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LAG · Übungsblatt 9 · Aufgabe 1

Eigenwerte der transponierten und der inversen Matrix

Zwei Beweise über Eigenwerte: Zahlen, mit denen eine Matrix bestimmte Vektoren nur streckt, staucht oder umdreht. Zuerst klären wir die Begriffe an einem Beispiel. Dann zeigen wir a) mit dem charakteristischen Polynom und b) direkt mit der Gleichung A⋅x=λ⋅xA \cdot x = \lambda \cdot x. Rechts baut sich jeder Beweis Zeile für Zeile auf, am Pfeil steht der Grund. Mit Weiter geht es Schritt für Schritt voran.

Die Aufgabe

a) Zeigen Sie, dass die Eigenwerte einer n×nn \times n-Matrix AA gleich den Eigenwerten ihrer transponierten Matrix ATA^T sind.

b) Für reguläre n×nn \times n-Matrizen AA gilt: Die Eigenwerte der Inversen A−1A^{-1} sind die Kehrwerte der Eigenwerte von AA. Beweisen Sie diese Aussage.

AA ist eine quadratische Matrix mit nn Zeilen und nn Spalten. Zwei Aussagen über ihre Eigenwerte sollen bewiesen werden. Ein Beweis muss für jede solche Matrix gelten. Ein Zahlenbeispiel hilft beim Verstehen, ersetzt den Beweis aber nicht.

  • a) ATA^T (gesprochen „A transponiert“) entsteht aus AA, wenn man Zeilen und Spalten tauscht. Zu zeigen: ATA^T und AA haben genau dieselben Eigenwerte.
  • b) AA ist regulär: Es gibt eine inverse Matrix A−1A^{-1} mit A−1⋅A=A⋅A−1=EA^{-1} \cdot A = A \cdot A^{-1} = E. EE ist die Einheitsmatrix (Einsen auf der Diagonale, sonst Nullen). Zu zeigen: Die Eigenwerte von A−1A^{-1} sind genau die Kehrwerte 1λ\frac{1}{\lambda} der Eigenwerte λ\lambda von AA.

So gehen wir vor:

  1. Begriffe: Eigenwert, Eigenvektor und charakteristisches Polynom.
  2. a) Das charakteristische Polynom von ATA^T ist das von AA.
  3. b) Vorarbeit: Eine reguläre Matrix hat nie den Eigenwert 0. Sonst gäbe es 1λ\frac{1}{\lambda} gar nicht.
  4. b) Richtung ⇒: Aus einem Eigenwert λ\lambda von AA wird ein Eigenwert 1λ\frac{1}{\lambda} von A−1A^{-1}.
  5. b) Richtung ⇐: Jeder Eigenwert von A−1A^{-1} ist so ein Kehrwert.

Eigenwert und Eigenvektor

Definition: λ ist Eigenwert von A, x ein Eigenvektor dazu
A⋅x=λ⋅xmit x≠0A \cdot x = \lambda \cdot x \quad \text{mit } x \neq 0

Eine Matrix AA macht aus einem Vektor xx einen neuen Vektor A⋅xA \cdot x. Meist zeigt der neue Vektor in eine andere Richtung. Manche Vektoren werden aber nur gestreckt, gestaucht oder umgedreht (bei negativem Faktor). Sie bleiben auf ihrer Geraden. Für sie ist A⋅xA \cdot x ein Vielfaches von xx.

Den Faktor nennt man Eigenwert und schreibt ihn λ\lambda (griechisch „lambda“). Den Vektor xx nennt man Eigenvektor zum Eigenwert λ\lambda. Der Nullvektor zählt nicht: Für x=0x = 0 gilt A⋅0=λ⋅0A \cdot 0 = \lambda \cdot 0 bei jeder Zahl λ\lambda.

Beispiel rechts: A=(4123)A = \begin{pmatrix} 4 & 1 \\ 2 & 3 \end{pmatrix} macht aus x=(11)x = \begin{pmatrix} 1 \\ 1 \end{pmatrix} den Vektor (4+12+3)=(55)\begin{pmatrix} 4 + 1 \\ 2 + 3 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 5 \\ 5 \end{pmatrix}. Das ist 5⋅x5 \cdot x. Also ist 5 ein Eigenwert von AA.

Das charakteristische Polynom

Von der Definition zum charakteristischen Polynom
A⋅x=λ⋅x fu¨r ein x≠0  ⟺   A⋅x−λE⋅x=0 fu¨r ein x≠0  ⟺   (A−λE)⋅x=0 fu¨r ein x≠0  ⟺   rang⁡(A−λE)<n  ⟺   pA(λ)=det⁡(A−λE)=0\begin{aligned} & A \cdot x = \lambda \cdot x \text{ für ein } x \neq 0 \\ \iff\ & A \cdot x - \lambda E \cdot x = 0 \text{ für ein } x \neq 0 \\ \iff\ & (A - \lambda E) \cdot x = 0 \text{ für ein } x \neq 0 \\ \iff\ & \operatorname{rang}(A - \lambda E) < n \\ \iff\ & p_A(\lambda) = \det(A - \lambda E) = 0 \end{aligned}

Für Teil a) brauchen wir eine zweite Art, Eigenwerte zu finden. Wir formen die Definition um. Jede Zeile rechts ist gleichwertig zur vorigen (Zeichen   ⟺  \iff, „genau dann, wenn“). Das ist wichtig: So gilt das Ergebnis in beide Richtungen.

  1. λ⋅x\lambda \cdot x auf die linke Seite bringen. Dann λ⋅x\lambda \cdot x als (λE)⋅x(\lambda E) \cdot x schreiben, denn E⋅x=xE \cdot x = x. Erst jetzt stehen links zwei Matrizen mal xx, und man kann xx ausklammern.
  2. (A−λE)⋅x(A - \lambda E) \cdot x ist eine Summe der Spalten von A−λEA - \lambda E, mit den Einträgen von xx als Faktoren. Ein x≠0x \neq 0 mit Ergebnis 0 gibt es genau dann, wenn die Spalten linear abhängig sind. Das heißt: Der Rang (die größte Zahl linear unabhängiger Spalten) ist kleiner als nn.
  3. Rang kleiner als nn heißt nach Regel 4: Die Determinante ist 0.

Rechnet man det⁡(A−λE)\det(A - \lambda E) aus (Leibniz-Formel, Ü8 A2), entstehen nur Produkte und Summen mit λ\lambda. Das Ergebnis ist ein Polynom in λ\lambda, im Beispiel vom Grad 2. Es heißt charakteristisches Polynom pA(λ)p_A(\lambda). Die Eigenwerte sind genau seine Nullstellen. Im Beispiel: pA(λ)=(4−λ)(3−λ)−1⋅2=λ2−7λ+10p_A(\lambda) = (4 - \lambda)(3 - \lambda) - 1 \cdot 2 = \lambda^2 - 7\lambda + 10 mit den Nullstellen 2 und 5.

Aus Ü2 A4 („Lineare Unabhängigkeit im ℝ³ prüfen“): Vektoren sind linear abhängig, wenn eine Summe ihrer Vielfachen den Nullvektor ergibt, ohne dass alle Faktoren 0 sind.
Aus Ü8 A1 („Zehn Rechenregeln für Determinanten an 2×2-Matrizen nachweisen“): Regel 4: det⁡(M)=0  ⟺  rang⁡(M)<n\det(M) = 0 \iff \operatorname{rang}(M) < n. Sie gilt für jede n×nn \times n-Matrix MM (Vorlesung, Kapitel 5.1). In Ü8 A1 haben wir sie für 2×2-Matrizen nachgerechnet; hier nutzen wir sie für n×nn \times n.
Noch 13 Schritte bis zum Ergebnis
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Beispiel

eine 2×2-Matrix und ihre Eigenwerte

Abbildung 1Beispiel

eine 2×2-Matrix und ihre Eigenwerte

A=(4123)A = \begin{pmatrix} 4 & 1 \\ 2 & 3 \end{pmatrix}
A⋅(11)=(55)=5⋅(11)A \cdot \begin{pmatrix} 1 \\ 1 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix} 5 \\ 5 \end{pmatrix} = 5 \cdot \begin{pmatrix} 1 \\ 1 \end{pmatrix}
pA(λ)=λ2−7λ+10=(λ−2)(λ−5)p_A(\lambda) = \lambda^2 - 7\lambda + 10 = (\lambda - 2)(\lambda - 5)
LegendeEin Beispiel für Eigenwerte.