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LAG · Übungsblatt 5 · Aufgabe 1

Gleichungssystem mit dem Gauß-Algorithmus lösen

Ein Gleichungssystem (LGS) mit drei Unbekannten wird gelöst, und zwar mit dem festen Verfahren aus der Vorlesung, dem Gauß-Algorithmus. Zuerst werden die Gleichungen mit Zeilenoperationen so umgebaut, dass unten Nullen entstehen. Dann liest man die Unbekannten von unten nach oben ab. Der ganze Lösungsweg steht offen da, die Erklärung gehört jeweils zum aktuellen Schritt. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Lösen Sie das LGS streng nach dem in der Vorlesung angegebenen Algorithmus nach Gauß ohne Spaltenoperationen und mit Rückwärtseinsetzen.

A=[121230−1−21],b=(882).A = \begin{bmatrix} 1 & 2 & 1 \\ 2 & 3 & 0 \\ -1 & -2 & 1 \end{bmatrix}, \quad b = \begin{pmatrix} 8 \\ 8 \\ 2 \end{pmatrix}.

Gegeben sind eine Matrix AA mit drei Zeilen und drei Spalten und ein Vektor bb mit drei Zahlen. Gesucht ist der Vektor xx mit drei Unbekannten x1x_1, x2x_2, x3x_3, für den A⋅x=bA \cdot x = b gilt.

Das ist ein lineares Gleichungssystem (LGS): drei Gleichungen, drei Unbekannte. Zeile für Zeile ausgeschrieben lautet es:

x1+2x2+x3=82x1+3x2+x3=8−x1−2x2+x3=2\begin{aligned} x_1 + 2x_2 + x_3 &= 8 \\ 2x_1 + 3x_2 \phantom{{}+x_3} &= 8 \\ -x_1 - 2x_2 + x_3 &= 2 \end{aligned}

„Streng nach dem Algorithmus“ heißt: Wir halten uns an das Verfahren der Vorlesung (Skript Lineare Algebra und Geometrie, Kapitel 3.3). Es steht in Schritt 2 vollständig da. „Ohne Spaltenoperationen“ heißt: Wir verändern nur Zeilen, nie Spalten. „Mit Rückwärtseinsetzen“ heißt: Die Unbekannten werden am Ende von unten nach oben berechnet.

So gehen wir vor:

  1. Das LGS als Tabelle (A∣b)(A|b) aufschreiben.
  2. Die Regeln des Algorithmus lesen und das erste Diagonalelement prüfen.
  3. Nullen unter der Diagonale erzeugen: II−2⋅I\text{II} - 2 \cdot \text{I}, dann III+I\text{III} + \text{I}, dann prüfen, ob in der zweiten Spalte noch etwas zu tun ist.
  4. Rückwärtseinsetzen: zuerst x3x_3, dann x2x_2, dann x1x_1.
  5. Probe in den drei ursprünglichen Gleichungen.
Merke: Der Algorithmus hat zwei Hälften. Erst Zeilen so umformen, dass links unten nur Nullen stehen (Dreiecksform). Dann von der letzten Zeile nach oben auflösen.

Das LGS als Tabelle (A|b) schreiben

Zeile I, II, III sind die drei Gleichungen
(A∣b)=(12182308−1−212)IIIIII(A|b) = \left(\begin{array}{ccc|c} 1 & 2 & 1 & 8 \\ 2 & 3 & 0 & 8 \\ -1 & -2 & 1 & 2 \end{array}\right) \begin{array}{l} \text{I} \\ \text{II} \\ \text{III} \end{array}

Beim Rechnen stören die Buchstaben x1x_1, x2x_2, x3x_3 und die Plus- und Gleichheitszeichen. Wichtig sind nur die Zahlen davor. Darum schreibt man sie als Tabelle: links die Zahlen von AA, rechts hinter einem senkrechten Strich die Zahlen von bb. Diese Tabelle heißt erweiterte Matrix und wird (A∣b)(A|b) geschrieben.

Jede Zeile ist eine Gleichung. Die erste Spalte gehört zu x1x_1, die zweite zu x2x_2, die dritte zu x3x_3. In der zweiten Gleichung kommt kein x3x_3 vor, dort steht darum eine 00.

Die Zeilen bekommen die Namen I, II und III. Damit lässt sich später genau sagen, welche Zeile mit welcher verrechnet wird.

Die Regeln des Algorithmus und das erste Diagonalelement

Skript · Algorithmus nach Gauß, erste Hälfte

Für i=1i = 1 bis n−1n - 1: Prüfe, ob aii≠0a_{ii} \neq 0 ist; falls nicht, Zeilentausch. Für j=i+1j = i + 1 bis nn:

(neue Zeile)j=(alte Zeile)j−ajiaii⋅(alte Zeile)i(\text{neue Zeile})_j = (\text{alte Zeile})_j - \frac{a_{ji}}{a_{ii}} \cdot (\text{alte Zeile})_i

Hier ist n=3n = 3. Die Prüfung für i=1i = 1: a11a_{11} ist die Zahl in Zeile I, Spalte 1.

Erstes Diagonalelement
a11=1≠0a_{11} = 1 \neq 0

Das Skript erlaubt für (A∣b)(A|b) drei elementare Umformungen: zwei Zeilen vertauschen, eine Zeile mit einer Zahl k≠0k \neq 0 malnehmen und ein Vielfaches einer Zeile zu einer anderen Zeile addieren. Das Skript zeigt auch: Solche Zeilenumformungen ändern die Lösung des Gleichungssystems nicht. Beim Vertauschen steht nur die Reihenfolge der Gleichungen anders. Wir benutzen hier nur das Abziehen eines Vielfachen einer Zeile von einer anderen und, falls nötig, das Vertauschen.

Spaltenumformungen verbietet die Aufgabe. Sie würden die Zuordnung der Spalten zu x1x_1, x2x_2, x3x_3 durcheinanderbringen.

Das Ziel ist die obere Dreiecksform: Unter der Diagonale (von links oben nach rechts unten) stehen nur Nullen. Der Algorithmus geht dafür die Diagonalelemente aiia_{ii} von i=1i = 1 bis i=n−1i = n - 1 durch, hier also i=1i = 1 und i=2i = 2. Mit nn ist die Zahl der Unbekannten gemeint, hier n=3n = 3.

Die Buchstaben der Formel unten: ii ist die Nummer der Spalte, die gerade bearbeitet wird. jj ist die Nummer der Zeile, die gerade verändert wird. Mit ajia_{ji} ist die Zahl in Zeile jj und Spalte ii gemeint, mit aiia_{ii} die Zahl in Zeile ii und Spalte ii. Der Bruch aji/aiia_{ji}/a_{ii} sagt, wie oft Zeile ii von Zeile jj abgezogen wird.

Wichtig: aija_{ij} ist immer die Zahl, wie sie in der Matrix gerade dasteht, also nach den bisherigen Umformungen und nicht in der ursprünglichen Matrix AA. Beim zweiten Durchlauf ist a22a_{22} darum nicht mehr 33 wie in AA, sondern −1-1.

Bei jedem ii wird zuerst geprüft, ob aiia_{ii} ungleich 0 ist. Es wird gleich als Nenner eines Bruchs gebraucht, und durch 0 darf man nicht teilen. Ist es 0, tauscht man die Zeile mit einer Zeile weiter unten.

Hier ist a11=1a_{11} = 1, also gibt es nichts zu tauschen.

Noch 7 Schritte bis zum Ergebnis
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Die Matrix in drei Zuständen

und die Lösung am Ende

Abbildung 1Die Matrix in drei Zuständen

und die Lösung am Ende

Anfang
x₁x₂x₃rechts
I1218
II2308
III−1−212
Nach II − 2·I
x₁x₂x₃rechts
I1218
II0−1−2−8
III−1−212
Dreiecksform (nach III + I)
x₁x₂x₃rechts
I1218
II0−1−2−8
III00210
Rückwärtseinsetzen: von unten nach oben
x₃ = 5
x₂ = −2
x₁ = 7
LegendeZeile, die benutzt wirdZeile, die entsteht oder berechnet wirdDie Matrix (A|b) im Anfangszustand. Darunter, noch blass, die Dreiecksform und die Lösung.