes Angebots-Monopol
z. B. Spezialpatente, Medizin oder Medizingeräte
ein großer Nachfrage-Monopol
z. B. Autobahnbau, Polizeiuniformen
beschränktes Nachfrage-Monopol
z. B. Antiquitäten, Münzen, Briefmarken (ein Museum sucht ein bestimmtes Stück)
Bilaterales Monopol
Einziger Hersteller eines BMW-Scheinwerfers – Käufer: BMW
✓Tabelle mit zwei Merkmalen: Anbieter in den Spalten, Nachfrager in den Zeilen, je drei Stufen.
✓Neun Marktformen, jede mit Namen und Beispiel.
✓Probe: Die Tabelle ist spiegelgleich. „Angebots-“ und „Nachfrage-“ tauschen die Plätze, auf der Diagonale steht dreimal „Bilaterales“.