Worum es geht: Das Statistische Bundesamt (die Behörde für amtliche Statistiken in Deutschland) hat Haushalte nach ihrem monatlichen Nettoeinkommen gefragt: dem Geld, das nach Steuern und Abgaben übrig bleibt. Im Aufgabentext steht ein Wort zu viel („für die das“); gemeint ist „für das monatlich verfügbare Nettoeinkommen“.
TEUR heißt Tausend Euro: 1,3 TEUR sind 1.300 €. Die Tabelle teilt die Einkommen in fünf Bereiche, die Klassen. Für jede Klasse steht dort der Anteil der Haushalte, die in ihr liegen. Dieser Anteil heißt relative Häufigkeit; die Tabelle schreibt ihn als f(x).
Aus Blatt 1, Aufgabe 7 („Haushaltseinkommen: Median, Mittelwert, Histogramm“): Dieselbe Tabelle wurde dort schon benutzt. Der Median, das Einkommen in der Mitte, kam auf etwa 3,3 TEUR: Die Hälfte der Haushalte hat weniger. Das Verfahren von dort wird hier wiederholt, nur mit anderen Anteilen.
Gesucht:
- a) das 1. Quartil: das Einkommen, unter dem 25 % der Haushalte liegen, mit einem Satz zur Bedeutung;
- b) das 3. Quartil: das Einkommen, unter dem 75 % der Haushalte liegen, ebenfalls mit einem Satz.
„Berechnen und interpretieren“ heißt in der Klausur: die Zahl mit Rechenweg und dazu ein Satz im Sachzusammenhang, mit Einheit. Erst der Satz bringt die volle Punktzahl.
Der Weg:
- Tabelle lesen, Anteile aufsummieren und klären, was ein Quartil ist (Schritte 1 bis 3).
- a) Klasse suchen, in der 25 % erreicht werden, darin rechnen, deuten (Schritte 4 bis 6).
- b) dasselbe mit 75 % (Schritte 7 bis 9).
Merke: Bei Daten in Klassen kennt man nur, wie viele Werte in einem Bereich liegen, nicht wo genau. Quartile sind deshalb Näherungen, man schreibt „≈“: Man tut so, als lägen die Werte gleichmäßig über ihre Klasse verteilt.
fünf Klassen,
f1+⋯+f5=1Jede Zeile ist eine Klasse mit einer unteren Grenze xju und einer oberen Grenze xjo (u für unten, o für oben). j ist die Nummer der Klasse, von 1 bis 5. „Von … bis unter …“ heißt: Die untere Grenze gehört zur Klasse, die obere nicht.
fj ist der Anteil der Haushalte in Klasse j; die Tabelle nennt ihn f(x). Beispiel: f2=0,27 heißt, 27 % der Haushalte haben 1.300 € bis unter 2.600 €.
Klassenbreite heißt der Abstand der Grenzen, xjo−xju. Sie wird später gebraucht: Klasse 2 ist 1,3 TEUR breit, Klasse 4 ist 1,4 TEUR breit.
Jeder Haushalt liegt in genau einer Klasse. Die Anteile müssen zusammen 1 ergeben, also 100 %. Das ist die erste Probe.
Aus Blatt 1, Aufgabe 7 („Haushaltseinkommen: Median, Mittelwert, Histogramm“): Die erste Klasse „unter 1,3“ hat keine untere Grenze; sie heißt offen. Dort wurde angenommen: Sie beginnt bei 0, denn ein Nettoeinkommen ist nicht negativ. Für die Quartile hier wird diese Grenze nicht gebraucht; nur die Grafik beginnt bei 0.
Fj=0,09; 0,36; 0,56; 0,77; 1,00 Ein Quartil ist ein Einkommen, unter dem ein bestimmter Anteil der Haushalte liegt. Dafür braucht man an jeder Klassengrenze den Anteil der Haushalte darunter. Man addiert die Anteile von Klasse 1 an auf. Das Ergebnis heißt kumulierte relative Häufigkeit (kumuliert = angesammelt) Fj.
Fj ist der Anteil bis zur oberen Grenze von Klasse j. Jeder Wert entsteht aus dem vorigen plus dem neuen Anteil: Fj=Fj−1+fj.
Aus Blatt 1, Aufgabe 5 („Mietpreise: relative Häufigkeiten und Verteilungsfunktion“): F(x) ist der Anteil der Werte, die höchstens
x sind. Diese Funktion heißt
empirische Verteilungsfunktion.
Bei Klassen gelten die Werte als gleichmäßig über ihre Klasse verteilt. Dann sitzt auf einer Klassengrenze selbst kein Anteil, und „höchstens 2,6“ und „weniger als 2,6“ ergeben hier dieselbe Zahl.
Gelesen: F2=0,36 heißt, 36 % der Haushalte haben weniger als 2,6 TEUR. In der Grafik sind das die Ecken über den Klassengrenzen.
Aus Blatt 1, Aufgabe 4 („Klausurpunkte in Klassen: Häufigkeiten und Verteilungsfunktion“): Bei klassierten Daten ist
F ein
Linienzug: Man verbindet die Punkte über den Klassengrenzen mit geraden Linien, weil die Werte als gleichmäßig über die Klasse verteilt gelten.
x~0,25: 25 % darunter;
x~0,75: 75 % darunter
Quartile (von lateinisch „Viertel“) teilen die der Größe nach geordneten Daten in vier gleich große Teile. Das 1. Quartil oder untere Quartil hat 25 % der Werte unter sich, das 3. Quartil oder obere Quartil 75 %. Das 2. Quartil ist der Median mit 50 %.
Allgemein heißt der Wert, unter dem der Anteil p liegt, p-Quantil x~p (sprich „x Schlange p“); die Formelsammlung schreibt dafür auch „p-Quartil“. Die Formelsammlung der Klausur definiert es so: der kleinste Wert x, bei dem F(x) mindestens p erreicht. Das 1. Quartil ist x~0,25, das 3. Quartil x~0,75.
Das Bild dazu: Man geht auf der Höhe p waagerecht bis zum Linienzug und von dort senkrecht nach unten auf die Einkommensachse. Der Punkt dort ist x~p. Gerechnet wird das in zwei Schritten, genau wie beim Median.
Merke: Quartile bei klassierten Daten rechnet man wie den Median. Man ersetzt nur 0,5 durch
p: 0,25 für das 1. Quartil, 0,75 für das 3. Quartil.
F1=0,09<0,25≤0,36=F2 ⇒ Klasse 2
1. Schritt der Formelsammlung: die Klasse j suchen, in der F die Marke p=0,25 erreicht. Unterhalb der Klasse ist der Anteil noch kleiner als 0,25, an ihrem oberen Ende mindestens 0,25:
Fj−1<0,25≤Fj
Fj−1 ist der Anteil unterhalb von Klasse j, Fj der Anteil bis zu ihrem oberen Ende.
Spalte Fj von oben lesen: 0,09 ist kleiner als 0,25. Mit 0,36 ist die Marke erreicht. Also ist j=2: Das 1. Quartil liegt in der Klasse von 1,3 bis unter 2,6 TEUR.
In der Grafik kreuzt die gestrichelte Linie auf Höhe 0,25 den Linienzug genau im Stück über Klasse 2.
x~0,25≈1,3+0,270,16⋅1,3≈2,07 TEUR
Wie viel fehlt noch? Unter der unteren Grenze 1,3 liegen 9 % der Haushalte. Bis 25 % fehlen 0,25−0,09=0,16, also 16 Prozentpunkte.
Wie weit muss man in die Klasse hinein? Klasse 2 enthält 27 % der Haushalte, gleichmäßig verteilt angenommen. Für 16 von 27 Prozentpunkten braucht man dann auch 16/27 der Klassenbreite, das sind etwa 59 %. Die Klasse ist 2,6−1,3=1,3 TEUR breit.
Dieses Vorgehen heißt lineare Interpolation: Zwischen zwei bekannten Punkten rechnet man so, als ginge es geradlinig von einem zum anderen. Es ist genau der Linienzug der Grafik. Die Formelsammlung leitet es mit dem Strahlensatz her: Ab der Ecke (1,3; 0,09) steigt der Linienzug bis 2,6 um 0,27, bis zum Quartil nur um 0,16. Die waagerechten Strecken verhalten sich genauso: Der Weg in die Klasse verhält sich zur Klassenbreite 1,3 wie 0,16 zu 0,27: 0,270,16=1,3Weg.
2. Schritt der Formelsammlung, die Zeichen: xju und xjo sind untere und obere Grenze der Klasse, F(xju) der Anteil unterhalb der Klasse (hier F1), fj der Anteil in der Klasse.
Gerundet wird erst am Ende, auf zwei Nachkommastellen in TEUR. Das sind ganze 10 €.
Merke: Im Zähler steht der Anteil, der bis
p noch fehlt (
p minus Anteil
unter der Klasse). Im Nenner steht der Anteil
in der Klasse. Mal genommen wird die Breite
dieser Klasse.
Ein Viertel der Haushalte hat weniger als etwa 2.070 € netto im Monat.
„Interpretieren“ heißt: ein Satz im Sachzusammenhang, mit Zahl und Einheit. Nicht „das 1. Quartil ist 2,07“, sondern was die Zahl über die Haushalte sagt.
2,07 TEUR sind 2.070 €. „Etwa“ steht im Satz, weil der Wert durch lineare Interpolation entstanden ist: Wie die Einkommen innerhalb der Klasse 1,3 bis 2,6 wirklich liegen, verrät die Tabelle nicht.
Das Quartil teilt die Haushalte in zwei Gruppen: 25 % darunter, 75 % darüber. Beide Hälften des Satzes gehören zur vollständigen Deutung.
F3=0,56<0,75≤0,77=F4 ⇒ Klasse 4
Derselbe 1. Schritt, jetzt mit p=0,75: die Klasse j mit Fj−1<0,75≤Fj suchen.
Spalte Fj von oben lesen: 0,09; 0,36 und 0,56 sind kleiner als 0,75. Mit 0,77 ist die Marke erreicht. Also ist j=4: Das 3. Quartil liegt in der Klasse von 3,6 bis unter 5 TEUR.
0,75 liegt knapp unter 0,77. Das 3. Quartil wird also nahe am oberen Ende der Klasse liegen, nahe 5 TEUR. Das ist eine gute Erwartung für die Probe.
x~0,75≈3,6+0,210,19⋅1,4≈4,87 TEUR
Wie viel fehlt noch? Unter der unteren Grenze 3,6 liegen 56 % der Haushalte. Bis 75 % fehlen 0,75−0,56=0,19, also 19 Prozentpunkte.
Wie weit muss man in die Klasse hinein? Klasse 4 enthält 21 % der Haushalte. 19 von 21 Prozentpunkten sind etwa 90 % der Klassenbreite. Die Klasse ist 5−3,6=1,4 TEUR breit, nicht 1,3 wie Klasse 2.
Dieselbe Formel wie in Teil a), mit p=0,75 und den Werten von Klasse 4. Gerundet wird wieder erst am Ende, auf zwei Nachkommastellen.
Drei Viertel der Haushalte haben weniger als etwa 4.870 € netto im Monat.
Wieder ein Satz mit Zahl und Einheit: 4,87 TEUR sind 4.870 €, als Näherung aus der linearen Interpolation.
Umgekehrt gelesen: Nur ein Viertel der Haushalte hat 4.870 € oder mehr. Zu diesem Viertel gehören die 23 % der Klasse 5 (ab 5.000 €) und die obersten 2 % aus Klasse 4 (0,77 − 0,75 = 0,02).
| Teil | Weg | Ergebnis |
|---|
| a) | F1<0,25≤F2, in Klasse 2 interpolieren | x~0,25≈2,07 |
| b) | F3<0,75≤F4, in Klasse 4 interpolieren | x~0,75≈4,87 |
In Worten: Ein Viertel der Haushalte hat weniger als etwa 2.070 € netto im Monat, drei Viertel haben weniger als etwa 4.870 €. Die mittlere Hälfte der Haushalte liegt zwischen diesen beiden Einkommen.
Plausibilität: Beide Werte liegen in ihrer Klasse. Die Reihenfolge stimmt: 1. Quartil (2,07) < Median (3,3 aus Blatt 1, Aufgabe 7) < 3. Quartil (4,87). Das 3. Quartil liegt nahe 5, weil 0,75 knapp unter F4=0,77 liegt.
Ergänzung: Der Abstand der beiden Quartile heißt Quartilsabstand Q=x~0,75−x~0,25≈4,8667−2,0704≈2,80 TEUR. Er misst, wie weit die mittlere Hälfte der Einkommen streut. Gefragt ist er hier nicht.
Rückblick: Quartile bei Klassen:
F aufsummieren, Klasse mit
Fj−1<p≤Fj suchen, fehlenden Anteil durch
fj teilen, mit der Breite dieser Klasse malnehmen, zur unteren Grenze addieren.