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BWL · Probeklausur · Aufgabe 20

Marktformen messen statt zählen

Gesucht ist ein zweiter Weg, Marktformen zu unterscheiden. Das übliche Schema zählt Anbieter und Nachfrager. Robert Triffin misst stattdessen, wie stark die Kunden eines Anbieters reagieren, wenn ein anderer Anbieter seinen Preis ändert. Der Weg: erst das übliche Schema, dann Triffins Idee, dann an einem kleinen Zahlenbeispiel die Preiselastizität und die Kreuzpreiselastizität. Rechts steht der ganze Lösungsweg, links die Erklärung zum aktuellen Schritt. Mit → geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Schritt 0 Die Aufgabe

20. Nennen Sie eine alternative Möglichkeit Marktformen zu konzipieren! (03 P)

Gesucht: ein anderer Ansatz als das Schema aus Anbietern und Nachfragern. Gemeint ist der Ansatz von Robert Triffin.

Zwei Wege zu Marktformen

zählen oder messen

Schritt 1 Der übliche Weg: zählen

Frage des üblichen Schemas mögliche Antworten
Wie viele Anbieter? viele kleine · wenige mittelgroße · ein großer
Wie viele Nachfrager? viele kleine · wenige mittelgroße · ein großer
Ist der Markt vollkommen? ja · nein

Beispiel: Viele Anbieter auf einem vollkommenen Markt heißen homogenes Polypol. Viele Anbieter auf einem unvollkommenen Markt heißen heterogenes Polypol oder monopolistische Konkurrenz.

Schritt 2 Triffins Idee: messen statt zählen

Die alternative Möglichkeit
Verzicht auf die Unterscheidung von vollkommenen und unvollkommenen Märkten
entwickelt von Robert Triffin (1911–1993)
Sein Werkzeug
die Preiselastizität, in ihrer Ausprägung als Kreuzpreiselastizität

Das Werkzeug: Elastizitäten

am Beispiel zweier Bäckereien

Schritt 3 Relative Änderungen

Allgemein: Änderung geteilt durch den Ausgangswert
relative A¨nderung=neuer Wert−alter Wertalter Wert\text{relative Änderung} = \frac{\text{neuer Wert} - \text{alter Wert}}{\text{alter Wert}}
Preis von A: 4,00 € auf 4,40 €
4,40−4,004,00=0,404,00=0,10=10 %\frac{4{,}40 - 4{,}00}{4{,}00} = \frac{0{,}40}{4{,}00} = 0{,}10 = 10\,\%
Absatzmenge von A: 200 auf 170 Brote
170−200200=−30200=−0,15=−15 %\frac{170 - 200}{200} = \frac{-30}{200} = -0{,}15 = -15\,\%
Absatzmenge von B: 150 auf 162 Brote
162−150150=12150=0,08=8 %\frac{162 - 150}{150} = \frac{12}{150} = 0{,}08 = 8\,\%

Schritt 4 Die Preiselastizität

Wie stark reagiert die eigene Menge auf den eigenen Preis?
εA=relative Mengena¨nderung bei Arelative Preisa¨nderung bei A\varepsilon_A = \frac{\text{relative Mengenänderung bei A}}{\text{relative Preisänderung bei A}}
Mit den Werten aus Schritt 3
εA=−15 %10 %=−0,150,10=−1,5\varepsilon_A = \frac{-15\,\%}{10\,\%} = \frac{-0{,}15}{0{,}10} = -1{,}5

Schritt 5 Die Kreuzpreiselastizität

Wie stark reagiert die Menge von B auf den Preis von A?
Kreuzpreiselastizita¨t=relative Mengena¨nderung bei Brelative Preisa¨nderung bei A\text{Kreuzpreiselastizität} = \frac{\text{relative Mengenänderung bei B}}{\text{relative Preisänderung bei A}}
Mit den Werten aus Schritt 3
8 %10 %=0,080,10=0,8\frac{8\,\%}{10\,\%} = \frac{0{,}08}{0{,}10} = 0{,}8

Schritt 6 Der Triffinische Koeffizient

Kreuzpreiselastizität zwischen zwei Anbietern, in Zeichen
T=ΔxB / xBΔpA / pAT = \frac{\Delta x_B \,/\, x_B}{\Delta p_A \,/\, p_A}
Zeichen Bedeutung im Beispiel
Δ\Delta „Delta“, die Änderung einer Größe
xBx_B Absatzmenge von B vorher 150 Brote
ΔxB\Delta x_B Änderung der Absatzmenge von B +12 Brote
pAp_A Preis von A vorher 4,00 €
ΔpA\Delta p_A Änderung des Preises von A +0,40 €
Eingesetzt
T=12 / 1500,40 / 4,00=0,080,10=0,8T = \frac{12 \,/\, 150}{0{,}40 \,/\, 4{,}00} = \frac{0{,}08}{0{,}10} = 0{,}8

Schritt 7 Ergänzung: Marktformen nach T

Wert von T Was er bedeutet Marktform
T=0T = 0 B merkt nichts davon, wenn A den Preis ändert Monopol
TT zwischen 0 und ∞\infty B gewinnt einige Kunden von A heterogene Konkurrenz
T→∞T \to \infty schon die kleinste Preiserhöhung treibt die Kunden zu B homogene Konkurrenz

Das Beispiel mit T=0,8T = 0{,}8 liegt in der mittleren Zeile.

Schritt 8 Ergebnis

✓Alternative: Verzicht auf die Unterscheidung von vollkommenen und unvollkommenen Märkten, entwickelt von Robert Triffin (1911–1993).
✓Triffin nutzt das Konzept der Preiselastizität, in ihrer Ausprägung als Kreuzpreiselastizität, zur Beschreibung von Marktformen.
✓Die mathematische Darstellung heißt nach ihrem Erfinder „Triffinischer Koeffizient“ (T).