Ein Unternehmen beginnt das Jahr mit bekannten Beständen: Maschinen, Material, Geld auf der
Bank, Schulden. Im Lauf des Jahres passieren sechs Geschäftsvorfälle. Das sind
Ereignisse, die diese Bestände verändern, zum Beispiel ein Kauf oder eine Lohnzahlung.
Die Aufgabe verlangt vier Dinge:
-
zu jedem Vorfall den Buchungssatz, also die kurze Notiz, auf welchen Konten er
eingetragen wird,
- zu jedem Vorfall die Wirkung auf den Vermögensposten und auf das Eigenkapital,
- die Eröffnung am Jahresanfang und den Abschluss bis zur Schlussbilanz,
- die Antwort: Gewinn oder Verlust?
Die Abkürzungen im Aufgabentext:
| BGA |
Betriebs- und Geschäftsausstattung: Gegenstände, die lange im Betrieb bleiben, zum
Beispiel Möbel und Computer
|
| L.u.L. |
Lieferungen und Leistungen: das normale Geschäft mit Kunden und Lieferanten |
| Ford. a. L.u.L. |
Forderungen aus L.u.L.: Geld, das Kunden uns noch zahlen müssen |
| Verb. a. L.u.L. |
Verbindlichkeiten aus L.u.L.: Geld, das wir Lieferanten noch zahlen müssen, also
Schulden
|
| Aufw. f. Rohst. |
Aufwendungen für Rohstoffe: der Wert des Materials, das in der Produktion verbraucht
wird
|
Der Weg: 1. Anfangsbestände ordnen und Konten eröffnen. 2. Die sechs Vorfälle buchen. 3. Alle
Konten abschließen. 4. Prüfen und deuten.
Aktiva 646.000 € = Passiva 646.000 €
Eine Bilanz ist eine Tabelle mit zwei Seiten. Sie zeigt den Stand an einem
Stichtag, hier am Jahresanfang.
-
Links stehen die Aktiva: alles, was dem Unternehmen gehört, also das
Vermögen. Hier: BGA, Rohstoffe, Forderungen, Bank.
-
Rechts stehen die Passiva: woher das Geld für dieses Vermögen stammt. Entweder
von den Eigentümern, das ist das Eigenkapital. Oder von anderen, das sind die
Schulden. Hier: Eigenkapital und Verbindlichkeiten.
Wir addieren beide Seiten: 350.000 + 120.000 + 81.000 + 95.000 = 646.000 € und 530.000 +
116.000 = 646.000 €.
Die Summen sind gleich. Das ist immer so: Jeder Euro Vermögen stammt aus einer Quelle.
Beide Seiten beschreiben dasselbe Geld, einmal nach Verwendung, einmal nach Herkunft.
Merke: Eigenkapital = Vermögen − Schulden. Diese Regel brauchen wir für den zweiten
Teil der Aufgabe. Ändert sich das Vermögen und die Schulden bleiben gleich, ändert sich
das Eigenkapital um denselben Betrag.
Die beiden Balken unten im Panel zeigen ab jetzt Vermögen und Eigenkapital.
Im Bild steht die Bilanz links. Den rechten Kasten erklären wir in Schritt 3.
Soll-Konto an Haben-Konto
Jeder Vorfall ändert die Bilanz. Man schreibt sie aber nicht jedes Mal neu. Stattdessen
bekommt jeder Bilanzposten ein eigenes Konto. Dort sammelt man alle Änderungen und
zieht erst am Jahresende Bilanz.
Ein Konto hat zwei Seiten und sieht aus wie ein großes T. Deshalb heißt es T-Konto.
Die linke Seite heißt Soll, die rechte Seite Haben. Die Wörter sind alt. Sie
bedeuten heute nur „links“ und „rechts“.
Die Konten der Bilanzposten heißen Bestandskonten, weil sie einen Bestand zeigen.
Es gibt zwei Sorten:
-
Aktivkonto (für einen Posten der Aktiva): Anfangsbestand und Zugänge links im
Soll, weil die Aktiva in der Bilanz links stehen. Abgänge rechts im Haben.
-
Passivkonto (für einen Posten der Passiva): genau umgekehrt. Anfangsbestand und
Zugänge rechts im Haben, Abgänge links im Soll.
Jede Buchung trägt denselben Betrag auf mindestens zwei Konten ein: einmal im Soll, einmal
im Haben. Das heißt doppelte Buchführung. So bleiben beide Seiten der Bilanz immer
gleich groß.
Den Buchungssatz schreibt man in fester Reihenfolge: zuerst das Konto mit dem
Eintrag im Soll, dann das Wort „an“, dann das Konto mit dem Eintrag im Haben. Das „an“
trennt nur die beiden Seiten.
Merke: Im T-Konto steht neben jedem Betrag das Gegenkonto, also das andere
Konto aus demselben Buchungssatz. So lässt sich jede Zahl zurückverfolgen. Davor steht in
Klammern die Nummer des Vorfalls: „(1) Bank“ heißt „aus Vorfall 1, Gegenkonto Bank“. Der
Anfangsbestand bekommt die Abkürzung AB.
Aktivkonten an EBK · 646.000 €
Jetzt tragen wir die Anfangsbestände in die Konten ein. Dabei gibt es ein Problem: Jede
Buchung braucht ein Gegenkonto. Bei der Eröffnung gibt es aber noch keines.
Dafür gibt es ein Hilfskonto, das Eröffnungsbilanzkonto, kurz EBK. Es nimmt
bei der Eröffnung alle Gegenbuchungen auf und wird danach nicht mehr gebraucht.
Ein Aktivkonto bekommt seinen Anfangsbestand im Soll (Schritt 2). Die Gegenbuchung muss
deshalb im Haben stehen, also im Haben des EBK. Buchungssatz zum Beispiel:
BGA 350.000 € an EBK 350.000 €.
Die vier Aktivposten stehen dadurch im EBK rechts, obwohl sie in der Bilanz links
stehen.
Merke: Das EBK ist das Spiegelbild der Eröffnungsbilanz: Aktiva im Haben, Passiva
im Soll.
Die Musterlösung fasst die vier Sätze zu einem Satz zusammen: „Alle ABK an EBK“. ABK heißt
Aktivbestandskonten. Zusammen sind das 646.000 €.
Anmerkung zur Musterlösung: Dort ist das EBK mit „Aktiva“ und „Passiva“
überschrieben. Das führt in die Irre: Es ist ein Konto mit Soll und Haben, und links
stehen gerade die Passiva. Hier heißt es deshalb Soll und Haben.
EBK an Passivkonten · 646.000 €
Ein Passivkonto bekommt seinen Anfangsbestand im Haben (Schritt 2). Die Gegenbuchung steht
deshalb im Soll des EBK.
Das ergibt zwei Buchungssätze: EBK an Eigenkapital 530.000 € und
EBK an Verb. a. L.u.L. 116.000 €. In der Musterlösung steht das kurz als „EBK an
Alle PBK“. PBK heißt Passivbestandskonten.
Jetzt ist das EBK ausgeglichen: Beide Seiten ergeben 646.000 €. Das ist die erste
Probe. Stimmt sie nicht, liegt der Fehler schon in der Bilanz.
Alle sechs Bestandskonten haben jetzt ihren Anfangsbestand. Die Eröffnung ist fertig.
Konten? Art? Zu oder ab? Soll oder Haben?
Jeder der sechs Vorfälle wird mit denselben vier Fragen gebucht. Für die Frage nach der
Art brauchen wir noch zwei neue Kontoarten.
Manche Vorfälle ändern das Eigenkapital. Das passiert, wenn etwas verbraucht wird oder
wenn etwas verdient wird:
-
Aufwand ist ein Verbrauch, zum Beispiel Material oder Arbeitszeit. Er mindert das
Eigenkapital.
-
Ertrag ist ein Zuwachs, zum Beispiel ein Verkaufserlös. Er mehrt das
Eigenkapital.
Man bucht beides nicht direkt auf das Eigenkapitalkonto. Sonst sähe man am Jahresende
nicht mehr, woher Gewinn oder Verlust kommen. Deshalb gibt es für jede Art ein eigenes
Aufwandskonto oder Ertragskonto. Beide zusammen heißen Erfolgskonten.
Sie haben keinen Anfangsbestand, denn sie sammeln nur, was in diesem Jahr passiert.
Man nennt die Erfolgskonten deshalb Unterkonten des Eigenkapitals. Gemeint ist:
Aufwand und Ertrag ändern am Ende das Eigenkapital. Man lagert sie nur für das Jahr auf
eigene Konten aus, um zu sehen, woher der Gewinn kommt.
Deshalb benutzen sie dieselben Seiten wie das Eigenkapital. Das Eigenkapital ist ein
Passivkonto: Eine Minderung steht dort im Soll, eine Mehrung im Haben. Also steht Aufwand
(Minderung) im Soll und Ertrag (Mehrung) im Haben.
Merke: Ein Vorfall, der ein Erfolgskonto berührt, heißt erfolgswirksam: Er
ändert den Gewinn und damit das Eigenkapital. Ein Vorfall, der nur Bestandskonten berührt,
heißt erfolgsneutral.
Der Balken „Eigenkapital“ unten zeigt ab jetzt Vermögen minus Schulden. Auf dem
Eigenkapitalkonto selbst kommt der Gewinn erst beim Abschluss an (Schritt 16).
BGA 12.000 € an Bank 12.000 €
1. Welche Konten? Eine PC-Anlage kommt dazu. Sie bleibt lange im Betrieb und gehört
deshalb zur BGA. Bezahlt wird per Überweisung, also sinkt das Geld auf der Bank.
2. Welche Art? BGA und Bank sind beide Vermögen, also Aktivkonten.
3. Zu oder ab? BGA nimmt um 12.000 € zu, Bank nimmt um 12.000 € ab.
4. Soll oder Haben? Zugang auf einem Aktivkonto steht im Soll, Abgang im Haben.
Also: BGA im Soll, Bank im Haben.
Wirkung: Geld auf der Bank wird zu einem Gegenstand. Das Vermögen ist gleich groß
wie vorher, nur anders zusammengesetzt. Das heißt Aktivtausch. Die Schulden bleiben
gleich, also bleibt auch das Eigenkapital bei 530.000 €. Der Vorfall ist erfolgsneutral.
Typischer Fehler: Nicht jede Zahlung ist Aufwand. Wer hier einen Aufwand bucht,
mindert das Eigenkapital um 12.000 € und erhält am Ende 12.000 € statt 24.000 € Gewinn.
Der Computer ist ja noch da. Er verliert zwar mit den Jahren an Wert. Diesen Wertverlust
muss man in dieser Aufgabe aber nicht buchen.
Aufw. f. Rohstoffe 38.000 € an Rohstoffe 38.000 €
Rohstoffe sind das Material, aus dem das Unternehmen seine Produkte herstellt.
„Abgabe in die Fertigung“ heißt: Material wird aus dem Lager geholt und in der Produktion
verbraucht.
1. Welche Konten? Der Lagerbestand Rohstoffe sinkt. Der Verbrauch wird als Aufwand
erfasst, auf dem Konto Aufw. f. Rohstoffe.
2. Welche Art? Rohstoffe ist ein Aktivkonto. Aufw. f. Rohstoffe ist ein
Aufwandskonto.
3. Zu oder ab? Rohstoffe nehmen um 38.000 € ab. Der Aufwand nimmt um 38.000 € zu.
4. Soll oder Haben? Aufwand steht im Soll. Abgang auf einem Aktivkonto steht im
Haben.
Wirkung: Das Vermögen sinkt um 38.000 €. Die Schulden bleiben gleich. Also sinkt
das Eigenkapital ebenfalls um 38.000 € (Eigenkapital = Vermögen − Schulden). Der Vorfall
ist erfolgswirksam, obwohl kein Geld fließt.
Vereinfachung der Aufgabe: Verbrauchtes Material ist immer Aufwand. Aus dem
Material entstehen aber Produkte, und die haben einen Wert. In der Praxis würde man sie
als Bestand an Erzeugnissen erfassen. Die Aufgabe hat dafür kein Konto. Deshalb sinkt das
Vermögen hier um die vollen 38.000 €. Die Produkte bringen erst beim Verkauf in Vorfall 6
wieder einen Wert herein.
Anmerkung zur Musterlösung: Im T-Konto „Aufwand Rst“ steht dort die Vorfallnummer
1. Richtig ist 2. Die 1 gehört zum PC-Kauf. Im Gegenkonto Rohstoffe steht dort richtig die
2.
Löhne 22.000 € an Bank 22.000 €
Löhne sind die Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter, meist in der Produktion.
1. und 2. Löhne ist ein Aufwandskonto: Die Arbeit ist verbraucht, es bleibt kein
Gegenstand übrig. Bank ist ein Aktivkonto.
3. und 4. Der Aufwand nimmt zu und steht im Soll. Die Bank nimmt ab, das steht bei
einem Aktivkonto im Haben.
Wirkung: Vermögen und Eigenkapital sinken beide um 22.000 €. Der Vorfall ist
erfolgswirksam.
Vergleich der ersten drei Vorfälle: Vorfall 1 war eine Zahlung ohne Aufwand.
Vorfall 2 war Aufwand ohne Zahlung. Vorfall 3 ist beides zugleich. Zahlung und Aufwand
sind also zwei verschiedene Dinge. Entscheidend für den Aufwand ist nur: Wird etwas
verbraucht?
Gehälter 17.000 € an Bank 17.000 €
Gehälter sind die Bezahlung der Angestellten, zum Beispiel in Büro und Verwaltung.
Die Buchung folgt demselben Muster wie bei den Löhnen: Gehälter ist ein Aufwandskonto und
steht im Soll. Die Bank nimmt ab und steht im Haben.
Warum zwei Konten für fast dasselbe? Die Aufgabe nennt Löhne und Gehälter als getrennte
Erfolgskonten. So sieht man später, wie viel die Produktion und wie viel die Verwaltung
gekostet hat.
Wirkung: Vermögen und Eigenkapital sinken beide um 17.000 €.
Stand der Bank jetzt: 95.000 − 12.000 − 22.000 − 17.000 = 44.000 €.
Bank 1.000 € an Zinserträge 1.000 €
Eine Gutschrift heißt: Die Bank zahlt Geld auf unser Konto ein. Hier sind es
Zinsen, also eine Vergütung dafür, dass unser Geld bei der Bank liegt.
1. und 2. Bank ist ein Aktivkonto. Die Zinsen sind verdient, also ein Ertrag: Konto
Zinserträge, ein Ertragskonto.
3. und 4. Die Bank nimmt zu, das steht bei einem Aktivkonto im Soll. Der Ertrag
nimmt zu und steht im Haben.
Wirkung: Vermögen und Eigenkapital steigen beide um 1.000 €. Der Vorfall ist
erfolgswirksam.
Typischer Fehler: Auf dem Kontoauszug steht bei einer Gutschrift oft „Haben“. Das
ist die Sicht der Bank: Sie schuldet uns das Geld. In unserer Buchführung ist die Bank ein
Aktivkonto. Ein Zugang steht deshalb bei uns im Soll.
Ford. a. L.u.L. 100.000 € an Umsatzerlöse 100.000 €
Zielverkauf heißt Verkauf „auf Ziel“: Die Produkte sind geliefert, der Kunde zahlt
aber erst später, innerhalb einer Frist. Diese Frist heißt Zahlungsziel.
1. Welche Konten? Es kommt noch kein Geld auf die Bank. Stattdessen haben wir jetzt
einen Anspruch auf Geld: eine Forderung aus L.u.L. Verkauft werden
eigene Erzeugnisse, also Produkte, die das Unternehmen selbst hergestellt hat. Ihr
Verkauf ist ein Ertrag. Er heißt Umsatzerlöse.
2. Welche Art? Ford. a. L.u.L. ist ein Aktivkonto. Umsatzerlöse ist ein
Ertragskonto.
3. und 4. Die Forderungen nehmen zu, das steht im Soll. Der Ertrag nimmt zu und
steht im Haben.
Wirkung: Vermögen und Eigenkapital steigen beide um 100.000 €. Der Ertrag zählt
schon jetzt, auch wenn das Geld erst später kommt.
Typischer Fehler: „Bank an Umsatzerlöse“. Der Gewinn wäre derselbe, aber die Bilanz
falsch: Bank 145.000 statt 45.000 €, Forderungen 81.000 statt 181.000 €.
Die Umsatzsteuer ist die Steuer, die beim Verkauf auf den Preis aufgeschlagen und
an das Finanzamt weitergegeben wird. Die Aufgabe nennt keine Umsatzsteuer. Deshalb wird
hier auch keine gebucht.
Vermögen +24.000 € · Eigenkapital +24.000 €
Die Tabelle fasst den zweiten Teil der Aufgabe zusammen: Welchen Vermögensposten ändert
jeder Vorfall, und wie wirkt er auf das Eigenkapital?
Nur Vorfall 1 lässt das Eigenkapital unverändert. Er berührt nur zwei Aktivkonten. Alle
anderen berühren ein Erfolgskonto. Bei ihnen ändern sich Vermögen und Eigenkapital um
denselben Betrag, weil die Schulden gleich bleiben.
Zusammen: Erträge 100.000 + 1.000 = 101.000 €, Aufwendungen 38.000 + 22.000 + 17.000 =
77.000 €. Das Eigenkapital steigt von 530.000 € auf 554.000 €, also um 24.000 €.
Das sieht schon nach einem Gewinn von 24.000 € aus. Der Abschluss der Konten bestätigt das
gleich auf buchhalterischem Weg.
Anmerkung zur Musterlösung: Sie beantwortet diesen Teil der Frage nicht. Dort
stehen nur die Buchungssätze und Konten.
G+V an Aufwandskonten · 77.000 €
Am Jahresende wird jedes Konto abgeschlossen. Dazu bildet man den Saldo: die
Differenz zwischen der größeren und der kleineren Seite. Der Saldo wird auf der kleineren
Seite eingetragen. Danach sind beide Seiten gleich groß. Unter beiden Seiten steht
dieselbe Summe, doppelt unterstrichen.
Erfolgskonten kommen nicht in die Bilanz. Ihre Salden sammelt man zuerst in einem eigenen
Konto: dem Gewinn- und Verlustkonto, kurz G+V.
Ein Aufwandskonto hat nur Einträge im Soll. Das Haben ist leer, also die kleinere Seite.
Der Saldo kommt deshalb ins Haben, mit dem Gegenkonto G+V. In der G+V steht er dann im
Soll.
Buchungssatz zum Beispiel: G+V 38.000 € an Aufw. f. Rohstoffe 38.000 €. Die
Musterlösung fasst die drei Sätze zusammen: „G+V an Alle Aufwandskonten“.
Im Bild sind die Abschlusszeilen hervorgehoben.
Ertragskonten an G+V · 101.000 €
Bei den Ertragskonten ist es spiegelbildlich. Sie haben nur Einträge im Haben. Das Soll
ist die kleinere Seite, dort steht der Saldo mit dem Gegenkonto G+V.
In der G+V stehen die Erträge deshalb im Haben: 100.000 € Umsatzerlöse und 1.000 €
Zinserträge.
Jetzt stehen in der G+V alle Aufwendungen links und alle Erträge rechts. Links sind es
77.000 €, rechts 101.000 €.
Gewinn = 101.000 − 77.000 = 24.000 €
Auch die G+V wird abgeschlossen. Die Erträge (101.000 €) sind größer als die Aufwendungen
(77.000 €). Das Soll ist die kleinere Seite. Der Saldo von 101.000 − 77.000 = 24.000 €
kommt deshalb ins Soll.
Merke: Steht der Saldo der G+V im Soll, ist er ein Gewinn. Steht er im
Haben, ist er ein Verlust. Das wirkt zuerst verdreht. Der Grund: Der Saldo füllt
immer die kleinere Seite auf. Sind die Erträge größer, ist die Aufwandsseite die kleinere.
Damit ist die letzte Frage der Aufgabe beantwortet: Das Unternehmen hat einen
Gewinn von 24.000 € erwirtschaftet. Das ist derselbe Betrag wie in Schritt 12.
Aus Aufgabe 25 („Break-Even-Point: ab wann der Schal die Fixkosten trägt“): Dort
war Gewinn = Umsatz − Kosten. Hier heißt es Erträge − Aufwendungen. Der Gedanke ist
derselbe. Die Buchführung erfasst aber alles, was im Jahr passiert, auch Zinsen.
G+V 24.000 € an Eigenkapital 24.000 €
Der Gewinn gehört den Eigentümern. Er erhöht deshalb das Eigenkapital.
In der G+V steht der Saldo im Soll. Die Gegenbuchung kommt ins Haben des
Eigenkapitalkontos. Das passt: Das Eigenkapital ist ein Passivkonto, ein Zugang steht dort
im Haben.
Das Eigenkapitalkonto zeigt jetzt 530.000 + 24.000 = 554.000 €. Das ist genau der Wert,
den der Balken seit Vorfall 6 zeigt. Jetzt ist der Gewinn auch auf dem Konto angekommen.
SBK an Aktivkonten · 670.000 €
Jetzt schließen wir die Bestandskonten ab. Ihr Saldo ist der Schlussbestand: der
Bestand am Jahresende. Er wird in das Schlussbilanzkonto übertragen, kurz
SBK. Das SBK ist das Gegenstück zum EBK vom Jahresanfang.
Bei einem Aktivkonto stehen Anfangsbestand und Zugänge im Soll. Das Soll ist also die
größere Seite, der Saldo kommt ins Haben. Die Gegenbuchung steht im Soll des SBK.
Am Beispiel Bank: Soll 95.000 + 1.000 = 96.000 €. Haben 12.000 + 22.000 + 17.000 = 51.000
€. Saldo 96.000 − 51.000 = 45.000 €.
Die vier Schlussbestände ergeben zusammen 362.000 + 82.000 + 181.000 + 45.000 =
670.000 €.
Die Musterlösung schreibt kurz „SB an Alle ABK“. SB steht dort für das Schlussbilanzkonto.
Passivkonten an SBK · 670.000 €
Bei einem Passivkonto stehen Anfangsbestand und Zugänge im Haben. Das Haben ist die
größere Seite, der Saldo kommt ins Soll. Die Gegenbuchung steht im Haben des SBK.
Eigenkapital: 530.000 + 24.000 = 554.000 €. Verbindlichkeiten: unverändert 116.000 €, denn
kein Vorfall hat sie berührt.
Im SBK stehen jetzt links 670.000 € und rechts 554.000 + 116.000 = 670.000 €. Das SBK ist
ausgeglichen. Das ist die zweite große Probe.
Aktiva 670.000 € = Passiva 670.000 €
Die Aufgabe verlangt die Schlussbilanz. Sie enthält dieselben Zahlen wie das SBK.
Der Unterschied: Das SBK ist ein Konto mit Soll und Haben. Die Schlussbilanz ist ein
Dokument mit Aktiva und Passiva, genau wie die Eröffnungsbilanz in Schritt 1.
Die Bilanzsumme ist die Summe einer Bilanzseite. Beide Seiten sind immer gleich
groß, hier 670.000 €. Vergleich mit dem Jahresanfang: Die Bilanzsumme ist von 646.000 €
auf 670.000 € gewachsen, also um 24.000 €.
Anmerkung zur Musterlösung: Dort steht in der Summenzeile der Passivseite das Wort
„Eigenkapital“ neben 670.000,00 €. Die Summenzeile trägt aber keinen Postennamen. Das
Eigenkapital beträgt 554.000 €, die 670.000 € sind die Bilanzsumme.
SBK ausgeglichen: 670.000 = 670.000
Am Ende sind G+V und SBK ausgeglichen. Das klingt nach einer doppelten Probe. Die beiden
sind aber nicht gleich viel wert.
-
G+V: Sie geht immer auf. Ihr Saldo ist ja genau der Betrag, der die Lücke
zwischen beiden Seiten füllt. 77.000 + 24.000 = 101.000 beweist deshalb nichts.
-
SBK: Das ist die echte Probe. Steht ein Betrag nur auf einer Seite oder mit einer
falschen Zahl, geht das SBK nicht auf.
Vorsicht: Auch das SBK findet keinen falsch gewählten Buchungssatz. Vertauscht man
in Vorfall 1 Soll und Haben („Bank an BGA“), steht im SBK 338.000 + 82.000 + 181.000 +
69.000 = 670.000. Bucht man den PC als Aufwand statt als BGA, geht es ebenfalls auf. Jeder
Buchungssatz ist nur richtig, wenn er die vier Fragen aus Schritt 5 besteht. Die prüft man
bei jedem Satz einzeln.
554.000 − 530.000 = 24.000 ist eine Kontrolle, dass der Gewinn im Eigenkapital angekommen
ist. Unabhängig ist das nicht, denn die 24.000 € stammen aus der G+V.
Die unabhängige Gegenrechnung steht in Schritt 12: Dort ist das Eigenkapital Posten für
Posten als Vermögen minus Schulden gerechnet, ohne die Konten. Ergebnis dort: 670.000 −
116.000 = 554.000 €. Das passt.
Das geht so einfach, weil die Schulden gleich geblieben sind und es keine
Einlagen (Eigentümer geben Geld ins Unternehmen) oder Entnahmen (Eigentümer
nehmen Geld heraus) gibt. Sonst würden auch diese das Eigenkapital ändern, ohne Gewinn zu
sein.
Gewinn +24.000 €, Bank −50.000 €
Das Unternehmen hat Gewinn gemacht. Trotzdem ist auf der Bank weniger Geld als am Anfang:
45.000 € statt 95.000 €.
Die Tabelle zeigt alle vier Vermögensposten. Zusammen steigen sie um 24.000 €. Die
Schulden sind unverändert. Also ist das genau der Gewinn.
Dass Bank und Gewinn so auseinanderlaufen, hat drei Gründe:
- Vorfall 6 ist Ertrag ohne Geld: 100.000 € stecken als Forderung beim Kunden.
- Vorfall 1 ist Geld ohne Aufwand: 12.000 € sind von der Bank in die BGA gewandert.
-
Vorfall 2 ist Aufwand ohne Zahlung: 38.000 € Rohstoffe sind verbraucht, ohne dass Geld
floss.
Für das Unternehmen heißt das: Es sollte prüfen, ob die Kunden pünktlich zahlen. Zahlt ein
Kunde nicht, ist ein Teil des Gewinns nur auf dem Papier entstanden.
Anmerkung zur Musterlösung: Sie rät ebenfalls, die offenen Forderungen zu prüfen.
Sie warnt aber auch davor, dass das Bankkonto „Überliquidität“ haben könnte, also zu viel
ungenutztes Geld, und empfiehlt, den Gewinn zu reinvestieren. Das passt nicht zu den
Zahlen: Die Bank ist um 50.000 € gesunken, und der Gewinn liegt noch als Forderung beim
Kunden.
Gewinn 24.000,00 € · Bilanzsumme 670.000 €
Das Unternehmen hat einen Gewinn von 24.000,00 € erwirtschaftet. Das Eigenkapital ist
dadurch von 530.000 € auf 554.000 € gestiegen.
Der Weg in fünf Punkten:
- Bilanz aufstellen: Aktiva links, Passiva rechts.
- Konten über das EBK eröffnen: Aktivkonten an EBK, EBK an Passivkonten.
- Jeden Vorfall mit den vier Fragen buchen: Konten, Art, zu oder ab, Soll oder Haben.
-
Erfolgskonten über die G+V abschließen. Der Saldo der G+V ist der Gewinn und geht ins
Eigenkapital.
- Bestandskonten über das SBK abschließen und daraus die Schlussbilanz schreiben.
Typische Fehler bei dieser Aufgabe:
- Den PC-Kauf als Aufwand buchen (Schritt 6).
- Beim Zielverkauf die Bank statt der Forderungen buchen (Schritt 11).
- Im EBK die Seiten wie in der Bilanz lassen, statt sie zu spiegeln (Schritt 3).
- Erfolgskonten direkt ins SBK statt in die G+V abschließen (Schritt 13).
- Einen Saldo im Soll der G+V für einen Verlust halten (Schritt 15).