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LAG · Übungsblatt 8 · Aufgabe 5

Die Cramersche Regel beweisen

Die Cramersche Regel löst ein lineares Gleichungssystem mit Determinanten: Jede Unbekannte ist ein Bruch aus zwei Determinanten. Zu beweisen ist, dass das immer stimmt, sobald das System genau eine Lösung hat. Der Trick ist eine kleine Hilfsmatrix. Am Ende wird die Regel an einem System mit zwei Unbekannten vorgeführt. Rechts baut sich der Beweis Zeile für Zeile auf. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran. Ein Klick auf einen Schritt springt direkt dorthin.

Die Aufgabe

Beweisen Sie die Cramersche Regel (Kapitel 5.3).

Satz · Cramersche Regel (Skript, Kapitel 5.3)

Sei ein lineares Gleichungssystem A⋅x=bA \cdot x = b eindeutig lösbar, d.h. rang⁡(A)=n\operatorname{rang}(A) = n. Sei ferner die Matrix AiA_i die Matrix, die entsteht, wenn man in der Matrix AA die ii-te Spalte durch bb ersetzt. Dann folgt für die ii-te Komponente xix_i des Lösungsvektors xx

xi=det⁡(Ai)det⁡(A)x_i = \frac{\det(A_i)}{\det(A)}
Die Matrix Aᵢ: in A steht b an der Stelle der i-ten Spalte
Ai=(a11⋯a1,i−1b1a1,i+1⋯a1n⋮⋮⋮⋮⋮an1⋯an,i−1bnan,i+1⋯ann)A_i = \begin{pmatrix} a_{11} & \cdots & a_{1,i-1} & b_1 & a_{1,i+1} & \cdots & a_{1n} \\ \vdots & & \vdots & \vdots & \vdots & & \vdots \\ a_{n1} & \cdots & a_{n,i-1} & b_n & a_{n,i+1} & \cdots & a_{nn} \end{pmatrix}
Ai=(a1  ⋯  ai−1    b    ai+1  ⋯  an)A_i = \big(a_1 \;\cdots\; a_{i-1} \;\; b \;\; a_{i+1} \;\cdots\; a_n\big)

Die Aufgabe nennt die Regel nicht selbst, sondern verweist auf Kapitel 5.3 des Skripts. Darum steht links der Satz aus dem Skript im Wortlaut.

Was gegeben ist: ein lineares Gleichungssystem A⋅x=bA \cdot x = b mit nn Gleichungen und nn Unbekannten x1,…,xnx_1, \ldots, x_n. AA ist also eine quadratische Matrix mit nn Zeilen und nn Spalten (kurz n×nn \times n). Nur für quadratische Matrizen gibt es eine Determinante. bb ist die rechte Seite, xx der Vektor der Unbekannten. Das System hat genau eine Lösung xx; das Skript sagt dazu „eindeutig lösbar“.

Der Rang von AA ist die Zahl der linear unabhängigen Spalten (sie ist gleich der Zahl der linear unabhängigen Zeilen). Warum ist er hier nn? Wären die Spalten linear abhängig, gäbe es einen Vektor y≠0y \neq 0 mit A⋅y=0A \cdot y = 0. Dann wäre auch x+yx + y eine Lösung, denn A⋅(x+y)=b+0=bA \cdot (x + y) = b + 0 = b. Das System hätte also zwei verschiedene Lösungen. Weil es nur eine hat, sind alle nn Spalten linear unabhängig: rang⁡(A)=n\operatorname{rang}(A) = n. Das meint das „d.h.“ im Satz.

Was gezeigt werden soll: Ersetzt man in AA die ii-te Spalte durch bb, heißt die neue Matrix AiA_i. Dann ist die ii-te Unbekannte xix_i genau der Bruch xi=det⁡(Ai)det⁡(A)x_i = \frac{\det(A_i)}{\det(A)}. Das soll für jedes ii von 1 bis nn gelten.

Merke: Die Idee des Beweises: Man findet eine Matrix CiC_i mit A⋅Ci=AiA \cdot C_i = A_i und det⁡(Ci)=xi\det(C_i) = x_i. Dann liefert die Produktregel für Determinanten die Behauptung.

So gehen wir vor:

  1. Die Hilfsmatrix CiC_i aufstellen.
  2. Zeigen: A⋅Ci=AiA \cdot C_i = A_i. Dafür zuerst zwei Regeln, wie man Matrizen Spalte für Spalte multipliziert.
  3. Zeigen: det⁡(Ci)=xi\det(C_i) = x_i.
  4. Produktregel anwenden, dann durch det⁡(A)\det(A) teilen (dafür det⁡(A)≠0\det(A) \neq 0 begründen).
  5. Die Regel an einem Beispiel mit zwei Unbekannten vorführen.

Die Hilfsmatrix Cᵢ

Einheitsmatrix, i-te Spalte durch x ersetzt
Ci=(e1  ⋯  ei−1    x    ei+1  ⋯  en)C_i = \big(e_1 \;\cdots\; e_{i-1} \;\; x \;\; e_{i+1} \;\cdots\; e_n\big)
Ci=(1⋯0x10⋯0⋮⋱⋮⋮0⋯1xi−10⋯00⋯0xi0⋯00⋯0xi+11⋯0⋮⋮⋱⋮0⋯0xn0⋯1)C_i = \begin{pmatrix} 1 & \cdots & 0 & x_1 & 0 & \cdots & 0 \\ \vdots & \ddots & & \vdots & & & \vdots \\ 0 & \cdots & 1 & x_{i-1} & 0 & \cdots & 0 \\ 0 & \cdots & 0 & x_i & 0 & \cdots & 0 \\ 0 & \cdots & 0 & x_{i+1} & 1 & \cdots & 0 \\ \vdots & & & \vdots & & \ddots & \vdots \\ 0 & \cdots & 0 & x_n & 0 & \cdots & 1 \end{pmatrix}
Beispiel: n = 3, i = 2
C2=(1x100x200x31)C_2 = \begin{pmatrix} 1 & x_1 & 0 \\ 0 & x_2 & 0 \\ 0 & x_3 & 1 \end{pmatrix}

Ab jetzt ist ii eine feste, aber beliebige Zahl zwischen 1 und nn. Was wir für dieses ii zeigen, gilt damit für jedes ii.

Gesucht ist ein Zusammenhang zwischen xix_i und zwei Determinanten. Eine Regel, die Determinanten verbindet, ist die Produktregel det⁡(A⋅C)=det⁡(A)⋅det⁡(C)\det(A \cdot C) = \det(A) \cdot \det(C). Sie hilft, wenn wir eine Matrix CC finden mit zwei Eigenschaften: A⋅CA \cdot C ist genau AiA_i, und det⁡(C)\det(C) ist genau xix_i.

Der Hinweis der Musterlösung nennt diese Matrix. Der Einheitsvektor eje_j hat in Zeile jj eine 1 und sonst nur Nullen. Die Einheitsmatrix EnE_n hat die Spalten e1,…,ene_1, \ldots, e_n, also Einsen auf der Diagonale und sonst Nullen. In EnE_n ersetzt man die ii-te Spalte durch den Lösungsvektor xx. Diese Matrix heißt CiC_i. Es gibt sie, weil das System eine Lösung xx hat.

Matrix mal Vektor, Spalte für Spalte

A als Reihe ihrer Spalten
A=(a1    a2    ⋯    an)A = \big(a_1 \;\; a_2 \;\; \cdots \;\; a_n\big)
Matrix mal Vektor = Summe der gewichteten Spalten
A⋅v=v1 a1+v2 a2+⋯+vn anA \cdot v = v_1 \, a_1 + v_2 \, a_2 + \cdots + v_n \, a_n
Fall 1: v = eⱼ, nur der Faktor vor aⱼ ist 1, alle anderen 0
A⋅ej=0⋅a1+⋯+1⋅aj+⋯+0⋅an=ajA \cdot e_j = 0 \cdot a_1 + \cdots + 1 \cdot a_j + \cdots + 0 \cdot a_n = a_j
Fall 2: v = x, die Lösung des Systems
A⋅x=x1 a1+x2 a2+⋯+xn an=bA \cdot x = x_1 \, a_1 + x_2 \, a_2 + \cdots + x_n \, a_n = b
Beispiel mit n = 2
(2113)⋅(10)=(2⋅1+1⋅01⋅1+3⋅0)=(21)=Spalte 1\begin{pmatrix} 2 & 1 \\ 1 & 3 \end{pmatrix} \cdot \begin{pmatrix} 1 \\ 0 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 2 \cdot 1 + 1 \cdot 0 \\ 1 \cdot 1 + 3 \cdot 0 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 2 \\ 1 \end{pmatrix} = \text{Spalte 1}

Um A⋅CiA \cdot C_i auszurechnen, brauchen wir, was AA mit den Spalten von CiC_i macht: mit eje_j und mit xx. Dafür schreiben wir AA als Reihe ihrer Spalten a1,…,ana_1, \ldots, a_n. Die Zahl in Zeile kk und Spalte jj heißt akja_{kj}; die Spalte aja_j enthält also a1j,…,anja_{1j}, \ldots, a_{nj}.

Für einen Vektor vv ist die kk-te Zahl von A⋅vA \cdot v gleich ak1v1+⋯+aknvna_{k1} v_1 + \cdots + a_{kn} v_n. Liest man das für alle Zeilen zugleich, steht da: v1v_1 mal Spalte 1 plus v2v_2 mal Spalte 2 und so weiter.

Zwei Fälle davon brauchen wir. Mit v=ejv = e_j bleibt nur Spalte jj übrig: A⋅ej=ajA \cdot e_j = a_j. Und die Gleichung A⋅x=bA \cdot x = b sagt: Die Spalten von AA, gewichtet mit x1,…,xnx_1, \ldots, x_n, ergeben bb.

Noch 11 Schritte bis zum Ergebnis
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Beweis

Zeile für Zeile, Grund am Pfeil

Abbildung 1Beweis

Zeile für Zeile, Grund am Pfeil

  1. A⋅x=b eindeutig lo¨sbar,  A ist n×n,  rang⁡(A)=nA \cdot x = b \text{ eindeutig lösbar},\ \ A \text{ ist } n \times n,\ \ \operatorname{rang}(A) = nVoraussetzung
  2. Hilfsmatrix wählen
    Ci=(e1  ⋯  ei−1    x    ei+1  ⋯  en)C_i = \big(e_1 \;\cdots\; e_{i-1} \;\; x \;\; e_{i+1} \;\cdots\; e_n\big)
  3. spaltenweise rechnen: A·eⱼ = aⱼ und A·x = b
    A⋅Ci=(a1⋯ai−1    b    ai+1⋯an)=AiA \cdot C_i = \big(a_1 \cdots a_{i-1} \;\; b \;\; a_{i+1} \cdots a_n\big) = A_i
  4. nach Zeile i entwickeln, Rest ist Eₙ₋₁
    det⁡(Ci)=xi\det(C_i) = x_i
  5. Produktregel: det(A·Cᵢ) = det(A)·det(Cᵢ)
    det⁡(Ai)=det⁡(A)⋅det⁡(Ci)=det⁡(A)⋅xi\det(A_i) = \det(A) \cdot \det(C_i) = \det(A) \cdot x_i
  6. aus Zeile 1: rang(A) = n, also det(A) ≠ 0 (Rangregel)
    det⁡(A)≠0\det(A) \neq 0
  7. Zeile 5 durch det(A) ≠ 0 teilen
    xi=det⁡(Ai)det⁡(A)x_i = \frac{\det(A_i)}{\det(A)}gezeigt
Legendegerade gemeintBehauptung (gezeigt)Der ganze Beweis auf einen Blick: oben die Voraussetzung, unten die Regel. Am Pfeil steht jeweils der Grund.