Die Aufgabe fragt dreimal nach demselben Betrag, nur aus verschiedenen Blickwinkeln. Dieser
Betrag ist das Reinvermögen: das, was einem Unternehmen wirklich gehört, wenn man alle
Schulden abzieht.
Was die drei Fragen verlangen:
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a) „Wie wird … ermittelt?“ (3 Punkte): den Rechenweg angeben. Gefragt ist das Schema
aus drei Zeilen, keine Zahl.
-
b) „Auf welche Position …?“ (1 Punkt): eine Zeile der Bilanz nennen, ein Wort genügt.
-
c) „Nennen Sie …“ (1 Punkt): den Namen eines Kontos aufschreiben, ohne Erklärung.
Laut Deckblatt der Klausur entspricht ein Punkt etwa einer Minute. Für die ganze Aufgabe sind
also rund 5 Minuten vorgesehen.
Die Aufgabe enthält keine Zahlen. Damit die Begriffe greifbar werden, rechnen wir mit einem
ausgedachten Beispiel: einem kleinen Fahrradladen. In der Klausur gehören diese Zahlen
nicht in die Antwort.
Der Weg: 1. klären, woher der Begriff stammt. 2. Vermögen und Schulden des Ladens
zusammenzählen. 3. das Reinvermögen ausrechnen (Teil a). 4. es in der Bilanz wiederfinden
(Teil b). 5. sehen, über welches Konto sich das Eigenkapital im Jahr ändert (Teil c).
Inventur → Inventar → Bilanz
Jeder Kaufmann, also jeder, der ein Handelsgewerbe betreibt, muss bei der Gründung
und danach einmal im Jahr genau feststellen, was er hat und was er schuldet. So steht es
im Handelsgesetzbuch (§ 240 HGB). Das geschieht in zwei Stufen:
-
Die Inventur ist die Tätigkeit: Man zählt, misst und wiegt alles und bewertet es
in Euro. Im Fahrradladen zählt man zum Beispiel jedes Fahrrad im Verkaufsraum.
-
Das Inventar ist das Ergebnis: eine ausführliche Liste in drei Teilen. A. das
Vermögen, B. die Schulden, C. die Ermittlung des Reinvermögens.
Das Wort „Reinvermögen“ stammt also aus Teil C des Inventars. Deshalb fragt Teil a der
Aufgabe, wie es dort ermittelt wird.
Aus dem Inventar entsteht danach die Bilanz, eine kurze Übersicht. Um sie geht es
in Teil b.
Merke: Inventur = zählen. Inventar = Liste. Bilanz = kurze Übersicht in zwei
Spalten.
25.000 + 35.000 + 10.000 = 70.000 €
Das Vermögen ist alles, was dem Unternehmen gehört und einen Geldwert hat:
Gegenstände, Waren, Geld. Zählt man alle Posten zusammen, erhält man das
Gesamtvermögen.
Im Beispiel besitzt der Laden:
- die Geschäftsausstattung: Regale, Werkzeug, Kasse, zusammen 25.000 €,
- Waren, also Fahrräder und Ersatzteile zum Verkauf, 35.000 €,
- ein Bankguthaben von 10.000 €.
Zusammen: 25.000+35.000+10.000=70.000 €.
Im Bild ist das die linke Säule. Ihre Höhe steht für 70.000 €.
30.000 + 10.000 = 40.000 €
Schulden sind Beträge, die das Unternehmen anderen noch zahlen muss. Wer Geld zu
bekommen hat, heißt Gläubiger.
Im Beispiel hat der Laden zwei Gläubiger:
- die Bank, die ihm ein Darlehen (einen Kredit) über 30.000 € gegeben hat,
-
Lieferanten, deren Rechnungen über 10.000 € noch nicht bezahlt sind. Das sind
Lieferantenschulden. Ihr Fachname in der Buchführung ist „Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen“.
Zusammen: 30.000+10.000=40.000 €.
Wichtig: Die Fahrräder im Laden gehören zum Vermögen, auch wenn ein Teil davon noch nicht
bezahlt ist. Die offene Rechnung steht getrennt bei den Schulden.
Im Bild sind die Schulden der untere Teil der rechten Säule, mit der Klammer markiert.
70.000 ./. 40.000 = 30.000 € Reinvermögen
Jetzt ziehen wir die Schulden vom Gesamtvermögen ab. Was übrig bleibt, ist das
Reinvermögen.
Warum „rein“? Gemeint ist: was nach Abzug aller Schulden übrig bleibt. Ein Beispiel aus
dem Alltag: Ihr Auto ist 10.000 € wert, Sie zahlen aber noch einen Kredit von 4.000 € ab.
Rein gehören Ihnen dann 6.000 €.
Das Zeichen ./. ist die kaufmännische Schreibweise für „minus“. Man liest es
„abzüglich“.
Im Beispiel: 70.000−40.000=30.000 €. Würde der Laden alles verkaufen und alle
Schulden bezahlen, blieben dem Eigentümer 30.000 €.
Im Bild sind beide Säulen gleich hoch. Rechts nehmen die Schulden 40.000 € der Höhe ein,
der Rest oben ist das Reinvermögen.
Antwort zu a): Gesamtvermögen ./. Schulden = Reinvermögen. Für 3 Punkte das Schema
in drei Zeilen hinschreiben, genau wie rechts.
Ergänzung: Sind die Schulden größer als das Vermögen, wird das Reinvermögen
negativ. Das Unternehmen ist dann überschuldet.
Aktiva 70.000 € = Passiva 70.000 €
Teil b fragt nach der Bilanz. Sie ist eine kurze Übersicht mit zwei Seiten. Sie
zeigt denselben Stand wie das Inventar, nur zusammengefasst.
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Links stehen die Aktiva: das Vermögen, also wofür das Geld verwendet ist. Hier
70.000 €.
-
Rechts stehen die Passiva: woher das Geld stammt. Entweder von den Eigentümern,
das ist das Eigenkapital. Oder von Gläubigern, das ist das Fremdkapital.
„Fremdkapital“ ist der Name, den die Schulden in der Bilanz tragen.
Beide Seiten haben immer dieselbe Summe, hier 70.000 €. Jeder Euro Vermögen stammt
entweder von den Eigentümern oder von Gläubigern. Es gibt keine dritte Quelle.
Im Bild ist die linke Säule jetzt mit „Aktiva“ überschrieben, die rechte mit „Passiva“.
Beide sind gleich hoch, weil beide Seiten dieselbe Summe haben.
Reinvermögen 30.000 € = Eigenkapital 30.000 €
Auf der Passivseite stehen 40.000 € Fremdkapital. Damit beide Seiten 70.000 € ergeben,
muss das Eigenkapital 70.000−40.000=30.000 € betragen.
Das ist genau der Betrag aus Teil a. Das Reinvermögen aus dem Inventar wird in der Bilanz
als Eigenkapital übernommen.
Warum heißt es dort anders? Das Inventar fragt: Was bleibt übrig? Die Antwort heißt
Reinvermögen. Die Bilanz fragt: Woher stammt das Geld? Die Antwort heißt Eigenkapital,
also Geld der Eigentümer. Es ist derselbe Betrag, nur von der anderen Seite betrachtet.
Rechts sehen Sie: Stellt man die Bilanz-Gleichung nach dem Eigenkapital um, steht dieselbe
Rechnung da wie in Teil a. Der senkrechte Strich hinter der ersten Zeile sagt, was auf
beiden Seiten der Gleichung gemacht wird: Wir ziehen das Fremdkapital ab.
Antwort zu b): Eigenkapital. Es steht auf der Passivseite, also rechts.
Mehr dazu in Aufgabe 28 („Buchführung: vom Anfangsbestand zur Schlussbilanz“): Dort
steht zu Beginn eine Bilanz mit 646.000 € Vermögen und 116.000 € Schulden. Das
Eigenkapital ist 646.000 − 116.000 = 530.000 €. Die Regel ist dieselbe: Eigenkapital =
Vermögen − Schulden.
Aufwand mindert, Ertrag mehrt das Eigenkapital
Die Bilanz zeigt den Stand an einem Tag. Im Lauf des Jahres ändert sich das Eigenkapital
aber ständig. Zwei Arten von Vorfällen sind dafür verantwortlich:
-
Aufwand (Mehrzahl: Aufwendungen) ist der Wert von allem, was im Jahr verbraucht
wird: Geld für Miete und Löhne, aber auch die Ware, die verkauft wurde. Aufwand
mindert das Eigenkapital.
-
Ertrag (Mehrzahl: Erträge) ist ein Zuwachs, zum Beispiel der Erlös aus einem
Fahrradverkauf. Ertrag mehrt das Eigenkapital.
Man könnte jeden dieser Vorfälle direkt auf das Eigenkapital buchen. Dann stünden dort am
Jahresende Hunderte Einträge durcheinander. Niemand sähe mehr, woher Gewinn oder Verlust
kommen.
Deshalb bekommt jede Art von Aufwand und Ertrag ein eigenes Konto. Ein Konto ist
dabei eine Tabelle mit zwei Seiten, in der man alle Änderungen eines Postens sammelt.
Diese Konten heißen Unterkonten des Eigenkapitals: Sie gehören inhaltlich zum
Eigenkapital, werden aber für das Jahr getrennt geführt. Am Jahresende sammelt ein eigenes
Konto sie alle ein (Schritt 8).
Mehr dazu in Aufgabe 28 („Buchführung: vom Anfangsbestand zur Schlussbilanz“): Dort
heißen diese Konten „Erfolgskonten“ und werden an sechs Geschäftsvorfällen Schritt für
Schritt gebucht.
20.000 − 15.000 = 5.000 € Gewinn → Eigenkapital
Am Jahresende werden alle Aufwands- und Ertragskonten in einem einzigen Konto
zusammengeführt: dem Gewinn- und Verlustkonto, kurz GuV-Konto. (In Aufgabe
28 ist es mit „G+V“ abgekürzt.)
Auch das GuV-Konto ist ein Unterkonto des Eigenkapitals. Es sammelt am Jahresende alle
Aufwands- und Ertragskonten und gibt nur noch einen Betrag weiter. Deshalb nennt die
Musterlösung bei c) das GuV-Konto.
Das Konto hat zwei Seiten, wie ein großes T. Die linke Seite heißt Soll, die rechte
Haben. Das Eigenkapital steht in der Bilanz rechts. Was es mindert (Aufwand), steht
deshalb links im Soll. Was es mehrt (Ertrag), steht rechts im Haben. Aufgabe 28 erklärt
diese Regel ausführlich.
Beispiel (ausgedacht): Der Fahrradladen hat im Jahr 20.000 € Erträge aus Verkäufen und
15.000 € Aufwendungen für Miete, Löhne und verkaufte Ware.
Der Unterschied der beiden Seiten heißt Saldo: 20.000−15.000=5.000 €. Die
Erträge sind größer, also ist es ein Gewinn. Er steht auf der kleineren Seite
(links), damit beide Seiten gleich groß werden.
Der Gewinn gehört den Eigentümern. Er wird deshalb ins Eigenkapital gebucht: 30.000+5.000=35.000 €. Wären die Aufwendungen größer gewesen, hätte ein Verlust das
Eigenkapital gemindert.
Aus Aufgabe 12 („Fünf Gewinnarten: Gewinn ist nicht gleich Gewinn“): Ertrag minus
Aufwand heißt dort pagatorischer Gewinn. Der Saldo des GuV-Kontos ist genau dieser Gewinn.
Probe mit Teil a: Wir nehmen an, die Schulden bleiben gleich und der Gewinn liegt
als Geld auf der Bank. Dann ist das Vermögen um 5.000 € auf 75.000 € gewachsen. 75.000−40.000=35.000 €. Beide Wege ergeben dasselbe Eigenkapital.
Im Bild wandert der Saldo aus dem GuV-Konto als neuer Streifen oben auf das Eigenkapital.
Auch die linke Säule wächst um 5.000 €. Beide Säulen sind jetzt 75.000 € hoch.
Antwort zu c): Gewinn- und Verlustkonto.
Reinvermögen · Eigenkapital · GuV-Konto
So sieht die Antwort in der Klausur aus:
- Gesamtvermögen
./. Schulden
= Reinvermögen (= Eigenkapital)
- Eigenkapital
- Gewinn- und Verlustkonto
Zusammengefasst: Das Inventar rechnet Vermögen minus Schulden und nennt den Rest
Reinvermögen. Die Bilanz übernimmt ihn als Eigenkapital. Im Lauf des Jahres ändert sich das
Eigenkapital über Aufwand und Ertrag. Beides sammelt das GuV-Konto, dessen Saldo am
Jahresende ins Eigenkapital geht.
Merkhilfe: Inventar sagt „Reinvermögen“, Bilanz sagt „Eigenkapital“, GuV-Konto sagt,
warum es sich geändert hat.
Typische Fehler:
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Gesamtvermögen und Reinvermögen verwechseln. Das Gesamtvermögen enthält auch alles, was
mit Schulden bezahlt ist.
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Das Eigenkapital auf die Aktivseite schreiben. Es steht rechts bei den Passiva, denn es
beschreibt, woher das Geld stammt.
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Eigenkapital für Geld auf dem Konto halten. Es ist ein Rechenbetrag. Im Beispiel liegen
nur 10.000 € auf der Bank, das Eigenkapital ist aber 30.000 €.
Ergänzung: Genau genommen hat das Eigenkapital mehrere Unterkonten: jedes Aufwands-
und Ertragskonto, und bei Einzelunternehmen auch das Privatkonto für Entnahmen und Einlagen
des Inhabers. Das GuV-Konto fasst die Aufwands- und Ertragskonten zusammen. Die Musterlösung
erwartet hier das GuV-Konto.