Eine Möbelhauskette will eine neue Filiale eröffnen. Drei Städte stehen zur Wahl: Trier,
Koblenz und Neustadt an der Weinstraße (kurz: Neustadt a. d. W.).
Das Management beurteilt die Städte nach vier Kriterien. Ein Kriterium ist ein
Gesichtspunkt, nach dem man vergleicht, hier zum Beispiel die Miete. Jedes Kriterium hat ein
Gewicht. Das Gewicht sagt, wie wichtig das Kriterium für die Entscheidung ist.
Gefragt ist:
-
a) der gewichtete Teilnutzen jedes Standorts in jedem Kriterium. Das ist der
Beitrag eines Kriteriums zur Gesamtbewertung. Wie man ihn rechnet, zeigt Schritt 7.
- b) eine Empfehlung mit Begründung.
Das Werkzeug heißt Nutzwertanalyse. Sie hat vier Arbeitsschritte:
- Jede Angabe in Punkte von 0 bis 10 übersetzen.
- Jede Punktzahl mit dem Gewicht malnehmen. Das ergibt den gewichteten Teilnutzen.
- Je Standort alle Teilnutzen addieren. Das ergibt den Nutzwert.
- Der Standort mit dem größten Nutzwert wird empfohlen.
Für die Klausur reichen die Schritte 1 bis 11 und das Ergebnis. Die Schritte 12 bis 15 zeigen
zusätzlich, wie sicher die Empfehlung ist.
drei Standorte · vier Kriterien · drei Einheiten
Die Angaben stehen im Aufgabentext verstreut in ganzen Sätzen. Wir ziehen sie zuerst in
eine Tabelle: eine Zeile je Standort, eine Spalte je Kriterium.
Dabei auf die Formulierung achten:
-
„Das Einzugsgebiet wird ebenso wie die Kaufkraft als sehr gut eingeschätzt“
heißt: beide sind sehr gut. Das gilt für Trier. Bei Koblenz sind entsprechend
beide gut.
-
Bei Neustadt steht „allerdings“. Dort sind die beiden verschieden: Einzugsgebiet
gut, Kaufkraft nur befriedigend.
Zwei Begriffe: Die Kaufkraft ist das Geld, das die Menschen in der Region zum
Ausgeben haben. Das Einzugsgebiet ist die Umgebung, aus der Kunden zum Möbelhaus
kommen.
Das Problem: Die Tabelle enthält Euro, Worturteile und Kilometer. Diese Größen kann
man nicht addieren. Außerdem ist kein Standort überall vorn: Neustadt hat die niedrigste
Miete, Trier liegt am nächsten an der Autobahn. Deshalb braucht es ein Verfahren, das
alles auf einen gemeinsamen Maßstab bringt.
0,20+0,15+0,15+0,50=1,00
Das Management hat die Gewichte festgelegt. Sie sind vorgegeben, wir rechnen sie nicht
aus. Wir prüfen aber zwei Dinge.
Erstens: Ergeben die Gewichte zusammen 100 %? 20+15+15+50=100. Ja. Das
muss so sein, denn jedes Kriterium bekommt einen Anteil an der ganzen Entscheidung.
Zusammen sind das 100 %.
Zweitens: die Gewichte als Dezimalzahl. Später rechnen wir mit ihnen. Dafür
schreibt man Prozent als Dezimalzahl: Prozent heißt „von hundert“, also durch 100 teilen.
20%=20:100=0,20. Ebenso 15%=0,15 und 50%=0,50.
Die Spalte „Sicht“ zeigt, woher die Kriterien kommen. Die Aufgabe verlangt einen guten
Standort für die Kunden und für die Beschaffung. Beschaffung heißt: Ware
anliefern lassen. Dafür zählt die Nähe zur Autobahn. Die Miete ist eine Kostenfrage.
Kurzformen: Im Folgenden steht „Miete“ für Mietkosten und „Autobahn“ für
Autobahnanschluss. Kaufkraft und Einzugsgebiet behalten ihren Namen.
Im Bild: Das Band oben teilt sich nach den Gewichten auf. Der Autobahnanschluss
belegt allein die Hälfte. Die Kundensicht (Kaufkraft und Einzugsgebiet) hat zusammen nur
30 %.
1.600 € → 4 · 1.800 € → 2 · 1.200 € → 8
Warum Punkte? Euro und Kilometer lassen sich nicht addieren. Deshalb übersetzt man
jede Angabe in Punkte auf derselben Skala von 0 bis 10. 0 ist das Schlechteste, 10 das
Beste. Danach sind alle Kriterien in derselben Einheit.
Die Aufgabe gibt die Übersetzung als Tabelle vor. Wir suchen die Miete jedes Standorts in
der linken Spalte und lesen rechts die Punkte ab.
Wichtig: Die Skala läuft umgekehrt. Eine niedrige Miete ist gut für das
Unternehmen. Deshalb gibt es für wenig Miete viele Punkte: 1.000 € bringen 10 Punkte,
2.000 € bringen 0 Punkte.
Zur Kontrolle lässt sich die Tabelle als Formel schreiben. Von Stufe zu Stufe sinkt die
Miete um 200 € und die Punktzahl steigt um 2. Das ist 1 Punkt je 100 € unter 2.000 €. Die
Formel liefert dieselben Punkte wie die Tabelle.
Typischer Fehler: Punkte in derselben Richtung vergeben wie die Euro-Beträge. Dann
bekäme die teuerste Miete die meisten Punkte.
20 km → 8 · 40 km → 6 · 60 km → 4
Gleiches Vorgehen: Entfernung jedes Standorts in der Tabelle suchen, Punkte ablesen.
Auch hier läuft die Skala umgekehrt. Eine kurze Entfernung zur Autobahn ist gut, denn die
Lastwagen mit der Ware kommen schneller an. Deshalb bringen 100 km 0 Punkte und 20 km
schon 8 Punkte.
Formel zur Kontrolle: Je 20 km näher gibt es 2 Punkte mehr, also 1 Punkt je 10 km unter
100 km.
Zur letzten Zeile: In der Aufgabe steht „Ab 10 km = 10“. Wörtlich gelesen hieße
das: 10 km und mehr geben 10 Punkte. Dann bekämen auch 20, 40 und 60 km zehn
Punkte. Das widerspricht den Zeilen darüber. Gemeint ist: 10 km und weniger geben
10 Punkte. Für diese Aufgabe spielt das keine Rolle, denn alle drei Standorte liegen
weiter weg. Die Formel gilt deshalb nur für die Stufen von 20 bis 100 km.
befriedigend = 6 · gut = 8 · sehr gut = 9
Kaufkraft und Einzugsgebiet sind nicht gemessen, sondern mit Worten beurteilt. Die Aufgabe
gibt dafür eine eigene Skala vor, die „textuelle Beurteilung“. Jedes Wort hat dort eine
Zahl von 0 bis 10.
Wir brauchen nur drei Wörter:
- sehr gut = 9: Trier, Kaufkraft und Einzugsgebiet
- gut = 8: Koblenz, Kaufkraft und Einzugsgebiet; Neustadt, Einzugsgebiet
- befriedigend = 6: Neustadt, Kaufkraft
Hier läuft die Skala in der gewohnten Richtung: besseres Urteil, mehr Punkte.
Typische Fehler: „sehr gut“ ist 9, nicht 10. Die 10 heißt „ausgezeichnet“.
Und „befriedigend“ ist 6. Die Skala hat eigene Wörter und eigene Zahlen; mit
Schulnoten hat sie nichts zu tun. Deshalb jedes Wort in der Tabelle nachschlagen, nicht
aus dem Gedächtnis zuordnen. In der Aufgabe steht die Skala in zwei Spalten (0 bis 5
links, 6 bis 10 rechts). Wer nur eine Spalte liest, verrutscht leicht.
zwölf Punktzahlen, alle von 0 bis 10
Jetzt stehen alle zwölf Punktzahlen fest: drei Standorte mal vier Kriterien. Die Spalte
„Herkunft“ zeigt, in welchem Schritt jede Zeile abgelesen wurde.
Alle Angaben haben jetzt dieselbe Einheit, nämlich Punkte. Erst jetzt darf man sie
verrechnen.
Typischer Fehler: Die Punkte einfach addieren. Das ergibt 30 für Trier, 24 für
Koblenz und 26 für Neustadt. Dann stünde Neustadt auf Platz 2. Aber diese Summe tut so,
als wären alle Kriterien gleich wichtig. Das Management hat es anders festgelegt: Der
Autobahnanschluss wiegt 50 %, die Miete nur 20 %. Gefragt ist deshalb der
gewichtete Teilnutzen.
TN=g⋅P, z. B.
0,20⋅4=0,80
Jetzt kommt das Gewicht ins Spiel. Der gewichtete Teilnutzen TN ist der Beitrag
eines einzelnen Kriteriums zur Gesamtbewertung eines Standorts:
- g ist das Gewicht des Kriteriums als Dezimalzahl (aus Schritt 2).
- P sind die Punkte des Standorts in diesem Kriterium (aus Schritt 6).
Warum malnehmen? Ein wichtiges Kriterium soll stärker zählen. Mit 0,50 zählt die
Hälfte jeder Autobahn-Punktzahl, mit 0,20 nur ein Fünftel jeder Miet-Punktzahl.
Beispiel Trier, Mietkosten: Gewicht 0,20, Punkte 4. 0,20⋅4=0,80.
Ein Teilnutzen kann höchstens Gewicht mal 10 sein, denn 10 ist die beste Punktzahl. Bei
der Miete also höchstens 2,00, beim Autobahnanschluss höchstens 5,00. Das ist eine gute
Kontrolle für den nächsten Schritt.
Typischer Fehler: mit 20 statt 0,20 rechnen. Dann steht 80 statt 0,80 da, alles ist
um den Faktor 100 zu groß.
Die Musterlösung nennt den gewichteten Teilnutzen „Score“. Gemeint ist dasselbe.
Trier 0,80 · 1,35 · 1,35 · 4,00
Dieselbe Rechnung für alle zwölf Felder: in jeder Zeile das Gewicht dieser Zeile, in jeder
Spalte die Punkte dieses Standorts.
Alle Ergebnisse gehen glatt auf. Es wird nicht gerundet. Wir schreiben zwei
Nachkommastellen, damit die Zahlen untereinander gut vergleichbar sind.
Kontrolle mit der Obergrenze aus Schritt 7: Kein Wert bei der Miete ist größer als
2,00, keiner bei Kaufkraft und Einzugsgebiet größer als 1,50, keiner beim
Autobahnanschluss größer als 5,00. Das passt.
Antwort auf a): Die gewichteten Teilnutzen (Miete, Kaufkraft, Einzugsgebiet,
Autobahn) sind für Trier 0,80 / 1,35 / 1,35 / 4,00, für Koblenz 0,40 / 1,20 / 1,20 / 3,00
und für Neustadt 1,60 / 0,90 / 1,20 / 2,00.
Im Bild: Jede Zahl ist ein Segment der Säulen. Gleiche Punkte ergeben verschieden
große Segmente. Neustadt hat bei der Miete 8 Punkte:
0,20⋅8=1,60. Trier hat
beim Autobahnanschluss ebenfalls 8 Punkte:
0,50⋅8=4,00. Der Unterschied
kommt allein vom Gewicht.
Trier 7,50 · Koblenz 5,80 · Neustadt 5,70
Für die Empfehlung brauchen wir eine Zahl je Standort. Dazu addieren wir seine vier
Teilnutzen. Das Ergebnis heißt Nutzwert NW.
Trier: 0,80+1,35=2,15; 2,15+1,35=3,50; 3,50+4,00=7,50.
Die anderen beiden genauso.
Der größte Nutzwert kommt auf Rang 1. Das ist Trier mit 7,50.
Probe: Die Gewichte ergeben zusammen 1,00. Der Nutzwert ist deshalb ein
gewichteter Mittelwert der Punkte: ein Durchschnitt, bei dem wichtige Kriterien
mehr zählen. Ein solcher Mittelwert liegt immer zwischen der kleinsten und der größten
Punktzahl des Standorts. Bei Trier liegen die Punkte zwischen 4 und 9, und 7,50 liegt
dazwischen. Die Tabelle prüft das für alle drei.
Aus Aufgabe 24 („Entscheidung unter Ungewissheit: Hurwicz und Savage-Niehans“):
Dort ist der Hurwicz-Wert ein gewichteter Mittelwert aus zwei Zahlen, mit Gewichten, die
zusammen 1 ergeben. Hier ist es dasselbe Prinzip mit vier Zahlen.
Was die Addition bedeutet: Eine Schwäche kann durch eine Stärke ausgeglichen
werden. Neustadts gute Miete gleicht einen Teil seiner schlechten Autobahnlage aus, aber
nicht alles.
7,50:10,00=75%
Ist 7,50 viel oder wenig? Das sieht man erst im Vergleich mit dem größtmöglichen Nutzwert.
Den größtmöglichen Nutzwert hätte ein idealer Standort: 10 Punkte in jedem
Kriterium. Sein Nutzwert ist NWmax=10,00. Das liegt daran, dass die Gewichte
zusammen 1,00 ergeben: 1,00⋅10=10,00.
Die Zielerfüllung sagt, welchen Anteil davon ein Standort erreicht: Nutzwert
geteilt durch 10,00, mal 100 %. Trier erreicht 75 %, Koblenz 58 %, Neustadt 57 %. Die
Divisionen gehen glatt auf, gerundet wird nicht.
Typischer Fehler: durch 40 teilen (vier Kriterien mal 10). Die 40 wäre das Maximum
der ungewichteten Punktsumme. Der Nutzwert ist gewichtet, sein Maximum ist 10,00.
Im Bild: Die volle Säulenhöhe steht für 10,00. Triers Säule ist zu drei Vierteln gefüllt.
Autobahn: +2,00 · Miete: −0,80
Für die Begründung lohnt ein Blick darauf, wo Trier vorn liegt. Wir vergleichen mit
Neustadt, denn Neustadt hat als einziger Standort irgendwo mehr Punkte als Trier.
Je Kriterium: Punktdifferenz mal Gewicht. Ein Minus heißt, Neustadt ist dort besser.
Die zentrale Einsicht: Bei der Miete liegt Neustadt 4 Punkte vorn (8 gegen 4). Beim
Autobahnanschluss liegt Trier 4 Punkte vorn (8 gegen 4). Die Punktdifferenz ist gleich
groß. Aber die Miete wiegt 0,20, die Autobahn 0,50. Deshalb bringt der Mietvorteil
Neustadt nur 0,80, der Autobahnvorteil Trier dagegen 2,00.
Die Entscheidung fällt also durch die Gewichtung. Die hat das Management festgelegt, bevor
gerechnet wurde.
Trier > Koblenz in allen vier Kriterien
Ergänzung: steht nicht in der Musterlösung und wird in der Klausur nicht verlangt.
Wir vergleichen die Punkte Zeile für Zeile: 4>2, 9>8, 9>8, 8>6. Trier ist
in jedem Kriterium besser als Koblenz.
Dafür gibt es einen Fachbegriff: Trier dominiert Koblenz. Dominanz heißt: Ein
Standort ist in keinem Kriterium schlechter und in mindestens einem besser als ein
anderer.
Warum das stark ist: Wenn Trier überall mehr Punkte hat, hat Trier auch mit jeder
anderen Gewichtung den größeren Nutzwert. Denn jeder einzelne Teilnutzen von Trier ist
größer. Koblenz kann also nie gewinnen, egal wie das Management gewichtet.
Neustadt dagegen wird nicht dominiert. Bei der Miete hat es mehr Punkte als Trier
(8 gegen 4). Ob Trier vor Neustadt liegt, hängt also von den Gewichten ab. Das prüfen die
nächsten beiden Schritte.
Abstand nur 0,10
Ergänzung: steht nicht in der Musterlösung und wird in der Klausur nicht verlangt.
Zwischen Trier und Koblenz liegen 7,50−5,80=1,70. Zwischen Koblenz und
Neustadt liegen nur 0,10.
Wie klein ist 0,10? Ein Gedankenspiel: Jemand schätzt Neustadts Kaufkraft eine Stufe
besser ein, also „ziemlich gut“ = 7 statt „befriedigend“ = 6. Dann steigt der Teilnutzen
von 0,15⋅6=0,90 auf 0,15⋅7=1,05. Der Nutzwert steigt um 0,15
auf 5,85. Neustadt läge vor Koblenz.
Folgerung: Die Worturteile sind Schätzungen. Eine einzige andere Schätzung dreht
Rang 2 und 3 um. Diese Reihenfolge sollte man deshalb nicht als sicher darstellen. Für die
Empfehlung spielt das keine Rolle: Es geht um Rang 1.
bei Verteilung im Verhältnis 20 : 15 : 15 bleibt Trier vorn, solange die Autobahn mehr als
9,1 % wiegt
Vertiefung: steht nicht in der Musterlösung und wird in der Klausur nicht verlangt.
Wer nur die Aufgabe lösen will, kann direkt zum Ergebnis springen.
Die Autobahn trägt die halbe Entscheidung. Deshalb die Frage: Was wäre, wenn das
Management sie weniger wichtig nähme? Diese Prüfung heißt Sensitivitätsanalyse: Man
ändert eine Annahme und schaut, ob das Ergebnis gleich bleibt.
Die Annahme: Das Autobahngewicht heißt jetzt a. Das Restgewicht 1−a
bekommen die drei übrigen Kriterien, und zwar im alten Verhältnis 20 : 15 : 15. Von
zusammen 50 Teilen sind das 20/50=40%, 15/50=30% und 15/50=30% des
Restgewichts.
-
Erster Kasten: Für jeden Standort den
gewichteten Mittelwert M der drei übrigen Kriterien ausrechnen. Jede Punktzahl
wird mit 0,4, 0,3 und 0,3 malgenommen und dann addiert. Es wird nicht durch 3 geteilt,
denn die drei Faktoren ergeben schon zusammen 1.
-
Zweiter Kasten: NW(a) heißt „Nutzwert, wenn die Autobahn das Gewicht a hat“.
Er besteht aus zwei Teilen: M mal Restgewicht 1−a, plus die Autobahnpunkte mal
a. Dann die Klammer ausmultiplizieren und die Glieder mit a zusammenfassen.
-
Dritter Kasten: Die Formeln von Trier und Neustadt gleichsetzen und nach a
umstellen. Hinter dem senkrechten Strich steht, was im nächsten Schritt auf
beiden Seiten getan wird: „∣+3,4a“ heißt „auf beiden Seiten 3,4a
addieren“.
Aus Aufgabe 24 („Entscheidung unter Ungewissheit: Hurwicz und Savage-Niehans“):
Dort wurde der Optimismusgrad
λ als Unbekannte stehen gelassen, die Formeln zweier
Alternativen gleichgesetzt und nach
λ umgestellt. Hier geschieht dasselbe mit dem
Gewicht
a.
Probe: Mit a=0,50 ergibt Triers Formel 7,0+0,50=7,50 und
Neustadts Formel 7,4−3,4⋅0,50=7,4−1,7=5,70. Das sind genau die
Nutzwerte aus Schritt 9.
Die Tabelle zeigt einige Gewichte, gerundet auf zwei Nachkommastellen. Unter der Annahme
zieht Neustadt erst vorbei, wenn die Autobahn weniger als etwa 9,1 % wiegt.
Folgerung: Unter dieser Annahme ist die Empfehlung Trier sehr stabil. Die Annahme
ist aber eine Wahl. Wandert das Gewicht nur zur Miete, holt Neustadt Trier schon bei 27,5
% Autobahn und 42,5 % Miete ein: Beide haben dann 6,60 (letzter Kasten). Wie stabil eine
Empfehlung ist, hängt also auch davon ab, wohin man das Gewicht verschiebt.
die Methode zählt keine Kriterien
Ergänzung: Hier weicht das Artefakt von der Musterlösung ab. Dieser Schritt wird in der
Klausur nicht verlangt.
Die Musterlösung begründet b) mit vier Sätzen. Die ersten beiden stimmen. Die letzten
beiden passen nicht zur Methode:
-
„Kommen nicht in Frage“ hieße: Die beiden Standorte sind ausgeschlossen. Dafür
bräuchte man eine Mindestanforderung, zum Beispiel „mindestens 60 % Zielerfüllung“, oder
ein K.-o.-Kriterium. Das ist ein Kriterium, bei dem ein schlechter Wert allein
zum Ausscheiden führt. Die Aufgabe nennt beides nicht. Koblenz und Neustadt sind also
schlechter, aber nicht ausgeschlossen.
-
„Zu wenig Anforderungskriterien erfüllt“: Die Nutzwertanalyse zählt nicht, wie
viele Kriterien erfüllt sind. Sie addiert gewichtete Teilnutzen. Außerdem hat kein
Standort irgendwo 0 Punkte („nicht erfüllt“). Alle drei erfüllen alle vier Kriterien,
nur verschieden gut.
Eine tragfähige Begründung nennt den höchsten Nutzwert (Schritt 9) und die
Zielerfüllung (Schritt 10). Stärker wird sie mit der Dominanz über Koblenz (Schritt 12).
Empfehlung: Trier, Nutzwert 7,50, Zielerfüllung 75 %
Antwortsatz zu b): Empfohlen wird der Standort Trier. Er hat mit 7,50 den höchsten
Nutzwert und erfüllt damit 75 % der Anforderungen des Managements. Koblenz (5,80) und
Neustadt (5,70) liegen deutlich dahinter. Trier ist in allen vier Kriterien besser als
Koblenz. Gegenüber Neustadt entscheidet der Autobahnanschluss, der mit 50 % am schwersten
wiegt.
Der Weg in Kürze:
-
Angaben in Punkte von 0 bis 10 übersetzen. Bei Miete und Entfernung ist weniger besser.
- Gewichtete Teilnutzen: TN=g⋅P, mit g als Dezimalzahl.
- Nutzwert: die vier Teilnutzen addieren.
- Zielerfüllung: Nutzwert durch 10,00, mal 100 %.
-
Größter Nutzwert gewinnt. Begründen mit Nutzwert, Zielerfüllung und wo der Vorsprung
herkommt.
Typische Fehler: Skala bei Miete oder Entfernung falsch herum; „sehr gut“ als 10 oder
„befriedigend“ als 5; Punkte ohne Gewicht addieren (30 / 24 / 26); mit 20 statt 0,20
rechnen; durch 40 statt 10 teilen.
Die Nutzwertanalyse liefert eine Rangfolge, keine Rechnung in Euro. Vor dem Mietvertrag
würde man für Trier noch die Kosten und Erträge genau durchrechnen.