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BWL · Probeklausur · Aufgabe 18

Der vollkommene Markt: ein Markt, den es nur im Modell gibt

Gesucht sind die Bedingungen, unter denen ein Markt „vollkommen“ heißt. Der Weg: erst klären, was ein Markt ist und was „vollkommen“ hier bedeutet. Dann die Grundannahme und die fünf Bedingungen einzeln, jede mit einem Beispiel und mit dem Grund, warum echte Märkte davon abweichen. Zum Schluss der unvollkommene Markt und wozu man das Modell trotzdem braucht. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

18. Beschreiben Sie die Bedingungen eines vollkommenen Marktes! (08 P)

In eigenen Worten: Was muss auf einem Markt alles gelten, damit die Wirtschaftswissenschaft ihn „vollkommen“ nennt? Verlangt sind ganze Sätze, nicht nur Stichworte. Die Musterlösung antwortet mit einer Tabelle: links der vollkommene, rechts der unvollkommene Markt.

Einordnung

Markt, vollkommen, Grundannahme

Schritt 1 Was ein vollkommener Markt ist

Begriff heißt Beispiel
Markt Ort, an dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen Wochenmarkt, Online-Shop, Börse
Anbieter wer verkauft der Obsthändler
Nachfrager wer kauft Sie mit Ihrem Einkaufskorb
Marktseiten Anbieter auf der einen, Nachfrager auf der anderen Seite
vollkommener Markt gedachter Markt, auf dem alle Bedingungen des Modells erfüllt sind gibt es so nicht

„Vollkommen“ heißt hier nicht „gut“ oder „gerecht“, sondern: Alle Bedingungen des Modells gelten.

Schritt 2 Die Grundannahme: das ökonomische Prinzip

So steht es in der Musterlösung
„Unternehmen realisieren das ökonomische Prinzip, wenn sie nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung handeln. Haushalte tun dies, wenn sie versuchen ihren Nutzen zu maximieren.“
Wer maximiert Beispiel
Unternehmen den Gewinn: was es erwirtschaftet hat, minus dem, was es dafür verbraucht hat die Bäckerei wählt Preis und Menge so, dass am meisten übrig bleibt
Haushalt den Nutzen eine Studentin holt aus 300 € Monatsbudget so viel Zufriedenheit wie möglich

Die fünf Bedingungen

in der Musterlösung „Unterstellungen“ genannt

Schritt 3 Bedingung 1: Der Preis entsteht am Markt

So steht es in der Musterlösung
„Angebot und Nachfrage regeln den Preis → Marktpreis; Marktpreise werden nicht von äußeren Einflüssen beeinflusst. (z. B. Staat)“
Lage auf dem Wochenmarkt Preis für Erdbeeren
Anfang Mai: wenig Erdbeeren, viele wollen welche steigt
Mitte Juni: Erdbeeren im Überfluss sinkt

Im Alltag: Neue Bücher kosten per Gesetz überall gleich viel (Buchpreisbindung). Der Lohn darf nicht unter den Mindestlohn fallen. In vielen Städten begrenzt die Mietpreisbremse neue Mieten.

Schritt 4 Bedingung 2: Vollkommene Markttransparenz

So steht es in der Musterlösung
„Es herrscht vollkommene Markttransparenz.“
Markt wie durchsichtig?
Benzin ziemlich: Tankstellen müssen jede Preisänderung melden, Apps zeigen alle Preise
Gebrauchtwagen wenig: Der Verkäufer kennt die Mängel, der Käufer nicht

Schritt 5 Bedingung 3: Homogenität auf beiden Marktseiten

So steht es in der Musterlösung
„Es herrscht Homogenität auf beiden Marktseiten.“
Marktseite im Modell im Alltag
Nachfrager sehen die Anbieter alle Güter gleich, kein Lieblingsladen Markenjeans, Lieblingsbäcker
Anbieter sehen die Nachfrager jeder Kunde ist gleich Rabatt für Stammkunden

Schritt 6 Bedingung 4: Anpassung ohne Zeit

So steht es in der Musterlösung
„Anpassungsprozesse benötigen keine Zeit.“
Was passiert im Modell im Alltag
ein Handyanbieter senkt den Preis alle Kunden wechseln im selben Augenblick erst nach der Kündigungsfrist
viele wollen mehr Fahrräder kaufen die Hersteller liefern sofort mehr neue Fabrik, neue Leute: das dauert Monate oder Jahre

Schritt 7 Bedingung 5: Stabile Präferenzen und feste Ziele

So steht es in der Musterlösung
„Marktteilnehmer sind mit stabilen Präferenzen und unveränderbaren Zielvorstellungen ausgestattet.“
„Präferenzen“ in … meint im Modell
Bedingung 3 (Homogenität) Vorlieben für einen Ort, eine Zeit, eine Ausführung, einen Verkäufer gibt es nicht
Bedingung 5 die Rangfolge der eigenen Wünsche gibt es, und sie ändert sich nicht

Im Alltag: Was letztes Jahr alle tragen wollten, liegt heute im Ausverkauf. Werbung weckt Wünsche, die es vorher nicht gab.

Die andere Spalte

der unvollkommene Markt und wozu das Modell dient

Schritt 8 Der unvollkommene Markt

So steht es in der Musterlösung (rechte Spalte), Rechtschreibung berichtigt
„… weisen eine oder mehrere der aufgeführten Eigenschaften der vollkommenen Märkte nicht auf.“
„Je mehr von den Bedingungen, die vollkommene Märkte kennzeichnen, aufgegeben wird, umso mehr nähert man sich Marktsituationen wie sie für empirisches Marktgeschehen charakteristisch sind.“
Markt verletzte Bedingungen Urteil
Aktienbörse kaum eine: Kurs aus Angebot und Nachfrage, Kurse öffentlich, jede Aktie einer Firma gleicht der anderen, Handel in Sekunden kommt dem Modell am nächsten
Bäckereien (3) Brot unterscheidet sich, Kunden haben ihren Lieblingsbäcker · (2) kaum jemand kennt alle Brotpreise der Stadt unvollkommen
Mietwohnungen (1) Mietpreisbremse · (2) kein Überblick · (3) jede Wohnung ist anders · (4) Umzug und Neubau dauern sehr unvollkommen

Schritt 9 Wozu man das Modell trotzdem braucht

Ergänzung zum Verstehen, nicht Teil der Musterlösung

Bedingung Folge, wenn ein Anbieter mehr verlangt als die anderen
(2) Transparenz alle Nachfrager sehen es
(3) Homogenität niemand hat einen Grund, trotzdem bei ihm zu kaufen
(4) keine Zeit alle wechseln im selben Augenblick
Er verkauft nichts. Auf dem vollkommenen Markt gibt es für ein Gut nur einen Preis.

Schritt 10 Ergebnis

So kann die Antwort in der Klausur aussehen:

Vollkommener Markt Unvollkommener Markt
Unternehmen realisieren das ökonomische Prinzip, wenn sie nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung handeln. Haushalte tun dies, wenn sie versuchen, ihren Nutzen zu maximieren. Unvollkommene Märkte weisen eine oder mehrere der aufgeführten Eigenschaften der vollkommenen Märkte nicht auf.

„Je mehr von den Bedingungen, die vollkommene Märkte kennzeichnen, aufgegeben wird, umso mehr nähert man sich Marktsituationen, wie sie für empirisches Marktgeschehen charakteristisch sind.“
Unterstellungen:
  1. Angebot und Nachfrage regeln den Preis (Marktpreis). Marktpreise werden nicht von äußeren Einflüssen beeinflusst, zum Beispiel vom Staat.
  2. Es herrscht vollkommene Markttransparenz.
  3. Es herrscht Homogenität auf beiden Marktseiten.
  4. Anpassungsprozesse benötigen keine Zeit.
  5. Marktteilnehmer sind mit stabilen Präferenzen und unveränderbaren Zielvorstellungen ausgestattet.
✓Grundannahme: Unternehmen maximieren den Gewinn, Haushalte den Nutzen
✓fünf Bedingungen: Preis aus Angebot und Nachfrage · Transparenz · Homogenität · keine Zeit · stabile Präferenzen
✓unvollkommener Markt: schon eine fehlende Bedingung genügt