Die Aufgabe verlangt eine Zeichnung. „Grafisch darstellen“ heißt: ein Schaubild
zeichnen, in dem jeder Kasten und jeder Pfeil beschriftet ist. Wo Pfeile verschiedene Dinge
bedeuten, gehört eine Legende dazu, also eine kleine Erklärung der Linienarten.
„Abstrahiert“ heißt vereinfacht: Das Bild zeigt nicht einen bestimmten Betrieb, sondern
nur das, was alle Unternehmen gemeinsam haben.
Bardmann ist der Autor eines Lehrbuchs zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre. Von
ihm stammt dieses Modell. Die Grafik zeigt es so, wie die Musterlösung es zeichnet.
Für 10 Punkte sind laut Deckblatt der Klausur etwa 10 Minuten vorgesehen. Das reicht, wenn man
das Bild auswendig kennt und weiß, warum jeder Pfeil so gerichtet ist. Genau das ist das Ziel
dieses Lösungswegs.
Der Weg: 1. klären, was ein Modell ist. 2. die drei Bereiche im Inneren kennenlernen. 3. die
drei Arten von Strömen unterscheiden. 4. die fünf Partner ringsum einzeln durchgehen. 5. alles
als Klausurantwort zusammenfassen.
Als durchgehendes Beispiel dient eine Bäckerei mit eigener Backstube. Das Beispiel ist
ausgedacht und gehört nicht in die Klausurantwort.
Kasten innen · Partner außen · Ströme dazwischen
Ein echtes Unternehmen ist unübersichtlich: viele Menschen, Maschinen, Kunden, Rechnungen.
Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild. Es lässt Einzelheiten weg, damit man das
Wesentliche sieht.
Bardmanns Modell beantwortet drei Fragen:
-
Aus welchen Bereichen besteht ein Unternehmen innen? Das ist der Kasten in der Mitte.
-
Mit wem hat es außen zu tun? Das sind die fünf grauen Kästen ringsum. Alles außerhalb
des Unternehmens nennt man seine Umwelt.
- Was fließt zwischen innen und außen? Das sind die Pfeile.
Merke: Das Bild hat drei Zutaten: 3 Bereiche innen (sie heißen Sphären), 5 Partner
außen, 3 Stromarten. Wer diese Zahlen im Kopf hat, vergisst in der Klausur keinen Teil.
Realgüter = Sachgüter und Dienste
Eine Sphäre ist hier ein Bereich des Unternehmens. Wir beginnen unten, beim
Bereich, den man anfassen kann.
Realgüter sind alle Güter, die weder Geld noch Ansprüche auf Geld sind. Dazu
gehören Sachgüter, also Dinge wie Mehl, ein Backofen oder ein Brötchen. Dazu
gehören Dienste (Dienstleistungen), also Tätigkeiten wie die Arbeit der Bäcker oder
ein Lieferdienst. Und dazu gehören Rechte wie ein Patent. Das Wort „real“ kommt vom
lateinischen „res“, die Sache.
Aus Aufgabe 17 („Wirtschaftsgüter systematisieren: das Schaubild“): Nominalgüter
sind Geld und Ansprüche auf Geld. Realgüter sind alle übrigen Güter: Sachen,
Dienstleistungen und Rechte, die nicht auf Geld lauten.
In der Realgütersphäre geschieht die eigentliche Arbeit: Die Bäckerei kauft Mehl
ein, backt daraus Brötchen und verkauft sie.
Im Bild ist das die untere Schicht des Kastens. Hervorgehoben sind alle Pfeile für Güter
und Dienste. Sie beginnen oder enden alle an dieser Schicht.
Nominalgüter = Geld und Ansprüche auf Geld
Nominalgüter sind Geld und Ansprüche auf Geld. Ein Anspruch auf Geld ist zum
Beispiel eine offene Rechnung: Ein Café hat Brötchen bekommen und zahlt erst Ende des
Monats. Auch ein Kredit ist ein Nominalgut: Die Bank hat den Anspruch, dass die Bäckerei
ihn zurückzahlt.
Das Wort „nominal“ kommt vom lateinischen „nomen“, der Name. Gemeint ist: Der Wert steht
als Betrag darauf. Ein 10-€-Schein ist 10 € wert, weil „10 Euro“ darauf steht, nicht wegen
des Papiers.
In der Nominalgütersphäre geht es um alles, was mit Zahlungen zu tun hat: Geld
einnehmen, Geld ausgeben, Geld leihen und zurückzahlen.
Real- und Nominalgüter bewegen sich meist gegenläufig. Gibt die Bäckerei Brötchen hinaus,
kommt Geld herein. Kommt Mehl herein, geht Geld hinaus.
Im Bild ist das die mittlere Schicht. Hervorgehoben sind alle Geldpfeile. Sie beginnen
oder enden alle an dieser Schicht.
die Leitung: steuern, regeln, strukturieren
Die obere Schicht ist die Leitung des Unternehmens. Sie arbeitet weder mit Mehl noch mit
Geld, sondern mit Informationen und Entscheidungen. Ihr langer Name zählt die drei
Tätigkeiten auf:
- Steuern: Ziele und Pläne vorgeben. „Morgen backen wir 800 Brötchen.“
-
Regeln: nachsehen, ob der Plan aufgegangen ist, und nachbessern. Abends sind 60
Brötchen übrig, also backt man morgen weniger.
-
Strukturieren: festlegen, wie das Unternehmen aufgebaut ist und wie die Abläufe
sind. Wer backt, wer verkauft, wann beginnt die Frühschicht?
Im Bild führen innen gepunktete Pfeile in beide Richtungen: von der Leitung nach unten
laufen Anweisungen, von unten nach oben Rückmeldungen, zum Beispiel die Zahl der übrigen
Brötchen.
Merke: Von oben nach unten: Leitung, Geld, Realgüter. Zwischen den beiden unteren
Schichten steht im Bild kein Pfeil. Beide sind über die Leitung verbunden.
Geld ↔ Nominal · Güter ↔ Real · Mitteilungen ↔ Steuerung
Zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt fließen drei Arten von Strömen. Jede Art hat
eine eigene Linie:
-
Geld: durchgezogene Linie. Sie beginnt oder endet immer an der
Nominalgütersphäre.
-
Güter und Dienste: gestrichelte Linie. Sie beginnt oder endet immer an der
Realgütersphäre.
-
Irritationen und Mitteilungen: gepunktete Linie. Sie beginnt oder endet immer an
der Steuerungssphäre, weil dort entschieden wird.
Eine Mitteilung ist eine Information, zum Beispiel eine Bestellung oder ein Brief
vom Finanzamt. Eine Irritation ist ein Anstoß von außen, der das Unternehmen stört
oder zum Nachdenken zwingt. Beispiel: Die Bäckerei nebenan senkt ihre Brötchenpreise. Das
schreibt der Bäckerei nichts vor. Sie entscheidet selbst, ob sie auch billiger wird,
bessere Brötchen backt oder nichts ändert. Der Begriff stammt aus der Systemtheorie. Sie
betont, dass die Umwelt ein Unternehmen nur anstoßen, aber nicht direkt lenken kann.
Farben: In der Musterlösung ist Geld rot, Güter und Dienste sind blau, Irritationen
grün. Hier sind die Güterströme dunkel gezeichnet. Die Linienart unterscheidet sie
ohnehin.
Für die Klausur: Auf dem Deckblatt steht „Bitte nutzen Sie keinen Rotstift.“
Unterscheiden Sie die Ströme deshalb über die Linienart und zeichnen Sie eine Legende
dazu. Farbe allein reicht nicht. Zeichnen Sie mit Kugelschreiber, nicht mit Bleistift:
Bleistift wird laut Deckblatt nicht gewertet.
Güter herein, Geld hinaus
Ein Markt ist jeder Ort, an dem sich Anbieter und Nachfrager treffen. Auf den
Beschaffungsmärkten kauft das Unternehmen ein, was es braucht. Die Mehrzahl steht
da, weil es viele solche Märkte gibt: für Rohstoffe, für Maschinen, für Energie und auch
für Arbeitskräfte.
Die Pfeile im Bild, links:
-
Güter und Dienste kommen herein, in die Realgütersphäre. Die Mühle liefert Mehl,
eine neue Verkäuferin bringt ihre Arbeitskraft.
-
Geld geht hinaus, aus der Nominalgütersphäre. Die Bäckerei bezahlt die Mühle und
zahlt Lohn.
-
Irritationen und Mitteilungen laufen in beide Richtungen. Die Mühle kündigt eine
Preiserhöhung an. Die Bäckerei schickt eine Bestellung.
Merke: Güter und Geld laufen gegeneinander. Was hereinkommt, wird bezahlt.
Güter hinaus, Geld herein
Auf den Absatzmärkten verkauft das Unternehmen, was es hergestellt hat. „Absatz“
ist das Fachwort für Verkauf.
Die Pfeile rechts sind das Spiegelbild der Beschaffung:
-
Güter und Dienste gehen hinaus, aus der Realgütersphäre. Brötchen und Kuchen
gehen an die Kunden.
- Geld kommt herein, in die Nominalgütersphäre. Die Kunden bezahlen.
-
Irritationen und Mitteilungen laufen in beide Richtungen. Hinaus gehen Werbung
und Sonderangebote. Herein kommen Kundenwünsche, Beschwerden und die Preise der
Konkurrenz.
Beschaffung und Absatz zusammen bilden einen Kreislauf: Geld aus dem Verkauf bezahlt den
nächsten Einkauf.
nur Geld, in beide Richtungen
Auf den Geld- und Kapitalmärkten leiht man sich Geld oder legt es an. Die
wichtigsten Partner dort sind Banken. Grob gesagt geht es auf dem Geldmarkt um kurze
Fristen, auf dem Kapitalmarkt um lange.
Die Pfeile unten:
-
Geld fließt in beide Richtungen. Herein kommt ein Kredit, zum Beispiel für einen
neuen Ofen. Hinaus gehen Zinsen und die Tilgung, also die Rückzahlung des
Kredits.
-
Güter und Dienste fließen hier nicht. Das ist die Besonderheit dieses Partners:
Es wird nur Geld getauscht, Geld heute gegen Geld später.
-
Irritationen und Mitteilungen laufen in beide Richtungen: der Kreditantrag der
Bäckerei, das Zinsangebot oder die Absage der Bank.
Im Bild verlaufen die beiden Geldpfeile links und rechts um die Realgütersphäre herum.
Beide beginnen oder enden an der Nominalgütersphäre.
Steuern hinaus, Subventionen herein
Der Staat ist kein Markt. Er setzt Regeln und nimmt Geld ein, ohne dass es eine
direkte Gegenleistung gibt.
Die Pfeile oben links:
- Steuern (Geld) gehen hinaus, von der Nominalgütersphäre zum Staat.
-
Subventionen (Geld) kommen herein. Eine Subvention ist ein Zuschuss des Staates,
den man nicht zurückzahlen muss. Beispiel: ein Zuschuss für einen Ofen, der weniger
Strom verbraucht.
-
Güter und Dienste kommen vom Staat in die Realgütersphäre. Die Bäckerei nutzt
Straßen für ihre Lieferungen, ihre Azubis lernen in der Berufsschule.
-
Irritationen und Mitteilungen laufen in beide Richtungen. Der Staat erlässt eine
neue Hygienevorschrift. Die Bäckerei reicht ihre Steuererklärung ein.
Merke: Beim Staat gibt es zwei Geldpfeile in entgegengesetzter Richtung.
Beschriftet werden sie mit „Steuern“ und „Subventionen“.
Beiträge hinaus, Verhandlungsergebnisse
Ein Verband ist ein Zusammenschluss von Unternehmen oder Personen mit gemeinsamen
Interessen. Beispiele sind Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften. Im Handwerk gibt es
Innungen, das sind Zusammenschlüsse der Betriebe eines Handwerks. Die Bäckerei ist
zum Beispiel Mitglied der Bäckerinnung.
Die Pfeile oben rechts:
- Beiträge (Geld) gehen hinaus. Das ist der Mitgliedsbeitrag.
-
Güter und Dienste kommen herein, vor allem Dienste: Beratung in Rechtsfragen,
Schulungen.
-
Verhandlungsergebnisse laufen in beide Richtungen. Das ist die Beschriftung der
gepunkteten Pfeile bei den Verbänden. Beispiel: Ein Arbeitgeberverband handelt mit einer
Gewerkschaft einen Tarifvertrag aus, also eine Vereinbarung über Löhne und
Arbeitszeiten. Das Ergebnis gilt dann für die Mitglieder. In die andere Richtung gibt
die Bäckerei ihre Wünsche an den Verband weiter.
3 Sphären · 5 Partner · 3 Stromarten
Die Antwort in der Klausur ist das Schaubild oben. So zeichnet man es in etwa 10 Minuten:
-
Einen großen Kasten zeichnen und in drei Schichten teilen. Von oben nach unten:
Steuerungs-, Regelungs- und Strukturierungssphäre, Nominalgütersphäre, Realgütersphäre.
-
Die fünf Partner ringsum: Staat und Verbände oben, Beschaffungsmärkte links, Absatzmärkte
rechts, Geld- und Kapitalmärkte unten.
-
Innen vier gepunktete Pfeile: von der Leitung hinunter zur Nominal- und zur
Realgütersphäre, und von beiden wieder hinauf zur Leitung. Zwischen Nominal- und
Realgütersphäre kein Pfeil.
- Je Partner die Pfeile nach der Tabelle rechts, mit Pfeilspitze.
-
Die Pfeile beschriften: „Geld“, „Güter u. Dienste“, „Irritationen / Mitteilungen“, wie in
der Musterlösung. Dazu die vier besonderen Wörter: Subventionen, Steuern, Beiträge,
Verhandlungsergebnisse.
-
Die Legende: welche Linie Geld, welche Güter und Dienste, welche Irritationen und
Mitteilungen bedeutet.
Merkhilfe: Jede Stromart hat ihre Schicht: Geldpfeile beginnen oder enden an der
Nominalgütersphäre, Güterpfeile an der Realgütersphäre, Mitteilungspfeile an der Leitung.
Die Richtung ergibt sich aus der Frage: Wer gibt hier wem etwas?
Typische Fehler:
-
Pfeilrichtung vertauscht, etwa Geld von den Beschaffungsmärkten herein. Wer einkauft,
zahlt.
- Beim Staat nur die Steuern zeichnen und die Subventionen vergessen.
- Geldpfeile an der Realgütersphäre beginnen oder enden lassen.
- Nur mit Farben arbeiten und keine Legende zeichnen.
- Bei den Geld- und Kapitalmärkten einen Güterpfeil zeichnen. Dort fließt nur Geld.