Konzipieren heißt entwerfen. Gefragt ist also: Wie kann man Marktformen noch einteilen,
außer mit dem üblichen Schema aus Anbietern und Nachfragern?
Nennen heißt: aufzählen, ohne lange Erklärung. Für 3 Punkte reichen drei bis vier kurze
Aussagen. Die stehen im letzten Schritt.
Damit Sie die Antwort auch verstehen, erklärt dieses Artefakt die Begriffe dahinter. Dafür
gibt es ein kleines, erfundenes Zahlenbeispiel mit zwei Bäckereien. Es steht oben im Bild.
Der Weg: 1. das übliche Schema. 2. Triffins andere Idee. 3. relative Änderungen ausrechnen. 4.
Preiselastizität. 5. Kreuzpreiselastizität. 6. der Triffinische Koeffizient. 7. Ergänzung:
welche Marktform zu welchem Wert gehört. 8. die Antwort für die Klausur.
Zahl der Anbieter · Zahl der Nachfrager · vollkommen oder nicht
Aus Aufgabe 14 („Marktformen auf vollkommenen Märkten: das 3×3-Schema“): Das
übliche Schema teilt Märkte nach der Zahl der Anbieter und der Nachfrager ein, je in drei
Stufen: viele kleine, wenige mittelgroße, ein großer. So entstehen neun Marktformen, etwa
Polypol (viele Anbieter) oder Monopol (ein Anbieter).
Aus Aufgabe 18 („Vollkommener Markt: die Bedingungen des Modells“): Ein
vollkommener Markt ist ein gedachter Idealmarkt mit fünf Bedingungen, etwa gleichartige
Güter und volle Übersicht über alle Preise. Fehlt nur eine davon, ist der Markt
unvollkommen.
Aus Aufgabe 19 („Monopolistische Konkurrenz und die zweifach geknickte
Preis-Absatz-Funktion“):
Die monopolistische Konkurrenz ist eine Marktform für unvollkommene Märkte: viele Anbieter
mit ähnlichen, aber nicht gleichen Gütern.
Das übliche Schema gilt für vollkommene Märkte. Für unvollkommene Märkte braucht
man zusätzliche Marktformen, etwa die monopolistische Konkurrenz.
Das übliche Vorgehen stellt also drei Fragen (Tabelle rechts). Die ersten zwei beantwortet
man durch Zählen. Für die dritte muss man jede Bedingung des vollkommenen Marktes
prüfen.
Im Bild ist das noch nicht zu sehen. Es zeigt schon Triffins Weg, der im nächsten Schritt
kommt.
Triffin: Verzicht auf „vollkommen/unvollkommen“, dafür Kreuzpreiselastizität
Robert Triffin (1911–1993) war ein belgisch-amerikanischer Ökonom. Er hat einen anderen
Weg entwickelt. Laut Musterlösung verzichtet er auf die Unterscheidung von
vollkommenen und unvollkommenen Märkten.
Stattdessen fragt er: Wie stark hängen die Anbieter voneinander ab? Das misst er
so: Ein Anbieter ändert seinen Preis. Wie stark ändert sich dann die Absatzmenge eines
anderen Anbieters? Absatzmenge heißt: wie viel ein Anbieter verkauft.
Im Bild: Bäckerei A erhöht den Preis. Triffin schaut nicht auf A, sondern auf B: Kommen
dort mehr Kunden an?
- Kommen viele, sind A und B enge Konkurrenten.
- Kommt keiner, hat A mit B nichts zu tun. A ist dann allein auf seinem Markt.
Das Werkzeug dafür heißt Kreuzpreiselastizität. Sie ist eine besondere Form der
Preiselastizität. Beide erklären die nächsten Schritte.
Merke: Das übliche Schema zählt Teilnehmer. Triffin misst Reaktionen.
Preis A:
+10% · Menge A:
−15% · Menge B:
+8%
Eine Elastizität vergleicht zwei Änderungen. Damit man Brote und Euro vergleichen
kann, rechnet man beide in Prozent um. Das nennt man relative Änderung: die
Änderung geteilt durch den Wert vorher.
Das Beispiel ist erfunden: Bäckerei A verkauft 200 Brote am Tag, Bäckerei B 150. A
erhöht den Preis von 4,00 € auf 4,40 €. B lässt ihren Preis gleich. Danach verkauft A nur
noch 170 Brote, B dagegen 162.
- Preis von A: 0,40:4,00=0,10, also plus 10 %.
- Menge von A: −30:200=−0,15, also minus 15 %.
- Menge von B: 12:150=0,08, also plus 8 %.
0,10 und 10 % sind dieselbe Zahl: Prozent heißt „von hundert“, und 0,10=10010.
Warum wächst B nur um 12 Brote, wenn A 30 verliert? Nicht alle Kunden von A gehen zu B.
Manche gehen zu anderen Bäckereien, manche kaufen einfach weniger Brot.
Merke: Immer durch den Wert vorher teilen. Wer durch den neuen Wert teilt,
bekommt andere Prozente.
εA=−15%:10%=−1,5
Die Preiselastizität misst, wie stark die Absatzmenge eines Anbieters auf seinen
eigenen Preis reagiert. Man schreibt sie oft mit dem griechischen Buchstaben
ε (Epsilon). Das kleine A heißt: für Bäckerei A.
Man teilt die relative Mengenänderung durch die relative Preisänderung. Beide Werte kommen
aus Schritt 3: −15%:10%=−1,5.
So liest man das Ergebnis:
- Das Minus zeigt die Richtung: Der Preis steigt, die Menge sinkt.
-
Die 1,5 zeigt die Stärke: Für jedes Prozent Preiserhöhung verliert A 1,5 % seiner
Menge. Die Menge reagiert also stärker als der Preis.
Im Bild ist Bäckerei A markiert: Die rote Säule ist kürzer als die graue.
Merke: Elastizität = relative Mengenänderung geteilt durch relative Preisänderung.
Die Preiselastizität betrachtet nur einen Anbieter.
Menge von B zu Preis von A:
8%:10%=0,8
Die Kreuzpreiselastizität rechnet genauso, aber „über Kreuz“: Die Mengenänderung
kommt von B, die Preisänderung von A. Sie misst also, wie stark B auf den
Preis von A reagiert.
Wieder mit den Werten aus Schritt 3: 8%:10%=0,8.
-
Positiv: A wird teurer, B verkauft mehr. Die Brote von A und B können sich also
gegenseitig ersetzen. A und B sind Konkurrenten.
- 0,8: Für jedes Prozent, das A teurer wird, verkauft B 0,8 % mehr.
Wichtig: B hat ihren Preis nicht geändert. Nur so sieht man die Wirkung des Preises von A
allein.
Im Bild ist jetzt Bäckerei B markiert: Die grüne Säule ist höher als die graue.
Merke: Preiselastizität: eigene Menge, eigener Preis. Kreuzpreiselastizität: Menge
des einen, Preis des anderen.
T=ΔpA/pAΔxB/xB=0,8
Genau diese Kreuzpreiselastizität zwischen zwei Anbietern benutzt Triffin, um Marktformen
zu beschreiben. Die mathematische Darstellung heißt nach ihm
Triffinischer Koeffizient, kurz T. Ein Koeffizient ist eine Kennzahl.
Rechts steht dieselbe Rechnung wie in Schritt 5, nur in Zeichen. Jedes Zeichen ist in der
Tabelle erklärt. Oben im Bruch steht: Änderung der Menge von B geteilt durch die Menge von
B vorher. Das ist die relative Mengenänderung bei B. Unten steht dasselbe für den Preis
von A.
Eingesetzt: oben 12:150=0,08, unten 0,40:4,00=0,10. Zusammen 0,08:0,10=0,8. Das ist derselbe Wert wie in Schritt 5.
Schreibweise: Die Musterlösung schreibt „Triffinischer Koeffizient“. In Lehrbüchern
steht meist „Triffinscher Koeffizient“. Gemeint ist dasselbe.
T=0 Monopol · dazwischen heterogene Konkurrenz ·
T→∞ homogene
Konkurrenz
Dieser Schritt geht über die Musterlösung hinaus. Er zeigt, wie man mit T tatsächlich
Marktformen unterscheidet. Das Zeichen ∞ heißt „unendlich“.
-
T=0: B merkt überhaupt nichts, wenn A den Preis ändert. Die Kunden von A
können zu keinem Konkurrenten wechseln. Das ist ein Monopol.
-
T sehr groß, gegen unendlich: Schon die kleinste Preiserhöhung von A treibt die
Kunden zu B. Das passiert nur, wenn die Güter völlig gleich sind. Das heißt
homogene Konkurrenz. Dazu gehört zum Beispiel das Polypol auf dem vollkommenen
Markt.
-
T dazwischen: B gewinnt einige Kunden, aber nicht alle. Die Güter sind ähnlich,
aber nicht gleich. Das heißt heterogene Konkurrenz. Dazu gehört zum Beispiel die
monopolistische Konkurrenz aus Aufgabe 19.
Ob es viele oder wenige Anbieter sind, sagt T allein nicht. Auch Oligopole können
homogen oder heterogen sein. Dafür nutzt Triffin eine zweite Kennzahl.
Unser Beispiel mit T=0,8 gehört in die Mitte. Das passt: Brot von zwei Bäckereien
ist ähnlich, aber nicht gleich.
Im Bild zeigt die Skala unten diese drei Bereiche. Sie ist nicht maßstäblich. Sie zeigt
nur die Reihenfolge.
Merke: Hier sieht man, warum Triffin „vollkommen“ und „unvollkommen“ nicht braucht.
Wie gleichartig die Güter sind, steckt schon in der Zahl
T.
Triffin · Kreuzpreiselastizität · Triffinischer Koeffizient
T
Rechts steht die Antwort so, wie sie in der Klausur stehen sollte: vier kurze Aussagen mit
den Begriffen der Musterlösung.
Zusammengefasst:
-
Das übliche Schema zählt Anbieter und Nachfrager und unterscheidet vollkommene und
unvollkommene Märkte.
-
Triffin verzichtet auf diese Unterscheidung. Er misst, wie stark die Menge eines Anbieters
auf den Preis eines anderen reagiert.
- Das Maß dafür ist die Kreuzpreiselastizität, der Triffinische Koeffizient T.
Merkhilfe: „Triffin trifft den Nachbarn“: A ändert den Preis, gemessen wird beim
Nachbarn B.
Typische Fehler: Die Preiselastizität mit der Kreuzpreiselastizität verwechseln: Bei
Triffin kommen Preis und Menge von verschiedenen Anbietern. Den Namen Triffin
vergessen: Er ist ausdrücklich Teil der Musterlösung. Zu lange erklären: Der Operator
„nennen“ verlangt nur kurze Aussagen.