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LAG · Übungsblatt 8 · Aufgabe 3

Determinante einer Bandmatrix als Rekursion

Gesucht ist die Determinante einer großen Matrix, die fast nur aus Nullen besteht. Statt sie direkt auszurechnen, führen wir sie auf die Determinanten der kleineren Matrizen derselben Art zurück. So entsteht eine Rekursion: eine Formel, die einen Wert aus den vorherigen Werten berechnet. Rechts steht die Matrix für n=5n = 5 als Beispiel, links der Lösungsweg. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Welche Determinante hat die folgende n×nn \times n-Matrix?

An=(1a00⋯00a1a0⋯000a1a⋯00⋮⋮⋮⋮⋮⋮⋮⋮⋮⋮⋮⋮0000⋯1a0000⋯a1)A_n = \begin{pmatrix} 1 & a & 0 & 0 & \cdots & 0 & 0 \\ a & 1 & a & 0 & \cdots & 0 & 0 \\ 0 & a & 1 & a & \cdots & 0 & 0 \\ \vdots & \vdots & \vdots & \vdots & & \vdots & \vdots \\ \vdots & \vdots & \vdots & \vdots & & \vdots & \vdots \\ 0 & 0 & 0 & 0 & \cdots & 1 & a \\ 0 & 0 & 0 & 0 & \cdots & a & 1 \end{pmatrix}

Im Original stehen in den Zeilen 4 und 5 nur Doppelpunkte als Auslassung, und in Zeile 3 fehlt das ⋯\cdots; hier ergänzt. Gemeint ist dasselbe Muster bis zur letzten Zeile.

Die Matrix AnA_n hat nn Zeilen und nn Spalten. Auf der Hauptdiagonale (von oben links nach unten rechts) steht überall 1. Direkt darüber und direkt darunter steht überall die Zahl aa. Alle anderen Einträge sind 0. Eine solche Matrix heißt Bandmatrix, weil die Einträge ungleich 0 ein schmales Band um die Diagonale bilden.

aa ist eine feste, aber beliebige reelle Zahl. Gesucht ist also keine Zahl, sondern ein Ausdruck in aa und nn. Wir kürzen ab:

dn=det⁡(An)d_n = \det(A_n)

Für jedes nn ist das eine eigene Matrix: A1A_1 ist 1×11 \times 1, A2A_2 ist 2×22 \times 2 und so weiter. Für ein allgemeines nn können wir die Matrix nicht ausschreiben und direkt rechnen. Darum suchen wir einen Zusammenhang zwischen dnd_n und den Determinanten der kleineren Matrizen.

Merke: Eine Rekursion gibt dnd_n durch frühere Werte an, hier durch dn−1d_{n-1} und dn−2d_{n-2}. Zusammen mit den Startwerten d1d_1 und d2d_2 legt sie jedes dnd_n fest.

So gehen wir vor:

  1. det⁡(An)\det(A_n) nach der ersten Zeile entwickeln.
  2. Die beiden entstehenden kleineren Determinanten durch dn−1d_{n-1} und dn−2d_{n-2} ausdrücken; daraus folgt die Rekursion.
  3. Die Startwerte d1d_1 und d2d_2 direkt ausrechnen.
  4. Die Rekursion an kleinen Matrizen prüfen.

Die Musterlösung gibt als Antwort ebenfalls die Rekursion mit Startwerten an. Eine geschlossene Formel (ohne frühere Werte) steht am Ende als Ergänzung.

Nach der ersten Zeile entwickeln

Entwicklung einer n×n-Matrix M nach Zeile 1, allgemein
det⁡(M)=∑j=1n(−1)1+j⋅m1j⋅det⁡(S1j)\det(M) = \sum_{j=1}^{n} (-1)^{1+j} \cdot m_{1j} \cdot \det(S_{1j})
Erste Zeile von A_n: 1, a, 0, …, 0 eingesetzt
dn=(−1)1+1⋅1⋅det⁡(S11)+(−1)1+2⋅a⋅det⁡(S12)+0+⋯+0d_n = (-1)^{1+1} \cdot 1 \cdot \det(S_{11}) + (-1)^{1+2} \cdot a \cdot \det(S_{12}) + 0 + \dots + 0
dn=(+1)⋅1⋅det⁡(S11)+(−1)⋅a⋅det⁡(S12)d_n = (+1) \cdot 1 \cdot \det(S_{11}) + (-1) \cdot a \cdot \det(S_{12})
Aus Ü8 A2 („Determinante einer 4×4-Matrix: Entwicklung und Gauß“): Die Determinante einer n×nn \times n-Matrix lässt sich nach einer Zeile entwickeln (Laplace-Entwicklung): Jeder Eintrag der Zeile wird mit einem Vorzeichen und mit der Determinante seiner Streichmatrix multipliziert. Die Streichmatrix SijS_{ij} ist die Matrix ohne Zeile ii und ohne Spalte jj. Das Vorzeichen ist (−1)i+j(-1)^{i+j}. Nach einer Spalte geht es genauso. In Ü8 A2 hieß die Streichmatrix AijA_{ij}; hier heißt sie SijS_{ij}, damit sie nicht mit AnA_nverwechselt wird.

Warum die erste Zeile? Sie hat nur zwei Einträge ungleich 0: die 1 in Spalte 1 und das aa in Spalte 2. Alle anderen Summanden enthalten den Faktor 0 und fallen weg. Es bleiben also nur zwei kleinere Determinanten übrig.

In der allgemeinen Formel ist m1jm_{1j} der Eintrag in Zeile 1 und Spalte jj; das Summenzeichen ∑\sum addiert die Summanden für j=1j = 1 bis nn. Wir schreiben mm statt aa, damit keine Verwechslung mit der Zahl aa der Aufgabe entsteht.

Die Vorzeichen: an der Stelle (1, 1) ist (−1)1+1=+1(-1)^{1+1} = +1, an der Stelle (1, 2) ist (−1)1+2=−1(-1)^{1+2} = -1.

Erster Summand: wieder dieselbe Bandmatrix

Beispiel n = 5: Zeile 1 und Spalte 1 gestrichen
S11=(1a00a1a00a1a00a1)=A4S_{11} = \begin{pmatrix} 1 & a & 0 & 0 \\ a & 1 & a & 0 \\ 0 & a & 1 & a \\ 0 & 0 & a & 1 \end{pmatrix} = A_4
Allgemein
S11=An−1⇒(+1)⋅1⋅det⁡(S11)=dn−1S_{11} = A_{n-1} \quad\Rightarrow\quad (+1) \cdot 1 \cdot \det(S_{11}) = d_{n-1}

Wir streichen Zeile 1 und Spalte 1 von AnA_n. Übrig bleiben die Zeilen und Spalten 2 bis nn. Dort steht wieder 1 auf der Diagonale, aa direkt daneben und sonst 0.

Das ist genau die Bandmatrix mit einer Zeile und einer Spalte weniger, also An−1A_{n-1}. Ihre Determinante ist nach unserer Abkürzung dn−1d_{n-1}.

Noch 7 Schritte bis zum Ergebnis
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Die Bandmatrix für n = 5

und die Matrix B aus Schritt 3

Abbildung 1Die Bandmatrix für n = 5

und die Matrix B aus Schritt 3

A₅ (Beispiel n = 5)
1
a
0
0
0
a
1
a
0
0
0
a
1
a
0
0
0
a
1
a
0
0
0
a
1
B: A₅ ohne Zeile 1 und Spalte 2
a
a
0
0
0
1
a
0
0
a
1
a
0
0
a
1
LegendeEintrag, um den es gehtEcke oben linksdurchgestrichen: gestrichene Zeile oder SpalteDie Matrix für n = 5 als Beispiel: 1 auf der Diagonale, a direkt daneben, sonst 0.