Gefragt ist: Was muss auf einem Markt alles gelten, damit er vollkommen heißt? Schritt
1 erklärt, was ein Markt ist und was „vollkommen“ hier bedeutet.
Was „Beschreiben“ verlangt: Die Bedingungen nicht nur als Stichwort nennen, sondern
jede in einem ganzen Satz sagen. „Transparenz“ allein reicht nicht. „Es herrscht vollkommene
Markttransparenz“ ist ein Satz, der gewertet werden kann. Was das Wort bedeutet, erklärt
Schritt 4.
Wie viel: Laut Deckblatt der Klausur entspricht die Punktzahl der geplanten Zeit. 8
Punkte heißen also etwa 8 Minuten. Die Musterlösung ist eine Tabelle mit zwei Spalten: links
der vollkommene Markt mit einer Grundannahme und fünf Bedingungen, rechts in zwei Sätzen der
unvollkommene Markt. Wie die Punkte genau verteilt werden, steht dort nicht.
Der Weg:
- Einordnen: Markt, vollkommen, die Grundannahme. (Schritte 1–2)
-
Die fünf Bedingungen einzeln, je mit Beispiel und mit dem Grund, warum echte Märkte
abweichen. (Schritte 3–7)
- Die rechte Spalte: der unvollkommene Markt. (Schritt 8)
- Wozu man das Modell trotzdem braucht. (Schritt 9)
- Die Tabelle, wie sie in der Klausur stehen kann. (Schritt 10)
vollkommener Markt = gedachter Markt, auf dem alle Bedingungen des Modells gelten
Ein Markt ist jeder Ort, an dem Angebot (was verkauft werden soll) und
Nachfrage (was gekauft werden soll) zusammentreffen. Das kann ein Wochenmarkt sein,
ein Online-Shop oder die Börse. Wer verkauft, heißt Anbieter. Wer kauft, heißt
Nachfrager. Beide zusammen sind die Marktteilnehmer. Anbieter und Nachfrager
sind die zwei Marktseiten.
Ein vollkommener Markt ist ein gedachter Markt, ein Modell. Ein Modell ist
ein vereinfachtes Bild der Wirklichkeit. Es lässt bewusst Dinge weg, damit man rechnen
kann. „Vollkommen“ heißt deshalb nicht „gut“ oder „gerecht“. Es heißt: Alle Bedingungen
des Modells sind erfüllt.
Aus Aufgabe 6 („Homo oeconomicus: der Mensch im Modell“): Der Homo oeconomicus ist
ein gedachter Mensch. Er hat keine Vorlieben, weiß alles, weiß genau, was er will, und
reagiert unendlich schnell. Die Musterlösung dort endet mit dem Satz: „Genau mit diesen
Annahmen werden vollkommene Märkte beschrieben.“
Ein vollkommener Markt ist also ein Markt, auf dem nur solche Modellmenschen kaufen und
verkaufen und auf dem sich niemand von außen einmischt, auch nicht der Staat. Die Grafik
oben zeigt seine Bedingungen. Links steht, was im Modell gilt. Rechts steht ein Beispiel
aus dem Alltag, in dem die Bedingung nicht gilt.
Unternehmen: Gewinn maximieren · Haushalte: Nutzen maximieren
Bevor die Musterlösung die fünf Bedingungen aufzählt, legt sie fest, wie alle
Marktteilnehmer handeln: nach dem ökonomischen Prinzip. Das ist die Grundregel des
Wirtschaftens: Mittel sind knapp, also verschwendet man sie nicht. Diese Grundannahme
steht vorn, weil alle fünf Bedingungen nur Sinn ergeben, wenn jeder das Beste für sich
herausholen will.
Aus Aufgabe 6 („Homo oeconomicus: der Mensch im Modell“): Das ökonomische Prinzip
hat zwei Formen. Maximumprinzip: mit festen Mitteln möglichst viel erreichen.
Minimumprinzip: ein festes Ziel mit möglichst wenig Einsatz erreichen.
Was „das Beste“ ist, hängt davon ab, wer handelt:
-
Ein Unternehmen maximiert den Gewinn, also das, was es erwirtschaftet hat,
minus dem, was es dafür verbraucht hat. Die Bäckerei wählt Preis und Menge so, dass am
meisten übrig bleibt.
-
Ein Haushalt ist in der BWL ein privater Verbraucher: eine Einzelperson, eine WG,
eine Familie. Er will keinen Gewinn machen. Er maximiert seinen Nutzen, also die
Zufriedenheit, die er aus seinen Käufen zieht. Die Studentin holt aus 300 € Monatsbudget
so viel heraus wie möglich.
Warum echte Märkte abweichen: Menschen kaufen aus Laune, etwa den Schokoriegel an
der Kasse. Unternehmen verfolgen auch andere Ziele und führen zum Beispiel eine Filiale
mit Verlust weiter, damit die Mitarbeiter ihre Stelle behalten.
Angebot und Nachfrage bilden den Marktpreis · kein Eingriff von außen (zum Beispiel
Staat)
Die Musterlösung nennt die fünf Bedingungen Unterstellungen. Eine Unterstellung ist
eine Annahme, die man ohne Beweis voraussetzt. Im Modell sind es die Bedingungen, nach
denen die Aufgabe fragt. Dieses Artefakt sagt deshalb durchgehend „Bedingung“.
Bedingung 1: Der Preis entsteht nur aus Angebot und Nachfrage. So ein Preis heißt
Marktpreis. Die Regel dahinter:
- Wollen viele etwas haben, das knapp ist, steigt der Preis.
- Ist mehr da, als die Leute haben wollen, sinkt der Preis.
Beispiel: Anfang Mai gibt es auf dem Wochenmarkt wenige Erdbeeren, und viele wollen
welche. Sie sind teuer. Mitte Juni gibt es Erdbeeren im Überfluss. Der Preis sinkt.
Der zweite Teil der Bedingung: Niemand von außen greift ein. Die Musterlösung nennt als
Beispiel den Staat („z. B.“ heißt „zum Beispiel“).
Warum echte Märkte abweichen: Der Staat greift in Deutschland oft ein. Neue Bücher
kosten per Gesetz überall gleich viel (Buchpreisbindung). Der Lohn, also der Preis für
Arbeit, darf nicht unter den Mindestlohn fallen. In vielen Städten begrenzt die
Mietpreisbremse die Miete bei neuen Verträgen. Diese Preise entstehen also nicht allein
aus Angebot und Nachfrage.
alle Marktteilnehmer kennen alle Preise und Qualitäten
Transparent heißt durchsichtig. Markttransparenz heißt: Man kann den ganzen
Markt überblicken. Vollkommen ist sie, wenn jeder Marktteilnehmer jeden Preis und
jede Qualität kennt.
Aus Aufgabe 6 („Homo oeconomicus: der Mensch im Modell“): Der Homo oeconomicus hat
eine vollkommene Marktübersicht: Er kennt jedes Angebot. Er sieht sogar voraus, was die
anderen tun werden.
Warum diese Bedingung wichtig ist: Nur wer alle Preise kennt, kann den billigsten
wählen. Ohne Transparenz kann ein Anbieter mehr verlangen, weil seine Kunden das
günstigere Angebot nicht kennen.
Beispiel, das nah dran ist: Benzin. In Deutschland müssen Tankstellen jede
Preisänderung an eine staatliche Stelle melden, die Markttransparenzstelle für
Kraftstoffe. Apps zeigen daraus alle Preise in der Nähe an.
Warum echte Märkte abweichen: Beim Gebrauchtwagen kennt der Verkäufer die Mängel,
der Käufer nicht. Bei Handwerkern erfährt man den Preis oft erst mit der Rechnung. Und
niemand hat die Zeit, jedes Angebot zu prüfen.
gleichartige Güter · keine Vorlieben der Nachfrager und keine der Anbieter
Homogen heißt gleichartig, beliebig austauschbar. Ein Euro-Stück ist wie das
andere. Die Bedingung gilt für beide Marktseiten:
-
Nachfrager finden alle Güter und alle Anbieter gleich. Es gibt keinen
Lieblingsladen und keine Lieblingsmarke.
- Anbieter finden alle Kunden gleich. Kein Kunde wird bevorzugt.
Aus Aufgabe 6 („Homo oeconomicus: der Mensch im Modell“): Für den Homo oeconomicus
gibt es nur homogene Orte, Güter und Personen. Deshalb hat er keine zeitlichen, örtlichen,
sachlichen und persönlichen Präferenzen. Präferenz heißt Vorliebe.
Warum diese Bedingung wichtig ist: Sind alle Güter gleich, gibt es nur einen Grund,
bei einem Anbieter zu kaufen: den Preis.
Beispiel, das nah dran ist: Eine Aktie ist ein kleiner Anteil an einer
Firma. Gehandelt wird sie an der Börse, einem Markt für solche Anteile. Eine Aktie
einer Firma gleicht jeder anderen Aktie derselben Firma. Wer sie verkauft, spielt keine
Rolle.
Warum echte Märkte abweichen: Jeans unterscheiden sich in Marke und Schnitt. Viele
Leute haben ihren Lieblingsbäcker. Und Anbieter bevorzugen Kunden, etwa mit einem Rabatt
für Stammkunden.
Anpassungsprozesse benötigen keine Zeit: alle reagieren im selben Augenblick
Ändert sich etwas am Markt, stellen sich Käufer und Verkäufer darauf ein. Alles, was dabei
passiert, heißt Anpassungsprozess: Kunden wechseln den Anbieter, Hersteller
produzieren mehr oder weniger. Im Modell geschieht das ohne jede Zeit, also sofort.
Aus Aufgabe 6 („Homo oeconomicus: der Mensch im Modell“): Der Homo oeconomicus hat
eine unendlich schnelle Reaktionsfähigkeit. Zwischen „etwas ändert sich“ und „er handelt“
vergeht keine Zeit.
Warum diese Bedingung wichtig ist: Transparenz allein reicht nicht. Wer das
billigere Angebot kennt, aber erst in zwei Jahren wechseln kann, zahlt so lange den
höheren Preis.
Beispiele, warum echte Märkte abweichen:
-
Ein Handyanbieter senkt den Preis. Die Kunden der anderen wechseln erst nach ihrer
Kündigungsfrist.
-
Plötzlich wollen viele ein Fahrrad kaufen. Die Hersteller brauchen Monate oder Jahre für
eine neue Fabrik und neue Leute. So lange sind Fahrräder knapp.
stabile Präferenzen = die Rangfolge der Wünsche ändert sich nicht · Ziele bleiben
gleich
Hier steht das Wort Präferenzen. Gemeint ist die
Rangfolge der eigenen Wünsche: was man lieber hat als anderes. Wer Pizza lieber mag
als Salat, hat diese Präferenz. Stabil heißt: Diese Rangfolge ändert sich nicht.
Unveränderbare Zielvorstellungen heißt: Die Ziele aus Schritt 2 bleiben gleich.
Unternehmen wollen immer den größten Gewinn, Haushalte immer den größten Nutzen.
Aus Aufgabe 6 („Homo oeconomicus: der Mensch im Modell“): Der Homo oeconomicus hat
ein eindeutig definiertes, widerspruchsfreies, konsistentes (stimmiges) und stabiles
Zielsystem. Er weiß immer, was er will, heute wie morgen.
Warum diese Bedingung wichtig ist: Wenn sich die Wünsche ständig ändern, ändert
sich auch ständig die Nachfrage. Dann kann das Modell keinen Preis ausrechnen.
Warum echte Märkte abweichen: Was letztes Jahr alle tragen wollten, liegt heute im
Ausverkauf. Werbung weckt Wünsche, die es vorher nicht gab.
Merke: Das Wort „Präferenzen“ hat hier zwei Bedeutungen. Homogenität (Bedingung 3)
heißt auch: Niemand hat Vorlieben (Präferenzen) für Ort, Zeit, Ausführung oder Verkäufer.
So steht es beim Homo oeconomicus in Aufgabe 6. In Bedingung 5 steht das Wort selbst und
meint die Rangfolge der Wünsche. Die gibt es, und sie bleibt stabil.
unvollkommen = mindestens eine Bedingung fehlt
Die rechte Spalte der Musterlösung beschreibt das Gegenstück. Ein Markt ist
unvollkommen, wenn eine oder mehrere der Bedingungen fehlen. Schon eine fehlende
Bedingung genügt.
Hinweis zur Musterlösung: Dort steht „… weißen eine oder mehrere der aufgeführten
Eigenschaften der vollkommen Märkten nicht auf.“ Richtig heißt es „weisen … auf“, vom Verb
„aufweisen“ (haben, zeigen), und „der vollkommenen Märkte“. Rechts steht der Satz
berichtigt. Auch das schließende Anführungszeichen des Zitats fehlt im Original. Am Inhalt
ändert das nichts.
Das Zitat darunter sagt: Je mehr Bedingungen man weglässt, desto ähnlicher wird das Modell
den echten Märkten. Empirisch heißt „in der Wirklichkeit beobachtet“.
Charakteristisch heißt „typisch“. Fast alle echten Märkte sind also unvollkommen.
Die Tabelle rechts prüft drei echte Märkte. Die Nummern sind die der fünf Bedingungen:
-
Aktienbörse: Der Preis einer Aktie heißt Kurs. Er entsteht aus Angebot und
Nachfrage (1), alle Kurse sind öffentlich (2), jede Aktie einer Firma gleicht der
anderen (3), gehandelt wird in Sekunden (4). Die Börse kommt dem Modell am nächsten.
-
Bäckereien: Brot unterscheidet sich, und Kunden haben ihren Lieblingsbäcker (3).
Kaum jemand kennt alle Brotpreise (2).
- Mietwohnungen: Hier fehlen gleich vier Bedingungen.
vollkommener Markt ⇒ ein einziger Preis je Gut · Messlatte für echte Märkte
Ergänzung, nicht Teil der Musterlösung: Dieser Schritt wird in der Klausur nicht
verlangt. Er hilft zu verstehen, wozu die Bedingungen da sind.
Wenn es keinen vollkommenen Markt gibt: Warum lernt man ihn dann? Weil man an ihm sieht,
was die Bedingungen bewirken.
Ein Gedankenexperiment: Ein Anbieter verlangt mehr als alle anderen. Was passiert
auf dem vollkommenen Markt? Die Tabelle rechts zeigt es:
- Wegen der Transparenz (2) sehen alle Nachfrager den höheren Preis.
- Wegen der Homogenität (3) hat niemand einen Grund, trotzdem bei ihm zu kaufen.
- Weil Anpassung keine Zeit braucht (4), wechseln alle im selben Augenblick.
Er verkauft also nichts. Deshalb gibt es auf dem vollkommenen Markt für ein Gut nur
einen einzigen Preis.
Die Messlatte: Echte Märkte kann man mit dem Modell vergleichen. Wo es für dasselbe
Gut verschiedene Preise gibt, fehlt mindestens eine Bedingung. Dann kann man fragen:
welche? Beim Benzin fehlte vor allem die Transparenz. Deshalb hat der Staat 2013 die
Meldepflicht eingeführt (Schritt 4). Die Preise unterscheiden sich trotzdem noch, je nach
Ort und Uhrzeit: Es fehlen also noch andere Bedingungen.
Umgekehrt gilt das nicht: Bei der Buchpreisbindung kostet ein Buch überall gleich viel,
aber nur, weil das Gesetz es vorschreibt (Bedingung 1 fehlt).
Grundannahme + fünf Bedingungen · unvollkommen: mindestens eine fehlt
Rechts steht die Antwort als Tabelle, wie in der Musterlösung, mit berichtigter
Rechtschreibung. Wer lieber in Sätzen schreibt, formuliert jede Zeile als ganzen Satz.
Merkhilfe: Auf dem vollkommenen Markt kaufen und verkaufen nur Menschen wie der Homo
oeconomicus aus Aufgabe 6. Daraus folgen vier Bedingungen, eine fünfte betrifft den Staat:
- Sie sehen alles → Transparenz (2).
- Für sie ist alles gleich → Homogenität (3).
- Sie handeln sofort → Anpassung ohne Zeit (4).
- Sie wollen immer dasselbe → stabile Präferenzen (5).
- Niemand mischt sich ein → Preis nur aus Angebot und Nachfrage (1).
Selbstkontrolle: eine Grundannahme (Gewinn bzw. Nutzen maximieren), fünf Bedingungen,
ein Satz zum unvollkommenen Markt. Fehlt eines davon, ist die Antwort unvollständig.
Typische Fehler:
-
Die zwei Bedeutungen von „Präferenzen“ verwechseln: Homogenität (Bedingung 3) heißt,
niemand hat Vorlieben für Ort, Zeit, Ausführung oder Verkäufer. „Stabile Präferenzen“
(Bedingung 5) heißt, die Rangfolge der Wünsche bleibt gleich.
-
„Vollkommen“ als „gut“ oder „gerecht“ verstehen. Es heißt nur: Alle Bedingungen des
Modells gelten.
-
Glauben, ein Markt sei erst unvollkommen, wenn alle Bedingungen fehlen. Eine fehlende
genügt.
-
Die Grundannahme vergessen: Unternehmen maximieren den Gewinn, Haushalte den Nutzen.
- Die Bedingungen mit den Marktformen verwechseln (siehe unten).
Aus Aufgabe 14 („Marktformen auf vollkommenen Märkten: das 3×3-Schema“): Marktformen
unterscheiden Märkte nach der Zahl der Anbieter und Nachfrager: viele kleine (Polypol),
wenige mittelgroße (Oligopol) oder ein großer (Monopol). Die Bedingungen hier sagen etwas
anderes: wie ein Markt funktioniert. Beides lässt sich kombinieren, zum Beispiel ein
Polypol auf einem vollkommenen Markt.