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BWL · Probeklausur · Aufgabe 17

Wirtschaftsgüter systematisieren: das Schaubild

Gesucht ist ein Schaubild, das Wirtschaftsgüter nach sechs Merkmalen in Gruppen sortiert. Der Weg: erst den oberen Teil des Schaubilds erklären, also was Wirtschaftsgüter sind und wovon sie sich abgrenzen. Dann die sechs Merkmale nacheinander, jedes mit Alltagsbeispielen. Zum Schluss ein Fahrrad durch alle sechs Merkmale schicken. Oben steht das fertige Schaubild, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

17. Welche Systematisierungskriterien für Wirtschaftsgüter wurden Ihnen vorgestellt? Zeigen Sie die Differenzierungen anhand eines Schaubildes. (15 P)

Wort in der Aufgabe In eigenen Worten
Systematisierungskriterien Merkmale, nach denen man Güter in Gruppen sortiert
Differenzierungen die Gruppen, die dabei entstehen
„Welche … wurden vorgestellt?“ alle Merkmale nennen
„Zeigen Sie … anhand eines Schaubildes“ die Merkmale mit ihren Gruppen als Zeichnung darstellen, nicht als Fließtext
15 Punkte viel für eine Wissensfrage: erwartet wird das vollständige Schaubild

Der Weg: 1.–3. oberer Teil des Schaubilds → 4. was ein Kriterium ist → 5.–10. die sechs Kriterien → 11. ein Beispiel durch alle sechs → 12. Antwort.

Oben im Schaubild

was sortiert wird

Schritt 1 Wirtschaftsgüter und ihre Nachbarn

Kasten Was ihn ausmacht Beispiel
Mitte: Wirtschaftsgüter knapp, stiften Nutzen, werden auf Märkten gehandelt Brötchen
rechts: freie Güter nicht knapp, deshalb kein Preis Luft zum Atmen
links: öffentliche Güter, Kollektivgüter, externe Effekte hier funktioniert der Markt nicht richtig Straßenbeleuchtung, Vereinssportplatz, Autolärm

Nur der mittlere Kasten hat den gepunkteten Rahmen nach unten: Die sechs Kriterien darunter sortieren die Wirtschaftsgüter.

Schritt 2 Rivalität

Rivalität = nutzt einer das Gut, kann ein anderer es nicht zugleich nutzen
Brötchen: Was Sie essen, kann niemand anders mehr essen → Rivalität
Radiosendung: Ob 10 oder 10.000 Menschen zuhören, jeder hört alles → keine Rivalität

Schritt 3 Exklusivität: physikalisch oder rechtlich

Exklusivität = man kann andere von der Nutzung ausschließen
Individualgüter private Güter
Rivalität ja ja
andere werden ausgeschlossen durch eine körperliche Sperre (Tasche, Schloss): physikalische Exklusivität Gesetz oder Vertrag: rechtliche Exklusivität
Beispiel Brötchen in Ihrer Tasche, Fahrrad mit Schloss Grundstück ohne Zaun, reservierter Sitzplatz im Zug

Ist ein Gut knapp, fehlt ihm aber die Rivalität oder die Exklusivität, ist es kein Wirtschaftsgut. Es gehört in den linken Kasten, etwa die Straßenbeleuchtung (ausführlich in Aufgabe 23 („Öffentliche Güter und Kollektivgüter nach Bardmann“)). Ist es gar nicht knapp wie die Luft, gehört es in den rechten Kasten.

Die sechs Kriterien

im gepunkteten Rahmen, von oben nach unten

Schritt 4 Was ein Systematisierungskriterium ist

Kriterium = die Frage, nach der man sortiert · Ausprägung = eine mögliche Antwort
Studierende nach Studiengang sortiert: BWL, Informatik, … — nach Semester sortiert: 1., 2., …
Kriterium Frage dahinter
1. Güterbeziehungen Wie hängt das Gut mit einem anderen Gut zusammen?
2. Substanz von Gütern Kann man es anfassen?
3. Stellung im Produktionsprozess Geht es in eine Herstellung hinein, oder kommt es heraus?
4. Häufigkeit der Nutzbarkeit Kann man es einmal oder mehrmals nutzen?
5. Güter in der Geldwirtschaft Ist es Geld oder ein Anspruch auf Geld?
6. Politisch bestimmte Gütermengen Will der Staat mehr oder weniger davon?

Schritt 5 Güterbeziehungen

Ausprägung Bedeutung Beispiel Wird das eine teurer, …
indifferente Güter haben nichts miteinander zu tun Zahnpasta und Fahrradhelm … ändert sich beim anderen nichts
komplementäre Güter ergänzen sich, werden zusammen genutzt Drucker und Druckerpatrone … wird vom anderen weniger gekauft
substitutive Güter ersetzen sich, erfüllen dasselbe Bedürfnis Butter und Margarine … wird vom anderen mehr gekauft

Schritt 6 Substanz von Gütern

Ausprägung Bedeutung Beispiele
materielle Güter körperlich, man kann sie anfassen Laptop, Brötchen, Mehl
immaterielle Güter nicht körperlich Dienstleistungen (Haarschnitt, Nachhilfestunde), Rechte (Software-Lizenz für einen Nutzer, Patent)

Schritt 7 Stellung der Güter im Produktionsprozess

Eine Kette vom Getreide bis zur Kundin
Getreide → Mühle → Mehl → Bäckerei → Brötchen → Studentin
Ausprägung Bedeutung Beispiel
Inputgüter = Produktionsgüter gehen in die Herstellung hinein Mehl, Backofen und Arbeit in der Bäckerei
Outputgüter = Produkte kommen aus der Herstellung heraus Mehl aus der Mühle, Brötchen aus der Bäckerei
… davon Produktionsgüter ein anderes Unternehmen setzt sie wieder ein Mehl aus der Mühle, das die Bäckerei kauft
… davon Konsumgüter landen bei Verbrauchern Brötchen, das die Studentin isst

Schritt 8 Häufigkeit der Nutzbarkeit der Güter

teilt … mehrmals nutzbar nur einmal nutzbar
die Inputgüter Potenzialfaktoren: Backofen, Lieferwagen, Arbeitskraft der Bäckerin Repetierfaktoren: Mehl, Hefe, Strom für den Ofen
die Konsumgüter Gebrauchsgüter: Fahrrad, Waschmaschine, Winterjacke Verbrauchsgüter: Brötchen, Duschgel, Benzin

Im Schaubild zeigen die Verbindungen genau das: Die Inputgüter teilen sich in Potenzial- und Repetierfaktoren, die Konsumgüter in Gebrauchs- und Verbrauchsgüter.

Schritt 9 Güter in der Geldwirtschaft

Ausprägung Bedeutung Beispiele
Nominalgüter Geld und Ansprüche auf Geld Bargeld, Guthaben auf dem Girokonto, 50 €, die Ihnen ein Freund schuldet
Realgüter alle übrigen Güter: Sachen, Dienstleistungen und Rechte, die nicht auf Geld lauten Brötchen, Laptop, Haarschnitt, Patent

Schritt 10 Politisch bestimmte Gütermengen

Ausprägung Der Staat meint … Beispiel Was der Staat tut
meritorische Güter … es wird zu wenig davon genutzt Schulbildung, Impfungen Schulpflicht, kostenlose Schulen, kostenlose Impfungen
demeritorische Güter … es wird zu viel davon genutzt Zigaretten, Alkohol Tabaksteuer, Werbeverbote, Jugendschutz

Anwenden

ein Gut, sechs Blickwinkel

Schritt 11 Ein Fahrrad durch alle sechs Kriterien

Kriterium Das Fahrrad ist … weil …
1. Güterbeziehungen komplementär zum Fahrradschloss, substitutiv zum Busticket, indifferent zur Zahnpasta das Schloss ergänzt es, der Bus ersetzt es, mit Zahnpasta hat es nichts zu tun
2. Substanz ein materielles Gut man kann es anfassen
3. Stellung ein Outputgut des Herstellers, für Sie ein Konsumgut es kommt aus der Fabrik und landet bei Ihnen
4. Häufigkeit ein Gebrauchsgut Sie fahren jahrelang damit
5. Geldwirtschaft ein Realgut es ist eine Sache, kein Geld
6. Politik weder meritorisch noch demeritorisch der Staat fördert oder bremst den Kauf eines privaten Fahrrads im Regelfall nicht besonders

Bei einem Fahrradkurier ist dasselbe Fahrrad ein Inputgut und ein Potenzialfaktor: Er braucht es, um seine Leistung zu erbringen.

Schritt 12 Ergebnis

In der Klausur zeichnen Sie das Schaubild oben. Als Text sieht es so aus:

✓Oben: Wirtschaftsgüter = nutzenstiftende, knappe Güter, die auf Märkten gehandelt werden können = Waren = Individualgüter (Rivalität + physikalische Exklusivität) oder private Güter (Rivalität + rechtliche Exklusivität). Daneben: freie Güter sowie öffentliche Güter, Kollektivgüter, externe Effekte.
✓Güterbeziehungen: indifferente, komplementäre, substitutive Güter
✓Substanz von Gütern: materielle, immaterielle Güter
✓Stellung der Güter im Produktionsprozess: Inputgüter = Produktionsgüter; Outputgüter = Produkte = Produktionsgüter oder Konsumgüter
✓Häufigkeit der Nutzbarkeit der Güter: Inputgüter → Potenzialfaktoren, Repetierfaktoren; Konsumgüter → Gebrauchsgüter, Verbrauchsgüter
✓Güter in der Geldwirtschaft: Nominalgüter, Realgüter
✓Politisch bestimmte Gütermengen: meritorische, demeritorische Güter

Probe: Sechs Kriterien, jedes mit zwei bis vier Ausprägungen, dazu die beiden Verbindungslinien in Zeile 4. Fehlt eine Zeile, ist das Schaubild unvollständig.